Tag 1024 – Ich habe einen Bauzaun getragen.

Die Mutter von Michels bestem Freund, die ja auch meine Freundin ist, die ist dieses Jahr die Produzentin des Juba Juba-Kinderfestivals. Als solche ist sie natürlich für alles mögliche verantwortlich und weil das noch nicht reicht, hat sie die letzten Wochen noch ihre komplette Bekanntschaft* zur freiwilligen Mitarbeit zwangsverpflichtet. Aber weil wir ja grad auch einfach nicht sooo viel Geld haben, ich dafür viel Zeit und mir zu Hause auch gelinde gesagt die Decke auf den Kopf fällt, habe ich mich tatsächlich gerne da gemeldet. Man bekommt, egal wie viel man arbeitet, ein schmuckes** T-Shirt und den Festivalpass fürs ganze Wochenende, plus pro Schicht, die man arbeitet, 2 Tageskarten. Da Pippi ja noch nicht drei ist, zahlt die noch keinen Eintritt, weshalb ich mich für 2 Schichten gemeldet habe. Damit können wir alle vier beide Tage aufs Festival gehen und sparen ~1500 Kronen. Yeah!

Man konnte die Arbeit, die man machen will, priorisieren. Drei Bereiche (von ca. 20) müsste man angeben und da war von Aufbau/Abbau bis Kinderschminken wirklich alles dabei. Weil ich ja je nach Tagesform zur Zeit eher so mittelmäßig sozialkompatibel bin, habe ich mich mit 1. Priorität für „Arena“, also Aufbau/Abbau eingetragen. Die zwei anderen waren Bändchen-Bude und „Sonnenschein-Truppe“, das sind die, die die anderen Freiwilligen mit Essen/Trinken/GUDE LAUUUNE! bei Laune halten (immerhin nix mit Kindern). Ich bekam Arena und sogar meine Wunschtage Donnerstag und Freitag, dann fiel mir aber ein, dass Donnerstag ja das Einschulungsdings-Dings sein würde und außerdem war ich auch mit den Tagen für das Karriere-Dings durcheinander gekommen, deshalb habe ich zähneknirschend den Donnerstag gegen Sonntag (17:00 bis 23:30! Buhuhuuu!) getauscht. Immerhin ist der Sonntag dann kürzer, sonst ist nämlich jede Schicht 8 Stunden lang.

Arena also. Ich kann ja nicht raus aus meiner Haut, also kaufte ich gestern die ungelogen einzigen Montage-Handschuhe, die mir passten:

(Größe 8, da gab es schon mehr in der Größe, aber die saßen alle nur so mittel oder waren total steig oder sonst komisch.)

Dann holte ich mein Aufbauband und das T-Shirt und ein Umhängeschild mit meinem Namen und fett „Arena“ drauf ab:

Und machte mich heute dann fett mit Sonnencreme eingeschmiert, in einer ollen Jeans, die mir mal vor Jahren passte und jetzt leider viel zu groß ist, meinem Sport-BH und dem Juba-Juba-Shirt überpünktlich auf den Weg. Um dann festzustellen, dass ich das Umhängeschild vergessen hatte. Ich flitzte also wieder zurück und dann in einem Affenzahn den Berg hoch. Für die Ortskundigen: Buran – Festningen in 9 Minuten. Zu Fuß. So war ich im Endeffekt dann nur drei Minuten zu spät da, was leider aber trotzdem bedeutete, dass ich es nicht mehr geschafft habe, ein „Vorher“-Selfie zu machen und (schlimmer) dass die Einteilerei schon passiert war und niemand mehr am Treffpunkt zu finden war. Wen ich aber fand war meine Freundin, die dann die Freiwilligen-Verantwortliche anfunkte, die mich dann traf und einem Typen namens „Blitz“*** zuteilte. (Außerdem war sie sehr amüsiert über meine Handschuhe, also darüber, dass ich mir selbst welche mitgebracht hatte, wie so ein Vorbereitungskontrolletti halt, aber das ist eine andere Geschichte.) Zum Bühnenaufbau. Okay. Bühnenaufbau it is! Erstmal musste ich aber meine mit Bedacht gewählten Schuhe gegen Sicherheitsschuhe tauschen.

Ich habe dezente Probleme mit geliehenen Schuhen.

