Tag 133 – Warum wir kein Attachment Parenting machen

Bevor Sie jetzt gleich alle über mich herfallen: Der Titel könnte besser heißen „Warum wir kein echtes AP machen“ oder „Warum wir keine Vollblut-AP-Eltern sind“ oder „Warum wir uns nur die Rosinen aus dem AP herauspicken“, aber das wären dann ziemlich lange und unhandliche Titel. (Und manchmal provoziere ich auch gerne.)

Erstmal will ich klarstellen, dass alles was ich hier schreibe meine Meinung ist. Keine Empfehlung, ich will auch keinen, der irgendwie anderer Meinung ist, angreifen oder sonst was. Im Gegenteil. Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Eltern das Beste für ihre Kinder wollen und so handeln, wie sie denken, dass es das Beste ist. Ob man sich nun aufopfert oder seine Ressourcen schont und rigoros Me-Time einfordert: solange es allen Beteiligten damit gut geht, sollten sich alle Unbeteiligten öfter mal in Zurückhaltung üben, was Meinungsäußerung angeht.

Ich sage an dieser Stelle auch ganz deutlich: Ich habe bisher NULL Erziehungsratgeber gelesen, weder von Sears noch Juul noch sonst wem, weiß also nichts aus erster Hand. Ich vertraue Wikipedia und (mehr) den dort zitierten Quellen, manchen Blogs und keinen Foren. Falls ich hier sachlichen (!) Stuss schreibe oder falsch zitiere, bitte ich Sie darum, mich darauf hinzuweisen.

Zunächst mal zum Attachment Parenting selbst: Wikipedia sagt, es handelt sich dabei um eine vom Kinderarzt William Sears entwickelte oder geprägte Erziehungslehre, die darauf abzielt, die Mutter-Kind-Bindung zu fördern. Hierzu soll die Mutter auf jedes Signal des Säuglings achten und reagieren, denn jedes Signal werde, so Sears, aus einem Bedürfnis heraus gegeben. Der Begriff Attachment Parenting wird deshalb sowohl mit Bindungsorientierte als auch Bedürfnisorientierte Erziehung übersetzt.

Zu den Grundlagen des AP gehören Sears‘ „7 Bs“:
– frühes Bonding nach der Geburt durch Körperkontakt zwischen Mutter und Kind
– Stillen (Breastfeeding) nach Bedarf
– Tragen (Babywearing)
– Gemeinsames Schlafen (Bed sharing)
– Beachtung der Signale des Kindes (Belief in babys‘ cries)
– Vorsicht vor Babytraining (Beware of baby trainers), gemeint ist hier vor allem Schlaftraining
– Balance und Grenzen (Balance and boundaries), gemeint ist Wissen, wann ein Ja und wann ein Nein angebracht sind

All das klingt erstmal nicht wirklich verwegen und schon gar nicht verwerflich. Und zumindest von dem, was ich aus Wikipedia erfahre, ist Sears‘ „reine Lehre“ auch etwas, mit dem ich mich anfreunden könnte. Bonding nach der Geburt ist für mich selbstverständlich und ich musste auch bei keiner Geburt darum bitten, Hautkontakt zu meinem Baby zu bekommen. Das mag natürlich bei einem Kaiserschnitt anders aussehen, aber darauf hat Frau ja nicht viel Einfluss (bzw sprengt das hier total jeden Rahmen, wenn ich das Kaiserschnittfass jetzt auch noch aufmache). Getragen habe ich beide Kinder von Anfang an viel, zum Einen weils schön ist und beide Kinder das mögen, zum Anderen weils einfach total praktisch ist mitunter beide Hände frei zu haben. Haushalt und nebenher den Kinderwagen schuckeln ist halt doch eher schwierig. Stillen hat bei beiden Kindern von Anfang an sehr gut geklappt und ich Stille gerne, mal sehen, wie lange noch. Das Kind hätte ich gerne länger gestillt, aber es wollte das nicht und stillte sich früh selbst ab. Das Familienbett haben wir ja mehr oder weniger unfreiwillig dadurch dass das Kind irgendwann nachts in unser Bett kriecht und das Baby sein Beistellbett nicht mag. Und nachts aufstehen, durch die halbe Wohnung tapern, irgendwo sitzen, frieren und stillen, und das ganze mehrmals? Bei aller Liebe: Nein. Das Kind könnte gerne in seinem eigenen Bett durchschlafen, das gebe ich zu. Aber solange es nicht ist, ist es nicht. Für echtes Schlaftraining ist es wohl zu alt und als es im richtigen Alter war, hätte ich es nicht übers Herz gebracht. Denn ja: ich glaube an das Weinen meiner Kinder. Sie weinen nicht aus Spaß oder um uns zu manipulieren, sondern weil „etwas ist“. Klar, das kann auch Frust darüber sein, dass wir keine Kinderzeitschrift mit Flugzeug gekauft haben, aber das ändert ja nichts daran, dass der Frust real ist. Und da sind wir auch schon beim Grenzen setzen: Konsequent*, Nachvollziehbar** und Klar*** werden Grenzen gesetzt und kommuniziert. Und Dinge, für die wir keine wirklich guten Gründe haben, werden auch nicht einfach verboten****.

