Tag 957 – Ein paar Gedanken zur Bestechung.

Belohnen ist ja das neue Strafen, sagt der Juul. Spoiler vorweg: so eng sehe ich das beileibe nicht. Trotzdem belohnen wir relativ wenig. Und seltenst ausdrücklich, so wie „Und weil du dies und das getan hast, kriegst du jetzt…“. Aber vielleicht ändere ich das in Zukunft und belohne ein bisschen mehr. Oder vielmehr besteche, indem ich für ein gewünschtes Verhalten eine Belohnung in Aussicht stelle. Es funktioniert nämlich. Ich meine damit nicht Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten und das auch langfristig werden sollen, also es wird hier kein „Wenn du die Socken vom Sofa räumst, kriegst du ein Bonbon“ geben. Aber für Ausnahmedinge, so wie Pippis Antibiotikum zum Beispiel. Da kriegt man jetzt hier in der einen Apothekenkette direkt einen Bogen dazu, mitsamt Aufklebern. Jedes Mal, wenn man das Antibiotikum (oder sonst eine Medizin) genommen hat, kann man einen Aufkleber auf den Bogen kleben, bis er dann voll ist. Den vollen Bogen und das übrige Antibiotikum kann man dann in der Apotheke wieder gegen eine „Prämie“ eintauschen, also: eine Belohnung. Nun war ja das neue Antibiotikum schon mal viel weniger eklig als das Nullachtfuffzehnpenicillin, aber immernoch nichts, was sich Pippi gern dreimal am Tag verabreichen ließ (wie zum Beispiel Nurofen-Saft, den würde sie auch aus der Flasche trinken, wenn wir sie ließen. Michel nicht, der nimmt lieber Tabletten als irgendeine Form von flüssiger Medizin). Das änderte sich, als sie verstanden hatte, dass sie nach der Medizin einen Aufkleber kleben durfte. Sie durfte das übrigens immer, auch wenn’s Geschrei gab oder ellenlange Diskussionen im Kleinkindstyle – Nein – Doch – Nein – Doch… alles egal, Hauptsache drin. Dann hieß es „Fosch kleben Bärsen/Snegge!“, was soviel heißen soll wie „Zum Frosch [auf den Bogen] kleben wir jetzt ein Bärchen/eine Schnecke!“ und dann war das mit der Medizin schon nur noch ein bisschen eklig und mit Nachspülen eh ok. Ich fand das also tatsächlich eine gute Maßnahme, die es Pippi sichtlich leichter machte, sich zu überwinden und auch die Verhältnismäßigkeit Medizin – Aufkleber fand ich durchaus gegeben. Zumindest für ihr Alter, ich glaube Michel fand die Aufkleber alle albern, aber dafür neidete er ihr das Bestechungsmittel auch nicht. Im Gegensatz zur Belohnung, die wir heute eintauschten (mir ging es eher um die Rückgabe der überzähligen Antibiotika, fachgerechte Entsorgung ist wichtig!). Da bekam Pippi nämlich für ihr „Fosch-Bild“ ein richtiges kleines Säckchen mit einem Plüsch-Bärchen und allerlei Verarztungskram dazu: Mundschutz, Pflaster, Mullbinden. Ohhhh, wie sie sich freute. Ohhhh, wie traurig Michel war. Für ihn war es absolut nicht verständlich, dass Pippi für ihr Kranksein so reich beschenkt wurde. Und auch Pippi verstand glaube ich nicht so ganz den Grund für diesen Geschenkesegen. Da passte dann halt wieder die Verhältnismäßigkeit nicht. Pippi ist ja ich noch viel zu klein, als dass sie mit „und in 10 Tagen kriegst du dann“ bestochen werden könnte. Selbst bei Michel würde ich den Zeitraum noch zu lang finden. Insofern, langer Rede kurzer Sinn: direkte, kleine Belohnung für nicht-alltägliches yay, großes Ding nach langen Zeiträumen eher nay. (Und, ne? Jede Familie macht’s eh wie’s passt und gefällt. Muss man ja immer dazu sagen.)

