Tag 1710 – Corontäne Tag 37.

Die Tage kriechen und fliegen gleichzeitig. Faszinierend.

Heute war ich einkaufen. Im Meny gibt es lose abgewogene Hefe, falls Sie welche brauchen. Norwegen hat jetzt auch wieder Roggenmehl.

Was ich noch erzählen wollte: ich war Donnerstag bei der Endokrinologin im Krankenhaus, wegen der Schilddrüse. Wie zu erwarten, zweites Rezidiv heißt, Organ soll raus. Aber weil ich nicht grad begeistert davon bin, zum jetzigen Zeitpunkt von Levaxin abhängig zu werden, warten wir erstmal ab, dann bin ich halt von Carbimazol abhängig, so what. Mit einer sehr niedrigen Carbimazoldosis lebe ich ein recht gutes Leben. Was mich überrascht hat waren zwei Dinge: 1. kommt Radioiod doch in Frage, unter Cortisonschutz für die Augen und wenn ich mich danach für ein paar Tage von der Familie isolieren könnte (oder die Familie wo anders sein könnte). Geht also zur Zeit nicht. 2. würde man mich, auch wegen der Augen, ganz am unteren Ende des TSH-Normbereiches einstellen und das versuchen wir jetzt auch mit dem Carbimazol. Ich muss also immerhin nicht befürchten, dass man versuchen wird, mich „langsam zu machen“. Das war eine Angst von mir, die mir jetzt genommen wurde. Weiterhin wurde nicht mit mir geschimpft, weil ich mich um meine Medikamentendosis dieses Mal komplett selbst gekümmert habe. Das macht mich auch froh. Ich empfehle das ausdrücklich nicht zur Nachahmung, wenn man nicht schon einige Erfahrung mit der eigenen Schilddrüse hat, aber meine jetzige Hausärztin hat halt, so nett sie ist, keinen Plan von dieser Krankheit. Zu Anfang sagte sie mir eine zu niedrige Medikamentendosis an. Dann bestellte sie mich nicht zu weiteren Blutproben ein. Ich organisierte mir selbst welche. Woraufhin sie mir mitteilte, meine Werte seien „schon viel besser“, ohne mir zu sagen, was das genau heißen soll und ob ich die Dosis anpassen soll. Ich rief an und erfragte die Werte, passte die Dosis an und machte neue Blutprobentermine aus. Irgendwann fand ich raus, dass man sich bei dem Labor, in dem die Proben analysiert werden, als Patientin einfach einloggen kann und da alle Ergebnisse einsehen kann. Meine ganze Historik liegt da! Ich bin entzückt! Und über all das hat die Endokrinologin nicht geschimpft! Ich darf die nächsten 6 Monate so weiter machen, immer mal kontrollieren, wenn ich oder die Hausärztin Fragen haben, sollen wir im Krankenhaus anrufen, und dann gucken wir in 6 Monaten noch mal, wie sich die globale Versorgungskette für Levothyroxin so entwickelt hat. Klingt wie ein guter Plan.

Am Ende des Termins gab es einen kurzen seltsamen Moment, in dem ich die Türklinke anstarrte, als sei die hochgradig infektiös. Dann wusch ich mir sehr sehr gründlich die Hände, machte die Tür mit einem Papiertuch auf und winkte der Ärztin zum Abschied, die über die Aktion sehr lachen müsste und meinte, man merke, dass ich wisse, was ich da tue. Joa. Gelernt ist gelernt, ne?

Ich weiß immer noch nicht, was ich mit meinen Haaren machen soll. Heute Morgen sah ich so aus:

Elvis wär neidisch.

Die Friseur*Innen machen zwar am 27. auf, werden ja aber zu Anfang völlig überlaufen sein. Mich reizt auch der Gedanke nicht, zum Friseur nach Oslo zu fahren. Aber irgendwas muss passieren, schon allein weil es (das kenne ich so gar nicht!) unter der Haarmasse juckt. Undercut? Hat man das noch? (Haha, als wär mir das nicht egal, was „man“ so hat.) Vielleicht lasse ich einfach Herr Rabe morgen mal kreativ werden?

Jupp, das unter meinem Auge da, das ist ein blauer Fleck. Das war Pippi neulich, jedenfalls indirekt. Macht Freude, zur Zeit mit einem blauen Fleck im Gesicht rumzulaufen, wo die Medien voll von Berichten über häusliche Gewalt sind. Auch in Norwegen ist das so und es ist ja auch ein großes Problem in vielen Familien. Seufz.