Insgesamt könnte man also meinen, wir wären voll die Attachment Parenter, wenn wir auch manches nicht gerade aus Überzeugung tun, sondern aus Notwehr oder Faulheit und wenn ich manches auch durchaus als Glückssache ansehe, wie keinen Kaiserschnitt gehabt zu haben oder kaum Stillprobleme zu haben. Aber ich würde mich nicht so bezeichnen. Aus zwei Gründen.

Bindungsorientiert. Bin ich nicht. Und Bedürfnisorientiert. Bin ich auch nicht.

Natürlich ist mir eine gute Beziehung zu meinen Kindern wichtig. Ich weiß, dass ein gesundes Urvertrauen für die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit wichtig ist. Aber ich würde nicht alles dafür tun meine Kinder an mich zu binden oder mich an sie. Ich bin nicht gemacht für Symbiotische Beziehungen, das schränkt mich in meiner Persönlichkeit zu sehr ein und weil ich selbst so ticke könnte ich mir auch bei meinen Kindern nicht vorstellen, dass sie mich für das Zentrum ihres Universums halten. Damit meine ich ausdrücklich keine Säuglinge! Und eine Weile, also ziemlich genau die Säuglingszeit, kann ich auch mein Freiheitsbedürfnis soweit zurückschrauben, dass Dinge wie Stillen nach Bedarf, Nächte mit wenig bis kaum Schlaf, kaum Paar-Zeit und seltenste Ich-Zeit überhaupt möglich sind. Aber ich bin keine SAHM, mich langweilt das Zusammensein mit kleinen Kindern (ja, auch meinen eigenen) nach einer Weile zu Tode. Ich will arbeiten, ich will Sport treiben, ich will mal ein Wochenende weg können. Und solche Zeiten sollen nicht die Hölle auf Erden für meine Kinder sein. Deshalb finde ich wichtig, dass sie frühzeitig auch stabile Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. In erster Linie natürlich dem Vater, aber auch in einem guten Kindergarten können Kinder, meiner Meinung nach, ganz wunderbare Bindungen an ihre BetreuerInnen eingehen. Wenn ich jetzt aber als Mutter nur meine Bindung zu den Kindern im Kopf habe, erschwere ich doch automatisch anderen Bezugspersonen, eine ebenso stabile und innige Beziehung zu den Kindern aufzubauen.

