Tag 2685 – Das Wochenende.

Inklusive Freitag, weil ich da ja auch schon nicht so richtig geschrieben hab. Freitag hatte ich Homeoffice. Ersehnt und notwendig. Nachdem Donnerstag ein Gespräch mit meiner Chefin stattgefunden hat, in dem ich dazu beordert wurde, das IT-Projekt quasi fallen zu lassen (möge es in der Hölle landen), habe ich da auch nur tatsächliche Superuser-Fragen beantwortet (also sowas wie „wo muss ich nochmal klicken damit x passiert?“) und sehe dem Spektakel jetzt mit etwas mehr und stetig wachsendem Abstand zu. Habe einen Report, der seit über einem Monat überfällig ist, fertig gestellt, approven lassen und werde ihn morgen verschicken. Und dann riefen halt zwischendurch die Autohändler von Mittwoch an und nachdem ich gesagt hatte, ja, wir hätten gerne $Auto, aber gebraucht, und zwar so und so ausgestattet und maximal so alt und maximal so viel runter, ging das alles ganz fix. Eine andere Geschäftsstelle des Händlers verkauft den Wagen, den der Geschäftsführer ein Jahr lang gefahren hat, $Auto ist so wie wir wollen und sogar rot, gebongt. Ja, wir würden erwägen, den Tesla in Zahlung zu geben, was würdet ihr denn dafür geben? Hmmhmm, da hat $Internetseite aber noch mal 5000 (Kronen, nicht €) mehr gesagt, matcht ihr das? Ja, cool. Wann soll ich kommen? Ja, Montag ist ok. Ja, kümmert euch gerne drum, dass die Versicherung auf das neue Auto umgedutzelt wird. Ja, Vertrag bitte aufs Handy schicken, ich unterschreibe dann (Ein Hoch auf Bank-ID).

So schnell kann das gehen. Montag ist nur mäßig ok, aber besser als den Rest der Woche, da geht es nämlich einfach gar nicht.

Gestern war dann der Garten dran mit endgültig winterfertig werden. Last minute die Regentonne geleert, was aber schon gar nicht mehr so leicht war, weil der Schlauch bereits eingefroren war. Wir mussten sie also kippen und sie war wirklich randvoll. Außerdem haben wir den Kompost warm eingepackt, das Trampolin abgebaut, die Hängeampeln geleert, den Deckel vom Außenkäfig abgemacht und zur Seite gestellt und alles Mobiliar auf der Terrasse zusammengestellt und wo nötig, abgedeckt.

Pippi hatte gestern ein wenig Besuch und Michel rupfte sich gleich zwei Milchzähne raus. Oben rechts den Eckzahn und den Backenzahn daneben. Der ist da so schmerzbefreit wie ich es als Kind war und ich bin genauso quiekig wie meine Mutter es beim Anblick von nur noch an einer Ecke hängenden Milchzähnen war. Yierks, das ist echt ein spezieller Anblick.

Außerdem habe ich gestern versehentlich das ganze Pickert-Rezept gemacht. Wir haben jetzt sehr viel Pickert. Gestern habe ich mich auch daran überfressen, was vermutlich auch zum Einschlafen geführt hat. Aber lecker. Herr Rabe hat eine neue perverse Kombi ausprobiert: Pickert mit Senf und Majo. Ich habe so getan, als würde ich das nicht sehen.

Heute war Herr Rabe mit Pippi schwimmen, ich habe die Schweinchen saubergemacht, war spazieren, habe Geige gespielt (gut, das habe ich gestern und vorgestern auch) und dann haben wir peinlich viel Zeit darauf verwenden müssen, die Belege für Caronas Service zusammenzusuchen. Ablage ist hier echt so ein wunder Punkt. Jetzt liegen im Auto die Sommerreifen und alles an Zubehör und Kabeln und Tralala, dafür nicht mal mehr die gute alte (deutsche) Parkscheibe, die Michel mal mit Bleistift vollgemalt hat, als er noch sehr klein war. Morgen dann factory reset und aus der App abmelden, aber erst, wenn der Händler bezahlt hat, höhö. Voll gut, ein Auto kaufen und dafür noch Geld kriegen.

Joa. Das wars.

