Tag 2152 – Nicht wirklich was zu erzählen.

Sommerwetter, immer noch, hurra!

Herr Rabe hat heute an den Autos 11 Reifen gewechselt. Jetzt weiß er auch, dass die Reifen hinten an Carona breiter sind als vorne.

(Elektroautos fressen tatsächlich Reifen, eieiei.)

Hungrig einkaufen gewesen, wir haben jetzt genug Essen für die Apokalypse und selbige wird ein großes Grillfest.

Festgestellt, dass hier im Ort diesen Sommer ein paar verschiedene Sommeraktivitäten für Kinder angeboten werden, vielleicht haben die Kinder ja Lust auf einiges davon (Nähen, Schnitzen, Musik, Malen, Schwimmen, Parcouring…). Immer mal einen Tag oder zwei nicht nur zu Hause abgammeln tut denen sicher ganz gut (und uns auch).

Mit der Babysittermama lose besprochen, dass wir denen die Kinder auch in den Ferien gerne mal leihen werden. Die Babysittermama ist durchgeimpft wegen hohem Risiko, da kann man das ja langsam wieder aufnehmen. Es ist schon wieder über eineinhalb Jahre her, dass Herr Rabe und ich einfach so was miteinander unternommen haben. Wer da Moralkeuleschwingend von Kinder outsourcen schwafeln möchte, möge ein paar Meter in unseren Schuhen laufen (oder in anderen von Leuten, die keinerlei regelmäßige, eingespielte Möglichkeit haben, mal Zeit als Paar zu verbringen).

Jaja, im letzten Jahr hatten wir sehr viel Paarzeit. Romantisch, Rücken an Rücken im Homeoffice in Videomeetings, oft nicht mal Mittagspause gleichzeitig habend. (Homeoffice hat viele Vorteile, den Mann öfter zu sehen gehört auch dazu, aber viel mehr als sehen ist das meist halt auch nicht.)

Mir fällt grad auf, dass ich grad fast genau die Klamotten trage, die ich anhatte, als wir zu Pippis Geburt ins Krankenhaus gefahren sind. Fast, weil ich das selbe Hosenmodell auch in einer Nummer größer habe und an dem Tag anhatte. Sehr elastische Gummibündchen machen vieles möglich.

Tag 2151 – Bisschen nachgereicht.

Also mein Ausflug in die Großstadt gestern, der war so.

Ich hatte ja vor ein paar Wochen den Hautarzttermin ausgemacht, um alle meine Muttermale kontrollieren zu lassen. Ich habe viele und bin sehr weiß und werde ja auch nicht braun, sondern nur Hummer und dann wieder weiß, ich sollte das also viel öfter machen. Naja. Jetzt bin ich jedenfalls „godkjent“ (genehmigt, und weil Sie das sicher wissen wollen: man spricht das guh-chent oder guh-schent aus) von Kopf(haut) bis Fuß (tatsächlich wurde sogar zwischen meinen Zehen nachgeschaut). Das war teuer, aber ich bin jetzt sehr beruhigt, fürs erste.

Dann ging ich zum Geigenbauer. Zu Fuß, denn das Wetter war (ist!) herrlich und um neun Uhr morgens ist die Luft selbst in Oslo zur Zeit super, ist ja fast kein Berufsverkehr. Außerdem ist die innerste Innenstadt weitgehend autofrei und ich gehe ja gerne, also spazierte ich vom Nasjonaltheatret über Stortinget, Karl-Johan, Dom, Youngstorget, drölfzig Umwege wegen schlechtem Orientierungssinn und der Baustelle aus der Hölle zur Storgata. Dass überhaupt noch wer zu diesem Instrumentenladen findet, bei dieser sich permanent ändernden Großbaustelle direkt vor der Tür, grenzt an ein Wunder. Hätte ich nicht gewusst, dass die geöffnet haben, ich wäre wohl unverrichteter Dinge wieder abgezogen und nicht quer durch die Absperrungen und die Baustelle mit meiner Geige über Holzbretter balanciert. Der Instrumentenbauer Maurizio war aber da und ich durfte erst mal Hände waschen (damit ich nicht die ganzen Instrumente mit Desinfektionsmittel voll schmiere) und dann jede erdenkliche Kinnstütze ausprobieren, die da war. Die Wahl fiel relativ leicht und relativ schnell auf eine „Stradivari-Type“ (Guarneri wäre 2. Option gewesen), Maurizio nahm die alte auch gleich runter und meinte taktvoll „Now that we have this off, i‘ll just clean it a bit, it is usually not accessible“. Dann entfernte er vermutlich bis zu 25 Jahre alten Schmodder und Kolophoniumstaub. Aber wo er die Geige grad in der Hand hatte, fragte ich, ob er meine, ob sonst noch irgendwas gemacht werden müsse. „I’ll have a look.“ und dann wurde geschaut („The bridge is very straight!“) und gespielt („Quite balanced“) und dann geklopft, und es machte klonk klonk klonk knack. „Is open here. That is not good.“ sagte Maurizio. Er erklärte dann noch, dass das normal sei, der Leim hält halt nicht ewig. An einer Stelle unten hatte sich die Decke vom Korpus auf ca. 4 cm gelöst, wie er durch geschicktes Prokeln mit einem kleinen Dings (Spatel?) herausfand. Solange das noch so wenig sei, sei das einfach zu leimen, je länger man wartet, desto schwieriger wird das aber. Sagte er. Also blieb meine Geige da und wurde über Nacht geleimt.