Ähnliches gilt auch für die Bedürfnisorientierung. Elementare Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Müde, Klo werden natürlich umgehend erfüllt. Aber schon bei Müde geht es los und dann bei Nähe, Ruhe, Entertainment weiter: Je nach Alter des Kindes können und müssen manche Bedürfnisse manchmal warten. Wenn ich grade selbst aufs Klo muss, kann ich dabei schlecht ein Baby in den Schlaf schuckeln. Wenn ich Hunger habe und esse, kann ich nur mäßig gut einen Dreijährigen auf dem Schoß gebrauchen, der kuscheln aber gleichzeitig auch spielen und herumzappeln will. Während ich das Baby stille, kann ich keine Brote schmieren oder das Kind aufs Klo setzen. Hier gilt es, die Bedürfnisse von mehreren Familienmitgliedern gegeneinander abzuwiegen, sodass alle Bedürfnisse bestmöglich befriedigt werden. Natürlich kann ich besser und länger den Klogang herausschieben als ein Dreijähriger. Aber wiegt sein Bedürfnis nach „Essen jetzt sofort“ schwerer als mein Bedürfnis nach „Familienabendbrot in 20 Minuten“? Was ist mit meinem Schlafbedürfnis? Ja, ich kann auf Schlaf verzichten, Kaffee machts möglich, Concealer machts unsichtbar, aber nichts macht es schön oder einfach. Und ich mache viele, viele Kreuze, wenn das nächtliche Stillen seltener wird. Wenn das Baby in seinem eigenen Bett schläft. Wenn beide Kinder durchschlafen. Ich werde dann nicht denken: Ach, was war das schön, als noch alle auf mir drauf lagen nachts. Das kommt dann vielleicht später, wenn wir uns mit Pubertätsproblemen herumschlagen, aber erstmal werde ich mich quer in mein Bett legen und zehn Stunden am Stück schlafen. Weil ichs kann. Und weil es für mich nichts besseres gibt als Schlaf. Den Schlafentzug kann ich nur ertragen, weil er temporär ist. Und als das Kind eineinhalb war, ca. eineinhalb Stunden zum Einschlafen brauchte und dann immernoch im 2-Stunden-Takt wach war, habe ich Schlaftraining gegoogelt. Allein das googeln brachte die ersehnte Besserung und das Kind schlief fortan etwas besser ein und etwas länger am Stück, aber seitdem denke ich: Schlaftrainings haben ihre Daseinsberechtigung. Manche Eltern sind wirklich am Ende ihrer Kräfte. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für die viel propagierte Schädlichkeit von Schlaftrainings (für die „Wirksamkeit“ von Attachment Parenting übrigens auch nicht). Niemandem wird es wohl leicht fallen, ein Schlaftraining durchzuziehen, denn niemand hört gerne sein Kind schreien. Was Eltern, die keinen anderen Ausweg mehr wissen, sicherlich am wenigsten hilft, ist sie dafür noch zu verurteilen und ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen.

Und da sind wir beim Kernproblem, was ich mit Attachment Parenting habe: Die Eltern, die Attachment Parenting betreiben und einem das als Nonplusultra der Kindererziehung oder als Geheimrezept oder Garant für easy Säuglinge oder gut „erzogene“ (Klein-)Kinder verkaufen wollen. Denn ich glaube, dass Menschen mit Charaktereigenschaften geboren werden, die man nicht mal so eben ändern kann. Aus einem sehr fordernden Baby kann auch die entspannteste Mutter kein Schlafbaby zaubern. Aus einem Baby, das gern alleine ist, kann man auch durch noch so viel Tragen und Familienbetten keines machen, das nicht weiterhin lieber im Kinderwagen als im Tragetuch schläft. Ein Kind, das sehr viel Nähe braucht wird dann vermutlich in der einen Stunde, in der man es nicht trägt, trotzdem unzufrieden sein, denn es reflektiert ja auch nicht „Ach, Mama hat mich ja heute schon vier Stunden getragen, dann spiele ich jetzt mal eine Weile hier zufrieden auf dem Boden, während sie duscht.“ In diesem Artikel ist das etwas ausführlicher beschrieben, was ich meine. Gestern habe ich auch schon einen Artikel von Susanne Mierau verlinkt, der etwas ähnliches ausdrückt. Leider scheint die Attachment Parenting-Community recht dogmatisch drauf zu sein, und da geht es plötzlich um so viel mehr als nur Sears‘ 7 Bs: Natürliche Geburt, Windelfrei, Baby Led Weaning, Homeschooling, Homöopathie (und bloß keine Impfungen!), you name it, they’ve got something to say about it (und wenn dein Kind nicht so „funktioniert“ wie gewünscht, machst DU was falsch!). Und das kann ich nicht leiden. Fertig aus.

Zusammenfassend kann man wohl sagen: Hieße es anders und beschränkte es sich auf Sears‘ Thesen und fände ich undogmatische, lockere andere Eltern, die sich nicht gegenseitig verurteilen fürs anderer Meinung sein, könnte ich mich mit Attachment Parenting durchaus identifizieren. So wie es aber von vielen gedeutet und vertreten wird, nicht.

Dieser Artikel ist auf Anregung durch Frau Chamailions Blogparade entstanden. 

