Tag 3816 – 3818 – Vorbereitungen.

Ich bin immer noch konstant müde. So viel Vitamin D kann man echt gar nicht nehmen. Oder so viel schlafen, zumindest schaffe ich das nicht.

Wir bereiten die China-Reise vor. Ich bin wirklich langsam sehr aufgeregt. Wird das alles funktionieren? Wird mir der Lieblingskollege den Kopf abreißen, weil das Netz in China mit der eSIM, die ich nach langen Recherchen ausgesucht habe, genau da wo die Site ist, schlecht ist? Werde ich nach über einer Woche authentisch chinesischem Essen nie wieder dort hin wollen? Werde ich durchdrehen, weil die von der Site uns vermutlich nie in Frieden lassen werden? Mir ist das alles zu aufregend und dann kann ich nicht mal meine normalen Kontakte haben, weil ich alle privaten Geräte zu Hause lassen muss und nur das nahezu leere Telefon und den ebenso leeren PC mitnehmen darf.

Mir ist das grad alles ein bisschen viel.

Tag 3815 – Wochenendende.

Sonntag. Niemand hat sich am Hang festgefahren. Yeah.

Ich hatte eine Geigenstunde, wo ich mein Leid über Rode 9 geklagt habe und zur Belohnung weiter daran arbeiten „darf“. Nein, es ist ja gut so, es ist sehr komplex und ich kann viel dabei lernen. Und etwas Lob habe ich auch bekommen, ich hätte mir eine gute Basis und ein stabiles Grundgerüst erarbeitet, es muss jetzt halt noch „schön“ werden. Es klingt grad noch sehr roboterhaft, was kein Wunder ist, weil im Kopf die ganze Zeit mehrere Metronome mitlaufen, Achtel, Sechzehntel, Triolen, Sekstolen. Außerdem ist mein Bogen zu kurz, oder anders gesagt: ich muss den Bogen wesentlich besser einteilen. Sonst verhungern die letzten Töne auf den laaaaaangen Bögen gerne mal. Das sind alles keine Überraschungen. Überhaupt nicht. Das Problem ist eher, dass alles gleichzeitig passiert. Aber dazu habe ich jetzt Übetipps bekommen und kann dann nun Häppchenweise Feinschliff betreiben.

Zu Hause angekommen hatte irgendwie niemand den Haushalt gemacht, Schweinerei. Also fing ich damit an. Pippi machte freiwillig mit. Michel schlief auf dem Sofa ein. Herr Rabe kam nach Hause und räumte endlich Weihnachten weg. Jetzt ist gestaubsaugt und die Bäder sind sauber und die Küche ist zumindest aufgeräumter als vorher. Tolle Laune kriege ich davon nicht, also das Ergebnis freut mich schon, aber der Weg dahin ist furchtbar ätzend.

Danach habe ich dann noch Essen gemacht. Das macht mir wenigstens mehr Spaß als Putzen.

Für morgen früh ist die Sporttasche gepackt. Sehr empörend finde ich, dass mir gestern im Schwimmbad meine Reiseshampooflasche entwendet wurde. Die hatte ich schon länger als wir in Norwegen leben, und die war schon überall mit, immer wieder aufgefüllt mit über die Jahre auch sicher 7-8 verschiedenen Shampoos. Es war nicht mal eine tolle Flasche oder so, einfach eine schnöde Reisegröße von einer dm-Eigenmarke. Keine Ahnung, wer sowas klaut, aber als wir gestern mit Schwimmen fertig waren, war das Shampoo nicht mehr in dem Fach in der Dusche. Alles andere war noch da, nur das Shampoo war weg. Sehr seltsam und sehr empörend. Jetzt musste ich ein neues Fläschchen abfüllen, und das ist falsch, das passt alles nicht so gut ins Reisetäschchen und ich finde nicht gut, dass ich jetzt wegen seltsamen Leuten im Schwimmbad meine Shampooflaschenroutine ändern muss. Ganz und gar nicht gut.

Tag 3814 – Zu früh gefreut.

