Tag 2492 – Miniferien!

Ich habe morgen und Montag frei, Dienstag ist Feiertag. Fast wie Urlaub, also. Ist auch schon wieder nötig, bevor ich das IT-Projekt noch ernsthaft anzünde.

Kleine Anekdote: das Nachbarsmädchen kam heute Nachmittag zu uns, um mit Pippi zu spielen und war erstaunt darüber, wie sauber und aufgeräumt es war. Pippi erklärte, dass unsere Putzhilfe gerade da gewesen sei. Wow, sagte das Nachbarsmädchen, wir haben keine Putzhilfe. Ich finde einfach Putzen richtig blöd, sagte ich (und ließ aus, dass Herr Rabe mit seinem ausgeprägten Putz-Perfektionismus bei gleichzeitiger Putz-Prokrastination in einem Haushalt mit mir sonst ein gefährliches Leben führt). Ja, meine Mama auch, aber das kostet ja Geld! Ja, sagte ich, aber das bezahle ich wirklich gerne.

Zusammengefasst: die Putzhilfe ist hier in erster Linie eine Ehelebensrettende Maßnahme, und in zweiter Linie eine Burnoutpräventionsmaßnahme für mich. Ich kann das nur empfehlen, wenn man es sich leisten kann und nicht Putzen als meditatives Hobby hat (soll’s ja geben), ist das gut investiertes Geld. So. (Und natürlich kenne ich all die feministischen Argumente dagegen und natürlich wäre es besser, keine Frau auszubeuten, damit es mir besser geht. Keine Frage. Ich kompensiere das ein wenig, indem ich versuche, sie nicht auszubeuten und auch das kann ich nur empfehlen: einfach kein*e Ausbeuter*In sein. Generell kein A****loch sein ist ein gutes Lebensmotto.)

So, nun werde ich schlafen. Morgen werde ich Wäsche waschen, vielleicht, wenn ich mich danach fühle, ein kleines bisschen arbeiten und dabei den Teams-Status lila lassen und alle Mails ignorieren, mir die Haare schneiden lassen (von Frauen random Personen die bestimmt nur zufällig zu 99% Frauen sind die sicher auch irgendwie ausgebeutet werden), Kaffee trinken, Geige spielen, die Schwägerin vom Flughafen abholen und die Freiheit genießen, die man nur hat, wenn man als einzige im Haushalt frei hat, hähähä.

Tag 2490 und 2491 – Weggeworfene Zeit.

Gestern bin ich abends auf dem Sofa vom Schlaf übermannt worden. Tjanun.

Es gab aber auch nichts spannendes zu erzählen, außer, das ist natürlich sehr spannend: es hat geregnet. Den ganzen Tag! Das ist eine Meldung wert, das war nämlich, leider wirklich nicht übertrieben, das erste mal seit März, dass es geregnet hat. Vor lauter Schreck ist gleich der Rosmarin (Versuch Nummer 275) im Garten eingegangen und der Rest der Natur ist förmlich explodiert. Zack, Frühling, alles grün. Nur doof, dass der Korps gestern seine finale Marschübung hatte, ich bekam 3 (Herr Rabe marschiert als Begleitelter mit) sehr nasse Raben zurück, die erst mal in der Badewanne auftauen mussten.

In einem Land, in dem der komplette Strom aus Wasserkraft kommt, weiß man Regen gleich ganz anders zu schätzen.

Heute war auch nicht so ganz viel, um ehrlich zu sein. Ich arbeite so vor mich hin, ziemlich unproduktiv aber es saufen halt auch alle die billigen Desinfektionsmittel da, was soll man machen. Die Arbeitszeit fühlt sich ziemlich verschwendet an, oder wie man auf norwegisch sagt: weggeworfen.

Abends habe ich versucht, Pippi die Bräune aus dem Gesicht zu waschen, weil ich dachte, es sei Dreck. Sie hat einen sehr deutlichen Abdruck von ihrer Brille, das passiert mir ja tatsächlich einfach nie, deshalb dachte ich halt, das Braune muss Staub oder Dreck sein. Hoppla. Aber Pippi sieht natürlich auch mit einem weißen Balken auf der Nase ganz bezaubernd aus. Michel hat wieder Sommersprossen auf der Nase und den Wangen bekommen und sieht damit auch ganz hinreißend aus, wie immer. Ich muss neue Sonnencreme kaufen, die Restbestände habe ich alle aus Gründen wie „voller Sand“ entsorgt. Und meine ist leer, aber die kriege ich auch nicht im Supermarkt, die muss ich bestellen oder es wagen, in eine Parfümerie zu gehen. Da ich aber schon die letzten Male im Zug gern Leuten an die Gurgel gegangen wäre, weil sie zu penetrant nach Parfüm rochen, läuft es wohl auf bestellen raus. Ich frage mich, warum mir das jetzt so extrem auffällt? Ich war immer schon geruchsempfindlich, aber doch nicht so? Bei meinem letzten physischen Maskarakauf wollte ich am liebsten rückwärts den Laden wieder verlassen, weil ugggghhhh Parfüm. Werde ich seltsam mit den Jahren? Also noch seltsamer als eh schon? Ist es die Entwöhnung durch Pandemie? Egal was: ich wünsche mir von der Menschheit generell einen sparsameren Umgang mit Düften aller Art.