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Auto-Lobhudelei: Heute trotz diverser Querelen nicht ausgerastet, ein wichtiges Gespräch (wie ich finde) mit Bravour gemeistert.

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9 Gedanken zu “Tag 957 – Ein paar Gedanken zur Bestechung.

  1. Sunni schreibt:

    Völlig richtige EInstellung, haben wir immer so gehandhabt, ging gut, bis auf ein paar geschwisterliche „Kämpfe“, die man nie absehen kann oder gar verhindern. Ist eben so, vergeht wieder. Und das eigene Gefühl täuscht einen da nicht. Weiter machen, Luft holen, Ruhe bewahren (so gut es geht) und seinen Weg gehen. Herzlich, Sunni

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  2. Bettina schreibt:

    Hach ja….bisschen „bestechen“ ist manchmal notwendig und durchaus legitim, finde ich.
    Bei unseren Kindern gab es damals Antibiotikum mit vorgestanzten Smilies auf der Packung. Die oberste Reihe waren krank aussehende, dann kamen „geht so“ Smilies und zum Schluss fröhliche. Mit jeder Medikamentengabe konnten sie jeweils eins rausdrücken und sahen dann auch gleich, wann es ihnen besser gehen müsste….

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  3. PaulineM schreibt:

    Wenn Kinder sich für etwas wirklich überwinden müssen, finde ich Bestechung/Belohnung ganz in Ordnung. Wie oft machen wir uns einen Kaffee, kaufen ein Stück Kuchen oder Schokolade und denken dabei: „Das habe ich mir jetzt wirklich verdient.“ Auch eine Art der Belohnung und völlig in Ordnung.

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  4. Irene schreibt:

    Bestechung im richtigen Rahmen beim richtigen Kind ist schon in Ordnung. Sagt die, die als Zweitklässlerin, gerade von der Grossstadt ins Dorf verpflanzt mit 5-Rappen-Stücken bestochen wurde, auf der Strasse fremde Leute zu grüssen. Das war aber nur so lange nötig, bis ich es verinnerlicht hatte, dann habe ich das gar nicht mehr von mir aus eingefordert.
    (Wir bekamen auch Geld für gute Noten, das ist heutzutage ja auch „Pfui“ ;-))

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  5. ohmskine schreibt:

    Liebe Frau Dr. Rabe,
    die Belohnung von Wohlverhalten kommt auch in der Erwachsenenwelt vor, z.B. in Form von Boni. Das finde ich fragwürdiger als bei Kindern, die noch viel lernen müssen.
    Meine Kinder dürfen z.B. abend fernsehen, wenn es tagsüber keinen Streit gab. Die Details lassen sich ganz gut an die aktuelle Situation anpassen bzw. aushandeln.
    Und statt Geld gibt es für gute Noten ein Eis und zwar für alle Familienmitglieder. Das war schon bei meinen Eltern so. Einerseits ist gemeinsame Freude schöner und andererseits haben die Eltern meist beim Lernen geholfen und die Geschwister in der Zeit leise sein müssen ;o)
    Voraussetzung für eine Belohnung ist für mich, daß das Kind etwas Schwieriges gemeistert hat. So gab es z.B. ein kleines Geschenk von der „Schnuller-Fee“, eine „Zahn-Fee“ kommt bei uns aber nicht, denn die Zähne fallen ja von selber aus.

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  6. Lotti schreibt:

    Wir bestechen/ belohnen selten. Aber zum Schluck Antibiotikumsaft gibt’s bei den Kleinsten einen halben Butterkeks, bei den größeren einen Gummibärchen hinterher, natürlich nur gegen den schlimmen Geschmack! 😉
    Seitdem gibt es auch keinen ausgespuckten Saft mehr und die Kinder erinnern selbst an die Medizin. Die Geschwister haben akzeptieren, dass das zum Antibiotikum dazugehört und quengeln nicht, weil sie leer ausgehen.

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