Tag 1592 – Mehr deutsche Merkwürdigkeiten.

Nach anfänglichem Schwächeln wegen der blöden Erkältung habe ich mich dann doch mit der Familie auf den Weihnachtsmarkt geschleppt. Ich wollte nämlich un-be-dingt Glühwein. Der erste Gang führte aber erstmal in eine Apotheke, denn Michels Allergie ist trotz neuer Bettwäsche noch da (sind halt weiter überall Teppiche). Da fiel ich fast vom Glauben ab, dass es hier Rabatt auf die Bestseller gibt. Medikamente. Rabatt auf Medikamente. Das gibt’s in Norwegen nicht, die Reklamegesetzgebung ist sehr streng und eigentlich darf man im Großen und Ganzen gar nicht groß für Medikamente werben und schon gar keine Rabatte nach Gutdünken geben.

Weiter am Kinderkarussell. In Norwegen haben wir so selten Kirmes, dass Michel begeistert zwei Mal mit dem Kleinkindkarussell mitfuhr, einmal davon sogar hinten im Polizeiauto, das sich Pippi sofort gesichert hatte. Am Karussell fiel mir auf, dass unsere Kinder gemessen an den deutschen Kindern sehr leicht bekleidet waren. Aber es waren 9 Grad, da brauchen die keine Mütze, und solange keiner friert muss auch nicht zwingend ne Jacke angezogen werden. Naja, wir sind da wohl inzwischen hartgesotten.

Glühwein. War lecker, wäre entspannter gewesen mit entspannteren Kindern.

Michel und mir einen Paradiesapfel gekauft und er hat gefragt, wie man den isst. Endlich konnte ich mal Lebensweisheiten weitergeben! Die anderen Leute auf dem Weihnachtsmarkt haben wahrscheinlich gedacht, wir wären vom Mars, aber es war eben sein erster Paradiesapfel, die gibt’s in Norwegen nämlich auch nicht.

Dann kurze Tour zu dm. Es gibt jetzt einen neuen dm, der ist riesig, neben Zara. Zwei Etagen. Und das erste mal hatte ich ein deutliches Absurditätsgefühl bei dem völlig überbordenden Angebot. Ich lege mich fest: es gibt keinen reellen Bedarf für über 100 verschiedene Sorten Shampoo. Ich habe kurz mal ausgerechnet: wenn das Regal 5 m lang ist und eine Shampooflasche im Schnitt 7 cm breit, sowie sechs Reihen (Zeilen?) Shampoo da stehen und jeweils 2 von 1 Sorte nebeneinanderstehen, dann stehen da etwa 210 Sorten Shampoo. 210. Leute, das ist völlig bekloppt.

___

Pippi ist dann auf dem Rückweg auf Herrn Rabes Schultern eingeschlafen, das war sehr niedlich, wie er sie im Fahrstuhl da zurechtrücken wollte und sie anfing zu schnarchen. Die andern Leute im Fahrstuhl haben sich auch sehr amüsiert.

So. Und nun nach einem langen Tag voller Rotz endlich schlafen.

Tag 1591 – Dunkles Deutschland.

Zuerst das wichtigste: Wir sind heile angekommen! Wir hatten insgesamt alle einen guten Tag, denke ich, auch wenn Pippi und ich ordentlich erkältet sind. In Kiel haben wir eine nette Twitterin samt Mann und K2 getroffen und sind staunend durch den Citti geschlendert. Auf der Autobahn haben die Kinder die Tablets leer geguckt und ich habe die deutschen Autofahrenden vom Beifahrersitz aus veratmet. In Bielefeld angekommen haben wir das Auto ausgeladen und sind direkt weiter zur besten Friseurin überhaupt gefahren. Dabei ist Pippi auf den 5 Minuten Fahrt eingeschlafen und deshalb hat sie nun als einzige keinen frischen Haarschnitt.

Bei der Friseurin noch zufällig einen Freund von früher getroffen, der inzwischen in der Schweiz lebt aber auch noch in der alten Heimat zur besten Friseurin überhaupt geht. Das war schön.

Danach noch Döner und nun platzen wir alle fast. Die Kinder nicht, die schlafen selig, sogar Michel, der Dank der Schwägerin auch beim Opa daunenfreies Bettzeug hat und deshalb nicht so allergiegeplagt ist wie die letzten Male als wir hier waren.

Was uns bisher aufgefallen ist, zum ersten Mal so extrem: wie voll und hektisch Deutschland ist. Wie schlecht die Straßen und insbesondere die Menschen auf ihr (zu Fuß oder auf dem Rad) beleuchtet sind. Mein Puls im Straßenverkehr ist permanent 180, weil überall Autos sind, die fahren wie die Henker und dann hopst einem noch ein komplett schwarz gekleideter Fußgänger fast vors Auto.