Tag 2489 – Meine Nerven!

Kann nicht schon 7.7. sein? Ich wäre dafür bereit, muss ich sagen.

Eine Woche vorm 17. Mai ist totales Orga-Chaos und als wäre das nicht genug, hat die Kommune sowohl den 17. Mai-Festzug über diese Brücke, mit Kranzniederlegung an diesem Denkmal, genehmigt, als auch die Renovierung eben dieser Brücke. Tadaa.

So romantisch, die Baucontainer. Ich sehe uns schon ca. 500 Schüler*Innen plus Marschkapelle in Einerreihe an Containern und Gerüsten vorbei über die Brücke schleusen.

Das IT-Projekt eskaliert völlig und es weiß langsam der Zeigefinger nicht mehr, was der Ringfinger tut oder was seine eigene Aufgabe ist.

Ich habe mit dem Kind, das eine strikte Nulltoleranzpolitik gegenüber eigenen Fehlern fährt (as in: es macht keine, wenn es welche macht, sind es keine, wenn es doch welche sind, war es nicht seine Schuld, wenn es doch seine Schuld ist, explodiert es gründlich und ausdauernd) seinen Mathetest korrigiert. Ich bin Gandhi, nach außen hin jedenfalls. Innerlich möchte ich schreien, dass das alles kein informed consent war, I didn’t sign up for this, warum muss ich sowas plötzlich machen?

Liebe Menschen, die ihr darüber nachdenkt, ob ihr Kinder haben möchtet: Hausaufgaben. Ihr werdet Hausaufgaben betreuen müssen. Bedenkt, dass 5 Minuten Hausaufgaben 30 und mehr Minuten Gezeter und Genörgel vorausgehen können und dass ihr unter Umständen mit Radiergummis beworfen werdet, weil ihr wagt, die Flüchtigkeitsfehler eurer in deren Augen gottgleichen Brut aufzuzeigen.

Tag 2488 – Kaputt.

Ich hab mir irgendwie den Nacken verlegen und kann nur mäßig gut nach links schauen. Morgens wachte ich außerdem oder deshalb mit Migräne auf und hatte dann den Rest des Tages Kreislauf. Herr Rabe musste Pippi zum Kindergeburtstag fahren und hat den Rest des Tages zum Reifenwechsel genutzt. Wir müssen neue Reifen kaufen, für den Tesla, tschüss Geld.

Wegen Nacken hatte ich befürchtet, nicht Geige spielen zu können, ging dann aber doch (nach den ersten 2 Minuten) und ich habe festgestellt, dass mein vierter (kleiner) Finger entweder gewachsen ist oder gar nicht mal so kurz ist, wie ich dachte. Im Gegenteil, ich greife den gerne zu hoch, wer hätte das gedacht. Ich mache zum Aufwärmen gerne eine Fingerübung, die die Balance in der linken Hand fördern soll (Dounis Fundamentals) und da kann ich inzwischen fast immer den vierten Finger rund aufsetzen, das hielt ich bisher aufgrund meiner Anatomie nicht für möglich. Wahrscheinlich ist meine Technik einfach scheiße nicht besonders gut und so fundamentale Übungen helfen tatsächlich. Ich probiere außerdem eine andere Bogenhaltung aus, nämlich mit dem Daumen vor dem Frosch statt darin. So kann ich den Daumen runder lassen, die Hand ist entspannter und ich kann das Gewicht besser steuern. Nachteil: wenn meine Geigenlehrerin von früher das wüsste, gäbe das Ärger. (Man kann die Unterschiede hier sehen.)

Weiterhin habe ich nach der Butterkatastrophe (die gestern noch weiter ging, weil, wie ich leider erst merkte, als ich morgens Brötchen aufbacken wollte und den Backofen vorheizte, unter den Backstein ebenfalls Butter gelaufen war) einen neuen Versuch gestartet, den Tipp des Pharmazeuten meines Vertrauens befolgend mit mehr Eigelb. Und diesmal wurde der Kuchen so wie er sein soll.

Kladdkaka as if it’s 2008.

