Tag 47 – Tran

Seit etwas über einer Woche bekommt das Baby jetzt Tran. Das ist das, was man in Deutschland unter Lebertran aus Erzählungen der Elterngeneration kennt. Es wird inzwischen nicht mehr aus Walleber hergestellt, sondern aus Kabeljau, aber im Prinzip ist es reines Fischöl. Reich an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D. Davon sollen Erwachsene und Kinder ab einem halben Jahr einen Esslöffel nehmen, kleinere Babys etwas weniger. Wenn man das nicht macht, verkümmert das kleine Babygehirn und alle springen aus dem Fenster wegen des langen Winters, zumindest wird das von der norwegischen Ernährungsgesellschaft so propagiert. Eigentlich soll man damit schon anfangen wenn das Baby vier Wochen alt ist, aber weil ich persönlich Tran ziemlich eklig finde, hab ich das wegprokrastiniert. Als mich jedoch die Schwester beim Gesundheitscheck dran erinnerte, dachte ich mir so, ach, schaden kanns ja nicht…

Also probierte ich es zuerst mit einem kleinen Plastiklöffel und „tut mir Leid, Baby, aber da musst du jetzt durch“-Gesicht und als das Baby Hunger hatte, damit es gleich mit Milch nachspülen konnte. Das war ungefähr so falsch wie nur möglich, das Baby fing an zu schreien, Tran landete auf seinen und meinen Klamotten und nur wenig in seinem Mund. Und wohin danach mit dem Löffel? Also Tran auch auf dem Tisch. Eine Katastrophe eigentlich. Vor allem, weil der Fischgeruch auch beim Waschen nicht aus der Kleidung zu bekommen ist*. E-kel-er-re-gend! Und dabei mag ich Fisch eigentlich! Aber ich will nicht, dass mein Baby so riecht!
Nachdem ich google gefragt habe, wie man Tran ins Baby bekommt, machen wir jetzt folgendes, und es funktioniert halbwegs:

  • Einen Moment abpassen, in dem das Baby satt und wach und zufrieden ist.
  • Baby nackt ausziehen (falls doch was daneben geht) und auf den Wickeltisch verfrachten.
  • Tran in einer kleinen Spritze aufziehen (ohne Nadel natürlich!) und in den Händen aufwärmen.
  • In kleinen Häppchen (ca. 0,5 mL) dem Baby zwischen Lippe/Wange und Kauleiste spritzen, möglichst weit nach hinten.
  • Falls das Baby was ausspuckt, sofort abwischen.
  • Warten, bis das Baby das runter geschluckt hat, dann das nächste Häppchen.
  • Als Abschluss unbedingt alle Hautpartien an die Tran gekommen ist, mit einem Babyöl-Läppchen nachwischen und mit einem trockenen Läppchen die Reste entfernen. Die Haut stinkt sonst nach Fisch und zwar so ziemlich für immer.
  • Positiv bleiben. Lächeln, sich mit dem Baby unterhalten. Lügen, dass das ja sooo lecker sei, finde ich persönlich nicht gut, aber man kann ja anders mit dem Baby reden, ich sage so Sachen wie „Das fühlt sich lustig an im Mund, ne? Das schmeckt ganz anders als Milch! Das ist total gesund!“
  • Selber Tran nehmen und ein gutes Vorbild sein finde ich schwer, vor allem das mit dem positiv sein dabei. Ich nehme Tran, aber ich halte mir dabei die Nase zu und spüle mit sehr viel von irgendwas mit Geschmack nach. Das ist wohl kein adäquates Vorbild-Verhalten. (Als ich schwanger war gings gar nicht. Einen Esslöffel Öl schlucken, wenn man schon von Joghurt würgen muss. Görgs.) Herr Rabe nimmt Vitamin D als Kautabletten.

Das große Kind weigert sich standhaft, irgendwas zu nehmen, was Medizin sein könnte, seit es mal Antibiotika nehmen musste. Dafür isst es gerne Tran-Fische. Da hat irgendein Perversling sich überlegt, Tran mit Gelatine und unfassbar viel den Fischgeschmack übertünchendem Aroma und Süßstoff und Farbstoff in kleine Fische zu gießen, so ein bisschen wie Weingummi. Das ist des Kindes Highlight** nach dem Kindergarten, wenn es einen Fisch essen darf. Und schon alleine, damit ich wenigstens ein Kind habe, das den Tran (von mir aus mit Nase zuhalten) ohne zusätzliche Chemiescheiße nimmt, zieh ich das beim Baby jetzt durch und hoffe, dass es eine positive Einstellung zu dem Ganzen bekommt. Und nebenbei frage ich mich gerade, wieso ich beim Kind am Anfang skeptisch gegenüber den (kostenlosen!) Vitamin-D-Tabletten war. Denn schlimmer gehts immer. Es hätte Tran sein können.

*Beim zweiten Mal Waschen gehts raus, wenn man die Flecken mit Gallseife vorbehandelt. Nur so als Tipp.

** Highlight 2: Fluortablette, wenns abends ordentlich Zähne geputzt hat. Also, gelassen hat. Die mit Tuttifrutti-Geschmack.

5 Gedanken zu “Tag 47 – Tran

  1. Ich persönlich finde ja dieses norwegische Tran-Theater völlig übertrieben!
    Nun weiß ich ja nicht, wo ich Norwegen es dich hinverschlagen hat, aber wir hier im Süden nehmen keinen.
    Letzten Winter wurden uns quasi Vitamin-D-geleekapseln quasi aufgezwungen, wir haben die dann mal zwei Monate eingeworfen, fühlten uns aber kein bisschen wacher und lassen es jetzt wieder sein.
    Lieber achten wir in unserer Ernährung darauf. :-)

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    • Also letzten und auch vorletzten Winter wars schon fies hier mit Dauermüdigkeit und schlechter Laune. Und alle, die ich dazu befragte, sagten: nimm Tran. Naja, Tageslichtlampe reißt auch einiges raus in der schlimmsten Zeit. Wir wohnen in Trondheim, hier geht der Tag im Dezember/Januar von 10 bis 14 Uhr, und je nachdem wo man ist, kommt die Sonne in der Zeit nicht über die vielen Berge :(

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  2. Ulrike schreibt:

    Hu, hört sich echt unfassbar eklig an. Warum tut man sich das an?! Habt ihr euren Vitamin D-Spiegel denn mal testen lassen? Wenn der nicht unterirdisch ist, braucht ihr doch nichts zuführen! Eine Überdosierung vor allem von Vit. D ist ja auch nicht gerade ohne …

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    • Nee, getestet haben wir nicht. Aber die letzten zwei Winter hier war (zumindest ich) einfach tierisch müde… Sicherlich würde auch ein langer Spaziergang am Tag helfen, aber bei den kurzen Tagen hier wäre das höchstens während der Arbeitszeit möglich. Und man müsste auch recht lange draußen bleiben, es ist ja nur das Gesicht frei. So viel Vitamin D ist in Tran jetzt auch nicht, dass ich mir Sorgen um eine Überversorgung machen würde. Und so mega genau nehm ichs damit auch nicht, wenn wir mal nen Tag vergessen, oder das Baby eh nur nörgelig ist, ja, dann halt nich, is auch nich schlimm.

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