 

*, ** und ***: Alle Eltern wissen, dass das eine glatte Lüge ist. Niemand ist immer zu 100 % Konsequent, nachvollziehbar oder klar. Aber wir bemühen uns und ich schätze uns so jeweils bei 80-95 % ein. Am wenigsten sind wir wohl konsequent (Nutella nur am Wochenende…) aber wir arbeiten wirklich an uns.
**** Also nur selten (Geh da nicht ran, da drin ist, ähhhh…, lass einfach die Finger davon.).

18 Gedanken zu “Tag 133 – Warum wir kein Attachment Parenting machen

  1. Hallo, ich habe über einen Retweet hier her gefunden. Vielen Dank für den schönen Text. Nahezu jeden Satz könnte ich hervorheben und unterstreichen. Ja … es geht in einer Familie, die mehr als 3 Köpfe zählt, immer auch darum alle Bedürfnisse in der Balance zu halten. Singuläre Bedürfnis-Erfüllung hilft am Ende niemandem.

    LG, Aebby

    P.S. wir haben derzeit 3 Kinder in der Pubertät, zumindest die Schwierigkeit mit dem elterlichen Schlafbdürfnis ist damit vom Tisch ;-)

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  2. Hallo, Frau Rabensalat,
    durch deine Posts habe ich mich zum ersten Mal mit dem Attachment Parenting beschäftigt.
    Ich bin mehr oder weniger irritiert bis entsetzt. Muss dazu sagen, dass ich vor 25 Jahren mal ne pädagogische Ausbildung gemacht habe, die sehr sachlich fundiert an die Entwicklungspsychologie geglaubt hat. Ich arbeite seither nicht mit den Zwergen professionell, sondern bin in eine andere Sparte abgedriftet, bin daher nicht ganz so auf dem Laufenden, was pädagogische Trends und Stimmungen anbelangt.

    Was sagt denn das Attachmentdings darüber, wann die Eltern anfangen sollen, ihre Kinder zu möglichst selbständigen – nicht Ich-bezogenen – Wesen zu fördern/zu erziehen?

    Nähe, Stabilität und Urvertrauen – gar keine Diskussion, ist gesetzt. Aber gleichzeitig muss doch ein Kind auch lernen, dass die Welt sich nicht nur um es selbst dreht.

    Mich irritiert an dieser „Philosophie“, dass sich anscheinend keiner in Echt mal die langfristigen Auswirkungen klar macht.

    In meiner blühenden Fantasie sehe ich gerade eine 14 jährige, die noch im Tragetuch an der Mama hängt, weil es ihr so danach ist und weil die Mama auch nie mehr den Absprung geschafft hat (was ein Kind dann sicherlich überhaupts net verstehen würde, wenn sich Eltern dann doch irgendwann mal von ihren Kindern abnabeln (was ich eigentlich für einen normalen Prozess halte)).

    Überspitzt gesagt glaube ich, dass man mit den Attachmenties Menschen prägt, dass ihre eigenen Bedürfnisse IMMER und ständig an erster Stelle zu stehen haben. Das werden die später entweder bitter lernen müssen, dass das überhaupt nicht so ist, im richtigen Leben und gleichzeitig werden sich die Eltern – vermutlich die Mütter besonders – nach 25 Jahren verwundert die Augen reiben, weil dann doch die ganzen – sehr normalen und notwendigen – Konflikte doch noch aufbrechen. Freunde von mir ziehen 3 Jungs groß. Meine Freunde machen das großartig und dennoch wird es demnächst anfangen, dass die Kids sich von ihren Eltern richtig abgrenzen (müssen), um herauszufinden, wer sie selbst sind. Und sie dürfen das. Die Eltern wissen darum und halten das aus.

    Es gab doch mal den weisen Spruch, dass uns die Kinder nicht gehören. Wir gebären sie und müssen sie loslassen. Was ist daraus geworden?

    Tatsächlich ist das doch so, dass die Zwerge schlüpfen und einen ganz eigenen Charakter, ein ganz eigenes Wesen mit bringen und nein, nicht die Mutter ist an allem Schuld, was misslingt. Geht’s noch?

    Liebe, gesunder Menschenverstand und die eigene Klarheit halte ich für wesentliche Elemente, um ein Kind großzuziehen.