Fähnchen wegen Geburtstag. Obwohl der 8. Mai ja auch ein Flaggentag ist, nämlich der „Befreiungstag“, das Ende des 2. Weltkrieges und das Ende der Besetzung Norwegens. Als gebürtige Deutsche flaggen wir allerdings nicht, das fühlt sich falsch an. (Wir flaggen ja eh nicht so oft, weil wir die Flaggenallergie nicht abgeschüttelt kriegen.) (Beim nochmaligen Lesen merke ich, dass man das falsch verstehen kann: ich würde das Ende des 2. Weltkrieges auch feiern, fühle aber immer noch eine, wie ich finde, berechtigte, Scham, dass „mein“ Land, meine Heimat, meine Vorfahren, das überhaupt erst alles losgetreten und zu verantworten haben. Ohne Deutschland gäbe es den „Befreiungstag“ nicht und eine Welt, in der solche Tage nicht nötig sind, wäre eine bessere.)

Ach so, am Rande: unser Muttertag ist im Februar, insofern war hier heute nix mit Muttertag. Ich lege darauf allerdings auch keinen Wert, weder im Mai noch sonstwann.

So, jetzt Augen zu. Es ist schon fast wieder Montag. Ächz.

Tag 2487 – Rödelei.

Heute war echt anstrengend irgendwie. Michel pünktlich, wohlriechend und mit Geschenk zum Kindergeburtstag fahren, dann mit Pippi ein weißes Hemd und eine schwarze Hose (mit Gürtel, weil ich nur dürre Kinder kann, und wer macht denn bitte Kindergürtel, die man weder auf noch zu bekommt, wenn man, sagen wir mal, mal aufs Klo muss?) kaufen, außerdem einen neuen Zwei-Wege-Hahn für den Gartenschlauch. Michel abholen, dem sein Telefon beim Geburtstag runtergefallen ist, und das jetzt einen schwarzen Fleck im Display hat. Ein wenig im Garten rödeln (den neuen Hahn einbauen und dann schnell ein bisschen das Nötigste wässern, solange man noch darf, außerdem Planzen, die an Stellen wachsen, wo ich sie nicht haben will, ausrupfen), dann zwei Telefone zu jemandem fahren, der gegen Bares Telefondisplays ersetzt, dafür aber auch keine Quittung ausstellt (Sie wissen, was das heißt), in der Zwischenzeit einkaufen, Telefone wieder abholen, den Ofen sauber machen (Butter unter dem Backstein, hurz), Abendessen machen, essen, Kinder ins Bett verfrachten.

An solchen Tagen bin ich dann froh, wenn ich mich abends noch aufraffen kann, wenigstens ein paar Tonleitern zu spielen, damit ich wenigstens irgendwas nur für mich gemacht habe.

Tag 2486 – Fast Vierzig.

Herr Rabe hat Geburtstag und nimmt Glückwünsche gerne entgegen. Ich muss gestehen, ich finde ihn immer noch einen der attraktivsten End-30er die ich so kenne, auch wenn heute spontan ein neuer Anzug angeschafft werden musste. Wir werden halt alle weicher mit der Zeit.

Ich wollte einen Geburtstagskuchen backen und habe das voll verkackt, weil sich Butter und Rest nicht verbinden wollten und am Ende überall* Butter war und der Kuchen war eher ein sehr großer, frittierter Schokokeks. Hoppla. Es war dann keine Zeit mehr für einen neuen Versuch und morgen macht Herr Rabe Java-Sachen, deshalb werde ich erst Sonntag einen neuen Kuchen backen. Im Zweifel lieber ein Eigelb mehr, weiß ich jetzt. Herr Rabe hat schwedischen kladdkaka verdient und wird ihn bekommen. So.

Abends waren wir essen und jetzt ist Fresskoma sondergleichen, ich gehe einfach schlafen.

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*wirklich überall, ich musste danach den Fußboden wischen, weil butterige Fußspuren bis ins Bad verteilt waren

Tag 2485 – Zu spät.

Ich sagte ja gestern bereits, dass demnächst 17. Mai ist. Genau genommen in 11 Tagen. Wir vom Schulelternrat hatten deshalb doch heute schon ein Meeting zur Detailplanung. Dafür gleich drei Stunden und jetzt brummt mein Kopf und ich muss mich morgen drum kümmern, anzuleiern, dass 45 Erstklässlerfamilien Kuchen backen. Awesome.

Der Fehler ist zwischen Tag 2403 und 2304 passiert. Ich werde das beizeiten korrigieren, wenn ich mal ein langweiliges Meeting habe oder so. Aber nicht mehr heute Abend.

Tag 2384 – Noch 49 Tage.

Maximal 49 Tage müssen Sie mein Genörgel, Geheul und frustriertes Waszurhölle-n ertragen, dann ist der Tag an dem wir entscheiden, ob in 116 Tagen das IT-Projekt live geht. Also ich nicht, an dem Tag mache ich ja einen Langstreckenflug. Aber 49 Tage. Das ist aushaltbar. Wir müssen da jetzt alle zusammen durch und das beste draus machen, nicht wahr.