Tag 2683 – Früher…

… war alles viel besser, denn da bloggte ich öfter mal bevor ich zum Umfallen müde war. Zum Beispiel über neue Autos, die jetzt viel besser zu uns passen als Carona, so gern ich sie hab. Aber es ist eigentlich zu groß, eigentlich zu teuer und hat zu hohen Verbrauch und zu geringe Reichweite. Es nervt auch, auf der Fähre wegen 5 cm den Wohnmobil-Preis zahlen zu müssen und so eine Geschichte wie in dem Parkhaus in Dänemark, wo ich echt fast auf der Rampe aufgegeben hätte und gesagt hätte, tja, schade, aber ich kann nicht vor und nicht zurück, Auto hat zu großen Wendekreis, sorry, das bleibt hier jetzt so stehen, brauche ich auch nicht mehr. Deshalb und weil Musk echt doof ist, der Service grottig, die Versicherung absurd teuer und so weiter, also jetzt ein kleineres Auto. Aus Südkorea. Näheres Montag. Denn jetzt, und damit schlage ich den Bogen zur Einleitung, ist es schon so spät und ich sehr müde. Es war ein anstrengender und aufregender Tag.

Tag 2682 – Piep!

Hatte einen okayen Tag. Habe beschlossen, nicht mehr so zu tun als sei alles super, das hilft. Ansonsten hab ich mich einfach in einen der kleinen Meetingräume gesetzt, weil ich Meetings von 9:30-17 Uhr hatte. Mit gloriosen 20 Minuten Mittagspause. Normalize Hoodies, auch das ein neuer Vorsatz, wenn ich ins Büro muss, will ich mich nicht obendrein verkleiden müssen.

Abends im Konzert gewesen und noch geflasht, außerdem für ein Auto entschieden. Alles ok so weit.

Tag 2681 – Platt.

Heute war anstrengend, die Auto-Sache nimmt Form an und ist dadurch aber eben auch wieder anstrengend und bietet vor allem die Qual der Wahl. Eh schon schwierig, aber grad… puh. Puh. Außerdem zwei Stunden lang von professioneller Seite zu Michels Eigenarten befragt worden, was ich immens anstrengend finde. Jetzt sind wir Eltern aber auch erst mal durch, bis auf einen Stapel Fragebögen (oh, Knoten ins Taschentuch, dran denken, die für den Lehrer morgen Michel mitzugeben) und vermutlich mindestens zwei Fahrdienste, damit Michel auch noch untersucht werden kann. Leider kommt bei mir dann auch noch dazu, dass Michel und ich uns ja sehr ähnlich sind und mir dann Sachen aus meiner eigenen Kindheit wieder einfallen, wie dass ich in der Grundschule nach nahezu jeder Sportstunde in der Umkleide geheult habe, weil irgendwas meiner Meinung nach falsch gelaufen oder ungerecht war. Oder die Episode, wie ich meine Federmappe nach einem Mobber geworfen habe und sie leider an ihm vorbei aus dem offenen Fenster flog – da war ich so alt wie Michel jetzt, Michel wirft in der Schule bisher nur mit Kniffelwürfeln, Fensterstatus unbekannt. Oder wie ich Peinlichkeiten rausgeblubbert habe (mehrmals), was für ein unerträglicher Klugscheißer ich war (und bin), oder wie ich aus Langeweile in der ersten Klasse im Matheunterricht laut gestöhnt habe und dann den Rest der Stunde die Klinke von außen runter drücken musste. Ach ja, was waren sie schön, die 90er. König der Löwen, Tamagotchis und neurodivers waren nur Jungs und überhaupt, was ist neurodivers, Zappelphillip und Rainman, dazwischen und außerhalb davon gibt’s nix und die gehen gefälligst auf ne Sonderschule!

Jedenfalls ist das anstrengend. Sehr. Weiterhin wird niemand unser Auto wollen und wir werden eins kaufen, was zu groß ist/zu langsam lädt/in dem wir nichts unterkriegen/bei dem die Software dauernd spinnt. Wenn all das noch nicht reicht, könnte tatsächlich ein Krieg ausbrechen und dann sollte man vielleicht lieber nen Diesel haben, der zur Not auch mit Rohöl läuft statt einer fancy Karre die nach 400 km einfach stehen bleibt. Ob Michel sich viel Sorgen machen oder viel Grübeln würde?

