Tag 392 – Es war einmal…

… ein junges Pärchen, das war sehr verliebt. Und weil sie so verliebt waren verlobten sie sich schon recht bald. Erstmal nicht offiziell, dann aber auch irgendwann richtig mit Antrag und Ring und dem ganzen kitschigen Scheiß.

Alsbald stellten sie fest, dass alles, worauf ‚Hochzeit‘ oder ‚Ehe‘ oder ‚Braut‘ steht, ziemlich teuer war. Brautkleid, Brautschuhe, Hochzeitseinladungen, Eheringe – alles kostete direkt das doppelte oder mehr vom Äquivalent ohne Ehegedöns drauf. Vor allem die Eheringe stellten das junge Paar auf eine harte Probe, denn nicht nur waren alle Ringe die sie sahen sehr sehr teuer, sondern vor allem fanden sie sie auch sehr sehr hässlich.

Eines schönen Tages stand jedoch die junge Braut in einem Designladen in Stockholm vor einer Glasvitrine. Da drin waren Ringe ganz nach ihrem und ihres Verlobten Geschmack. Der Designer stand auch dabei. Sie suchte denn auch alsbald den Designer in seinem Ateljer auf, in Begleitung des Verlobten, und gemeinsam entschieden sie sich schnell für eine Variante: nicht zu eckig, nicht zu platt, ganz schlicht, keine Steinchen, aus Titan und mit einem schmalen Streifen aus Platin. Und weil da nicht Ehe oder sonstwas dranstand, kostete der ganze Spaß gerade mal 4000 Schwedische Kronen (bei einem Wechselkurs von 1:11 damals). Der Designer empfahl noch eine Bekannte für die Gravur, denn Titan gravieren machen nicht viele, und so bekam das Pärchen noch eine wunderschöne handgemachte Inschrift in ihre Ringe. An einem der letzten Tage ihres Aufenthalts in Stockholm holte die junge Braut die gravierten Ringe ab und war sich sicher, dass diese traumhaften Ringe die Ehe besiegeln und sicher für immer halten würden.

Fast forward 5 Jahre.

Das Platininlay des Ringes der Braut fängt an, sich aus dem Ring zu lösen. Ein winziger Spalt ist aufgetaucht. Fortan nimmt sie den Ring zum Duschen und Spülen und Eincremen ab, damit es nicht schlimmer wird und sich kein Schmodder in den Spalt setzt.

Fast forward 2 Jahre.

Es ist trotzdem schlimmer geworden. So schlimm, dass jedes Mal, wenn sich die Frau unbedarft in die Haare fasst, sich ein  einzelnes Haar in dem Spalt verklemmt und unsanft aus der Kopfhaut gerissen wird. Und so schreibt die Frau den Designer an, dessen Ateljer es glücklicherweise noch gibt, ob er das reparieren könne. Klar, antwortet der, am Besten käme sie einfach vorbei.

Die Frau googelt kurz nach Möglichkeiten, mit Kind und Kegel nach Stockholm zu kommen, gleicht die Ergebnisse mit dem Sparkonto ab und schickt den Ring seufzend per Post.

Murch!

Und weil sich die Hand ohne den sieben lange Jahre getragenen Ring ganz nackt anfühlt, kramt sie zu Hause den Verlobungsring wieder hervor, poliert das Angelaufene mit Zahnpasta und einem Wattepad weg und trägt jetzt den so lange, bis der Ehering wieder da ist.

Wieder was angezogen.

To Be continued.  (Update: der Ring ist laut Post angekommen. Puh.)

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