    Uff.

    Liebe Frau Rabensalat, machen Sie das so, wie sie das machen. Und lassen Sie sich bloß nicht irritieren.

    LG
    Isa

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    • Ich weiß es ja nicht aus erster Hand, aber habe gelesen, dass Sears selbst sehr wohl auch den Nutzen und die Notwendigkeit von Konflikten zwischen Eltern und Kind betont. Das scheint nur bei manchen unter den Tisch zu fallen, ebenso wie dass seine Richtlinien hauptsächlich fürs erste Jahr gelten sollen, danach müsse man die Kinder (genau wie du sagst) Schritt für Schritt loslassen und eben auch Grenzen setzen.
      Ich persönlich glaube nicht, dass es so einfach extrapolierbar ist: Kind wurde soundso erzogen –> wird mal soundso ein Erwachsener. Dazu spielt zu viel Charakter mit da rein und irgendwann wird das Kind ja auch zu anderen Menschen Kontakt haben, die wiederum Einfluss nehmen und so weiter. Zu attachten Teenies hatte auch mal Susanne Mierau was geschrieben: http://geborgen-wachsen.de/2015/08/19/wie-kinder-mit-attachment-parenting-zu-unabhaengigen-teenagern-werden/ . (Ihre Worte sind da einfach fundierter, wie gesagt, ich „glaube“, ich „finde“, ich „meine“, aber andere studieren ja sowas, oder machen, wie du, ne Ausbildung darin.)

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  3. Tanja schreibt:

    Hallo! Wo ich ganz Deiner Meinung bin, ist das dogmatische-das sagt mir auch nicht zu. Ich praktiziere sicher auch einiges was dem AP zuzurechnen ist, aber in seiner „leichten“ Form. Und vor allem praktiziere ich mein ureigenes Parenting ☺ was Du aber glaube ich eon wenig falsch verstanden hast ist das Thema Bindung. Bindung ist nicht gleich Beziehung und meint ganz und gar nicht eine symbiotische Bindung. Gerade Kinder mit einer guten, sicheren Bindung sind die Kinder, die sich dann (ihrem Alter entsprechend) auf Erkundungstour machen und die Welt entdecken. Gerade weil sie sicher gebunden sind, können sie sich das erlauben: sie wissen sicher, wenn etwas passiert, ich genug habe oder es gefährlich wird: Mama oder Papa oder Tante oder wer auch immer, ist da. Die Bindungstheorie sagt auch nicht, dass ein Kind nur zu einer Person eine sichere Bindung haben kann. Von daher glaube ich eigtl. Schon,dass Du bindungsorientiert bist! Auch eine Besürfnisorientierung sehe ich nicht im Widerspruch dazu, dass man auch seine eigenen Bedürfnisse wahrnimmt.
    Liebe Grüsse, Tanja

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    • Das verstehe ich von manchen Blogs (Geborgen Wachsen zum Beispiel) auch so. Was Sears da selbst zu sagt, weiß ich nicht, auf Wikipedia stand aber, dass es ihm schon zentral um die Mütter geht und er eben deswegen von FeministInnen und wegen der über das erste Lebensjahr fortgesetzten symbiontischen Beziehung von anderen Pädiatern kritisiert werde. Und schön zu wissen, dass es auch andere „AP-light“-Eltern gibt :)

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  4. Jetzt hab ich mich fast verliebt…
    Übrigens hat Danielle von gewünstestes Wunschkind mich ‚aufgeklärt‘ dass Bedürfnisorientiert bedeutet, dass die Bedürfnisse alles respektiert werden. Kommt man gar nicht drauf, wenn man diese Eltern so reden hört, oder?
    Ich hab auf meinen Post damals fast nur Kritik erhalten…

    Aber weiter so immer der Nase nach!