Dafür bin ich nicht mehr gemacht.

Tag 1590 – Nix gelernt.

Man könnte meinen, nachdem wir schon des Öfteren mit den Kindern per Fähre nach Deutschland gefahren sind, hätten wir es langsam mal raus mit dem Packen, aber nein. Oder doch, das Packen an sich geht ja schnell und immerhin haben wir inzwischen raus, nicht mehr am letzten Tag noch tonnenweise Wäsche zu waschen, aber das ganze Geräume, das beim Packen dazu kommt, unterschätze ich immer wieder. Grob. Sehr grob.

Naja, wir sind jetzt soweit fertig, morgen muss noch alles ins Auto und dann schauen wir mal, wann wir hier loskommen und ob es früh genug ist, um noch bei Ikea nach Pepperkakedeig zu gucken. Der war nämlich heute ausverkauft, überall wo ich war.

Kurze Liste Dinge, die ich noch einpacken muss:

  • Bücher
  • Ladegeräte
  • iPad
  • Peeling
  • Maske?
  • Portemonnaie
  • Bankkarten Deutschland
  • Kekse

Ja, ich denke, das war’s. Reicht ja auch.

Morgen dann große Boottour. Ich bin froh, wenn wir auf dem Boot sind, ehrlich gesagt.

Tag 1589 – Endlich Urlaub.

Heute noch einen langen Arbeitstag mit einer sehr merkwürdigen Weihnachtsfeier (es gab Salat! Ich meine – Salat! So weihnachtlich.) hinter mich gebracht, und nun ist Urlaub. Zweieinhalb Wochen. Computer ist im Werk geblieben, ich bin sehr stolz auf mich. Arbeitsplatz ist ja eh immer aufgeräumt und dass nicht nur weil der Direktor vom Werk das mit dem Free seating durch die Hintertür einführen will ausprobiert.

Ich bin urlaubsreif hoch drei aber habe erstaunlich gut durchgehalten, finde ich.

Und jetzt Bett, Schlaf nach- und vorholen.

Tag 1588 – Chaos.

Vor einigen Wochen hatte ich ja dieses allerlängste Elternvertreter*Innen-Treffen der Welt, um die Weihnachtsfeier zu planen.

Heute war die Weihnachtsfeier und ES WAR FURCHTBAR UNORGANISIERT!

Ich wollte schon vorher schreien, weil mir, als ich schon im Zug saß, eine andere Mutter schrieb, wir träfen uns erst um viertel vor fünf und nicht um viertel nach vier. Tja, hätte ich das eine Stunde vorher gewusst, hätte ich bis zum Ende meines Meetings bleiben können. Die Schule war natürlich auch abgeschlossen und so stand ich draußen frierend rum. Total schön. Und ich dachte noch so: ob wir so wohl Milchreis (in Großpackungen fertig gekauft) für 80 Personen bis halb sechs warm kriegen? Aber dann kam alles ganz anders, nämlich die anderen Eltern noch mal 5 bis 10 Minuten zu spät Milchreis in Töpfen. Privat gekocht von den anderen Elternvertreter*Innen. Mir hatte keine Bescheid gesagt. Aber immerhin war der Milchreis dann schon warm.

Naja, dann schleppten wir also etwa zehn Tonnen Milchreis in die Küche, dazu 10 Kannen Kaffee, Zucker, Zimt, Butter und 8 (!!!) Flaschen mit Saftkonzentrat, das 1+5 gemischt wird, jede Flasche fasst 1,5 L, wir hätten also 72 L Saft machen können. Fast 1 L für jeden.

Die anderen sind übrigens alle Lehrer*Innen, denken Sie sich einfach einen mäßig lustigen Witz.

Jedenfalls war es ja schon recht spät. In der Küche standen wir uns auf den Füßen und alle räumten alle Stellflächen voll, ohne dass es irgendeine Struktur gab. Eingepackte Pappteller, Kaffeekannen, Müllbeutel wild durcheinander. Die Tüte mit den Preisen für die Tombola mitten auf einem Tisch im Vorraum, sodass jedes Kind quasi drüber gefallen wäre. Und dann hieß es plötzlich „oh, die Vorführung geht ja gleich los!“ und ich war alleine im Chaos.

