Tag 364 – Gewöhnungsbedürftig. 

Tja, also Pippi sollte ja inzwischen im Kindergarten eingewöhnt sein. Nach norwegischem Standardplan jedenfalls. Tatsächlich läuft es eher so mäßig. 

Langfristiges (haha, also eher so: übernächste Woche) Ziel ist Kindergarten von spätestens acht bis mindestens vier, dann schaffen wir beide unsere Jobs ohne allzu spät zu Hause zu sein. Bisher sind wir bei ca. 8 (und das funktioniert auch nicht so ganz, weil Pippi nicht im Kindergarten frühstücken will) bis 14:30 Uhr, was halt nur mit Sommerarbeitszeit und Stillfrei und mit schlechtem Gewissen der Arbeit gegenüber geht. Herr Rabe hat logischerweise kein Stillfrei und muss außerdem Stunden so richtig aufschreiben, der kann nicht dauernd früher gehen. Also bin ich gefragt und es stinkt ziemlich, zum Einen eben wegen der Arbeit und zum Anderen, weil ich mir so morgens das Geheul und nachmittags die Berichte („Hat so viel geweint heute und gar nichts gegessen…“) der Erzieherinnen anhören muss. 

Nachdem die Eingewöhnung bei Michel im gleichen Alter eine Sache von drei Tagen war und Pippi ja sogar ihren heiß geliebten großen Bruder als das ultimative Übergangsobjekt dabei hat, hatte ich die Hoffnung, dass die Eingewöhnung bei ihr easy peasy sein würde. Aber da habe ich die Rechnung ohne mein großes kleines Kind gemacht. Denn Pippi weiß halt was sie will, und das ist 1. Mama und 2. Papa. Und das versucht sie durchzusetzen, mit allen Mitteln. Man muss sagen, es liegt wirklich nicht am Kindergarten oder den Personen da: alle sind sehr herzlich, es wird auf sie eingegangen, sie wird getragen und darf kuscheln, wenn sie will, man nimmt sich viel Zeit für sie und versucht es hinzubekommen, dass sie eine gute Zeit hat. Aber sie will halt nicht. Deshalb schreit sie viel (aus Enttäuschung wenn ich gehe und wenn ich komme, höre ich von unten schon ihr Wutgebrüll), sie schläft kaum und sie isst kaum. Interessanterweise juckt es sie auch gar nicht, dass ihr Bruder da ist. Dafür ist Michel noch ein bisschen mit durch den Wind, weil Pippi so viel brüllt. Verdammt, wieso klappt denn nichtmal das*?

Und ich so, toughe Mama, die ich so gern wäre? Mit bricht es das Herz. Ich zweifle alles an: den Kindergarten, mein Lebensmodell, dieses Land: alles kacke und mein Baby leidet so und überhaupt. Rational weiß ich, dass es keinen besseren Kindergarten geben könnte, grade für so ’schwierige‘ Kinder wie Pippi. Ich weiß auch, dass ich vor Langeweile eingehen würde, würde ich sie stattdessen zu Hause betreuen. Dass wir uns das Leben hier mit nur einem Job schlichtweg nicht leisten können (zumindest nicht in der Wohnung, in der wir grade wohnen und in der ich mich sauwohl fühle). Das weiß ich alles. Aber trotzdem kommt da die Rabenmutter-Sozialisation, gepaart mit Bindungstheorie-Halbwissen und versehentlich gelesenen dogmatischen Blogbeiträgen aus mir raus und ich fühle mich schrecklich und wie der letzte Mensch, dass ich meinem Kind das antue, obwohl es doch so offensichtlich nicht will. 
Ich hoffe wirklich, dass sie sich bald dran gewöhnt hat. Wirklich. Und nein, zu Hause bleiben ist einfach keine Option. 

*Eigentlich hatte ich eher Angst, dass Michel dauernd als Tröster herhalten muss und sich zu sehr verantwortlich fühlt. So ist es aber auch kacke. 

3 Gedanken zu “Tag 364 – Gewöhnungsbedürftig. 

  1. ohmskine schreibt:

    Liebe Frau Rabe,

    halten Sie durch!
    Lassen Sie sich nicht beirren, Sie machen alles richtig!

    Das schlechte Gewissen kann man nicht einfach abstellen, aber Blogartikel, „gute“ Ratschläge oder Fachliteratur sollten Sie jetzt möglichst meiden.

    Geben Sie Ihrer Tochter (und sich) noch mindestens zwei Wochen Zeit, bevor Sie über Planänderungen nachdenken.

    Sie (alle) schaffen das!

    Herzliche Grüße,
    ohmskine

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Frau Rabe

    es gibt so Kinder, die nicht gern weg sind von der Familie. Unser Jüngster ist auch so. Mittlerweile allerdings schon 12 und hängt immer noch sehr an mir (zumindest, wenn nicht gerade seine Freunde in der Nähe sind….) Er geht nicht gern auf Klassenreise oder ins Trainingslager und er ging auch nicht gerne in die Spielgruppe (das war so mit 3 Jahren). Damals habe ich ihn etwa 3-4 mal heulend und schreiend in die Spielgruppe gebracht und dann entschieden, ihn wieder zu Hause zu lassen. Er hat mir einfach zu sehr leid getan.
    Das geht ja bei Ihnen ja leider nicht, wie Sie geschrieben haben. Das ist schade. Aber ich hoffe, es wird irgendwann schon funktionieren. Ich wünsche Ihnen viel Kraft beim Durchhalten und Trösten.

    Falls es doch eine andere Möglichkeit geben sollte, hören Sie auf Ihren Bauch. 🙂

    Liebe Grüsse
    asty

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Frau Rabe,

    ich habe (noch) keine Kinder und deshalb auch keine klugen Ratschläge oder Tipps. Trotz allem wünsche ich Ihnen in den nächsten Wochen alles an Kraft und Erfolg, dass die Kleine sich bald eingewöhnt haben wird und Sie sich ohne schlechtes Gewissen auf die Arbeit konzentrieren können und Nachmittags Glückliche Kinder nach hause kommen.

    Alles Liebe,
    Ms.Ninberry

    Gefällt 1 Person

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