Ich sollte wahrscheinlich dringend schlafen, aber ich muss wenigstens erzählen, DASS ich gestern auf dieser Jobfeier war. Das Thema war „wähl ein Jahrzehnt“ und nachdem ich diverses durchprobiert hatte, landete ich bei einem von meiner Omi geerbten Kleid aus den 60ern. Nun habe ich ja die Frisur, die ich habe, die gibt nicht soooo viele klassische 60s-Stylingmöglichkeiten her, aber mit ein bisschen Recherche fand ich Edie Sedgewick, eine recht tragische Figur, die jung nach einem intensiven Leben starb. Aber sie hatte kurze Haare und ein sehr prägnantes Make-Up, das aber nicht komplett drüber in manchen Aspekten war (wie z.B. das von Twiggy, die sich wohl drei Paar falsche Wimpern übereinander geklebt hat. Ich besitze nur zwei paar falsche Wimpern). Also habe ich morgens schon meine Haare mit Gel in eine Seitenscheitel-runder-Hinterkopf-Geschichte geklebt und mir nach der Arbeit ein 60s-New York-it-Girl-Make-up aufgemalt. Nein, ich hab leider kein Foto gemacht. Ausgeprägter Lidstrich, dahinter ein „Streifen“ Weiß, bis zur Lidfalte, wo ein schmaler aber deutlicher Streifen in grünschwarz mit einem Wing nach außen war. Unterm Auge schwarzer Kajal, um den Hündchenaugen-Effekt zu verstärken. Dazu falsche Wimpern (1 Paar) und ein altrosa matter Lippenstift.
Und damit war ich dann komplett drüber. Ich hatte vergessen, wie lahm bürokratisch meine Kollegys zum Großteil sind. Also, ja, manche hatten sich immerhin in irgendwelche Jahrzehnt-Fummel geworfen (überraschend viele schlimme Jogginganzüge aus den 80ern), aber mit Make-up spielt irgendwie niemand. Schade eigentlich.
Das Fest war dann nett, aber furchtbar laut und sehr sehr anstrengend für mich. Es gab gutes Essen, aber mit nur wenigen vegetarischen Optionen (ich hab mir sagen lassen, dass die Fleischgerichte alle super waren). Immerhin gab es zwei Getränkebons pro Person, das ist ungewohnt großzügig vom Werk. Dieses Mal hab ich vom Weißwein auch keine Kopfschmerzen bekommen.
Um zehn begab ich mich auf die Heimreise und um viertel nach elf war ich endlich erlöst von zwei Plagen: dem Kleid (meine Omi war schmaler als ich, zumindest in Schultern und Oberweite, die hob halt auch keine Gewichte, ne?) und der rechten Kontaktlinse. Wegen Astigmatismus nur auf dem rechten Auge habe ich unterschiedliche Kontaktlinsen für links und rechts, und die rechte wird immer schneller „zäh“ als die linke. Ich konnte den halben Heimweg kaum noch was sehen und Augentropfen halfen auch nicht, aber im Zug, wo ich mir nicht mal die Hände vorher waschen kann, wollte ich die Linsen auch nicht rausfummeln. Also dann zu Hause, und das war SO SCHÖN.
Danach bin ich nach einer Dusche einfach ins Bett geplumpst und habe elf Stunden geschlafen.
Fazit: Ich bin stolz auf mich, dass ich das durchgezogen hab, dass ich socialized hab, und dass ich mir nicht vor lauter Scham das Make-up wieder abgewaschen hab. Sollen sie halt denken, dass ich gerne mal aussehe wie ein Clown, weil es das tatsächlich manchmal auch trifft. Make-up macht mir nach wie vor einfach Spaß.
Heute haben wir nicht so viel gemacht. Michel und ich haben neue Fahrradhelme gekauft und im Anschluss habe ich meine Haare schneiden lassen, damit ich wieder ordentlich aussehe. Danach habe ich sie dann oben blondiert, damit ich wieder unordentlich aussehe. Morgen kommt dann Farbe drauf.