Tag 813 – Sichelzellanämie ist es auch nicht.

Heute waren drei Dinge:

  • Kackwetter
  • Kinderarzttermin
  • Start der Pippi-Karri-Gewöhnung

Bis auf das Wetter lief alles super, also das Wetter war auch echt grandios im Kacke sein und ich bin jetzt um die Erkenntnis reicher, dass der heutige ColourPop-Lippenstift (Bichette Matte Lippie Stix) zwar Essen, Trinken und allgemein langes draufsein tadellos übersteht, aber bei eiskaltem Wasser (ok, es war eher so Eisstrahlen) blättert der einfach ab. Vielleicht lässt sich das ja zum Abschminken nutzen.

Jedenfalls ließ ich nach dem Weg zur Arbeit für die weiteren Wege des Tages dann doch lieber das Fahrrad stehen, auf dem einen Weg musste ich schon drei mal anhalten und warten, bis meine Augen, in die es die ganze Zeit quasi reinhagelte, aufgehört hatten zu tränen. Dann fing es noch an zu schneien, alles war voller Schneematsch, ich hab noch keine Spikes aufgezogen und muss dringend meine Bremsen nachziehen, die funktionieren nämlich bei kalt und nass nur mäßig und überhaupt war wirklich Fahrrad-feindseliges Wetter. Also nahm ich den Bus von der Arbeit nach Hause, dann das Auto (nachdem ich den Reboarder eingebaut und die Bezüge wieder aufgezogen hatte…) von zu Hause zum Kindergarten, sammelte Pippi ein, fuhr mit ihr zum Kinderarzt, legte mich fast auf die Fresse, weil der Lehmboden am abschüssigen Parkplatz so nass und glibschig war, kam mit Pippi um 12:59 in die Kinderarztpraxis und schaffte es nicht mal, meine Schuhe auszuziehen*, da wurden wir schon aufgerufen.

Dann der Arzttermin. Also, Herr Prof. Dr. Stein Dingenskirchen, der war sehr nett. Er erinnerte mich sehr an meinen alten Frauenarzt. Erstens war er alt. Richtig alt. Die Hände schon voll Altersflecken-alt. Und dabei ein gutmütiger, etwas behäbiger Opa. Er machte sich handschriftlich Notizen zu allem möglichen (Ich kam mir vor wie beim Heilpraktiker, so lange und ausführliche Anamnesegespräche hab ich bisher selten erlebt), während Pippi vor sich hin spielte. Er fragte wirklich alles ab, von ihrem Geburtsgewicht zu ihrem aktuellen Gewicht, wie lange ich gestillt habe, wie lange voll, was und wie viel sie so isst, ob es ihr im Kindergarten gefällt und so weiter. Dann fragte er erst nach dem mysteriösen Fieber. Und zum ersten Mal sagte mein Gegenüber nicht „also ca. einmal im Monat?“ als ich sagte, dass sie alle drei Wochen Fieber bekommt, wie ein Uhrwerk. Er fragte dann noch ein paar Sachen, hörte Pippi ab, guckte in ihren Hals, fühlte an ihrem Bauch, bewunderte ihr Pflaster an der Hand**, tastete alle möglichen Lymphknoten ab, kitzelte sie hinterm Ohr und dann durfte Pippi wieder spielen während ich erklärt bekam, was er für die wahrscheinlichste Erklärung hält. Und das ging so: „Also, erstmal um dich zu beruhigen: das ist keine Leukämie und auch kein Rheuma. Bei Erwachsenen würde man das bei solchen Symptomen vermuten und deshalb wollte Euch wohl auch die Hausärztin herschicken. Es könnte noch Sichelzellanämie sein, aber das wüsstest du sicher, wenn das in eurer Familie vorkäme. Bei so kleinen Kindern und nachdem das andere ausgeschlossen ist, gibt es noch etwas, das Periodisches Fiebersyndrom heißt. Da schreibe ich mal hier einen Artikel*** auf, da ist das sehr gut beschrieben. Im Grunde ist es genau das: alle drei bis vier Wochen Fieber für ein paar Tage, ohne weitere Symptome. Manchmal geht damit eine Schwellung der Lymphknoten**** oder eine Mandelentzündung einher. Das ist nicht schlimm und geht von selbst wieder weg, man kann auch mit einem Hals-Nasen-Ohrenarzt mal überlegen, ob die Mandeln entfernt werden sollten, wenn es zu häufige oder zu lange Episoden werden.“ Dann fragte er noch, ob ich noch Fragen hätte (nein, also ja, aber nein, ich muss das erstmal verdauen) und füllte mir einen Antrag auf Erweiterung der (bezahlten) Kindkrank-Tage aus, damit wir nicht jedes Mal einzeln zum Arzt rennen müssen. Und dann wars auch schon vorbei, 45 Minuten waren wir „behandelt“ worden, Pippi sagte ganz bezaubernd Tschüss zu allen Spielzeugen, die in der Praxis wohnen und ich fuhr sie zurück zum Kindergarten. Ohne Kind auf dem Schoß arbeitet es sich einfach besser, vor allem im Labor. Auch wenn es dann nur noch ne Stunde war, bis ich wieder losmusste um Karri zu treffen.

