Tag 1189 – Dugnad.

Ich bin sicher, ich hab das schon mal geschrieben, aber es ist vermutlich schon ganz lange her. Die Norweger stehen ja total auf Dugnad. Dugnad ist eine Gemeinschaftsarbeit und betrifft meist so Sachen wie „Alle Eltern des Kindergartens treffen sich an einem Sonntag und graben den KiTa-Garten komplett um“ oder gemeinsames Streusplit-Wegfegen im Frühjahr. Auch Flohmärkte von Schulen sind meist Dugnad, auf dem Dorffest Waffeln verkaufen und damit ein neues Klettergerüst finanzieren… dugnad. Im Labor hatten wir auch zwei mal im Jahr Dugnad, da machten wir alles sauber, also wirklich alles, und jedes Mal tauten wir die selben Gefrierschränke wieder ab, die in einem halben Jahr so viel Eis sammelten, dass die Schubladen nicht mehr aufgingen, aber das ist ein ganz anderes Thema. Jedenfalls ist Dugnad meist was, was man

  • zusammen macht
  • Allen was bringt (zum Beispiel ne Splitfreie Straße)
  • Spaß macht (und sei es nur, weil man das zusammen macht)
  • Oder so dachte ich.
  • Bis ich heute mit Michel beim Skitraining auflief und wir vom Parkplatz reingeschickt wurden, mit den Worten „heute ist kein Training, heute machen wir eine kleine Dugnad.“
  • Also ging ich mit Michel rein und da standen wir ratlos herum, weil so richtig Dugnad-mäßig sah das alles nicht aus, wo waren die Gartengeräte oder Besen oder Waffeleisen? Auf einem großen Tisch lagen unzählige Stadtplanausschnitte, eine Dame hakte Leute auf einer Mitgliederliste ab und zwei weitere hatten stapelweise but bedrucktes Papier im Arm. Das alles mutete seltsam an, aber die Norweger schienen alle zu wissen, was man machen sollte, ich stand also noch ein wenig ratloser herum und überwand mich dann, eine der Papier-Damen anzusprechen. „Du musst eine Karte nehmen!“ sagte sie. „Eine Karte?“ „Ja, mit deinem Gebiet!“. Ach so. Dachte ich und machte ich wohl auch, jedenfalls folgen Michel und mir sämtliche Elternaugen auf der Suche nach unserem Wohngebiet. Ich stellte aber schnell fest, dass alle Karten nur Gegenden um Råholt und Eidsvoll Verk zeigten, aber nicht unsere. Ich fragte also nochmal, dieses Mal eine andere Dame „Gibt es nichts im Sundet?“ „Hmmm, nee, ich glaube das Gebiet hat ein anderer Verein, dann habe ich leider keine Adventskalender für euch.“ und so war ich raus aus dem Schneider, aber ich verstand gleichzeitig, worauf ich mich da fast eingelassen hätte. Die Dugnad besteht darin, in einem festgelegten Gebiet von Tür zu Tür zu gehen und zu versuchen, hässliche* Adventskalender zu verkaufen. Die größeren Kinder sollen das selbst machen, aber, meine Güte, Michel ist sechs, der kann, wenn jemand das nicht passend hat, noch nicht mal Wechselgeld ausrechnen. Also hätte ich mit gemusst.
  • Von Tür zu Tür.
  • Geld sammeln.
  • Als ich das verstand, klappte mir die Kinnlade runter. Mein gesamtes Gesicht entgleiste und ich bin froh, dass ich mich beherrschen konnte, nicht What the Fuck??? auszurufen. Denn wenig später hörte ich von meiner Einwanderer-Bubble, dass das ganz normal sei. Man verkauft Klopapier oder Adventskalender oder Kekse und sammelt damit für den Skiverein, den Damenchor oder die Klassenfahrt.
  • WHAT THE FUCK???**
  • Liebe Kinder, ich habe euch echt lieb, aber so einen Scheiß müsst ihr alleine machen. Ich krieg schon bei dem Gedanken an solche Aktionen Pickel, Migräne und Magen-Darm GLEICHZEITIG. Eure Mama ist die, die dann 500 Kronen in die Klassenfahrtskasse wirft und behauptet, sie hätte das von den Nachbarn eingesammelt, und die damit sich und den Nachbarn das Klinken putzen erspart. Was sind das für seltsame Sitten, die Nachbarn mit Adventskalendern zu nerven? Ich würde gerne das Doppelte an Mitgliedsbeitrag bezahlen, wenn Dugnad dafür wieder Waffeln verkaufen und ein anschließender Glögg mit der lustigen Waffelverkaufstruppe ist. Ganz sicher aber verkaufe ich niemandem Klopapier an der Haustür. (Alle irre!)
  • ___
  • Zweiter Tag des Projektes Lerche. Ich stand wieder um sechs Uhr auf, machte wieder Sport und so, hatte aber ein krasses Tief zwischen halb zehn und halb zwölf. Putzte dann die komplette Bude, bewegte mich im Prinzip den ganzen Tag, um nicht einzuschlafen. Jetzt falle ich gleich einfach um, aber das darf ich ja auch bald. Mein Tages-Hoch ist weiterhin spät, ab zwölf geht’s bergauf und zwischen zwei und vier könnte ich auch intellektuell Bäume ausreißen. Hoffentlich gibt sich das noch. Aber Hauptsache erstmal wach, an wach und konzentriert arbeiten wir dann später.
  • ___
  • *das ist ja Geschmackssache, aber ich fand sie ausnehmend hässlich
  • **Grund Nummer 269 weshalb ich hier nie einbürgern werde
  • 9 Gedanken zu “Tag 1189 – Dugnad.