Blitz vermittelte mich dann an einen anderen Typen, mit dem ich das Misch-Zelt vor der Hauptbühne aufbaute. Das ging noch alles, auch die Gewichte auf die Füße des Zeltes legen und dann mit Heringen festmachen, ich war ja für körperliche Arbeit gekommen, nicht wahr? Dann wurde ich mit Kabel legen betraut. Von der Bühne zum Misch-Zelt. Vor den Kabeln kamen allerdings die Kabelkanäle. Diese verstärkten Hartgummi-Dinger, die auf Dorffesten und Festivals weltweit dafür sorgen, dass Kabel nicht einfach so herumliegen und eventuell ein LKW drüber fährt. Diese Teile sind überraschend schwer. Nach dreien bekam ich Hilfe, eine Kollegin meiner Freundin, die eigentlich das Toddler-Zelt einrichten sollte, aber noch auf Zeug wartete, das sie dazu brauchte. Nennen wir sie Ida. Ida und ich legten also die Kabelkanäle und dann das Licht- und die Soundkabel da rein, dann halfen wir beim Aufstellen der Subwoofer und schlossen diese an, schleppten noch Zeug auf die Bühne und dann war es plötzlich auch schon Zeit für Lunch.

Mein Dafuq-Gesicht. In durchgeschwitzt.

Nach der Pause, in der ich einen Liter Wasser exte und drei Scheiben Brot aß, ging es auf der Bühne weiter. Ich schraubte irgendwelche Platten fest, schleppte die unfassbar schwere Bühnenleiter herum, half beim Boxen aufhängen und zog gefühlte drei Kilometer Ketten durch einen Flaschenzug, um die Boxen hochzuziehen. Schleppte nochmal ein paar Bühnenteile von A nach B und dann wurde ich entlassen. Stand kurz herum und wurde einem Typ namens „OK“*** zugeteilt. Der mich nach draußen schickte, einem Mädel beim Befestigen der Molton-Planen am Bauzaun helfen. Das war dann die Scheißarbeit des Tages, es hätte voll gut gehen können, wäre dieses Mädel besser organisiert gewesen und hätten wir vor allem ein scharfes Cuttermesser gehabt. Denn dann wäre das voll gut gegangen: eine schneidet mit dem scharfen Messer Löcher in die Planen (möglichst direkt so an fünf, sechs Stellen), eine friemelt die Kabelbinder durch und zieht sie fest, die erste klipst die Kabelbinderenden ab, nächster Abschnitt. So war es dann nicht, sondern eher so: sie prökelt mit dem Messer Löcher in die Plane, hält das Messer in der Hand und friemelt den Kabelbinder durch und schneidet dann mit dem eh schon stumpfen Messer den Kabelbinder ab. Während ich dumm rumstehe, mit der Kneifzange in der Hand. Oder abgeschnittene Kabelbinderenden aufsammele, die da von gestern noch liegen und die mich wegen „Vermüllung der Meere“ wirklich wütend machen. Nun ja. Wegen ihrer Verweigerung gegen meinen Vorschlag, doch einfach ein besseres Messer zu holen, dauerte das alles ziemlich lange. Tjanun. Ich hatte danach grad noch Zeit, meine Freikarten abzuholen, bevor die Bude für heute schloss. Fand OK, berichtete ihm von unserer Accomplisheden Mission und fragte, was es noch so zu tun gäbe. Ach, in 25 Minuten gibt es ja eh Abendessen, meinte er, ich solle einfach relaxen. Ja, nee. Also echt mal: 25 Minuten Däumchen drehen und auf Pause warten? Crazy German cannot do that. Ich wanderte also ein bisschen herum und fand ein paar ordentlich schwitzende Damen, die Bierzeltgarnituren aufstellten. Auf Nachfragen stellte sich heraus: das war die „Dekor“-Truppe, die ein bisschen überrascht und überfordert davon war, dass man Tische, auf die man hübsche Blümchen stellen will, erst aufstellen muss. Und dass so Biertische halt auch schwer sind. Ich packte also da mit an und erntete sehr viel Dankbarkeit. Um Punkt vier mussten die aber zu Abend essen, also tat ich das einfach auch.

Schwitzig, aber mit Nudeln im Bauch.

