Tag 3890 und 3891 – Party Party Party!

Ich sollte wahrscheinlich dringend schlafen, aber ich muss wenigstens erzählen, DASS ich gestern auf dieser Jobfeier war. Das Thema war „wähl ein Jahrzehnt“ und nachdem ich diverses durchprobiert hatte, landete ich bei einem von meiner Omi geerbten Kleid aus den 60ern. Nun habe ich ja die Frisur, die ich habe, die gibt nicht soooo viele klassische 60s-Stylingmöglichkeiten her, aber mit ein bisschen Recherche fand ich Edie Sedgewick, eine recht tragische Figur, die jung nach einem intensiven Leben starb. Aber sie hatte kurze Haare und ein sehr prägnantes Make-Up, das aber nicht komplett drüber in manchen Aspekten war (wie z.B. das von Twiggy, die sich wohl drei Paar falsche Wimpern übereinander geklebt hat. Ich besitze nur zwei paar falsche Wimpern). Also habe ich morgens schon meine Haare mit Gel in eine Seitenscheitel-runder-Hinterkopf-Geschichte geklebt und mir nach der Arbeit ein 60s-New York-it-Girl-Make-up aufgemalt. Nein, ich hab leider kein Foto gemacht. Ausgeprägter Lidstrich, dahinter ein „Streifen“ Weiß, bis zur Lidfalte, wo ein schmaler aber deutlicher Streifen in grünschwarz mit einem Wing nach außen war. Unterm Auge schwarzer Kajal, um den Hündchenaugen-Effekt zu verstärken. Dazu falsche Wimpern (1 Paar) und ein altrosa matter Lippenstift.

Und damit war ich dann komplett drüber. Ich hatte vergessen, wie lahm bürokratisch meine Kollegys zum Großteil sind. Also, ja, manche hatten sich immerhin in irgendwelche Jahrzehnt-Fummel geworfen (überraschend viele schlimme Jogginganzüge aus den 80ern), aber mit Make-up spielt irgendwie niemand. Schade eigentlich.

Das Fest war dann nett, aber furchtbar laut und sehr sehr anstrengend für mich. Es gab gutes Essen, aber mit nur wenigen vegetarischen Optionen (ich hab mir sagen lassen, dass die Fleischgerichte alle super waren). Immerhin gab es zwei Getränkebons pro Person, das ist ungewohnt großzügig vom Werk. Dieses Mal hab ich vom Weißwein auch keine Kopfschmerzen bekommen.

Um zehn begab ich mich auf die Heimreise und um viertel nach elf war ich endlich erlöst von zwei Plagen: dem Kleid (meine Omi war schmaler als ich, zumindest in Schultern und Oberweite, die hob halt auch keine Gewichte, ne?) und der rechten Kontaktlinse. Wegen Astigmatismus nur auf dem rechten Auge habe ich unterschiedliche Kontaktlinsen für links und rechts, und die rechte wird immer schneller „zäh“ als die linke. Ich konnte den halben Heimweg kaum noch was sehen und Augentropfen halfen auch nicht, aber im Zug, wo ich mir nicht mal die Hände vorher waschen kann, wollte ich die Linsen auch nicht rausfummeln. Also dann zu Hause, und das war SO SCHÖN.

Danach bin ich nach einer Dusche einfach ins Bett geplumpst und habe elf Stunden geschlafen.

Fazit: Ich bin stolz auf mich, dass ich das durchgezogen hab, dass ich socialized hab, und dass ich mir nicht vor lauter Scham das Make-up wieder abgewaschen hab. Sollen sie halt denken, dass ich gerne mal aussehe wie ein Clown, weil es das tatsächlich manchmal auch trifft. Make-up macht mir nach wie vor einfach Spaß.

Heute haben wir nicht so viel gemacht. Michel und ich haben neue Fahrradhelme gekauft und im Anschluss habe ich meine Haare schneiden lassen, damit ich wieder ordentlich aussehe. Danach habe ich sie dann oben blondiert, damit ich wieder unordentlich aussehe. Morgen kommt dann Farbe drauf.

Tag 2285 und 2286 – Erwachsen.

Gestern waren Herr Rabe und ich auf einem 40. Geburtstag. Vorher waren wir auf dem Jubiläumskonzert der Kulturschule, unserem jüngsten Spross und vielen anderen Sprössen zuhören. Das war wie sowas halt ist, ich glaube allerdings, viele meiner Schulkonzerte damals waren deutlich schlimmer für die Anwesenden. Oder zumindest durchwachsener. Jedenfalls fühlte es sich schon sehr erwachsen an, bei sowas im Publikum zu sitzen. Danach lieferten wir Pippi bei der Babysitterfamilie ab (Michel war schon da, der wollte nicht mit zu dem Konzert), atmeten (völlig sinnloser weise, wie sich herausstellen sollte) jeder einen Dönerteller ein, weil es in der Einladung geheißen hatte, man solle lieber nicht hungrig kommen, es sei kein Fest mit gedeckter Festtafel und Reden, ich machte aus dem Elter-auf-Musikschulkonzert-Make-Up mittels Dunkelblau-Lila Glitzer, Silber-Lila Glitzer, Lidstrich und Rotglitzer-Lipgloss in Windeseile ein Party-Make-Up und dann waren wir mit unter zwei Stunden Verspätung (welche Party geht denn auch um 19 Uhr los???) bei unseren Corontänefreunden.