Sobald ich mich im Freien befinde, habe ich Niesreiz und tränende Augen (trotz Sonnenbrille, an der Helligkeit liegt es also nicht). Das war letztes Jahr im Frühling auch schon so. Ich werd doch nicht mit Mitte 30 noch Heuschnupfen kriegen? Ich habe aus Prinzip keine Allergien! Allergien haben die Kinder, die nie im Matsch spielen durften! Und Hypochonder (ok, also ich), die auch. Mimimi. Seufz.

Hier ist R0 jetzt bei 0,67. Des Weiteren ist die Smittestopp-App bereits von 1,2 Millionen Leuten runtergeladen worden. In zwei Tagen. Noch 800.000 und sie wird sinnvoll einsetzbar. Ich hab sie schon. Ja, da kann man jetzt den Untergang der individuellen Freiheit und aller Persönlichkeitsrechte befürchten, ich habe mich dazu entschieden, zu glauben, was die App verspricht: die Daten werden nur dazu benutzt, herauszufinden, wer mit jemandem, der infiziert ist, seit dessen vermuteter Ansteckung mehr als 15 Minuten näheren Kontakt hatte. Die werden dann gewarnt und können sich in Quarantäne begeben. Die Daten werden nicht genutzt, um die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen, des Hütteverbots oder einer Quarantäne zu kontrollieren. Nach 30 Tagen werden alle Daten automatisch gelöscht (und man kann auch selbst jederzeit alle seine Daten löschen). Ich glaube das mal. Fertig.

4 Gedanken zu “Tag 1710 – Corontäne Tag 37.

  1. Irene schreibt:

    Die Endokrinologin klingt sehr sympathisch. Ich habe ja bisher fast immer das Glück gehabt an ÄrztInnen zu geraten, die Eigeninitiative schätzen. Zu meinem ersten Endo-Termin habe ich einen Ratgeber mitgenommen, der Arzt hat sich gleich Titel und ISBN aufgeschrieben :-)
    Ich drücke die Daumen, dass egal ob RJT oder OP oder doch längere Carbimazol-Behandlung das Befinden gut wird/bleibt. Bei mir wars ja RJT, ich war eine ganze Woche isoliert im Krankenhaus, danach durfte ich heim, habe aber keine Kinder. Ich glaube, mit Kindern hätte ich mich auch noch eine weitere Woche isolieren müssen. Die Krankenhaus-Woche habe ich als extrem erholsam in Erinnerung ;-)
    Tja, und willkommen in der Heuschnupfen-Community… wobei ich finde, dass es dieses Jahr besonders unangenehm ist durch die zusätzliche Trockenheit, evtl. leiden da auch Menschen, die eigentlich keine Allergie haben. Ich sage mir immer: ich bin lieber auf Birkenpollen als auf Erdbeeren oder Wein(trauben) allergisch ;-)

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  2. Sunni schreibt:

    Wenn ich doch endlich auch mal jemanden finden würde, der mich richtig mit L-Thyrox und Thiamazol einstellt und ich nicht mehr jeden verdammten Misttag denken müsste:Ich halte es nicht mehr aus….Zum Verrücktwerden seit 1 3/4 Jahren. Ich freue mich so, dass es bei Ihnen Menschen gibt, die sich Zeit nehmen und zuhören und mitdenken!!!!LG Sunni

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    • Annue schreibt:

      Auch mein Mann kämpft momentan intensiv mit Heuschnupfen-Symptomen, weigert sich aber vehement, das als Allergie zu bezeichnen. Ist nur ein gereiztes Immunsystem, weil die Pollen dies Jahr besonders heftig sind.
      Ich stimme zu und glaube auch, dass es dies Jahr sehr heftig ist, meine bisher total erfolgreiche Desensibilisierung wird völlig überrannt, kenne ihn aber auch die letzten Frühjahre, und es ist nicht so, als hätte er da nicht auch was.

      Das Haarfoto ließ mich schmunzeln… wie ging es an der Front weiter?

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      • Bisher ging es da leider gar nicht weiter, alles wächst wie Unkraut. Es befriedigt mich ein wenig, täglich die Pressekonferenz der Regierung anzusehen und mitzuverfolgen, wie insbesondere die männlichen Regierungsmitglieder zusehends zuwuchern.

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