Tag 378 – Verkehr.

Zur Arbeit habe ich mir eine Strecke ausgesucht, auf der relativ wenig Verkehr herrscht. Ich muss nicht an den ganz großen Straßen lang, es geht durchs Grüne und es gibt wenige Ampeln.

Trotzdem rege ich mich jeden Tag auf, und das liegt an den anderen Verkehrsteilnehmern. Menschen, die

  • ihre Klingel am Fahrrad nicht benutzen. Nie. Auch nicht, wenn sie ein langsames Kleinkind an einer engen Stelle auf einem Bürgersteig überholen wollen. Lieber materialisieren sie sich plötzlich neben dem Kind, das sich natürlich erschreckt und fast auf die Straße fällt. Leute, benutzt eure *grobe Flüche einfügen* Klingel!
  • einen auf dem Fahrrad (ohne zu klingeln natürlich) kurz vor ner Kreuzung links überholen und sich dann noch beschweren, wenn sie beim Handzeichen zum Abbiegen meinen Arm fast ins Gesicht kriegen.
  • verwirrt im Bakklandet herumstolpern und grundsätzlich auf den Fahrradwegen gehen, sodass die Fahrradfahrer übers Kopfsteinpflaster hopsen müssen. (Und dabei ist da schon alles passiv-aggressiv gekennzeichnet mit „Danke, dass du GUT Fahrrad fährst“ auf dem Fahrradweg und „Danke, dass du GEHST“ auf dem Gehweg.)
  • Pokemon Go-spielend ohne zu gucken auf die Straße stolpern (fast wäre ich bei denen für natürliche Auslese…).
  • auf das Klingelzeichen reagieren, indem sie sich umdrehen und erstmal eine riesige Kurve in eine unvorhersehbare Richtung quer über den Weg machen, während sie mich unverwandt ungläubig anstarren (noch nie ne Klingel gehört oder was? Ach ja, wahrscheinlich nicht…).
  • auf das Klingelzeichen reagieren, indem sie abrupt stehen bleiben und ihre Kumpels und Kumpelinen hektisch am Arm erst in die eine, dann in die andere Richtung ziehen. Gerne reagieren die Kumpels und Kumpelinen wie im Punkt davor.
  • gar nicht auf das Klingelzeichen reagieren, weil sie Ohrstöpsel tragen.
  • riesige SUVs fahren und deshalb meinen, die Straße gehöre Ihnen allein (wenn man weiß, was die an Steuern für die Karren zahlen, ist das auch fast so).
  • nicht wissen, dass Fahrradfahrer auf der Straße im Großen und Ganzen die gleichen Rechte haben wie Autofahrer (Rechts vor Links zum Beispiel).
  • generell große Probleme mit Rechts vor Links haben (und da ist der Klassiker „an allen vier Ecken steht wer, wer darf fahren?“ noch gar nicht mal inbegriffen).
  • mich dann aus Großzügigkeit oder weil ich tatsächlich von Ihnen aus gesehen Vorfahrt habe, vorbeiwinken wollen, während von „meinem“ Rechts die Autos vorbeibrausen. Und die dann noch kopfschüttelnd losfahren, wenn ich weiter warte.
  • plötzlich direkt vor einem und ohne zu blinken in eine Parklücke einscheren.
  • plötzlich direkt vor einem aus einer Parklücke ausscheren.
  • plötzlich direkt vor einem eine Vollbremsung hinlegen.
  • an der Straße ohne vorher mal zu gucken unvermittelt die Fahrertür aufreißen.
  • mich hinter dem Müllwagen verhungern lassen, weil Hauptsache sie kommen dran vorbei.

Und mein Sonderpreis geht an

  • Den Fahrradfahrer, der heute seine Vorausfahrerin während der zeitlupengleichen Fahrt mit einer Handkamera filmte, der dabei wegen mangelnder Konzentration auf den restlichen Verkehr fast zwei Omis ummähte und anschließend fast selbst von einem ausparkenden Handwerkerauto (s.o.) gerammt wurde.
  • Den Menschen, der seinen Fahrradanhänger im wirklich übervollen Fahrradkäfig neben seinem Fahrrad an sein Fahrrad anschloss und somit für ein Fahrrad DREI Fahrradparkplätze belegte. Arsch. echt.

Also, Fahrrad fahren an sich finde ich gut. Wenn bloß die Anderen nicht wären.

In diesem Sinne:

 

4 Gedanken zu “Tag 378 – Verkehr.

  1. maskenkatja schreibt:

    Ich kann alle aufgezählten Verhaltensweisen bestätigen und mich schön mit aufregen.
    Allerdings ist so eine Fahrradklingel, vielleicht auch wegen der großen Zahl an Kampfradlern hier in Berlin, eine erschreckende Angelegenheit.
    Deshalb versuche ich auch immer, möglichst zeitig und vorsichtig zu klingeln.
    Wenn die Fußgänger allerdings die Ohren verstopfen oder unvermutet merkwürdige Wege einschlagen, muss ich auch oft stark bremsen.
    Und bei SUV-Fahrern wird meine Toleranz immer wieder ausführlich auf die Probe gestellt.
    Ach ja, gegen eine plötzlich geöffnete Taxi-Tür bin ich auch schon geprallt. Blöd.

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  2. maskenkatja schreibt:

    Ja, ging gut, zum Glück nur mit dem Lenker gegen die Tür gefahren und keine Autos neben mir.
    Seitdem fahre ich, für andere Verkehrsteilnehmer völlig unverständlich, mit größerem Abstand an parkenden Autos vorbei.

    Gefällt 1 Person

  3. Annina Weiß schreibt:

    Fahrradfahren in Trondheim ist schon schwer… Ich glaub die müssen hier keine Theorieprüfung machen beim Führerschein… Weil rechts vor links ist echt ein Fremdwort genauso wie Klingel. Habe ich vier schöne Jahre lang immer wieder den Kopf drüber geschüttelt und ähnliches gedacht wie du. Ich freu mich schon Oslo in dieser Hinsicht zu testen aber das muss wohl noch bis nächsten Frühling warten.

    Gefällt 1 Person

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