Nach dem Essen war ich wieder ohne feste Truppe. Und wurde von einem Mädel abgeschleppt, das für die Turnhalle zuständig war. Sie hatte auch Ida und zwei junge Mädels aus der Dekor-Truppe zugeteilt bekommen. Als erstes fragte ich, ob ich dafür Sicherheitsschuhe bräuchte, weil meine Zehen langsam von schmerzend zu taub übergingen. Brauchte ich nicht, Hurra. In der Turnhalle sollten zwei Bühnen sein. Und beim Reinkommen ging mir auf, weshalb die Turnhallen-Verantwortliche so ein ganz kleines bisschen gestresst gewirkt hatte: da war noch gar nichts passiert. Sah halt aus wie ne Turnhalle mit reichlich Zeug in diesen großen Rollboxen drin. Schon bei „wir müssen diesen Mattenhaufen da drüben hinbringen“ wurde klar, dass die zwei jungen Dekomädels nicht so ganz in Idas und meiner Muskelliga spielten, denn die Matten (diese normalen blauen Turnmatten) konnten sie nur zu zweit tragen. Und als der Haufen überkniehoch wurde, kriegten sie die Matten selbst zu zweit kaum noch obendrauf gewuchtet. Ok, das konnte ja was werden. Die nächste Aufgabe war: die Wände verhängen. Auf einer Seite des Raums sollten Stoffbahnen mit einem Tacker an die Wand gebracht werden (in ca. 2,50 m Höhe), auf der anderen in der selben Höhe mit so riesigen Wäscheklammern an der Sprissenwand befestigt werden. Ich und Ida waren ein Team und hatten ratzfatz 5 Stoffbahnen an die Wand getackert. Ausrollen, Hoch auf die Leiter, Tack, tack, tack, Leiter verschieben, tack, tack, tack. Die ohne Tacker hielt die Plane hoch, damit die oben nicht zu viel Gewicht hochziehen muss. In der Zeit, in der wir die 5 Bahnen angebracht haben, schafften die Deko-Mädels Eine. Eine mickrige Plane. Kannste dir nicht ausdenken. Die waren nicht stark genug, diese überdimensionierten Wäscheklammern aufzudrücken. Und stellten sich auch ansonsten einfach unglaublich dämlich an. Naja. Wir waren ja auch mal 16, deshalb Übernahmen wir das weitere Aufhängen recht unemotional. Und auch den Fußboden für die eine Bühne verlegten wir schnell und ordentlich. Das Aufhängen dieser Stoffbahnen war übrigens ziemlich ätzend und ich hinterher komplett voll mit schwarzen Fusseln, also ein bisschen was hätten die Mädels ruhig auch machen können. Stattdessen schlugen sie Rad (war ja ne Turnhalle) und quietschten der Hyperventilation nahe auf, als ich mit einem geliehenen Klappmesser im Molton herumsäbelte, um die Lüftung freizulegen. „Oh Gott, leg das Messer weg!“ Hmmja.

Um halb sieben gab es nichts mehr zu Verhängen und auch sonst in der Turnhalle nichts zu tun****, also spazierte ich zum Freiwilligenzelt, trank einen halben Liter Fanta und ging dann wieder auf Wanderschaft, Arbeit suchen. OK hatte welche für mich: sechs Stücke Bauzaun waren irgendwie falsch gelandet und sollten jetzt zurück auf den Ständer.

Meine Fresse, sind Bauzäune schwer! Und unhandlich erst (ok, das war irgendwie offensichtlich). Und sind diese Ständer schwer zu verstehen. Für die 6 Teile und einen Weg von ca. 20 Metern brauchte ich gute 20 Minuten. Holte mir von OK ein „gut gemacht!“***** ab und schleppte mich danach mehr nach Hause, als dass ich ging.

Zu Hause. Komplett in Eimer. Aber irgendwie glücklich.

Jetzt sind meine Beine und Füße dick wie Baumstämme und ich freue mich schon voll auf Abbau. Öhömm. Nicht. Trotzdem war es schön, da mitzumachen, gebraucht zu werden und Ergebnisse zu sehen. Hachja.

___

*und die ist groß

**naja

***warum haben so Bühnenleute gerne mal beknackte Spitznamen?

****gefragt habe ich schon, und bekam ein „Eigentlich nicht, vielen Dank, toller Einsatz!“***** zurück

*****quasi der norwegische Ritterschlag

Ein Gedanke zu “Tag 1024 – Ich habe einen Bauzaun getragen.

  1. Katja schreibt:

    Ein toller Tag! Gut, wenn man sehen kann, was man so geschafft hat und nicht nur geschafft ist.
    Das mit den Spitznamen finde ich auch immer lustig, und nur bei den wenigsten sind sie für andere nachvollziehbar. Wir haben in der Bühnentechnik den „schnellen Uwe“, mit dem man auf keinen Fall anfangen sollte zu reden, wenn man in der nächsten Stunde noch was vor hat.
    Ob er auch so arbeitet, wer weiß?

    Gefällt 1 Person

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