Noch 64 Tage bis Urlaub und noch 66 Tage bis in-den-Urlaub-fahren. Mindestens ich werde es bis dahin sehr nötig haben, denn bis dahin sind noch Herr Rabes Geburtstag, 17. Mai, 1 Inspektion (die wegen Magen-Darm verschobene), 1 LAN-Party für die 5.-7. Klassen, an 1 Wochenende, an dem Herr Rabe nicht da ist, Acceptance testing für das IT-Projekt, diverse Sommerfeste und Gedön, 1 Inspektion auf 1 anderem Kontinent mit 1 anderen Inspektor aus 1 anderen Land (Hilfe!), 1 Sommertour für Michel mit 2 Übernachtungen und 0 Menschen, die er dort kennt (er wollte das!) und Packen für den Urlaub.

Was sagte meine Kollegin heute? Ich müsse auch an mich denken. Ich denke ja an mich, zum Beispiel werde ich in 53 Tagen ganz allein in New York sein. Und heute habe ich immerhin 45 Minuten Geige gespielt, hatte sowas wie einen Durchbruch/eine Erleuchtung bei Markov-Scales in D-Dur und hab sogar endlich meine längst gewaschene Wäsche wegsortiert und damit etwas Platz im Hirn geschaffen. Wenn das nicht selfcare ist.

Noch 64 Tage.

Tag 2382 – Karma is a b*tch.

Heute warf ich einen Blick in den reichlich, äh, nicht durchdachten Plan für den Abnahmetest im IT-Projekt und wie soll ich sagen. Sie hören nicht zu. Doppelt nicht. Denn nicht nur hatten sie mich für das Ende der Testphase eingeteilt (ich kann. Da. Nicht. Ab dem Mittwoch in der dritten von drei Wochen sitze ich in einem Langstreckenflug und dann bin ich auf einem anderen Kontinent, ich kann. Also. Wirklich. Einfach. Nicht. Und das hab ich auch vor Monaten schon gesagt, und vor ein paar Wochen nochmal gesagt und alle immer so ‚jaja da nehmen wir natürlich Rücksicht drauf‘.) sondern sie hatten auch ab dem ersten Tag Tests eingetragen, ignorierend, obwohl ich auch das schon mal gegenüber den selben Leuten gesagt hatte, dass das Pfingstmontag ist. (Wahrscheinlich müssen wir dann jetzt trotzdem arbeiten oder so, well, gerne, das kostet 100% Überstundenzuschlag an Sonn- und Feiertagen, also doppelte Bezahlung.)

Eine weitere IT-Geschichte aus dem Haus, das Verrückte macht, ist, dass wir seit Wochen an verschiedenen Fronten am laufenden Band IT-Probleme haben. Die EMA hat was upgedated und seitdem ist es ziemlich kaputt. Das Werk hat diverse Dinge in die Cloud verfrachtet, und seitdem sind auch da alle möglichen Dinge kaputt. Das wird gefühlt jedes Wochenende häppchenweise geflickt und montags ist immer etwas spannend, wenn man rausfindet, was diesmal kaputtrepariert wurde. Zum Beispiel haben einige von uns alle ihre Einstellungen inklusive Ordnern und Regeln in Outlook verloren. Andere haben alle Mails, die älter als 3 Monate waren, verloren. Letzte Woche kam man in einem unserer wichtigsten Programme nur in eine Test-Version. Da kann man schon mal leichtes Augenzucken kriegen. Kollegin K-M startete heute die montägliche Klageorgie, was wieder alles nicht geht, woraufhin der Lieblingskollege anfing herumzutönen, ER habe ja nie solche Probleme, weil ER mache immer alle seine Updates. Die automatischen Updates hat nach der Pandemie nämlich niemand wieder angeschaltet, so scheint es zumindest, man muss also selbst daran denken, ab und zu mal zu gucken, ob Updates gemacht werden könnten. Und ER mache das ja immer und habe NIE Probleme, das führe er darauf zurück. Und dann war nachmittags plötzlich sein Ordner, in dem alles ist (ALLES. 39.000 Dateien, gesammelt seit 2002), weg. Einfach vom Server verschwunden. Tadaaaa! Ich zog ihn ein bisschen damit auf, dass MIR sowas ja NIE passieren könnte, weil ICH immer alle meine Updates mache UND meinen Ordner schon lange in die Cloud verfrachtet habe. Dann stand ich ihm bei, während er den IT-Support anrief um seinen Alles-Ordner aus den Untiefen des Back-Ups wieder herzustellen. Hehehehe.