Tag 1273 – Ein paar Gedanken.

Heute fertig inspiziert. Es kamen nicht allzu viele Eichhörnchen vor, aber ich habe ein paar Insider-Tipps von meinem Kollegen bekommen und weiß nun, dass meine Kollegin nicht gern gewisse Teilaspekte von Inspektionen macht, weil sie das Gefühl hat, darin nicht gut zu sein. Beides mildert das Gefühl, dass ich wenige der Beobachtungen mit Sicherheit auch allein gefunden hätte. Einige ja, im Labor fühle ich mich zu Hause (und immer wenn ich in einem stehe denke ich, wie schön das ist, da nicht mehr tagaus, tagein irgendwelche Proben in irgendwelche Geräte zu stellen, dann zu hoffen, dass alles klappt und am Ende irgendwelche Daten irgendwie auszuwerten), da weiß ich wo die dreckigen Socken liegen könnten. Aber im reinen Dokumententeil der Inspektion… ich bin da noch unsicher. Was ok ist, denke ich, ich lerne ja noch. Ich muss ja noch nicht alles können und alles wissen, genau deshalb bin ich ja Observatør und genau deshalb frage ich auch, entweder direkt oder (wenn es um „ist das nun echt Murks oder nur so ein Gefühl?“ geht) halt hinterher. Natürlich will ich aber auch nicht rüberkommen, als wär ich total blöd und das ist nun mein täglicher Drahtseilakt bei Inspektionen: genug nachfragen, um Wissensdurst zu stillen, aber auch nicht die ganze Unsicherheit, die ja, sein wir mal ehrlich, auch einfach noch zu 90% aus Altlasten besteht und gar nichts mit dem neuen Job zu tun hat, raushängen zu lassen. Uff.

Hier stand bis eben ein Sermon über Außenwirkung und was man wem gegenüber so preisgibt und warum nicht. Aber das regt mich grad zu sehr auf darüber zu schreiben, also mache ich es ganz kurz: zu beurteilen, ob jemand glücklich ist, steht nur dieser Person zu. Jemandem, der irgendwie wirkt, sagen wir mal, glücklich, zu unterstellen, er*sie verberge was, sagen wir mal, tiefes Unglück, ist vermessen und falls Sie mal sowas zu mir sagen sollten, werde ich vermutlich ziemlich bissig*. Jemandem dann auch noch ungefragt wegen der vermessenen Einschätzung tiefen Unglücks aufgrund äußerlichen Glücks** zu umarmen oder ähnliches ist grenzüberschreitend und einfach völlig daneben. Machen Sie sowas nicht, oder wenn, rechnen Sie mit körperlicher Gegenwehr.

So. Soviel zu „glücklich wirkende Menschen einfach mal umarmen, die haben’s nötig“.

(Könnt mich aufregen.)

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Noch ein Gedanke: in England werden wohl bestimmte Eichhörnchen (nicht die von den Strommästen) zum Verzehr angeboten und alle schreien, weil Eichhörnchen, die sind ja niedlich. Nicht so wie Lämmer zum Beispiel, die sind nicht niedlich, die kann man essen. Mäh, mäh. Oder Schweine, die zum Teil unter fiesen Bedingungen gehalten werden, das ist viel besser als so ein freilaufendes Eichhörnchen. Oder Kühe, die sind ja so überzüchtet, die kann man auch essen, die kämen ja in freier Wildbahn gar nicht klar, haha, aber wer eingeschleppte Eichhörnchen isst, die dabei sind, heimische Arten zu verdrängen, mit dem stimmt was nicht. Und es ist auch ein riesiger Unterschied zwischen einem im Wald geschossenen Reh und einem im Park geschossenen (?) Eichhörnchen, dochdoch, na sicher. Weil Eichhörnchen sind niedlich.

(Könnt mich auch aufregen.)

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*in meinem Fall hat das besondere Gründe, die hier nichts zur Sache tun und die Sache nicht ändern

**muss man sich echt auf der Zunge zergehen lassen.

3 Gedanken zu “Tag 1273 – Ein paar Gedanken.

  1. Sunni schreibt:

    Glücklichsein von der äußeren Wirkung eines Menschen herzuleiten (mancher ist auch noch nie im Theater gewesen, oder?), ist schon mehr als vermessen, ihn zu umarmen, wenn das nicht als „gewünscht“ signalisiert wird, ist ein EIngriff in die Privatsphäre. Genauso wie das Hätscheln und Betatschen von fremden Babys. NEIN! Und allein der Gedanke macht mir Bauchschmerzen. Und ob man es bei dem signalisierten Wunsch tun würde, ist genauso eine ganz private Sache. (Ich habe über 2 Jahre eine alte Dame betreut. JEDESMAL kam sie mir entgegen mit den Worten „Lass dich umarmen!“…Nach vielen Versuchen und der dann offenen Bitte, doch das lieber nicht zu tun, musste ich die Verbindung abbrechen. Ich hatte schon lange vor jedem Treffen diese Situation vor Augen, die mir ein wirklich zutiefst ungutes Gefühl machte. So, und jetzt würde auf einer bestimmten Plattform aber ein Moralgewitter losbrechen, bin ich sicher, wie man ja dort auch meint, jede Meinung, jeden Satz sezieren zu müssen.)
    Eichhörnchen, die niedlichen…ne, geht nicht. Lämmer immer. Und Kühe, schon klar.Ok, mein Blutdruck…

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  2. Ich habe den Tweet, von dem ich glaube, dass er der Auslöser für diesen Text war, gefavt. Nicht, weil ich der Meinung bin, dass man in alle glücklich aussehenden Menschen tiefes Unglück hinein interpretieren sollte und sie dehalb per se hinterrücks überfallen und fest umarmen sollte.
    Aber ich denke, es geht darum, dass man seinen Mitmenschen aufmerksam begegnen sollte. Manche, die sich nach außen hin glücklich (ich habe das für mich mit „stark“ interpretiert) geben, tun das, weil sie keinem zur Last fallen wollen oder sich keine Blöße geben wollen und dann ist es schön, wenn eine (vertraute) Person dies erkennt und … u.s.w. ihr wisst schon.
    Vielleicht ist es auch ein ganz persönliches Gefühl des Verfassenden selbst, den er/sie/sier (ich weiß nicht mehr, wer das war und habe keine Lust das nachzulesen) in eine allgemeine Formulierung gepackt hat. Vielleicht hat er/sie/sier gerade eine Maske aufsetzen müssen und hätte doch lieber sagen wollen „läuft grad scheiße“ und eine Umarmung gebraucht.
    Das stand natürlich nicht so in dem Tweet, nein. Ist halt auch nicht jeder in allen Situationen immer perfekt im Formulieren.
    Ich möchte nicht zurechtweisen, belehren, diskutieren (und ich hoffe, das kommt hier auch nicht so rüber). Ich möchte es nur einfach auch nicht ungesagt lassen, weil mich die Härte und Vehemenz dieser Ablehnung, die man dazu auf Twitter lesen konnte, schon erschreckt. Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, dass ich das alles ausgerechnet in Ihren Blogkommentaren fallen lasse.

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