Tag 659 – Hausaufgaben. 

Michel kam heute nach Hause und verkündete mit ernster Miene, er müsse dringend was aufschreiben. Etwas wirklich wichtiges. Er brauche das morgen im Kindergarten. Es sei wirklich, wirklich ganz wichtig. Er holte sich einen Zettel und einen Stift. Und dann sagte er noch „Aber dann muss jemand mir helfen beim Schreiben.“ und setzte seinen Hundeblick auf, dem sich, so glaube ich, niemand entziehen kann. Also setzten wir uns hin und er sagte: „Erstmal müssen wir zeichnen!“. und hielt mir den Stift hin. Ich sagte, was ich dann immer sage: „Wenn du zeichnen willst, dann zeichne, aber ich möchte jetzt nicht für Dich zeichnen.“ Er verneinte, wir müssten zeichnen schreiben. Schreiben müssten wir. Also zeichnen. So ging das eine Weile hin und her, bis sich irgendwann das Misverständnis aufklärte: er wollte, dass ich „Zeichnen“ auf den Zettel schreibe. Während ich das tat, fragte ich Michel, warum er das denn so dringend brauche? Für den Vierjährigen-Club, antwortete er. Es ist nämlich so, dass Michel, weil er angepisst war, dass er noch nicht zur Vorschulgruppe gehört, einen Vierjährigen-Club im Kindergarten gegründet hat. Der Club hat drei Mitglieder. Und für den Vierjährigen-Club wollte er also „Zeichnen“ aufgeschrieben haben. Und dann nochmal in kleinen Buchstaben. Und dann „Spielen“. Dann „Schreiben lernen“. Mir dämmerte langsam, was er da vorhatte. Und ja: „Danach lernen wir, still zu sein“ und „Zählen“. Michel diktierte mir das Manifest* seines Vierjährigen-Clubs. Als es fertig war, faltete er es sehr sehr ordentlich zusammen und packte es direkt in seinen Kindergarten-Rucksack. 

Ich hab es heimlich noch mal ausgepackt und fotografiert. (Michel, der kleine Trønder, sagte übrigens „Lær‘ oss å skriv'“ und „Lær‘ oss å vær‘ stille“


(Es folgte eine Unterhaltung über Sonnencreme, bei der ich nicht nur einmal an Frau Brüllen denken musste und bei der ich dann am Ende, als Michel Angst hatte, seine „Brakteriannj“** könnten, wenn er sich nicht eincremt, durch die Sonne schaden nehmen*** dann leider nicht mehr ernst bleiben konnte und etwas lachen musste. Der ist so unglaublich putzig manchmal. Und schlau! Und putzig.)

*Falls er den Stoff so durchzieht, wird er jedenfalls zum Schulbeginn nicht überfordert sein.

**Wortneuschöpfung a la Michel: B(r)akterien, mit Trønder-Endung bestimmter Plural von allem: -an, gesprochen -annj mit sehr weichem j

***wo er ja ganz und gar nicht unrecht hat. Bakterien können genauso UV-Schäden an ihrer DNA bekommen, nur kriegen Bakterien halt keinen Krebs, sondern sterben halt direkt. 

Ein Gedanke zu “Tag 659 – Hausaufgaben. 

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