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  5. Hallo,
    danke für Deinen tollen Beitrag. Genau so etwas suche ich schon länger. Ich sehe überall und ständig AP (auf Facebook, Blogs, etc.) und es hat angefangen mich zu irritieren. Gibt es nur noch AP? Ist alles andere falsch? Warum lese ich nicht mal leidenschaftliche Blogposts zu anderen Erziehungsstilen? Bzw warum sehe ich sie nirgendwo und muss bewusst danach suchen?
    Was mich an AP und dessen Verherrlichung so stört hast Du wunderbar formuliert. Wo in meinem Kopf noch Zweifel herrscht den ich nicht in Worte fassen kann hast Du auf den Punkt gebracht. Danke dafür!
    Viele Grüße

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  6. Popeeltje schreibt:

    Guten Tag!
    Ich bedanke mich auch für den Text! Er verhilft mir gerade in akuter „Erziehungskrise“ zur Entspannung. Ich halte genau das Gleiche von Mr Sears und den 7B’s: sie sind gut und können hilfreich sein, wenn man in der Lage ist zu abstrahieren was für die individuelle Familie gut ist und funktioniert. Mein Dreijähriger ist zur Zeit auf Konfrontationskurs und ist -es tut mir leid- teilweise unerträglich. Und ja! Ich sage das über MEIN Kind. Das Kind, dass ich mir sehr gewünscht und (bisher) nie bereut habe, ist zeitweise kaum zu ertragen. Ist doch wohl sein gutes Recht! Ich bin für ihn schließlich auch von Zeit zu Zeit eine echte Zumutung! Ich halte es für unnatürlich das nicht zu fühlen. Und dann immer suggeriert zu bekommen, von den Hardcore-APs, dass es meine unterdrückten Aggressionen und meine unaufgearbeiteten Konflikte sind, hilft mir wirklich kein bisschen! Wie soll das denn gehen? Dann sollten nur austherapierte Menschen Kinder bekommen?! Aha. Und wenn man das nicht ist, hilft vielleicht eine 9monatige tiefenpsychologische Kur, damit wir erkennen welche Aggressionen von unserer Mutter auf uns übertragen wurden? Freunde, wir MÜSSEN entspannt sein! Das ist wichtig. Unser Bestes geben, wie auch immer das aussieht und wo auch immer unsere Grenzen liegen und lernen uns zu verzeihen. Vielleicht schaffen wir es auch noch, uns irgendwann anzuhören, dass unsere Kinder uns irgendwann sagen dürfen, was wir „falsch“ gemacht haben und wenn das irgendwann kommt, sagen können : „weißt Du, ich habe immer versucht mein Bestes zu geben, aber alles richtig machen, das schaffe nicht einmal ich. Aber, es tut mir leid, dass das für Dich schwer war!“ Für mich ist das das Wichtigste, natürlich neben meiner Liebe und meiner Authentizität.
    Dazu kommt, dass ich beide Kinder per Kaiserschnitt zur Welt bringen musste. Das zweite war zudem ein Frühchen und hat lange auf der Intensivstation liegen müssen. Da ist das mit Bonding so eine Sache. Ich würde sehr begrüßen, wenn wir uns alle ein bisschen mehr unterstützen würden, als ständig zu korrigieren.
    Puh. Sorry, ist etwas länger geworden… aber, ich habe mich schon gebremst ;)
    Danke.

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  7. Wunderbar – vielen Dank für den schönen Beitrag! Auch wenn Dein Artikel ja schon ein paar Monate alt ist, hat sich an der Aktualität des Themas ja irgendwie nichts geändert. Verunsicherte Eltern auf der einen Seite, militante und ideologische Weltverbesserer auf der anderen. Nachdem vorgestern dann auf ZEITonline ein AP-kritischer Artikel erschienen war, kochte die Diskussion kurz hoch.

    Du schreibst es sehr schön: es geht doch einzig und allein darum, dass es den einzelnen Familienmitgliedern gut geht, man ein gesundes Verhältnis miteinander hat und darauf geachtet wird, dass keiner zu kurz kommt!

    Alles Liebe und viele Grüße,
    Isabel

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Ich freue mich über jeden Kommentar, außer er ist blöd, dann nicht. Außerdem ist jetzt wohl der richtige Zeitpunkt, um Ihnen mitzuteilen, dass WordPress bei jedem Kommentar eine mail an mich schickt, in der die Mailadresse, die Sie angegeben haben und auch ihre IP-Adresse stehen. Müssen Sie halt selbst wissen, ob Sie mir vertrauen, dass ich diese mails von meinen Devices alle sofort lösche, und ob Sie damit leben können, dass WordPress diese Daten auch speichert (damit Sie nämlich beim nächsten Mal hier einfacher kommentieren können).

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