Tag 2680 – Der goldene Mantel des Schweigens…

… wird über den heutigen Arbeitstag gebreitet.

Ansonsten voll viel geschafft. Grippeimpfung, Zahnarzt (meh, kriege im Dezember nun doch meine ersten zwei Füllungen, zwei meiner Grad II-Löchlein sind zu Grad III progrediert), Pippi zum Schlagzeugunterricht gefahren, Tanzen, Meeting mit dem Programmkomitee.

Das klingt jetzt alles voll toll, aber ich kann das auch ganz anders darstellen und eigentlich hatte ich bis auf das Ballett und das Programmkomitee einen ziemlich beschissenen Scheißtag. Zum Ballett musste mich Herr Rabe auch quasi zwingen, aus Gründen. Mit dem Impfei am Arm war das auch vielleicht gar nicht so unglaublich schlau aber ich war seit ca. 8 Wochen nicht mehr da und merke von der Impfung außer am Arm gar nichts. Nicht mal Kopfschmerzen, und die bekomme ich ja normalerweise bei jeder Gelegenheit.

Tag 2678 – Aufrappeln.

Während Michel und Herr Rabe auf einer Cosplay- und Gaming-Messe waren, hingen Pippi und ich zu Hause rum. Ich könnte durchaus Urlaub gebrauchen, aber naja, bald. Morgen arbeiten erfüllt mich jedenfalls nicht mit freudiger Erregung, um das mal vorsichtig auszudrücken. Immerhin war ich heute seit Ewigkeiten mal wieder spazieren, das hat echt gut getan in der kühlen und feuchten Novemberluft. Habe das Gefühl, es kam endlich mal wieder Luft bis in den hintersten Zipfel der Lungen. Hatte außer auf Luft auch auf Licht gehofft, allerdings ist halt November. Es ist grau und alles stirbt und es ist entweder bedeckt und nebelig oder bedeckt mit Regen. Diesen Herbst auch noch mit Klima-Anxiety-auslösenden 8-15 Grad dabei, statt der üblichen 2-5. Trotzdem hat es gut getan, vor allem das alleine sein, ich kann schon fast wieder meine eigenen Gedanken hören und greifen, bevor der nächste kommt. Dazu beigetragen hat auch eine ausführliche Geigen-session. Gestern hab ich hauptsächlich Etüden gespielt, heute hauptsächlich ein Stück. Hauptsächlich, weil ich immer erst eine Art selbstgezimmertes Warm-up mache und grad eine Etüde beackere, die nur Lagenwechsel ist, immer hin und her, und da ich das zu üben wirklich noch gut gebrauchen kann, habe ich die wie ein erweitertes Warm-Up gemacht.

Es stehen eigentlich ein paar Dinge an, für die ich aber erstmal Mut und Energie zusammenkratzen muss. Mit der Chefin reden, eine*n Geigenlehrer*In suchen, zum Hausarzt (der Vertretung, weil die Liste immer noch nicht verkauft ist) gehen. In meinem linken Nasenloch eine Ader veröden lassen, nochmal versuchen, jemanden dazu zu bekommen, in meinem Gehirn zu prokeln, ob meinen gesammelten Seltsamkeiten nicht doch was anderes zugrunde liegt. Vermutlich bin ich aber einfach nur komisch, nicht belastbar und hasse Menschen, zumindest ist es das, was ich befürchte, was dann (wieder) gesagt wird. Willkommen in meinem Kopf. (Wenn die öffentlichen Dienste mich wieder ablehnen, weil’s mir ja nicht schlecht genug geht, bezahle ich es halt aus eigener Tasche. So.)

Tag 2676 – Bett.

Ach wunderbar, das eigene Bett. Eigenes Kissen (das Reisekissen hatte ich vergessen), eigene Matratze und eigene Familienmitglieder, an denen man riechen kann und die vertraute Geräusche machen.

Möchte jetzt bis Montag am liebsten absolut gar niemanden sehen und schon gar nicht sprechen. Es schlaucht.

Das Experiment endete übrigens mit 46 ungelesenen Mails. Wobei meine out-of-Office-Nachricht ja noch bis einschließlich nächsten Mittwoch aktiv ist, höhö. Es könnte also noch was dazu kommen. Dazu muss ich Montag meinen Akku befragen. Akut sagt der Akku: der Computer bleib aus.