Tag 660 – Aggressionsproblem. 

Dinge, über die ich in den letzten Tagen wirklich, wirklich wütend wurde (Reihenfolge spiegelt nicht die Gewichtung wieder):

  • Ein Kindergarten irgendwo in Süddeutschland schickt ein Kind nach Hause, weil es keine eigene Sonnencreme dabei hat. Obwohl die Mutter ihr Einverständnis gegeben hat, die Sonnencreme eines anderen Kindes zu benutzen. 
  • Eine Mutter sagt, sie könne und wolle nicht mehr auf Art und Weise x erziehen, ihre Tochter tanze ihr auf der Nase rum. Andere Mütter fallen über die Mutter her: sie habe x halt einfach falsch gemacht, weil sonst würde weder auf Nasen getanzt noch wäre sie so fertig. 
  • Menschen, mit denen ich Labore teilen muss, sauen rum, füllen nichts nach und brauchen meinen persönlichen Kram auf. Ohne zu fragen oder auch nur Bescheid zu sagen. 
  • Menschen finden es wichtiger, oben auf dem Brutschrank Staub zu wischen, als dass ich meine Proben nach Ablauf der 24 Stunden Inkubationszeit aus dem Brutschrank holen kann. 
  • Die Bauarbeiten*. 
  • DIE NACHBARIN**!!!
  • Die Hausärztin der Kinder, die trotz Bitte meinerseits, mir keine anderen Allergien außer der Katzenspeichelenzymallergie mitzuteilen, einfach einen Brief mit den (kompletten) Ergebnissen des IgE-Tests schickte. MIT INFOMATERIAL, WIE WIR MIT DEM (JA AUSDRÜCKLICH NICHT ERWÜNSCHTEN) NEBENBEFUND JETZT UMGEHEN SOLLEN. 
  • Hausstaubmilben. 
  • Pippi, die am Pencil vom iPad gekaut hat. 
  • Pippi, die mein Glasthermometer fand und zerstörte.
  • Michel, der morgens unglaublich trödelig und heulig drauf ist. 
  • Das gesamte Projektteam, das findet, ich könnte ja noch drölfzig Experimente machen. Während mir aber gleichzeitig niemand zuhört, was ich schon gemacht habe. 
  • Das Projekt. 
  • Das Wetter. 
  • Dass ich wirklich jedes Mal, wenn ich mein Fahrrad abschließe, mich mit Öl von der Sattelfederung einsaue. 

Mir scheint, ich habe ein klitzekleines Aggressionsproblem. Oder vielleicht bin ich einfach sehr müde. 

*Die eine Tür ist zu kurz und knarzt, wir haben komplett absurde Anzahlen von Schlüsseln erhalten, überall fehlen noch Leisten und Farbe und Putz und es sieht auch Stellenweise noch aus wie Sau, obwohl wir schon zwischendurch mehrmals gründlich saubergemacht haben. 

**mit ihren SMS, ich versuche diesen Teil mental load und Nervenfresserei auf Herrn Rabe abzuwälzen, aber sie schreibt immer immer immer wieder mir. Ich will das nicht, sie und ich, das geht nicht, ich gehe inzwischen direkt an die Decke bei ihrer Art. Aber dann wird hier wieder irgendwas installiert und sie schreibt zum 15. Mal „Ich brauche die Schlüssel für vorne und hinten“ und ich erkläre wieder und wieder und wieder, dass wir nur zwei Schlüssel für vorne haben und man mit unseren Schlüsseln ja (wie sie weiß) viel Übung braucht, um die Tür zu öffnen und warum lassen wir nicht einfach die Tür auf? Und sie so: warum habt ihr nur zwei Schlüssel? Und dann platze ich.

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