Gestern Nasenbluten, heute Nasenbluten. Heute während ich im Auto saß und mich am steilsten Stück der Straße festgefahren hatte und Herrn Rabe vorheulte, dass es gar nicht in die Tüte kommt, dass ich die Nachbarn um Hilfe bitte, weil die dann denken, ich kann nicht Auto fahren. Was ich ja auch nicht kann, ich meine, ich hatte mich ja festgefahren. Und dann platzte vor lauter Stress offenbar das Äderchen im linken Nasenloch mal wieder und es lief einfach. Ich hatte nichts, kein Taschentuch, nichts, außer der auf dem Beifahrersitz liegenden Tasche mit nassen Schwimmsachen. Also blutete ich in ein nach Chlorwasser riechendes, nasses Badehandtuch und heulte dabei und wartete, dass die Wärmekabel ihren Scheiß Job machen und die Nase aufhört zu bluten. Ich hab grad fast 3000 Kronen ausgegeben und drei Monate Verdauungsprobleme gehabt für eine Kur mit Eisenpräparaten, vom Arzt verschrieben wegen quasi nicht existentem Eisenspeicher. Ich hab kein Blut zu verschenken. Und dann läuft das einfach in ein nasses Handtuch. Als die Kabel 45 Minuten gewärmt hatten, schaffte ich es irgendwie selbst (also ohne Hilfe von Nachbarn oder Abschleppdienst), wieder vom Fleck zu kommen und kam tatsächlich zu Hause an. Wo ich feststellte, dass mir Blut in den Kaschmirschal gelaufen war. Nie passiert sowas mit irgendwelchen günstigen, leicht zu ersetzenden Textilien. Ich schmiss den Schal sofort in die Waschmaschine im Wollprogramm bei 30 Grad und was ich im leicht schummrigen Licht im Wohnzimmer vorhin beim Aufhängen gesehen habe sah ganz gut aus, aber maaaaaan, was für ein Stress alles. Aber hilft ja nix, bin ja die einzige Erwachsene zu Hause, also räumte ich die Einkäufe weg, machte mein Gesicht sauber, cremte meine Nase von innen ein, stieg wieder ins Auto und holte Pippi ab, machte Essen und wusch noch eine Ladung teilweise blutige Handtücher und danach die Schwimmsachen. Müll hab ich auch noch weggebracht. Ich hab echt viel gemacht, aber ich bin auch echt fertig jetzt, das war alles viel stressiger als nötig. Die Folge Only Murders in the Building auf dem Sofa habe ich mir mehr als verdient.

Spätestens zum nächsten Winter kaufe ich Spikereifen.

Tag 3813 – Nicht viel zu erzählen.

Hier ist kaum was los. Herr Rabe ist heute auf ein Jobwochenende aufgebrochen. Ich habe Geige geübt und muss langsam aufpassen, dass ich nicht in die Über-Übungsfalle tappe. Ich habe auch viele, viele Stunden gearbeitet, ungefähr bis zu dem Punkt, wo ich merkte, dass ich Kopfschmerzen bekommen hatte. Sport gemacht habe ich keinen, aber mir tut auch noch alles ziemlich weh. Seit vorhin auch die Oberschenkel. Wir, also Pippi, haben Übernachtungsbesuch. Ich höre noch Kinder rumgeistern, es kann aber auch Michel sein, der sich wieder an den Computer schleicht (Rübennase). Es schneit, aber so wenig, dass die Wetterapp behauptet, es schneie gar nicht. Die Wärmekabel gehen manchmal an, manchmal aber auch nicht.

So langsam ödet mich der Winter doch sehr an. Ich hoffe, in China ist es grüner als hier (aber ich befürchte, dass das nicht so ist, sondern hauptsächlich weniger Schnee). Also, irgendwo in China ist es sicher grüner, China ist ja groß. Nur halt vielleicht nicht unbedingt da, wo wir sind.