Ich sag es mal so: bis die Aufführung rum war, hatte ein freundlicher Hauswichtel ich Ordnung in die Küche gebracht, 100 Pappteller ausgepackt, 100 Plastikgläser ausgepackt, 100 Servietten ausgepackt (der Müll! Meine Güte.) die Durchreiche auf Küchenseite aufgeräumt und da nur Teller, Kaffee, Saftkannen und den ersten riesigen Topf Milchreis stehen lassen, auf der anderen Seite der Durchreiche Butter, Zimt, Zucker, Zimtzucker den auch der Wichtel gemacht hatte, genauso wie den Saft, Plastikgläser, Serviettentürmchen und Löffel angerichtet und harrte dann der Dinge, die da kommen mögen.

Dann tat ich eine Stunde lang mit einer ergonomisch katastrophalen Kelle Milchreis auf. Jetzt habe ich Blasen. BLASEN. VOM MILCHREIS AUFTUN.

Es ging alles nicht schnell genug, vor der Durchreiche war eine riesige Schlange, ungeduldige Kinder und vor allem war da viel zu viel Milchreis. Wirklich VIEL ZU VIEL. Wir haben also nun nicht nur Milchreis, der unter zweifelhaften Bedingungen in privaten Küchen hergestellt wurde, nein, es sind davon auch noch 2/3 übrig, die aber ganz bestimmt morgen von den Kindern aufgegessen werden. Heute haben ja 80 Leute, davon 40 Erwachsene, 1/3 gegessen, dann essen morgen bestimmt 40 Kinder den Rest ODER ETWA NICHT? Nachdem es alles zusammengeschüttet wurde und jetzt im Kühlschrank steht.

Hoffentlich kriegt niemand Scheißerei oder so.

Und jetzt entschuldigen Sie mich, ich muss die Videoaufnahme der Aufführung angucken, die Herr Rabe für mich aufgenommen hat, während ich den anderen den Arsch rettete die Küche vorbereitete.

Tag 1587 – Diese Kinder.

Große Kinder sind toll, haben sie gesagt. Große Kinder können sich alleine beschäftigen, haben sie gesagt. Die Eltern können dann am Wochenende auch mal länger schlafen, haben sie gesagt.

Da wo ich stümperhaft das Herz hingehalten habe, sitzt Pippi im Schlüpper auf dem Tisch und guckt Elefantenapp auf dem iPad.

So schön.

Tag 1586 – Halb daneben.

Ein bisschen katerig war mir heute halt schon zumute. Nicht doll schlimm, aber ein bisschen matschig eben. Aber immerhin ist heute quasi nichts los gewesen, wir waren Einkaufen (mit Michel im Buchladen sein ist so goldig, er würde am liebsten alle Bücher kaufen und blättert sich da glücklich ewig durch. Bis jetzt hat uns auch nie jemand ermahnt) und heute Abend, als die Kinder im Bett waren, haben wir Keksteig gemacht. Mir fallen jetzt die Augen leider zu, aber mehr gab es auch nicht zu erzählen.

Tag 1585 – Schon viel besser.

Heute war unsere kleine Inspektorats-Weihnachtsfeier. Und gemessen daran, wie ich noch im Sommer nach dem Sommerfest abstand, war das richtig gut. Möglicherweise hab ich zu viel getrunken und auch zu viel geredet, aber was soll’s. Hauptsache nicht aus den Latschen gekippt eine wirklich gute Zeit gehabt.

Auch viel besser: trotz Medikament noch wach geblieben und halbwegs konzentriert arbeiten können.

Super gut: Halbjahresbeurteilung von Michel. Kind kann alles, super Kind, weiter so.

___

Ach, eins: ich hab nach dem dritten Bier meinen Senior Inspector-Kollegen gegenüber zugegeben, dass ich eine bestimmte Anfrage zu beantworten super schwer finde und das deshalb wegprokrastiniere. Weil ich keine Ahnung hab. Stellt sich raus: haben die auch nicht, weil es da nix zu ahnen gibt und die Devise ist nun, möglichst wenig konkretes in möglichst kompetent klingenden Worten zu vermitteln und ansonsten auf eine baldige Gesetzesänderung zu hoffen.

Tag 1584 – Keine Bilder.

Ich hab vergessen, dass der 12. ist und man ja 12 Bilder hätte machen können. Tjanun.

Heute so müde wie gestern. Hoffentlich kommt mein Körper bald mit dem neuen Medikament besser zurecht, sonst muss ich wohl wechseln. Heute Mittag bin ich spontan schon um eins in den Fitnessraum gegangen, statt wie geplant nach der Arbeit, weil ich mich nicht konzentrieren konnte. Aber das kann ich ja nun nicht jeden Tag machen. Jeden Tag um halb sieben auf dem Sofa einschlafen ist auch keine Lösung.

Hoffentlich schlafen heute wenigstens die Kinder durch.

Hoffentlich hilft das Medikament wenigstens.