Dann fuhr ich mit der T-Bane ins Büro und machte sehr viele Updates mit gemischtem Erfolg. Von meinen Kolleg*Innen war genau eine da. Mit der unterhielt ich mich ein bisschen. Dann holte ich noch einen Ausdruck am Drucker und neue Kopfhörer im 6. Stock ab, meine alten gingen langsam hinüber. Ach, liebe Macher*Innen von Teams: ich würde wirklich, WIRKLICH begrüßen, wenn Teams mit Airpods funktionieren würde. Das wäre ganz grandios. Mit diesem Wunsch bin ich auch sicher nicht alleine.

Mit dem Zug zurück und spätestens da hätte ich auch einfach direkt ins Bett gehen können. Man ist ja wirklich nichts mehr gewohnt.

Donnerstags abends ist aber ja auch Tanzen. Und das ist wieder drinnen, weil wir ja dürfen, also mache ich das mit Mundschutz um mein und das Risiko anderer wenigstens soweit zu begrenzen, wie ich kann (außer nicht hingehen, das wäre noch besser, aber das möchte ich nicht). Allerdings bekam ich wegen Hitze oder Menschen oder Anstrengung oder Mundschutz oder allem oder nix davon beim ersten Kurs schon solche Kopfschmerzen, dass ich danach einfach nach Hause ging statt den zweiten Kurs auch noch mitzumachen.

Dann schlief ich bei Michel im Bett ein.

Heute Morgen bekam ich eine SMS von Maurizio, meine Geige sei fertig, also fuhr ich heute wieder hin um Geigi aus dem Instrumentenkrankenhaus wieder abzuholen, mit neuer Kinnstütze:

Zum Größenvergleich hab ich die alte noch mal drauf gelegt.
Endlich Platz für lange Hälse.

Hach. Das war die Touren allemal wert.

Ich bilde mir ein, jetzt mehr Obertöne zu hören, als wäre die Resonanz wirklich verbessert, aber das kann tatsächlich eigentlich nur Einbildung sein.

Und zu Hause blüht der Apfelbaum, aber wie!

Tag 2149 – Fleißbienchen.

Ich hab heute bei der Arbeit viel Kleinscheiß weggearbeitet und wieder festgestellt, dass einige auf das Empfangen von Mails reagieren, indem sie der Absenderin sofort weitere Dokumente schicken, mit dem Hinweis, weiteres käme in den nächsten Tagen. (Falls Sie mir mal viele Donumente schicken wollen: ich bevorzuge, alles auf einmal zu bekommen. Übersicht über lauter halb fertige Dinge zu behalten, fällt mir schwer. Andere Sachbearbeiter*Innen mögen anders ticken, aber ich sag das schon immer, dass ich bitte nicht kleckerweise Dokumentation haben will, sondern in großen Stapeln. Vielleicht hört mir aber auch nie wer zu, auch möglich.) So richtig viel kleiner wird mein Kleinscheißstapel dadurch leider nicht, aber vielleicht der der anderen Seite? Ich weiß es nicht.

Morgen spaziere ich einen halben Tag ab, vielleicht komme ich diese Woche dann bei null Flexizeit-Stunden raus. Ich soll aufpassen, dass es nicht zu viele werden, weil alle über 50 zum 1. September gestrichen wird. Jaja, schön, und welche meiner Arbeitsaufgaben soll ich dann lassen?

