Tag 1664 – Erleichtert. Irgendwie.

Ich weiß nicht, wie man die Kommentarfunktion für einzelne Beiträge ausstellt. Ich will auch jetzt keine Energie darauf verwenden, es herauszufinden. Ich wünsche mir deshalb, dass nicht kommentiert wird.

Ich habe keinen Krebs. Ich dachte jetzt eine Woche lang mit aller Macht nicht daran, dass ich Krebs haben könnte. Die Statistiken auf meiner Seite, die Familiengeschichte auf meiner Seite, kein Krebs. Trotzdem war da was, ich hab’s gefühlt, Herr Rabe hat’s gefühlt und der Gynäkologe, bei dem ich dann letzte Woche sehr spontan war (es lebe die Privatklinik) fühlte es auch und sagte halt leider nicht „pffffft das ist bloß eine verstopfte Drüse“ sondern „das müssen wir anschauen“.

Und deshalb wurde heute jede meiner Brüste zweimal zu einem Pfannkuchen gepresst und danach mit kaltem Ultraschallgel besprotzt und darauf mit dem Ultraschallkopf herumgefahren und ich habe keinen Krebs.

Das einzige was ich habe ist ein bisschen verdickte Haut, da wo, ich schwöre, gestern noch ein Knubbel war, und gleich mehrere Zysten, die ich aber bisher noch nicht mal bemerkt hatte. Hypochondrie hab ich wohl auch und ein schlechtes Gewissen, das Gesundheitssystem in dieser Situation (33) mit nichts verdickter Haut einem Knubbel, der so spontan verschwand, wie er gekommen war, zu belämmern, das eh. Migräne hab ich auch (erwartbar).

Was mir nicht klar war, ist, dass ich gar keine Korken knallen lasse. Ich dachte, ich wär danach irgendwie erleichtert. Bin ich auch. Irgendwie halt. Aber die erste, die zweite, die siebenundzwanzigste Reaktion, nach der ich das Bedürfnis hatte und habe, ist wie ein Kleinkind in Tränen auszubrechen und mich irgendwo zusammenzurollen. Ich will Kuchen und Eis und Schokolade (da spricht eventuell auch die Migräne) und dass mir wer übern Rücken streichelt und sagt, dass alles ok ist. Dann möchte ich drei Tage Urlaub.

Leider ging heulen bis jetzt nicht. In der U-Bahn hätten Leute wohl den psychologischen Notdienst geholt. Bei der Arbeit hätte ich mit Leuten reden müssen (voll schön mit so nem Großraumbüro!). Nach der Arbeit Zug, Kindergarten, Hort (in der Sporthalle, wo mir allein drei Nachbarn über den Weg liefen) und dann mit den Kindern allein zu Hause. Verantwortung, weiter machen.

Ich will nicht stark sein. Ich war jetzt ne Woche lang deutlich über meine Kapazitäten hinaus stark und jetzt kann ich nicht mehr.

Herr Rabe ist nicht da, ich habe weder Schokolade noch Kuchen noch Eis, ich hab abgekochtes, lauwarmes Wasser und Lakritz (immerhin).

Und ich hab keinen Krebs.

6 Gedanken zu “Tag 1664 – Erleichtert. Irgendwie.

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