Tag 390 – WMDEDGT September ’16

Es ist der 5., es ist WMDEDGT bei Frau Brüllen.

Sechs Uhr: alle Wecker gehen gleichzeitig. Kurzer Check: Pippi liegt neben mir (mit den nackten Füßen an meinem Oberschenkel, wie immer), Herr Rabe ist auch da, Michel nicht. Erstmal Snooze.

Dinge passieren (hallo, Snooze-Taste…), jedenfalls stehen wir dann doch zu spät auf, duschen sehr schnell, Kaffee für die Großen, Grøt für die Kinder machen, Michel wecken, Herr Rabe muss los. Kinder abfüttern (im Moment sind beide Fressmaschinen, das Grøt ist am Ende fast alle, Pippi zieht sich noch heimlich im Stehen auf seinem Stuhl Michels Reste rein), anziehen, allen die Zähne putzen, mich schminken und zack, zack, Wachs in die Haare, Ohrringe rein, die gestern schon gemachten Brotdosen in die Rucksäcke: Abmarsch. Es ist 08:15.

Als alle ihre Jacken und Regenhosen und Fahrradhelme und Schuhe anhaben und in und auf ihren Fahr-Devices sitzen, beamt sich der Uhrzeiger auf 08:32. Gnaaahh, das ist zu spät, ich habe Meeting um 09:00. Um 08:42 habe ich Michel erfolgreich zum Kindergarten gequatscht, hänge Jacken auf und stelle Schuhe ins Regal und schwitze ein bisschen und schnauze auch ein bisschen Michel an, der natürlich erst Hilfe dabei will, seinen Helm aufzuhängen, während ich zwei Rucksäcke, eine Matschhose und Pippi balanciere. Oben angekommen wird Pippi ohne viel Tamtam der Erzieherin übergeben. Die fragt mich, ob ich am Samstag beim Marathon mitgelaufen wäre. Ich lache. Pippi weint. Michel geht spielen. Auf dem Weg nach draußen hänge ich Michels Helm auf, reiße mir die Überschuhe von den Füßen und sprinte zum Rad. Dann rase ich wie eine gesengte Sau zur Arbeit (08:49). Um 08:59 (Rekord!) stelle ich mein Fahrrad ab. Wegen Abschließen und Weg bin ich dann zwar doch erst um 09:04 im Meetingraum und ich habe auch noch meinen Helm auf und meine Jacke an, aber es hätte schlimmer kommen können.

Meeting bis 09:30, super langweilig. Einziger interessanter Punkt: am Freitag wird hier Kreftfest sein (also Flusskrebse essen, dabei vermutlich trinken und gesellig™ sein). Es wird nochmal drauf hingewiesen, dass Sozialising wichtig ist. Innerlich lache ich mich kaputt. Äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Dann geht es um die Weihnachtsfeier, „die können wir ja näher an Weihnachten haben, an einem Freitag am besten“, ich rufe von hinten „SIXTEENTH“, das wird eingetragen, fertig. Keine Diskussion. Sozialising ist wichtig.

Nach dem Meeting verbringe ich geraume Zeit mit dem vergeblichen Versuch, meinen Computer hochzufahren. Er hängt sich aber immer irgendwo im Anmeldeprozess auf. Statt mich aufzuregen, gehe ich in den nahe gelegenen Supermarkt und kaufe fürs Frühstück und Mittagessen der nächsten Woche ein. Es gibt norwegische Äpfel, die wunderbar riechen und ebenso schmecken, das ist schön. Außerdem gibt es den neuen Weißkohl. Das heißt, ich kann demnächst mal Sauerkraut machen (das norwegische Sauerkraut schmeckt nicht).

Ohne Frühstück habe ich um elf großen Hunger und esse einfach schon mal Mittag. Mein Computer startet ja eh nicht. Ich versuche, das IT-department zu erreichen, aber erst ist besetzt, dann geht niemand ran. Ich schreibe eine Mail.

Nach dem Essen gehe ich ins Labor. Ich habe eine mail mit den Ergebnissen von letzter Woche bekommen und kann mit meinem Versuch weiter machen. Also mache ich, dann habe ich sehr viel Zeit zwischendurch (Inkubation, ich hab echt keinen Job für Ungeduldige) und dödel im Internet rum. Mein Computer geht weiterhin nicht. Ich stelle fest, dass sich um 13:00 schon elf Menschen beim WMDEDGT verlinkt haben und denke da ein bisschen drauf rum, außerdem wundere ich mich öffentlich bei Twitter und bekomme die Erklärung, dass man sich ja schon mal morgens verlinken und dann fortlaufend aktualisieren kann. Ich denke mit der Erklärung da weiter drauf rum und entschließe mich dann, das nicht so zu machen. E-mail-Abonnenten zum Beispiel würden dann ja immer nur den ersten Happen zu Lesen bekommen, bei machen Feedreadern ist es auch so: find ich blöd. Dann bin ich halt Nummer 120 in der Linkliste – was solls. Aber ich fange schon mal an zu schreiben, ich hab ja Zeit. UPDATE: Ich bin Nummer 48.

