Tag 1632 – Erfolglos.

Michel wünscht sich seit Monaten Minecraft. Ich will jetzt hier keine Diskussion lostreten über Computerspiele für Grundschüler, mir ist das komplett egal ob er nun Pokémon im Fernsehen guckt oder Minecraft spielt, sein Gehirn wird sich schon nicht sofort auflösen. Jedenfalls hat Michel da jetzt schon eine Weile drauf gespart, damit er sich Minecraft kaufen kann. Für Mac, weil man nur auf dem Computer die Pokémon-Extension laden kann. Für Mac gibt es das aber nur zum Laden, ein Datenträger ist da gar nicht mehr vorgesehen und im Grunde genommen begrüße ich das auch, aber.

Michel ist sieben. Er hat physisches Geld gespart und will sich davon etwas kaufen. Ich finde (und das ist ganz allein Bauchgefühl, ich kann das nicht belegen oder untermauern), es ist zu früh, um ihm das Taschengeld elektronisch zu bezahlen, damit er sich dafür im Internet Dinge kaufen kann. Ich glaube (s.o.), dass es erst mal verankert sein muss, dass man Geld auf einen Tresen legt und dann etwas (plus Restgeld) über den Tresen gereicht bekommt, bevor man das dann auf das virtuelle Level übertragen kann.

Jedenfalls habe ich das heute mit Herrn Rabe per SMS geklärt und die Devise war: Michel kann sich für die PlayStation den Datenträger kaufen, wir laden die Version für den Mac. Also bestellte ich das per Click and Collect bei Elkjøp, natürlich nicht zentral in Oslo, weil es da nicht vorrätig war, sondern in Storo (im, hihi, Vitaminveien). Und dann fuhr ich mit den Kindern mit dem Zug nach Oslo. Mit zwei aufgekratzten Kindern allein in der Großstadt. Erst Zug, dann laufen, dann T-Bane, dann wieder laufen, im Einkaufszentrum den Elkjøp suchen. Da war ich eigentlich schon gar, ehrlich gesagt, es stresst mich enorm, mit den Kindern, die herumwuseln und weglaufen und ihre Finger in den Spalt bei Fahrstuhltüren stecken unter vielen Leuten zu sein.

Dann sah Pippi Lollies und wollte einen haben. Gleichzeitig verschwand Michel zwischen den DVDs (deren Cover ja schon allein nicht durchgehend FSK 7 sind) und ich stand an der Click und Collect-Kasse an. Ein junger Typ kam, fragte nach meiner Telefonnummer und sagte dann „das muss ich kurz holen“ und verschwand. Er brauchte ewig. Pippi heulte wegen Lolli, Michel trippelte herum, mir war schrecklich warm und drei weitere Kunden durften „mal kurz“ bezahlen, während der Typ Minecraft holte.

Oder auch nicht holte, denn nach ungelogen etwa 10 Minuten kam er mit leeren Händen zurück und meinte „Sorry, haben wir doch nicht.“

„Das können Sie dann ja dem Siebenjährigen erklären!“ meinte ich und meinte das auch überhaupt gar nicht witzig. „Du kannst das im PlayStation-Shop runterladen.“ sagte der Typ zu Michel und wandte sich dem nächsten Kunden zu.

Einigermaßen fassungslos und mit schreulender Pippi (die Lollies!) und großäugigem Michel an der Hand musste ich mich vor dem Laden erst mal auf den Boden setzen. Was für ein Reinfall. Über eine Stunde dahin gegurkt, für nix.

Michel schien das alles gut wegzustecken, aber kaum zu Hause brach er heulend zusammen. Er hatte sich so darauf gefreut, heute Minecraft zu kaufen und wie sollen wir denn nur das Geld in den Fernseher tun und wääähähähä. Ich saß also mit dem Siebenjährigen auf dem Schoß da und tröstete und streichelte seinen Kopf und erklärte und verfluchte innerlich den blöden Typen und den ganzen Laden. Danke für nichts, Elkjøp.

Morgen laden wir dann wie geplant die Computer-Version runter. Ab acht dürfen mich die Kinder dafür wecken. Wie acht Uhr aussieht, musste ich erklären (und dabei kam heraus, dass Michels Armbanduhr wohl kaputt ist, aber das Fass hab ich dann lieber zugelassen).

Und jetzt gehe ich dann gleich ins Bett, weil garantiert um Punkt acht Michel mit meinem Rechner im Zimmer steht.

2 Gedanken zu “Tag 1632 – Erfolglos.

  1. Barbara Kerecz schreibt:

    Ich bin über den „Kundenservice“ in dem Laden mehr als schockiert. A) per Click & Collect bestellte Ware nicht dort zu haben, sich B) nicht zu bemühen, das schnellstmöglich aufzutreiben und C) der Ton. HUIUIUIUIUI, ich glaube, ich hätte da nicht an mich halten können.
    Wenigstens gibt es die Downloadmöglichkeit für Michel, sodass er trotzdem noch an sein Spiel kommt. Aber trotzdem, so eine Schande, die ganze Vorgehensweise.

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