    1. Leserin 1 schreibt:

      https://www.nrk.no/finnmark/tror-stadig-flere-vil-kjope-seg-fri-fra-dugnad-1.14263191 – wenn Sie Glück haben und die Prognose stimmt, kann es sein, dass Sie irgendwann mal nicht mehr zum Dugnad müssen ;) Es ist wirklich etwas seltsam, vor allem dieses Verkaufen, was ja auch in den letzen Jahren stark zugenommen hat. Früher hat es sich eher auf praktische Tätigkeiten beschränkt, das ist mir (und ich glaube vielen anderen auch) eigentlich sympatischer. Aber Vereine, Schulen, Kindergärten usw. sind halt chronisch unterfinanziert, weil sie nur sehr geringe Mitgliedsbeiträge (bzw. Beiträge für Klassenfahrten usw.) einheben dürfen, damit die Teilnahme für alle möglich ist – was ja wiederum auch eine gute Sache ist. Ich bin halt mit dem Konzept aufgewachsen und somit bin ich es irgnedwie gewohnt, verstehe aber vollkommen, wenn man das ganze eher schräg findet. :)

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    2. Rina schreibt:

      Ach, hier in Frankreich klingeln jetzt wieder Muellmaenner, Feuerwehrmaenner und was nicht alles noch, um uns Kalender zu verkaufen. Alles ist moeglich :) In den sozialistischen Ostblocklaendern gab es frueher den Subotnik, an Samstagen, wo man sich fuer gemeinschaftlich Nuetzliches getroffen hat, Parkanlagen saeubern, Schulhof verschoenern und so etwas.Hat sich aber leider nicht erhalten.

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    3. mmknudsen schreibt:

      Hahaha hier haben neulich zwei ungefähr 9 jährige geklingelt und wollten uns einen Adventskalender verkaufen, der Papa dazu stand und Eck, Auduns Kommentar dazu (allerdings nur für meine Ohren ) nööööö wir kaufen lieber mehr Losen und Verpflegung beim Sommerfest!!! Man kann ja jetzt auch nicht 5 verschiedene Kalender oder Adventskalender haben…

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    4. Wie viele Adventskalender hat denn dann jeder da in Norwegen? Oder gibt es zum Jahresbeginn eine Sitzung aller Vereine, wer was verkauft? Damit man sich neben dem Gebiet auch mit dem verkauften Artikel einig ist? Ich kriege Sympathie-Migräne beim Gedanken daran!

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    5. Sunni schreibt:

      An Haustüren klingeln mit Schrott unterm Arm und auf Mitleid hoffen? Never ever! Gern Lose beim Sommerfest(da mag sogar Schrott gehen), Waffeln, Suppe, Eis,Kuchen, von mir aus auch Flohmarkt dazu…aber nicht die Haustüraktion. Boah, krieg ich sofort Herpes!

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    6. Simone schreibt:

      Ich hab da ja immer schon Kopfweh- und Ernstbleibeprobleme wenn die Sternsinger vor der Tür stehen. Am liebsten würd ich sagen „Da, 5 Euro, bitte nicht singen“ – ist aber für die Kinder ja leider nicht grad nett. Versteh generell solche „Türaktionen“ nicht.

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    Ich freue mich über jeden Kommentar, außer er ist blöd, dann nicht. Außerdem ist jetzt wohl der richtige Zeitpunkt, um Ihnen mitzuteilen, dass WordPress bei jedem Kommentar eine mail an mich schickt, in der die Mailadresse, die Sie angegeben haben und auch ihre IP-Adresse stehen. Müssen Sie halt selbst wissen, ob Sie mir vertrauen, dass ich diese mails von meinen Devices alle sofort lösche, und ob Sie damit leben können, dass WordPress diese Daten auch speichert (damit Sie nämlich beim nächsten Mal hier einfacher kommentieren können).

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