Tag 2489 – Meine Nerven!

Kann nicht schon 7.7. sein? Ich wäre dafür bereit, muss ich sagen.

Eine Woche vorm 17. Mai ist totales Orga-Chaos und als wäre das nicht genug, hat die Kommune sowohl den 17. Mai-Festzug über diese Brücke, mit Kranzniederlegung an diesem Denkmal, genehmigt, als auch die Renovierung eben dieser Brücke. Tadaa.

So romantisch, die Baucontainer. Ich sehe uns schon ca. 500 Schüler*Innen plus Marschkapelle in Einerreihe an Containern und Gerüsten vorbei über die Brücke schleusen.

Das IT-Projekt eskaliert völlig und es weiß langsam der Zeigefinger nicht mehr, was der Ringfinger tut oder was seine eigene Aufgabe ist.

Ich habe mit dem Kind, das eine strikte Nulltoleranzpolitik gegenüber eigenen Fehlern fährt (as in: es macht keine, wenn es welche macht, sind es keine, wenn es doch welche sind, war es nicht seine Schuld, wenn es doch seine Schuld ist, explodiert es gründlich und ausdauernd) seinen Mathetest korrigiert. Ich bin Gandhi, nach außen hin jedenfalls. Innerlich möchte ich schreien, dass das alles kein informed consent war, I didn’t sign up for this, warum muss ich sowas plötzlich machen?

Liebe Menschen, die ihr darüber nachdenkt, ob ihr Kinder haben möchtet: Hausaufgaben. Ihr werdet Hausaufgaben betreuen müssen. Bedenkt, dass 5 Minuten Hausaufgaben 30 und mehr Minuten Gezeter und Genörgel vorausgehen können und dass ihr unter Umständen mit Radiergummis beworfen werdet, weil ihr wagt, die Flüchtigkeitsfehler eurer in deren Augen gottgleichen Brut aufzuzeigen.

Tag 2361 – Tag der Schlange.

Meine Güte, seit sehr langer Zeit haben wir nicht mehr so viel Zeit mit Schlange stehen verbracht. Nicht mal, weil es lange Schlangen waren, sondern einfach viele und es dort auch nicht sonderlich schnell voran ging.

Schlangen heute:

  • Sicherheitskontrolle. Wir nahmen die Familienschleuse, was eine denkbar besch…eidene Idee war, weil gefühlt alle in dieser Schlange zehn Tonnen Handgepäck dabei hatten und noch nie geflogen waren, jedenfalls musste so ziemlich jedes Gepäckstück mehrmals durch den Scanner geschoben werden, weil noch irgendein Babygläschen/Popocreme/Trinkflasche vergessen worden war. Wir standen, das ist nicht übertrieben, ca. 30 Minuten an, dabei waren vor uns, als wir kamen, nur ca. 6 weitere Familien.
  • Passkontrolle in Gardermoen. Kritische Beäugung von Michels Kinderreisepass. Wurde dann aber akzeptiert.
  • Am Gate. Wesentlich länger als erwartet, weil kein Flugzeug da war. Das kam erst 10 Minuten nachdem wir schon hätten gestartet sein sollen. Auch da wurden die Pässe noch mal kontrolliert.
  • Im Gangway hinterm Gate. Lange. Wirklich sehr lange. In dem sehr sehr warmen Glastunnel, in der Sonne.
  • Passkontrolle in England.
  • Am Gepäckband

Insgesamt starteten wir mit 1,5 Stunden Verspätung in Gardermoen und kamen mit 1,25 Stunden Verspätung in Gatwick an. Michel war sehr nervös und kann dann nicht still stehen und nimmt alles wörtlich, was man sagt – zum Beispiel war seine Antwort auf „Kinder, hört doch einfach auf, euch gegenseitig auf den Zeiger zu gehen“ „ Aber Pippi hat keine Uhr an, wie soll ich ihr da auf den Zeiger gehen?“. Mich steckt die Nervosität an und der Verspätungsstress tat sein Übriges, am liebsten wäre ich irgendwann nur noch schreiend weggelaufen, aber ging ja nicht. Dann machte ich noch den glorreichen Fehler Michel zu sagen, dass Gepäck, das man nicht abholt, versteigert wird (er wollte wissen, was dann passiert), woraufhin Michel endgültig völlig aus dem Häuschen geriet, weil er Angst hatte, dass unser Gepäck versteigert wird. Wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, an dem noch nicht mal angezeigt wurde, auf welchem Band das Gepäck von unserem Flug ankommen würde.