Um das Abspazieren richtig zu genießen nehme ich den Zug um vier vor acht in die Großstadt und gehe zum Arzt, damit ich Hypochonder nicht schon wieder mit irgendwas bei der Hausärztin auftauche. Danach gehe ich zum Instrumentenbauer und hoffe, dass der Kinnstützen hat, die mir keine Druckstellen am Kiefer machen. Danach Update im Büro, wir wurden, wie letztes Jahr, dorthin einbestellt, weil wir dieses Update nur da machen können: nach sage und schreibe 15 Monaten Homeoffice bekommen wir nämlich endlich VPN damit wir demnächst Updates auch zu Hause machen können. Tadaaa! Japp, wir sind von der ganz fixen Sorte, kann man anders nicht sagen.

Status potentielle Steuerverbrechen: unser Sachbearbeiter ist sehr nett, wir haben beide den gleichen und wir sind keine Steuerverbrecher, im Gegenteil. Ich mag den Dialekt des Sachbearbeiters und dessen entspannte Grundhaltung und dass man ihn auch mal im Auto erwischt, während im Hintergrund Kinder „PAPAAAAA WER IST DAS???“ krähen. Insgesamt mag ich Norwegen halt schon.

Tag 2147 – Jauuuul.

Es sind jetzt nur noch 5-Tage-Wochen bis nächstes Jahr Ostern (außer in den Ferien). Uff.

Es kam noch nichts zu Arbeiten im Büro nach den Sommerferien, ich hab das Popcorn aber schon im Anschlag. Es wäre so schön, wenn sich bewahrheiten würde, dass ich da ein kleines Feuerchen gelegt habe. Das wäre nämlich ein sehr berechtigtes kleines Feuer, eventuell dazu später.

Michel kam heute nach Hause, nachdem er nach der Schule bei A., die wir ja auch gestern besucht haben, war und wollte unbedingt was nähen. An der Nähmaschine. Ein Kissen. Das hat er dann auch gemacht, weiß jetzt, dass bei meiner Nähmaschine der Fuß sich nicht automatisch senkt, weiß auch, dass meine Nähmaschine manchmal Stoff frisst und ist trotzdem sehr glücklich. Ich hab ein bisschen geschwitzt, aber meine innere M. gechannelt und nur ein Mal gesagt, dass der Rollschneider wirklich SEHR SCHARF ist.

„Nähen ist ganz einfach!“ sagt er.

Kreative Kinder sind doch was schönes.

Apropos Michel: als ich den ins Bett brachte, flog schon wieder die blöde Wespe von gestern durch das gekippte Fenster rein. Ich bin sicher, dass es die selbe ist, weil die selbe blöde Wespe nämlich heute Morgen um vier (!!!) in unser gekipptes Fenster geflogen ist und dann ewig zwischen Scheibe und Rollo herumbrummte. Irgendwann schaffte sie es raus UND KAM DANN UM HALB SECHS WIEDER. Die war so laut, dass sogar Herr Rabe davon halb wach wurde und dachte, jemand mäht Rasen. So doof kann nur eine Wespe sein, nämlich diese. Aber wer mich um vier weckt und danach sogar noch mal wieder kommt, um mein Kind zu terrorisieren, der fliegt danach nie wieder in irgendein gekipptes Fenster, sorry not sorry. (Muss auch nicht unbedingt eine Wespe auf Ausschau nach einem schönen Heim für 10.000 Abkommen hier herumfliegen haben, so generell.)

Meine Vibrato-Übung für diese Woche klingt endgültig wie eine gequälte Katze. 16 Minuten pro Tag, es tut mir wirklich leid, für alle, die das hören müssen. Im Grunde mache ich das von letzter Woche (also mit lockerem Handgelenk je einen Finger in runden, geschmeidigen Bewegungen über die Saite schieben, immer vor und zurück, eine gute Oktave abdeckend) nur mit Ton. Das soll rechte und linke Hand entkoppeln, das ist sowieso immer gut, jaja, aber es klingt wahrlich schrecklich. Einziger Trost: danach ist wieder eine Woche eine lautlose Übung angesagt.

Pippi möchte nach dem Kulturhjulet übrigens am liebsten Schlagzeug lernen. Padadadadam-PAM! Sagt sie. Schlagzeugunterricht gibt es da erst ab 8 Jahren (btw weil das hier ein winziges Kaff ist beim Bruder von M., der Mutter von A.), deshalb werden wir sie wohl erst mal im Korps anmelden, da kann man ja auch trommeln.

Wir müssen eine schalldichte Kammer einrichten, fürchte ich.

Tag 2146 – Hach! (Pizza.)

Erstmal: Michel geht es gut, der konnte heute sowohl Trampolin springen als auch im Wald rumklettern.

