Tag 1156 – Sechs Jahre.

Sechs Jahre ist Michel nun alt. Jetzt vor sechs Jahren habe ich glaube ich nicht geschlafen, weil da so ein putziges kleines Minibaby neben mir in diesem komischen Glasbett lag. Da lag es, weil ich furchtbare Angst hatte, es irgendwie kaputt zu machen, dieses perfekte kleine Menschlein mit den perfekten kleinen Zehen und Ohren und dürren Beinchen. Das, neben mir im Bett? Wie ein Walross kam ich mir vor. Ein Walross mit zehn Daumen. Aber er war da, endlich, und er war so klein, viel kleiner, als ich mir das vorgestellt hatte, selbst der westfälisch dicke Babyschädel kam mir winzig winzig klein vor und dass ich mich überhaupt traute, ihn hochzunehmen, kostete einiges an Überwindung.

Und jetzt ist dieses Minibaby schon sechs Jahre alt und 119 cm hoch, geprüft durch meine sehr Kinderwuchsmesserfahrene Omi. Das Baby mit den vielen schwarzen Haaren hat jetzt eine dunkelblonde Wuschelmähne, die aber ja cool aussehen muss und cool heißt kurz. Das Baby hat sprechen gelernt und Zähne bekommen und dann sind inzwischen zwei Zähne schon wieder ausgefallen und der dritte wackelt. Ein bisschen fühle ich mich um den Schlaf betrogen, den uns diese Zähne damals gekostet haben, das alles für nur fünf Jahre Zahnspaß? Pffft.

Das Baby mit den dürren Beinchen wurde erst überall sehr rund und dann wieder sehr schlank. Jetzt kann man die Rippen zählen, wenn es vom Klettergerüst baumelt und die Sitzhöcker bohren sich erbarmungslos in meine Oberschenkel, wenn mein eben noch stundenlang im Tragetuch herumgetragenes Zwergenkind unbedingt auf dem Schoß sitzen aber da auch unbedingt hampeln will. Der Bauchnabel, der nicht abfallen wollte, woraufhin uns die Hebamme schon „der kann sich schlecht von Dingen trennen“ bescheinigte, ist ein ganz perfekter Bauchnabel an einem ganz perfekten Bauch geworden. Der Fleck an der Nase, den ich und Herr Rabe immer wieder wegzuwischen versuchten, war das erste von inzwischen vielen Muttermalen und seit diesem Sommer sind auf der Nase und den Wangen noch Sommersprossen dazu gekommen, die mich wirklich immer aufseufzen lassen vor lauter Niedlichkeit.

Aber nein, Michel ist ja jetzt cool. Schulkinder sind coole Kinder. Schulkinder stehen auf Spiderman und Pokémon und „Schtar Worsch“ und Schlüpfer mit Autos drauf sind plötzlich doof, Krokodile müssen her. Die Brotdose in pink ist doof und die Lightning McQueen-Trinkflasche nur noch akzeptabel, weil man den Aufdruck kaum noch erkennt. Dafür kriegen Schulkinder Taschengeld und sparen auf Lego und die Eltern von Schulkindern müssen jede Woche nachrechnen, wie lange die Schulkinder noch auf den Polizei…dings sparen müssen. Das Fahrrad ist doof, weil man ohne Gangschaltung den Hügel schlecht hochkommt.

Bücher sind aber cool und das freut mich ja doch sehr. Es sind auch alle Bücher cool, am coolsten natürlich Das Verrückte Baumhaus mit [13*n] Stockwerken. Und Herrmann Hule. Und Tiril und Oliver (Detektivbyrå No 2). Und… ok, eigentlich alle Bücher. Noch lesen wir vor, aber ich glaube, das wird sich in spätestens einem Jahr wenden und dann werden die Bücher nicht mehr nur stundenlang und immer wieder angeguckt, sondern dann werden wir wohl in der Bibliothek campieren müssen.

Ach, Großer. Mein Baby. Ich hab dich so lieb. Du bist immernoch ganz perfekt und manchmal erwische ich mich, dass ich auch immernoch denke, du seist ganz zerbrechlich und ich müsse dich vor allem beschützen. Dabei machst du schon alles ganz prima und navigierst ganz sicher durch die Welt. Ich schmunzle ja immer ein bisschen drüber, wenn du ganz fremden Leuten direkt einen Knopf an die Backe laberst, aber eigentlich platzt mein Herz bei jeder deiner erfundenen Geschichten und jeder neuen, bunten und wilden Idee.

Ich hab dich ganz doll lieb.

Murch! Deine Mama.

3 Gedanken zu “Tag 1156 – Sechs Jahre.

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