Ich muss dringend Handyentzug machen, da kommt mir die Chinareise wirklich ganz recht. Heute habe ich eine Serie auf dem Fernseher geschaut, eine Folge, und festgestellt, dass ich das inzwischen auch kaum noch mache, dabei ist das eigentlich ganz schon, da eingemummelt auf dem Sofa zu sitzen, mit einem alkoholfreien Weihnachtsbier (das ist so lecker, wie weniger süßes und nicht so schweres Malzbier) und ohne Handy.

Joa. Sonst war Nix.

Tag 3812 – Auuuu.

Es war ja zu befürchten, und es ist eingetreten: schlimmer Muskelkater. Po und Kreuz. Dazu eine leicht unglückliche Schulter. Der Po-Muskelkater ist besonders… interessant, weil der Gluteus recht wenig betroffen ist, dafür aber die kleinen Muskeln rund ums Steißbein umso mehr. Also zusammen mit dem Kreuz genau die Muskeln, die man braucht, wenn man das Becken nach vorne kippen/aufrichten möchte, was ich recht häufig mal so mache, weil das durchs Tanzen für mich eine natürliche, eigentlich entspannte Haltung ist. Eigentlich. Heute ist das nicht entspannt. Und nachdem ich nach der Arbeit noch beim Zirkeltraining war, werde ich morgen wohl gar nichts machen. Null. Sofa-Office. Geige spielen im Sitzen. Mit dem Auto quasi bis in den Supermarkt rollen, Pizza kaufen und wieder raus rollen.

Eine gesundheitliche gute Nachricht: ich habe ein Tübchen Nasensalbe mit Panthenol aus den Untiefen der Medikamentenkiste gefischt und damit jetzt ein paar Tage meine Nase von innen gepflegt. Es riecht jetzt zwar alles immer nach Salbe, aber ich habe kein weiteres Nasenblutendrama verursacht.

Es wird langsam Ernst mit der Inspektion in China. Ich habe extra Ausrüstung bekommen, mit der strengen Anweisung, nur zu installieren, was lebensnotwendig ist, und nur mobile Daten zu verwenden, keinerlei WiFis. Dazu eine eigene Mailadresse für Chinareisen und ein eigener User, der nicht auf die Systeme meines Arbeitgebers zugreifen kann. Wenn der Lieblingskollege nicht mitkäme würde ich mir vermutlich inzwischen komplett ins Hemd machen, so bin ich nur normal nervös.

Tag 3809 – 3811 – Überlebt.

Es tut mir leid, dass ich grad so schreibfaul bin. Es ist eine Kombination aus vielem, von Weltpolitik bis allgemeine Januar-Winterschlaf-Stimmung. Anyway, ich habe am Montag das Personalgespräch überlebt (meine Chefin wollte mal „was neues“ machen und wir haben meine „Werte“ aufgestellt, das ist wohl so ein Leitungsding, von mir aus, soll sie haben). Danach hatte ich quasi Instant Migräne. Naja, die Pharmaindustrie richtet das. Abends Orchester war auch ganz gut, auch wenn ich wirklich nicht verstehe, warum ich die ganzen Verzierungen von Mozart zu Hause ganz gut hinbekomme, aber im Orchester dann einfach mal… gar nicht.

Gestern war Homeoffice, semi -produktiv, und abends Ballett, das war gut. Ich musste mich zwar quasi selbst an den Haaren hinschleifen, aber so ist das eben bei mir, 2 Wochen vom Monat sind eher… langsam. Wenn ich erst mal da bin geht’s, aber vorher suche ich nach jeder denkbaren Ausrede.

