Tag 167 – Schnauf, schnauf

Ich bin sehr geräuschempfindlich. Nich lärmempfindlich, Lärm geht klar, außer es ist zu viel unterschiedlicher Lärm (Kind labert, Radio dudelt, Baby haut mit irgendwas auf den Boden und das ganze während ich versuche, mit Herrn Rabe den Einkaufszettel abzustimmen), da setzt mein Gehirn aus. Nein, es sind spezielle Geräusche, die mich wahnsinnig machen. Essgeräusche zum Beispiel. Schmatzen und Schlürfen geht überhaupt gar nicht, aber glücklicherweise untersagen das ja auch die (europäischen) Tischmanieren. Was nicht ganz so Gesellschaftskompatibel ist, ist dass ich auch normale Kaugeräusche kaum ertragen kann. Fast hätte ich mal eine Klassenkameradin umgebracht, weil die in der Bio-LK-Abiklausur meinte, rohe Möhren essen zu müssen. Inzwischen hab ich das meistens einigermaßen im Griff und alle die mich gut kennen, wissen auch, dass man nicht unbedingt direkt neben meinem Ohr Tortillachips essen sollte. Als eh wütender Teenie war es aber zeitweise so schlimm, dass ich rasend vor Zorn (ja, die Essgeräusche anderer machen mich richtiggehend aggressiv) vom Familienesstisch aufgesprungen bin, mein Essen gepackt hab, irgendwas von „total ekelhaft, wie ihr alle ESST!!!“ gebrüllt hab und in meinem Zimmer fertig gegessen hab. Sie können sich vorstellen, dass meine Toleranz in einem Land, in dem tatsächlich sehr viel Knäckebrot gegessen wird, jeden Tag auf die Probe gestellt wird. 

Was allerdings relativ neu ist, ist meine Abneigung gegenüber Atemgeräuschen. Ich meine, klar, Schnarchen kann ich nicht gut ab, aber wer kann das schon. Herr Rabe schnarcht eh nur, wenn er erkältet ist, sonst schnauft er eher, oder eher: er atmet laut durch dem Mund mit sehr losen Lippen. Aber da weiß ich, wie ich das ändern kann und dann ist Ruhe. Blöd finde ich Orte des kollektiven Geschnaufes: Sauna und Yoga (und Geburtsvorbereitungskurse). Ich verstehe ja, dass Atemübungen total gut sind für die Entspannung und so, leider brauche ich zum Entspannen dann eine schallisolierte Kammer in der ich die ujjayi-Atmung der anderen nicht hören kann. Oder ich versuche, durch eigenes Geschnaufe das Atmen der Anderen zu übertönen. Unvergessen die Yoga-Stunde, in der der Yogalehrer sagte „wer jetzt so n bisschen Schnupfen hat, das kommt gleich wahrscheinlich raus, nicht wundern. Frau Rabe ist ja schwanger, die darf das leider nicht mitmachen.“. Ich wünschte mir damals sehr plötzlich einsetzende und vorübergehende Taubheit. Aber gut. Zum Yoga gehört das halt dazu. 

ABER NICHT ZUM BALLETT! Heute war endlich wieder Ballett und ein Mädel hat mir die ersten 15 Minuten echt gründlich durch übertriebenes Geschnaufe versaut. Schon während der ersten Übung – demi Plié *Fffffffff* – hab ich ca 17 mal – demi Plié *Ppfffffffttttttttt* – überlegt, ob ich diese Tussi – grande Plié *FFFFFFFFSSSSSSSSSS* – mit meinem Pulli strangulieren soll. Einzig und allein die Schwierigkeit der nachfolgenden Übungen und mein Fokus darauf hat der das Leben gerettet. 

Und dann auch noch das hier, aber das war ne andere Trulla mit ihrer doofen Bling-Bling-Svarovskisteinchen-Armbanduhr. SOWAS NIMMT MAN ZUM SPORT AB, ALTER! Grrrrrr. 

  
Sonst war übrigens gut. Aber davon berichte ich morgen mehr, wenn ich mich abgeregt habe. Durch Atemübungen.

UPDATE: es hat einen Namen und ich bin nicht allein. Dafür ist mein Gehirn anormal: Misophonie

16 Gedanken zu “Tag 167 – Schnauf, schnauf

  1. Ach wie schön, es gibt ein Wort dafür!
    Selbst mein „atmendes“ Baby hat mich damals wahnsinnig gemacht und ich musste es immer wieder in andere Schlafpositionen legen, damit es ruhiger schnaufte und ich schlafen konnte. Vom Herrn des Hause reden wir lieber erst gar nicht…..
    Liebe Grüsse
    Asty

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    • Hallo!
      Beim Baby geht es noch. Das Kind hat allerdings eine zeitlang total geschnarcht, das hat mich verrückt gemacht. Und dann hab ich mich deswegen auch noch schlecht gefühlt, weil mir das den Schlaf geraubt hat.
      Liebe Grüße –
      Ihre Frau Rabe

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  2. Sophie schreibt:

    Oh ja, das kenne ich auch. Vor allem Kaugeräusche machen mich fertig. Mein Lernpartner in der Uni hat seit einiger Zeit so einen Spleen entwickelt, er schnalzt beim Nachdenken schnell hintereinander mit der Zunge im Mund. Das hat mir schon die schlimmsten Stunden meines Lebens beschert…
    Viele Grüße

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    • Hallo Sophie,
      Das scheint ja sehr viel häufiger zu sein, als ich bisher dachte!
      Schön zu wissen, dass man mit seinen vermeintlichen Spleens nicht alleine ist…
      Liebe Grüße –
      Ihre Frau Rabe

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    • Das ist vernünftig. Ich kann mich da einfach nicht konzentrieren. In meinem Kopf ist das laut wie ein Presslufthammer. Damals in der Abiklausur ist mir auch der Arsch ein bisschen geplatzt und ich hab die voll angeranzt. Sorrynotsorry.

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