Tag 1038 – NORGER 1:0.

Die Blusenfotos müssen warten, dafür habe ich inzwischen zwei Blusen nach meinem selbst ausgedachten Schnitt, mit unterschiedlichen Halsausschnittvarianten und ich muss dieses Erfolgsgefühl noch ein bisschen auskosten.

Zu etwas anderem: Fußball. In Russland rennen zahllose Männer hinter Bällen her und weltweit gucken sich noch viel zahllosere Menschen das an und fühlen da vermutlich was. Ich nicht so. Fußball, generell jedes Sportevent, dass ich nur in 2D erfahre, finde ich langweilig. Sterbenslangweilig sogar. Ich mag manchmal mit Leuten zusammensitzen und sowas gucken, wenn es Bier und Grillwürstchen gibt und (und auch echt nur dann) wenn weiterhin normale Erwachsenenunterhaltungen möglich sind. Von Gegröle und vielen Schiedsrichtern kriege ich ganz schnell derbe Pickel und Galle und muss dann leider gehen. Und was absolut gar nicht geht, ist das dauernde Geschwafel über Fußball, beim Bäcker, bei der Bank, bei der Fußpflege und während die Kosmetikerin die Fußball-bedingten Pickel ausdrückt: „Hammses gestern gesehen? Das war ja was, also!“. Da hilft es dann leider nicht mehr weiter, meinen innerlichen Happy Place aufzusuchen. Man kommt ja auch fix in Erklärungsnot. „WAAAAS DU GUCKST KEIN FUSSBALL? NICHT MAL ZUR WM???“ Öhömm, möchte ich da antworten, erst recht nicht zur WM! Dieses ganze Schland-Gehabe ist mir zutiefst zuwider. Jeder Hinz und Kunz freut sich insgeheim, dass man endlich mal wieder ein bisschen stolz auf sein Land sein darf, und jede*r rechtsangehauchte Politiker*in freut sich ein bisschen, dass es wieder ein bisschen normaler geworden ist, dieser Nationalstolz, Flaggen überall und naja, dass nicht alle die Nationalhymne mitsingen wird man ja wohl noch thematisieren dürfen. Das alles finde ich zum Kotzen. In den Ligen kommen noch die absurden Fußballergehälter und Transaktions-Summen dazu, da könnte ich mich ewig drüber aufregen, genauso darüber, dass Männerfußball in Schland der Inbegriff der Männlichkeit ist und Frauen, die sich anmaßen, Profi-Fußballerinnen werden zu wollen werden verlacht und müssen nebenher noch irgendeinen Brotjob machen, weil Damenfußball eben nicht wie die hässliche kleine Schwester vom „richtigen“ Fußball gesehen wird, sondern eher wie das hässliche Hühnerauge am kleinen Zeh der Oma des „richtigen“ Fußballs.

Glücklicherweise leben wir jetzt in Norwegen. Die Norweger sind nicht soooo toll im Fußball. Man kann auch die norwegische Flagge voll schlecht mit Schminkstiften abbilden, höchstens stempeln und, ach, so wichtig ist es ja nicht, dass jetzt jede Versicherung ein eigenes Set an Norwegen-Fandingsis verteilt. Ich sage ihnen: das ist echt schön so. So kann ich sogar Fußball-WM einigermaßen ertragen, Bier und Grillwürstchen in angenehmer, nicht-grölender Gesellschaft tun ihr übriges. Da ich ja auch nicht arbeite, entfällt das „Hei, Gratulerer!“ an Tagen, nachdem die Deutsche Mannschaft (offensichtlich) wieder gegen irgendwen gewonnen hat, es werfen sich nicht mal meine brasilianischen Ex-Kollegen vor mir (in meiner Funktion als Die Deutsche) in den Staub. So ist halt auch ganz schön, doch.

Bis dann wieder Winter ist und norwegische Langläufer im Kreis durch irgendwelche mehr oder weniger künstlich beschneiten Landschaften gleiten, alle Norweger in den Mittagspausen vorm Fernseher kleben und keinerlei Gespräche über nicht-Wintersport mehr möglich sind. Dann ist es nicht mehr ganz so schön, denn Langlauf im Fernsehen übertrifft den Langeweilefaktor von Fußball noch mal um Längen.

Irgendwas ist halt überall.

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Auto-Lobhudelei: trotz Unlust und Kopfschmerzen Sport gemacht und, also, die Blusen. Hach.

6 Gedanken zu “Tag 1038 – NORGER 1:0.

  1. M schreibt:

    Toller Text!

    Hierzulande (Österreich) wird die Absurdität des Ganzen nur noch getoppt dadurch, dass „wir“ doch kürzlich „die Deutschen“ bei irgendeinem popeligen Fußballspiel besiegt haben. Also idealerweise werden „die Deutschen“ jetzt Weltmeister, denn dann ist ja klar, wer der _eigentliche_ Sieger ist, nicht? Da brauchen „wir“ doch gar erst zur popeligen WM fahren, das sieht man dann auch so!
    Die Logik erschließt sich Ihnen nicht, Frau Rabe? Dann sag ich nur: Córdoba! !!1!!11! Und Schi fahren können „wir“ auch besser. So!

    (Es ist so döflich. Bin froh, wenn alles WM Gedöns vorbei ist. Geht mir aber mit EM oder Olympischen Spielen gleich)

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  2. Kerstin schreibt:

    Ich nicke gerade heftigst. Dieses Wimpelchen-ans-Auto-Kleben für ein paar Wochen in Jahren, in denen irgendwas Großsportliches passiert, ist mir zutiefst suspekt. Ein Freund, den ich sehr schätze, hat sich seinen Außenspiegel verschönert, und ich kann mir nicht helfen, die Achtung hat gelitten. Aufregen könnte ich mich auch wegen des kollektiven „Wir“. Wir haben gewonnen. Äh? Wenn man sich schon mit jemandem identifizieren möchte, warum dann mit Bälletretern? Nichts gegen das Bälle treten, aber gäbe es da nicht höhere Ziele?

    Das ist übrigenes mein erster Kommentar, obwohl ich seit Monaten fröhlich mitlese. Bielefeld war meine Uni, vielleicht hat man sich da ja mal im Westend die Schlange geteilt.

    Wimpelfreie Grüße!

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  3. Sandra schreibt:

    Haben Sie schonmal ein Frauenfußballspiel geschaut und es mit einem Männerfußballspiel verglichen? Oder brechen Sie die Lanze für den Frauenfußball nur des Geschlechtes wegen?
    Ich hatte Ihre Meinung dazu auch eine ganze Weile, bis ich mir mal wirklich ein Damenfußballspiel angeschaut habe. Es macht mir keine große Freude, ich schaue lieber den Herren zu. Beim Ballett hingegen gefallen mir hingegen meist die Frauen besser. So ist das eben.

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    • Caramelia schreibt:

      Liebe Sandra! Möglicherweise wären Frauenfußball auch spannender, wenn sich die Damen NUR auf Fußball konzentrieren könnten, den lieben langen Tag trainieren, Strategie entwerfen, weiter trainieren und abends gelobhudelt werden würden … nur mal so als Ansatz.
      (Ich finde so ziemlich jede Sportart, der ich nur zusehen kann, entsetzlich langweilig)
      Das ist für mich ziemlich genauso wie irgendwelche Promi Models, die nichts anderes zu tun haben als ihren Körper bestmöglich in Schuss zu halten, als Vorbild für die Vollzeit arbeitende, alleinerziehende Mutter hinzustellen, die vor lauter Stress + wenig Zeit für sich selbst halt keinen Modelkörper hat.

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