Heute war Office-Office, danach Geige im Übungshotel, danach Burlesque. Routinen, so wichtig. Burlesque ist zur Zeit nur Drop-In, kein fester Kurs, aber da ich ja eh nie kann, passte mir das ganz gut. Ich hatte nur verdrängt, dass heute gar nicht normal Burlesque war, sondern „Club Style Lapdance“. Ähähähäh. Darauf war ich geistig nicht richtig vorbereitet. Aber es war sehr lustig und sehr lehrreich und ich sagte es ja bereits ein paar mal: Ich sollte durchaus öfter meine Comfortzone verlassen. Heute habe ich sie nicht nur verlassen, sondern bin eher auf einem anderen Kontinent gewesen. Beim Burlesque wird ja nicht angefasst (es sei denn, man will das unbedingt) und man hat Interaktion mit dem Publikum, aber das steckt einem definitiv keine Scheine in den String. Beim Lapdance, das ist schon mehr Hands on. Und scheiße anstrengend. Ich vermute, ich hab vom ganzen Grinden morgen zwischen Knien und Brustkorb überall Muskelkater. Meine Partnerin habe ich vorher noch nie getroffen und dann muss man da irgendwie auf deren Schoß klettern… oder die setzt sich auf deinen Schoß… eieieiei. Aber nach den ersten sehr seltsamen Momenten war es recht entspannt und sie hat mich auch nur einmal auf den Boden fallen lassen. Yeah, I Guess. Was ich wirklich gut und interessant fand (weil ich da noch nie drüber nachgedacht hatte): wie man consent abfragt, wenn man zum Beispiel als Überraschung auf nem Junggesellenabschied auftritt und keine Gelegenheit hat, vorher ein komplettes Gespräch mit dem Partner (also dem, auf dessen Schoß man dann sitzt) zu führen. Also, Fazit: ich kann mich jetzt an Leuten reiben. Und das war sehr lustig. Ich bevorzuge aber dann doch die „nur gucken!“-Version von Striptease.

Tag 3807 und 3808 – Laune.

Ja ich weiß, das ist monoton, immer das gleiche, zwei Wochen jeden Monat… glauben Sie mir, wenn man drin steckt und nichts dagegen machen kann, ist es auch nicht schön.

Immerhin habe ich heute die Kinder pünktlich beim Korpsseminar abgeliefert und auch wieder abgeholt, einen Essensplan gemacht und eingekauft, Michel und Pippi zur Feier von Michels erstem Zeugnis mit Noten einen Milchshake gekauft und gekocht. Für mehr, insbesondere irgendwelche Interaktion, reichte dann der Akku nicht mehr.

Lieber schlafen. Vielleicht ist es dann morgen besser.

Tag 3806 – Bläh.

Also der Tag war ganz ok, aber ich schleppe irgendwie seltsame Magenschmerzen mit mir rum, die vielleicht auch eigentlich Rückenschmerzen sind, das habe ich alle Jubeljahre mal und es lässt sich schwer unterscheiden. Außerdem Laune und müde und musste pubertierendes Kind anscheißen, und das ist alles sehr blöd. Licht aus und mal schlafen hilft vielleicht. Insofern: gute Nacht!

Tag 3804 und 3805 – Routine.

Die erste Inspektion des Jahres ist nahezu überstanden. Es war eine „kleine“ Inspektion eines Auftragslabors und ohne großartiges Reisen. Wir sind etwas früher fertig geworden als geplant und machen deshalb morgen nur noch die Abschlussbesprechung, gemütlich vom Büro aus. Die neue Kollegin hält sich einigermaßen wacker. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Ich bin einigermaßen platt. Es lief zwar wirklich glatt, aber ich muss wieder ein bisschen rein kommen und jemanden neues einarbeiten, „so nebenher“, während man ja auch ne ganz normale Aufgabe hat (nämlich inspizieren), ist nicht so ganz ohne. Morgen, am durch die vorzeitig fertige Inspektion gewonnenen Bonustag, kann ich mich hoffentlich ein bisschen erholen. Jetzt hoffe ich erst mal auf Schlaf.

Tag 3803 – Weiter wenig los.

Ich war im Büro. Morgens habe ich da Sport gemacht und übertrieben, das wird mir wahrscheinlich morgen leid tun. Ansonsten war Büro so wie Büro eben ist. Ich frage mich seit einem Meeting heute, ob ich tatsächlich so eine ganz andere Einstellung zu meiner Chefin habe (oder zu hohe Erwartungen an sie?) als fast der ganze Rest, oder ob ich das nur glauben soll (gaslighting) oder ob sie vielleicht was mit ihre Optimistinnenbrille anschaut, was ich durch meine Pessimistinnenbrille sehe. Also das übliche. Menschen sind komisch.