Tag 424 – Portugal. 

Ich bin ja jetzt in Portugal. Genau genommen bin ich in einer Pousada oben auf einem Berg hinter einem Kaff hinter einem etwas größeren Kaff hinter Porto. Oder, wie ich es gestern bei der Ankunft nannte: 

Die Reise hierher war ok, lang halt, und anstrengend auch, die letzte Etappe mit der S-Bahn und dann die allerletzte mit dem Taxi zogen sich gefühlte Ewigkeiten, aber ich kam irgendwann doch an und wurde von meiner Mutter und meiner Tante empfangen. Großes Hallo und Sachen ins Hotelzimmer (ich wohne direkt in der Pousada, das kostet ein Schweinegeld, aber man gönnt sich ja sonst nichts, nicht wahr?) bringen, die Kleider aufhängen, dann: Menschen treffen. 

  • Meine Mutter: hat jetzt künstliche Wimpern. Ich brauchte mich schon keinem mehr vorstellen, ich bin „die Tochter“. Offensichtlich hat sie die letzten Tage allen von mir erzählt. 
  • Meine Tante: angeheiratet, zweite Frau von meinem Onkel, deshalb nicht die Mutter der Braut, die lebt leider nicht mehr. Trotzdem so aufgeregt wie die Mutter der Braut wohl wäre und außerdem angenervt vom Organisieren von allem. 
  • Mein Onkel: tiefenentspannt. Ich bin ewig dankbar, dass er mir zwei Bananen holte, nachdem mir um sieben (ja eigentlich schon acht) eröffnet wurde, Essen gäbe es erst in einer Stunde. 
  • Meine Omi: beängstigend dünn und noch beängstigender schusselig. In dauerndem Nörgel-Modus über die Pousada/den Service/das Essen. Emily Gilmore, nur älter. 
  • Mein Opi: dement halt. Es ist hart, das mit anzusehen. Furchtbar dünn, Kurzzeitgedächtnis eigentlich nicht mehr vorhanden, dazu ein unfassbar großes Veilchen mit Pflaster auf der Augenbraue, weil er am Dienstag gestürzt ist. 
  • Meine angeheiratete Cousine und ihr chilenischer Freund (Barbier, mit vielen Tätowierungen. Meine Omi findet ihn unmöglich.), die sind lustig. ❤
  • Meine tatsächliche Cousine (die Braut): aufgeregt, aber glücklich. 
  • Ihre Freundinnen samt Familien (Kinder: 2 Monate, 10 Monate, 2,5 Jahre): die kenne ich noch von vor 15 Jahren (also die Freundinnen, nicht die Kinder), die sind auch nett und lustig. 
  • Der Bräutigam und seine Freunde: schwieriges Thema. Ich kenn den ja gar nicht, ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wer da nachher meine Cousine heiratet. Gestern Unterhaltung mit seinem Mentor bei der Armee, der ihn gerne als Armee-Anwalt im Irak oder Afghanistan oder so hätte. Great opportunity, honour und so. Der Pazifist in mir sitzt weinend in der Ecke, der Pazifist an meiner Außenseite nickt, lächelt und schluckt alle Kommentare runter, es bringt doch einfach mal gar nix, mich hier mit Armee-Menschen anzulegen. 
  • Meine Cousins samt Freundinnen traf ich erst heute, mein kleiner Cousin (den wir in Wien trafen) ist sehr nett wie immer, meinen großen Cousin hab ich erst nicht erkannt, weil er jetzt eine lange Wallemähne hat, aber nicht wie so ein Mettler oder Hippie, sondern wie der Münchner Schnösel, der er ja auch ist. Seine Freundin wurde mit „Diejana“ vorgestellt, das sorgte für Verwirrung, weil ich „Die Anna“ verstanden hatte, meine Omi „Diana“ („Die hat aber rein deutsche Vorfahren!“) und mein kleiner Cousin sagte „Die Jana“. Letzteres stellte sich in einem längeren Gespräch mit ihr als Richtig heraus. Außerdem ist sie Lehrerin, Gymnasium, Geschichte, Deutsch, SoWi und verbeamtet in Lüneburg. Knapp 30, sehr nett und erstaunlich gewitzt, schlau und bestimmt für meinen Cousin, der sonst auch gerne mal reine Deko-Mädchen anschleppte. Also, damals, als wir noch mehr Kontakt hatten. 

Dieses ganze Familiendings ist für mich sehr anstrengend, deshalb lieber noch ein paar Fotos von der Location, dazu ein paar Verdrängungsmechanismen und ein Bad, dann bin ich fertig für die Trauung nachher. (Dann ist meine Hauptaufgabe, mich nicht abzuschießen. Ich hab absolut keinen Nerv auf nen Kater morgen.)

So, auf geht’s. Trauung in 15 Minuten. 

Impressionen aus dem Ort, No.1

Impressionen aus dem Ort, No.2

Die Kirche, direkt an dem ehemaligen Kloster. Imposant, he?

Eingang, links geht es rein, geraudeaus zum einen Innenhof.

Der eine Innenhof von der anderen Seite.

Mein Zimmer mit Erkerfenster samt Steinpritschen fürs kontemplative Gebet.

Essenssaal, mit um 8:45 noch jungfräulichem Frühstücksbüffet auf ehemaligem Altar (auf dem früher vermutlich Jungfrauen geopfert wurden oder so).

Anderer Innenhof, in dem die Trauung sein wird.

Granatapfelbaum.

Es gibt sogar einen Pool.

Vor lauter Traumhochzeit kommts mir gleich schon hoch.

Orangengarten.

Hier wird wohl nachher getanzt.

Hübsche Blumen.

3 Gedanken zu “Tag 424 – Portugal. 

  1. Mamamaj schreibt:

    Ach Portugal mon amour! Klingt anstrengend bei dir hat aber Potential, doch ganz gut zu werden…. Bin gespannt auf weiteren Bericht. Hast du die Kleine eigentlich dabei?

    Gefällt mir

  2. InaPö schreibt:

    Nachdem mein Cousin und seine Frau (die ich auch nicht kannte) seine Traumhochzeit mit mehreren wechselnden Brautkleidern, Bötchenfahrt übern See, Ihr müsst gute Wünsch für das Brautpaar auf die Herzchenluftballonpostkarte schreiben (soll ich Dir mal sagen was ich MUSS?) in unerträglich zuckergussüberzogener romantischer Bussibussimanier gefeiert haben, seine (oh, auch meine) Patentante stand ständig irgendwo überfordert heulend in der Ecke, sind mein Mann und ich im Jahr drauf nach Kopenhagen gefahren, haben uns ein tolles Airbnbzimmer gesucht, uns in unsere Lieblingstshirts geschmissen, sind ins Rathaus gelaufen, haben uns trauen lassen und es uns den ganzen Tag (und die nächste Woche im Ferienhaus an der Nordsee) gutgehen lassen. Für uns genau die richtige Entscheidung.

    Gefällt 1 Person

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