Da waren so viele Leute, man kennt das ja gar nicht mehr, und es gab sowohl Umarmungen als auch Händeschütteln. Seltsam, aber, ich muss gestehen, auch schön. Normal. Außer dass die Einstiegs-Gesprächsphrasen allerorten verschiedene Variationen von „Und, wie macht ihr das mit Büro in Zukunft?“ waren.

Die Party war sicherlich gelungen. Es war ein Doppel-40ster, halb nachgeholt (H. ist schon letztes Jahr 40 geworden) wegen Pandemie. Mir hat das Fest neue Life-goals beschert, denn unsere Freunde waren tatsächlich nur Gastgeber auf ihrem Fest. Durch Zufall hatten sie, als sie ein Partyzelt mieten wollten, jemanden aufgetan, der ihnen noch einen Haufen weitere Dinge geliehen und sogar Arbeitskraft gestellt hat, sie hatten also einen Foodtruck (!), eine kleine Bar mit Bier vom Fass (und sehr viel anderem, sehr viel gefährlicherem Zeug), Partyzelt, einen Haufen Türstehergrills, Stehtische, Bierbänke, sowie Rolf, der hauptberuflich Leute abfüllt und Jakob, der hauptberuflich hinter vollen Leuten herräumt. Es gab Musik und gut gelaunte Gäste und ich musste die ganze Zeit daran denken, wie toll das sein muss, am nächsten Morgen aufzustehen und es klebt wenigstens nicht jeder Quadratzentimeter, weil Rolf, nachdem er ein Tablett Whisky Sour-Shots vorbereitet hat, in der Küche hinter sich aufräumt und alle Flächen abwischt. Egal, was das gekostet haben mag, das war es ganz sicher wert. Jetzt muss ich nur noch bis in dreieinhalb Jahren meinen Freundeskreis verzehnfachen und unsere Wohnfläche am besten gleich mit. (Spaß. Das wären mir viel zu viele Leute auf einmal, ich kann mich nicht zu so vielen gleichzeitig verhalten und habe den Abend über nur mit ca. 15 Leuten überhaupt interagiert, von denen ich bis auf zwei vorher schon recht gut kannte.) Wenn Fest im eigenen Haus, dann so. Erwachsenen-Version von Party, gewissermaßen.

Überhaupt war das alles recht erwachsen. Alle unsere Freunde sind halt um die 40, wir ja auch, die sehen alle aus wie Consultants und Büroangestellte und WIR JA AUCH. Und dann springen sie rum zu Ska von vor 20 Jahren und wir auch. (Mein Beckenboden weint, da war er bestimmt auch nicht der einzige.)

Besonders erwachsen war sicherlich, vorher schon das Taxi zu ein Uhr bestellt zu haben (geteilt mit Freunden), sonst hätte das noch sehr unerwachsen eskalieren können. So ging es uns (mir?) zwar auch schon mal besser an einem Sonntag, aber auch schon wesentlich schlechter. Leider weiß ich ja auch, dass ich auch ganz ohne Alkohol nach so einem Fest gerne mal im Eimer bin, da ist dann auch fast schon egal, ob der Kopf zusätzlich dick und der Kreislauf im Keller ist.

Schön war das. Ich bin zu selten unter ausschließlich gut gelaunten Leuten.

Tag 1446 –

Ich war heute im Bodensee baden. Überhaupt bin ich das allererste mal am Bodensee.

Abends eine Disputationsfeier, die wieder ganz anders als alle anderen war. In einem Gemeindehaus, das allerdings aussieht, wie aus einem Gemeindehäuser-Katalog zusammengebastelt. Alles Gute noch mal an Dr. Sophie!

Seit ewig mal wieder Tequila getrunken. Ich mag Tequila. Aber macht auch müde. Oder vielleicht war das das frühe Aufstehen.

Tag 1037 – Zu müde zum Erzählen.

Morgen ausführlich und mit Bildern, heute nur ganz kurz bevor mir die Augen zufallen: ich hab zum ersten Mal was richtig from scratch genäht, nur nach nem Bild und meinen Maßen. Und es hat geklappt. Hurra!

Pippi war heute das erste Mal ohne uns irgendwo anders. Nämlich beim 3.Geburtstag ihres Freundes M., dem Sohn der Leiterin des Kindergartens. Wären die fremder gewesen, hätte es vermutlich lange nicht so reibungslos geklappt. So bekam ich sie nur unter Protest überhaupt da weg. Und trug dann ein „Trampolin!“-murmelndes, schlafendes Bündel die Treppe hoch. Für Pippi war es aber wohl doch sehr sehr aufregend, sie schläft unruhig und redet, weint und motzt im Schlaf. Hachja. Auch dieses Baby wird langsam groß.