Um exakt 15:45 parkte ich vor unserer Haustür, wo auch schon Karri stand (aber noch nicht lange, puh) und wir gingen – immernoch durch den Schneeregen – zum Kindergarten. Michel wollte unbedingt zu seinem besten Freund, weil da heute „ein Kürbis gemacht wurde“, whatever, ich fand eine Solo-Gewöhnung von Pippi für den ersten Tag auch gar nicht schlecht, also sagte ich ja. Ich stellte Karri den verbliebenen Kindergärtner*Innen vor und erklärte ihr das nötige. Und dann rollten wir gemeinsam das Kind im triefenden Fahrradanhänger nach Hause. Da kam ich mir dann kurzzeitig sehr Gutsherrinnenmäßig vor, weil ja Liv heute da gewesen war und alles blitzte und blinkte und ich komme mit meiner Nanny zur Tür rein… Naja. Pippi war überraschend fröhlich, ließ sich von Karri direkt ein Brot schmieren und wollte dann unbedingt Peppa Wutz gucken (etwas peinlich für die Mama, das Fernsehsüchtige Kind…). Aber sie darf ja eine Folge gucken und Karri bekam dann auch gleich einen astreinen Wutanfall mit, als die Folge vorbei war und ich ausschaltete. Ganz reale Bedingungen also. Während der Folge hatte ich Karri weitere nötige Dinge gezeigt (Klo, Windeln, Kleidung, Essen…) und ihr alle unsere Nummern gegeben und meinen Plan erläutert, nämlich zwar hier zu sein, aber eben Kram zu machen, auf den Dachboden zu gehen und so weiter. Und das machte ich dann auch, fast gar nicht nervös, und als ich vom Dachboden wiederkam, die Hände voller Kinderstiefel, hörte ich Pippi fröhlich quietschen. Pippi und Karri bauten Lego, das Kunstwerk würde mir stolz präsentiert und dann rödelte ich weiter. Einmal rief Pippi im Wohnzimmer „Mama?“ und ich rief aus dem Schlafzimmer „Ich bin hier!“ und das war‘s. Für einen ersten Tag mit meinem bisher eher klammerigen Kind bombastisch gut. Vielleicht hat sie ja endlich verstanden, dass wir sie nicht bei Kinderessern lassen würden.

So kann’s gern morgen weiter gehen. Also, minus den Arzt, dafür mehr Arbeit.

__

*Nein, das macht man in Norwegen nicht in jeder Arztpraxis so, aber da stand ein Schild, man solle das doch tun, weil Babys herumkriechen. Und innerhalb der Praxis ist handyfreie Zone.

**glorreicher Moment der Mutterschaft gestern: am Herd herumwurschteln und vergessen, das kleine, sehr scharfe Gemüsemesser außer Reichweite von Pippi zu legen. So schnell wird sie wohl kein Messer mehr anpacken.

*** einen richtigen, Wissenschaftlichen Journal-Artikel. Hachz!

**** zum Abschluss zeigte er mir noch, wie man die Lymphknoten am Hals und im Nacken abtastet, damit ich überprüfen kann, ob die bei den Fieberepisoden anschwellen. Hachz!

10 Gedanken zu “Tag 813 – Sichelzellanämie ist es auch nicht.

  1. Anima Chutzpanit schreibt:

    Das scheint ja ein wirklich netter und guter Kinderarzt zu sein – einer, der seinen Beruf als Berufung sieht und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Er erinnert mich an meinen Papa, der auch ein solcher Arzt war, aber leider nicht alt werden durfte…

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    • \o/ dass es geholfen hat!
      Grade hat hier wohl keiner die nötigen Nerven (Ich bin ja schon ein Schisser bei OPs mit Vollnarkose, bei meinen Kindern potenziert sich das noch mal…), aber wenn das bis nach einem eventuellen Umzug so weiter geht, nehmen wir das in Angriff.

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      • Ja, ich fand’s jetzt auch nicht so toll mit der Operation… aber der Leidensdruck war groß genug. (Gegen Paukenröhrchen für den kleinen Herrn Maus haben wir uns dagegen mit Händen und Füßen gewehrt.)

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      • Michel hat Paukenröhrchen (gehabt, inzwischen sind sie rausgefallen). Nach reichlich eitrigen Mittelihrentzündungen mit und ohne Durchbruch konnte er nur schlecht hören und da er wegen großer Polypen auch schnarchte und Schlafapnoen hatte, wurde das gleich in einem Abwasch mit gemacht. Aber schön war’s nicht.

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  2. julia schreibt:

    War das dann ein spezieller Kinderarzt? Also auf was ist der spezialisiert? Das ich das noch erleben darf, man geht zu einem Arzt und bekommt direkt und gut erklärt was Sache ist. Toll! Ich drücke euch die Daumen, dass alles so weiter läuft wie gestern.

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