Irgendwann ist dann auch mal die Stunde Inkubation rum, ich mache im Labor weiter und habe dann ZWEI Stunden Inkubation. Meh. Ich geh Kaffee holen.

Mit Kaffe in der einen Hand und Handy in der anderen tausche ich mich mit Freundinnen über die Wonnen des Lebens mit Dreijährigen aus. In Echt tauschen wir Erfahrungswerte, wie oft wir so unsere Kinder anschreien (oft) und wie viel es bringt (nix) aus. Tjanun. Wir arbeiten an uns und sind uns unserer erzieherischen Unzulänglichkeiten bewusst, das ist ja schon mal was.

Zwischendurch rufe ich noch bei der Versicherung an und frage nach, was schiefgelaufen ist und warum ich Post vom Straßenverkehrsamt bekommen habe, mein Auto sei nicht versichert und sie würden es demnächst aus dem Verkehr ziehen. Ist natürlich alles gar kein Problem und schon lange erledigt, warum ich vor Wochen auf meine Mail keine Antwort bekommen habe, weiß natürlich auch keiner.

Zeitgleich mit einer Mail vom IT-Support, dass sie das total bedauern und dran arbeiten und das aber grad bei vielen Computern der Fakultät so sei, geht mein Computer plötzlich wieder. Gut, dann tippe ich da. Gucke über meine Daten, werde nicht schlau draus, google herum, werde etwas schlauer, zack, zwei Stunden rum, wieder ins Labor. Eine weitere Stunde später friere ich mal wieder alles in drei unterschiedlichen Gefrierschränken auf zwei Stockwerken und bei zwei unterschiedlichen Temperaturen ein, dann schreibe ich noch eine mail, in der ich den Leuten, die jetzt damit weitermachen müssen, erkläre, was ich gemacht hab (it’s natürlich magic!) und dann ist Feierabend und ich fahre nach Hause.

Zu Hause dann Kinderbespaßung und Essen machen (helfen, Herr Rabe macht das meiste der Arbeit, ich koche nur Reis und ziehe Tomaten ab), den von Pippi ausgeräumten Papiermüll wieder einräumen, dann Essen. Dabei Gespräche mit Michel:

Michel: „Ich und H. und M. und A. sind beste Freunde. Wir spielen immer zusammen. E. nicht.“
Ich: „Warum denn nicht E.?“
Michel: „Weil der ist nicht nett.“
Ich: „Warum ist der denn nicht nett?“
Michel: „Der sagt immer so Politi und Bæsj*. Das mag ich nicht so gerne.“ *Kacke

Fünf Minuten später, mit dem Essen fertig.

Michel: „Ich brauche so Papier! Und Stifte!“ *Fummelt sich im Schritt rum*
Herr Rabe: „Musst du nicht vielleicht erst mal aufs Klo?“
Michel: „Ja! Und Pillern! Und Kacken! So ganz viel!“

Herr Rabe bastelt noch mit Michel, ich mache Pippi bettfertig (die Rübennase hat sich Reis und Eis komplett überall hingeschmiert, es ist eine wahre Freude), dann mache ich noch ein zuckersüßes Video wie Pippi ganz nonchalant auf mich zu läuft (auf zwei! Beinen! Wir sind alle sehr stolz!), dann schaukele ich Pippi in der Manduca in den Schlaf, während Herr Rabe Michel ins Bett bringt. Dann muss Herr Rabe zum Sport, ich räume mit Pippi in der Manduca auf, füttere und wässere die Schnecken, spüle ab und dann gelingt mir sogar noch das Kunststück, Pippi schlafend ins Bett zu legen. Die günstige Gelegenheit nutze ich, um mein Gesicht zu waschen (ich hab jetzt das Reinigungsöl von dm und das ist mal ein echter Fortschritt in meiner Gesichtspflegeroutine!) und mich einzucremen, das geht mit Kind umgebunden sehr schlecht.

Und jetzt sitze ich hier am Küchentisch, trinke Wasser und esse schwedische Zitronenkekse und schreibe auf, was ich so den ganzen Tag gemacht habe. Das werde ich dann gleich verlinken und danach (! Für e-mail- und Feedreader-Leser!) versuchen, dass Pippi-Video hochzuladen. Das kann aber dauern. Aber es könnte sich lohnen, dann später nochmal vorbei zu schauen *augenzwinker*.


 

2 Gedanken zu “Tag 390 – WMDEDGT September ’16

  1. Hanna schreibt:

    Hallo! Ich lese ja hier schon etwas länger voller Begeisterung mit und finde mich soooo oft wieder (2 Kinder, Junge 2,5 und Mädchen 10 Monate, wir leben in den USA momentan). Ich hatte übrigens gehofft dass es mit 3 Jahren besser wird, also dass mit dem anschreien und so…
    Pippi läuft ja echt zuckersüß. Also lange Rede wenig Sinn, sehr toller Blog.
    Viele Grüße

    Gefällt 1 Person

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