Unsere Freunde oben auf dem Berg (formerly known as Nähmutter und Familie, aber das erscheint mir nicht mehr richtig) hatten uns heute spontan zu Pizza eingeladen. Die haben nämlich einen holzbefeuerten Pizzaofen aus Italien auf der Terrasse, und reichlich Teig aus Sauerteig im Keller. Außerdem ist es ja endlich warm genug, dass man sich dauerhaft draußen aufhalten kann (in unmittelbarer Nähe des Pizzaofens war es dann ein bisschen sehr warm). Die Kinder sind ebenfalls in den gleichen Kohorten und verstehen sich gut, und so kam es, dass wir die Kinder eigentlich kaum zu Gesicht bekamen, außer, als das Essen fertig war. Michel und A. nähten zusammen kleine Täschchen und schnitzten dann auf dem Baumhaus sitzend irgendwelche Dinge, Pippi und I. bauten einen Parcours aus Wäscheständern und statteten den mit allem möglichen aus, und fuhren sehr viel Spielzeugtraktor und Kettcar. Wir Erwachsenen unterhielten uns einfach. Das war sehr schön. Die Pizza war auch sehr lecker, und ich möchte jetzt einen Holzfeuer-Pizzaofen draußen. Alternativ müssen wir uns da öfter zu Pizza einladen.

Meine Freundin M. zeigte mir ein Buch über Sandalen machen, scheinbar macht das halbe DIY-Internet nun Sandalen selbst und wenn man das Buch so liest, kommt einer das auch verblüffend leicht vor. Ist es bestimmt nicht, aber das wird sich zeigen, ich bin erst mal fasziniert und wäre ja grundsätzlich immer für gute Sandalen (vor allem mit einem wirklich guten Fußbett für meine Spreizsenkknickfüße, die eigentlich gerne in allem orthopädische Einlagen hätten) zu haben. Ich lasse M. da mal ein bisschen experimentieren mit Kork und Leder und partizipiere dann von ihrem Können. Wer weiß, vielleicht zeige ich dann hier demnächst stolz meine selbstgemachtem Sandalen rum.

Tag 2145 – Sommer, Palmen, Treppensturz.

Es erinnert hier alles an Sommer, wir haben sogar gegrillt! Pippi war den halben Tag bei der Nachbarin, denn die hatten schon das Plantschbecken aufgebaut, Herr Rabe war einkaufen, ich habe im Haus herumgerödelt, einem gelangweilten Michel erst eine Wespe aus dem Zimmer entfernt und dann Hormone erklärt (Anlass war, dass er wissen wollte, was ich in der Hand hatte. Eine leere Flasche Deo, die ich unten zum Glasmüll stellen wollte). Leider ist Michel am Ende des Tages Kopf voran die Treppe runtergefallen und hat jetzt großzügig über den Körper verteilt ein paar Schürfwunden und blaue Flecke und hoffentlich sonst nichts. Armer Zwerg.

Nachdem Herr Rabe von seinem Männerbier mit den Nachbarn zurück ist, bin ich ein Mal mehr froh, dass wir – mit Ausnahmen bei den kleinen Nervereien – gut miteinander reden können. Die wirklich wichtigen Themen bleiben nicht unangesprochen, das erscheint mir immer mehr als das Geheimnis einer (mit Höhen und Tiefen) insgesamt guten Beziehung.

(Jetzt schnarcht er. Da hilft leider auch ansprechen nichts. Aber ich hab noch ein wenig Podcast, den ich zum Einschlafen hören kann, solange ich auf was anderes fokussieren kann, geht’s.)

Tag 2144 – Feste feiern wie sie fallen.

Norwegen hat Hitzewelle jahreszeitangemessene Temperaturen, Hurra, Hurra, Hurra! Da kommen ja wie immer alle Nachbarn aus ihren Häusern, auf der Straße spielen plötzlich Kinder und alle haben Frühlingsgefühle (= Lust auf Grillen und Rosé). Und so habe ich den Abend auf der Terrasse der Nachbarin verbracht, mit einem Glas Rosé in der Hand. Hach!

(Vorher war ich voll die super Mutter und hab alleine die Kinder versorgt, man huldige mir, ach nee, ich bin ja kein Vater. Noch vorher habe ich mit meinen KollegInnen den Inspektionsplan fürs nächste halbe Jahr gemacht, wo wir versuchen werden, den durch Corona aufgestauten Haufen abzuarbeiten, mit den selben Kapazitäten, die auch schon vor Corona nur ganz knapp reichten. Das wird toll.)

Jetzt Bett, ich hab ganz schön einen im Tee, merke ich.

Tag 2143 – Der Preis der Planbarkeit.

