Tag 1165 – Na gut.

Pippi schläft jetzt die dritte Nacht in Folge ohne Windel. Ich nehme an, das wird funktionieren. Es ist nämlich so: Pippi hat das selbst so bestimmt, dass das mit den Windeln jetzt vorbei ist und dann zieht sie das jetzt auch durch. Gestern und vorgestern morgen musste sie dann eben sehr früh sehr dringend aufs Klo, aber das ist ja auch in Ordnung. Ich glaube jedenfalls nicht, dass Pippi sagen würde, sie könne ohne Windel schlafen, wenn sie da nicht absolut sicher wäre. (Im Gegensatz zu Michel, bei dem ich das ja sogar total gut verstehen kann, dass er wirklich, WIRKLICH gern Groß sein will und große Jungen nässen nicht ein, aber… naja. Hin und wieder, inzwischen nur noch ganz selten, kaum noch öfter als wir eh unsere Bettwäsche wechseln würden*, passiert es halt doch. Wir machen da kein Drama draus, es ist ihm eh schon peinlich genug. Aber die Kinder sind halt verschieden, ich denke jedenfalls Pippi zieht das jetzt durch.

Genauso zieht sie die Sache mit den Schmerzmitteln** durch und da weiß ich nicht so ganz, was ich davon halten soll. Es ist einerseits total lustig. Es ist auch bewundernswert, wie abgebrüht sie ist. Es ist aber auch, von wegen Nein heißt Nein und so, echt bedenklich. Denn die Schmerzmittelgabe läuft hier so:

„So, Pippi, vorm Bett gibt’s aber noch einmal Zäpfchen.“

„Nein, ich will nicht!“

„Das verstehe ich gut, das ist ja auch unangenehm, aber das muss trotzdem sein.“

„Orrrr!“

„Soll Papa oder ich dir das Zäpfchen geben?“

„Mama! Und Einhorn-Salbe***!“

Und dann zieht sie die Hose runter und sagt „aber schnell!“.

Ich sehe das wie gesagt mit gemischten Gefühlen. Weil einerseits habe ich es natürlich so lieber, als ein Kind, dass sich zweidreiviermal täglich zehn Minuten unter Gebrüll auf dem Badezimmerfußboden windet, aber eben trotzdem das vermaledeite Zäpfchen kriegen muss. Einem schreienden Kind Zäpfchen geben ist ja noch viel schlimmer als einem, das das (unter Gemecker, aber eben) einfach über sich ergehen lässt. Ich rede mir ein, sie hat die „Du kriegst sonst Schmerzen im Hals und das will ich nicht und du bestimmt auch nicht.“-Vorträge verstanden, aber so recht glaube ich nicht dran. Ich glaube sie hat gelernt, dass es das Zäpfchen eh gibt, Geschrei hin oder her, und dann… pickt sie ihre battles. Ganz die Mama****. Wenn es sein muss, dann schnell und mit Einhornsalbe. Ich hoffe wirklich, sie nimmt das, grade bei so körperlichen Sachen, nicht fürs Leben mit. Denn Mächtigere als sie wird es halt immer geben aber nicht alle haben nur die Vermeidung von postoperativen Halsschmerzen im Sinn.

Anekdote passend dazu: Gestern kam Michel ins Bad und Pippi aß, nach der Zäpfchengabe, ein Eis. Michel fragte daraufhin etwas ungehalten, warum Pippi Eis äße (Subtext: und er nicht). Pippi meckerte daraufhin zurück: „Weil ich ein Aua gekriegt habe, in meinem… in meinem Po!“

___

*Ich würd aber nicht so oft die Bettdecke und Übermatratze waschen, ehrlich gesagt. Schon allein, weil das unsere Waschmaschine regelmäßig vorm Schleudern kapitulieren lässt.

**Im Krankenhaus war die Ansage ganz klar: die erste Woche durchgehend Schmerzmittel geben, damit sie gar nicht erst Schmerzen bekommt, eventuell aufhört zu essen und zu trinken und dann mit trockenem Hals noch mehr Schmerzen bekommt. Ich nehme das schon ernst, im Gegensatz zum Krankenhaus wecke ich sie nur nachts nicht auch noch für ein Zäpfchen.

***Eine Tube Wund-und-Heilsalbe, die Pippi mit im Kindergarten hatte, falls sie mal einen wunden Po hätte, der Pflege bedarf. Auf Pippis Namensschildern ist ein rosa Einhorn***** und so wurde das die Einhorn-Salbe.

****Das sage ich ganz ohne Stolz. Meine herausragende Fähigkeit, mich durchzubeißen und Mist auszuhalten ist nicht gerade was, worauf ich stolz bin. Ein bisschen mehr frühzeitiges auf meine Grenzen hören, ein bisschen mehr Self-care, das wäre oft gut. Ähnlich wie meine helle Haut hatte ich vergeblich gehofft, davon nicht zu viel weitergegeben zu haben.

*****Tja, was sich Pippi halt so aussucht, wenn man sie lässt. RosaGlitzerEinhornPrinzessinnen. Oder Dinosaurier. Oder Peppa Wutz oder Elsa.

4 Gedanken zu “Tag 1165 – Na gut.

  1. Bettina schreibt:

    Viele Grüße an Michel von einem Jungen hier, der schon 9 ist und dem das genauso geht. Und als wir das erste Mal bei der Kinderurologin waren (weil mit 8 lässt man dann schon mal danach schauen), waren die besten Sätze dort: „Hallo M., schön, dass du da bist und entschuldige bitte, dass du warten musstest. Das kommt daher, dass es ganz vielen Kindern so geht wie dir. Das erste, was du wissen musst ist: Hier ist nix peinlich, wir können über alles reden und wir kriegen das schon hin.“

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  2. virtuellesgluecksbuero schreibt:

    Ich habe den Eindruck, Kinder verstehen durchaus die Zusammenhänge, die man ihnen erklärt. Aber ob sie dann die gleichen Konsequenzen daraus ziehen wie die Großen, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Und: battles gibt es nur dort, wo bei den Eltern die leisesten Zweifel bestehen. Irgendwie spüren sie jede Unsicherheit zwanzig Meilen gegen den Wind….Verstellung nicht möglich. Das ist ganz schön hart, so an seine Grenzen geführt zu werden.
    So sagte meine Tochter nach einem scheinbar endlosen Kampf um die Medikamente, nachdem sie sie endlich genommen hatte: „So ist das, wenn man Kinder hat!“ ;))

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