Um dem ganzen Stress die Krone aufzusetzen stolperte dann noch ein älterer Herr über Pippi und schlug lang hin. Ja naja, kann ja mal passieren, dachte ich und wollte ihm aufhelfen, aber er stöhnte nur laut und hielt sich die Hüfte und als seine Frau dazu gehastet kam, sagte er, das sei DIE Hüfte und die sei sicher wieder (!) gebrochen. Herr Rabe stürzte davon, um Flughafenpersonal Bescheid zu geben, dass wir ärztliche Hilfe brauchen, am Boden der stöhnende Mann, der nicht aufstehen konnte, neben mir Michel, hyperventilierend wegen des Gepäcks und Pippi, bleich um die Nase. Als die Flughafenangestellten einen Paravon um den Mann aufgestellt hatten und Herr Rabe und Michel das Gepäck holen gingen, brach Pippi in Tränen aus und fragte mich, ob es Gefängnisse für Kinder gäbe. Dabei hatte sie wirklich keine Schuld, der Mann ging rückwärts-seitwärts und sah in die entgegengesetzte Richtung. Die Flughafenangestellten waren mit dem Mann beschäftigt und wir wollten auch nicht stören, aber Pippi wollte sich gerne entschuldigen und wir sagten einer der Angestellten das, die sagte, sie würde es ausrichten. Auf dem Weg zum Ausgang kam dann noch mal eine andere Angestellte hinter uns hergelaufen (in meinem Kopf schon Schadensersatzklagen ohne Ende) und richtete aus, der Mann habe sich gefreut, dass sich Pippi entschuldigt hat, und es ginge ihm gut, nur ein bisschen Schmerzen. Hoffen wir einfach, dass das so stimmt.

Jedenfalls kamen wir alle völlig gerädert bei der Schwägerin an und jetzt ist aber sowas von Schlafenszeit. Ich richtete im Bad noch ein kleineres Blutbad an, weil ich mir die Nase geputzt habe und instantan aus beiden Nasenlöchern das Blut lief und auch erst mal nicht aufhörte. Super, echt, meinen Körper muss man einfach lieben. Inzwischen hat es aber aufgehört, ich sprühe noch mal befeuchtendes Nasenspray drauf und dann Licht aus. Und morgen ein Steak oder so.

Tag 752 – Übertrieben. 

Sowohl im Labor und danach beim jährlichen Shrimps-Essen, wobei der Essensteil da schon vorbei war und nur noch getrunken wurde, aber das ganze Ding hätte ich mir lieber sparen sollen, weil sich mit wirklich nur wenig Alkohol bin ich jetzt komplett ausgepumpt und zum Umfallen müde. 

Aber: alle Proben soweit fertig gemacht, jetzt können andere übernehmen. Und etwas besonders schönes ist auch passiert: meine eine Kollegin hat mir Ihre Hilfe angeboten. Nicht nur einfach so dahingesagt, sondern ganz konkret, wenn ich noch irgendwas zu tun hätte, das sie auch machen kann, soll ich es bloß sagen. Ich bin immernoch ganz gerührt davon. Und langsam habe ich auch die Scheu vor dem um-Hilfe-Bitten abgebaut: als der Chef heute mit wieder einer weiteren Knock-Out-Zelle ankam, die ich bitte auftauen sollte*, habe ich zwar noch das Medium selbst warm gestellt, aber dann den vorbeilaufenden Mr. I-trust-You darum gebeten, die Zellen aufzutauen. Das hat der auch gemacht und „kein Problem“ gesagt. Puh. 

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*Ich hätte nein gesagt, hätte er nicht damit ein sozusagen „sicheres“ Manuskript in Aussicht gestellt, in dem ich einfach nur die tausend sechs Knock-Outs, die wir inzwischen haben, miteinander vergleiche. Selbst die Daten zu vier davon haben wir schon. Das ist bisher die beste Idee, die ich hatte und die er jetzt als seine versteht.