+++ Update +++ Update +++ Update +++

Kommando zurück, Meckern hilft, heute Morgen hatte ich einen digitalen Brief mit einem Termin Mitte Juli.

(Gut, dass das Feuerchen noch nicht brannte.)

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Mitte Januar dachte ich, meine Schilddrüse würde irgendwann im Februar, vielleicht März, entfernt (das dachte auch die Endokrinologin im selben Krankenhaus, in dem die Operation stattfinden soll, und lud mich zu einem „Post-operativen“ Termin Mitte März ein). Mitte März wurde das auf 2-3 Monate später verschoben, also sagen wir mal so grob und großzügig Ende Juni. Heute rief ich an, um zu fragen, ob sie mir schon was sagen können: jein. Irgendwann im August, nicht vorher. Sie operieren weiterhin nur Krebs. Ja, schön, könnte man dann vielleicht den Endokrinolog*Innen IM SELBEN KRANKENHAUS mal mitteilen, die gehen nämlich davon aus, das ihre Patient*Innen zeitnah operiert werden. Das wurde mir letzte Woche noch von der Endokrinologin bestätigt. Naja, und weil mir „August“ zu vage war, rief ich noch mal an und bettelte quasi drum, etwas Genaueres zu hören: Ende August, falls es „dringend“ ist. Von den Chirurg*Innen als dringend eingestuft wird. (Da würd ich dann halt schon fragen, warum man seit Januar schieben kann, wenn’s doch dringend ist.) Sonst später. Wann, weiß man nicht. Halt frühestens Ende August.

Mit dieser unbefriedigenden Antwort suchte ich die Wartezeiten der anderen Krankenhäuser für diese Operation raus und verwarf dann die Idee, einfach in ein anderes Krankenhaus zu gehen. Mit Ahus bin ich zwar echt durch, aber leider wohl erst nachdem sie meine Schilddrüse herausgenommen haben. Die anderen haben zwar zum Teil kürzere Wartezeiten, aber da müsste ich erst mal wieder von vorne anfangen mit Voruntersuchung und allem. Bis dahin ist dann auch woanders August.

In meiner Verzweiflung rief ich sogar die Privatklinik an, die machen diese Operation auch, ja, auch kurzfristig, kein Problem, kostet [sehr viel Geld]. Zu viel. Das will ich mir eigentlich so nicht leisten, nur weil das öffentliche Gesundheitswesen und speziell dieses eine Krankenhaus Planungs- und Kommunikationsdefizite hat. Hrmpf.

Also schwebt das Damoklesschwert noch ne Weile über mir. Denn es ist ja nicht so, als würde das Krankenhaus da irgendwas kommunizieren, bevor sie mir einen Termin zuteilen. Nein, der Termin kommt dann irgendwann mit der Post und dann ist der da. Und wenn ich verschiebe, weil ich zum Beispiel arbeiten muss, dann schicken sie mir einen neuen mit der Post. Und wenn ich den dann auch wieder verschiebe, bewerten sie meinen Bedarf für diese Operation neu. Kein Witz. Weil ich dann ja offenbar nicht will. Dabei will ich doch nur ein bisschen Planbarkeit. Meine Flexibilitätskapazitäten sind wirklich aufgebraucht, ich will nicht mehr dauernd kurzfristig alles über den Haufen werfen müssen. Man kann sich da ja auf nichts einstellen, selbst wenn ich jetzt für September alle Inspektionen ablehne (not gonna happen!), heißt das ja nicht, dass dann nicht Ende September ein Brief mit einem Termin Ende Oktober kommt. Zu meinen bisherigen Erfahrungen würde das leider zu gut passen. Was machen andere Erwachsene da? Andere erwachsene Norweger*Innen? [Rhetorische Frage, keine Tipps, bitte.] Ab 1. August wöchentlich anrufen und den Status erfragen? Frau Rabe sägt Nerven? Hrmpf!

Ich atme jetzt einfach in eine Tüte, schiebe meine Aufgeregtheit über die irgendwann im Herbst oder später auf Zuruf stattfindende Operation auf meine kaputte Schilddrüse und andere hormonelle Wetterlagen und mache wooozaaa. Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein und so weiter.

Memo to self: für Ende Juni einen Termin zur Blutabnahme bei der Hausärztin machen. Dann im 6-Wochen-Rhythmus weiter, bis die Schilddrüse raus ist. Morgen bei der Endokrinologin anrufen, die interessiert das bestimmt auch, dass die Chirurg*Innen zur Zeit nicht operieren und eine lange Warteliste haben, bei der außerdem sie entscheiden, welche Fälle dringend sind und welche nicht.

Frau Rabe legt kleine Feuerchen.