Tag 3426 und 3427 – Vorführen.

Ich muss sehr kurz machen, weil ich echt kurz vorm Koma bin. Ich vertiefe das dann morgen alles, in wacher, und vielleicht mit Fotos. Es ist jetzt ja vollbracht, und ich kann wieder andere Dinge tun. So wie bloggen. Und Geige spielen.

Michel hatte gestern Weihnachtsball, eine Tradition an seiner Schule für die Siebtklässler. Das ist ja deren letztes Jahr an dieser Schule und statt Weihnachtsfeier machen sie dann einen Ball. Michel war sehr stylisch im mintgrünen Anzug unterwegs. Mit Krawatte und allem. Viele der Mädchen trugen „richtige“ Ballkleider, was Michel doof fand, weil er dann da dauernd drauf getreten ist. Aber apropos Mädchen: Michel hat eine Rede gehalten, bei der er die Mädchen der Stufe besungen hat. Das hat ihn seit längerem sehr beschäftigt und einen Meltdown hatte er auch deshalb schon, aber dann haben wir uns Dienstag hingesetzt, zusammen die Rede geschrieben und er hat die geübt und auf Kärtchen dabei gehabt und es dann auch durchgezogen und viel Lob bekommen. Gestern auf dem Weg zum Ball fragte er mich noch „Mama, du tanzt doch auf Bühnen, hast du irgendwelche Tipps?“ und ich sagte nicht, dass ich komplett abdrehe, bevor ich auf eine Bühne gehe, und ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 bin. Sondern ich sagte „Man muss immer dran denken: man stirbt nicht. Man denkt das, aber es ist nicht so.“ (Ja, hmm, ob das jetzt so pädagogisch sinnvoll war, aber er ist 12.)

Schlaue Gedanken, die mich nicht davon abhielten, ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 zu sein. Heute. Zwei mal. Wobei das eine mal sogar recht gechillt war, jedenfalls wenn das zweite mal der Maßstab ist.

Heute Morgen hatte ich so eine Art Show-Inspektion. Dabei haben eine Kollegin und ich eine interne Datenbank inspiziert. Während all unsere Kolleginnen und Kollegen zuguckten. Hurra. Aber trotzdem nichts gegen…

… Trommelwirbel…

… ein Solo bei einer Burlesque-Show. Komplett mit ausziehen und allem. Mit selbst gemachter Choreographie. In selbst gemachtem Kostüm. Nach einem viertel Jahr Kurs.

(Und zwei Gruppennummern.)

So, da wissen Sie das jetzt auch.

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Tag 3424 und 3425 – Weihnachts-Stress und so weiter.

Den Lieblingskollegen habe ich dieses Mal nicht sonderlich lange muffeln lassen. Ich weiß doch auch nicht. Am besten geht es, wenn man ihm irgendwann quasi anbietet, sein Arschverhalten unter den Teppich zu kehren und zu Business as usual zurückzukehren und einfach nie mehr drüber zu sprechen. Dann ist der Konflikt schnell weg. Aber das widerstrebt mir eigentlich, ich will offene Feldschlacht Konflikte bitte austragen. (Ja, der ist fast 20 Jahre älter als ich.)

Die Kinder hatten gestern Weihnachtskonzert mit dem Korps. Das haben sie super gemacht. Pippi hat das große Schlagzeugset ganz alleine bedient (und bei anderen Stücken hauptsächlich verschiedene Arten von Plüngelüng gemacht) und war da sehr souverän. Michel hat auch sehr gut gespielt und Spaß gehabt. Insgesamt bin ich allerdings schon auch froh, dass die Kinder nicht mehr ganz so blutige Anfänger sind, nachdem ich wieder mal die blutigen Anfänger hören durfte. Die punkten halt hauptsächlich durch süß sein, nicht durch musikalischen Hochgenuss.

Heute war der Morgen sehr holperig. Zu Hause habe ich zeitlich nicht geschafft, Kaffe zu trinken. Am Bahnhof war „der langsame Kaffeemann“ im Dienst. Die haben da in dem Café ein paar Baristas, die noch nicht so ganz verstanden haben, dass ein To-Go-basiertes Verkaufskonzept nicht so mega gut mit achtsamem Slow-Food-entspanntem Eingießen und noch ein bisschen Latte-Art übereinander passt. Als er sich neben die Brühkaffeemaschine stellte, um die letzte Minute bis der Kaffee durchgelaufen ist, einfach abzuwarten, während die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt des Zuges kritisch schrumpfte, ging ich ohne Kaffee einfach wieder. Schnaubend und alles hassend allerdings, ich hatte ja noch keinen Kaffee getrunken. Ich brauche dann aber AUF JEDEN FALL noch einen aus dem Café unten im Haus wo das Büro ist, dachte ich so, als ich in die T-Bane einstieg. Und dann war ich plötzlich am Carl Berners Platz. Denn ich kann von 5 Linien alle bis auf eine nehmen, um zur Arbeit zu kommen. So ein mal im Jahr steige ich in die 5. Linie ein und merke es am Carl Berners Platz. Aber nur ein Mal in 6 Jahren habe ich obendrein dann noch keinen Kaffee getrunken. Ich war kurz vorm Mord und etwas zu spät für eine Abschiedsfeier bei der Arbeit. Aus Verzweiflung sprang ich über alle möglichen Schatten und bat die Lieblingskollegin, mir einen Kaffee bei dem Café unten im Haus zu holen. Dass ich bei der Abschiedsfeier niemandem den Kopf abgebissen habe, verdanken wir heute also dem heldinnenhaften Einsatz der Lieblingskollegin.

Aber auch: was für einen Unterschied so ein Kaffee für meine Laute macht. Es ist ein Wundermittel!

Tag 3423 – Auf und ab.

Der Tag war so mittel gut. Im Durchschnitt ok. Arbeit war eher meh. Der Lieblingskollege hatte schlechte Laune und ließ die gnadenlos an mir aus. Das hat er manchmal, das geht vorbei, aber es ist trotzdem Kacke. Das Verhalten ist auch kindisch und eines Lieblingskollegen unwürdig. Aber was soll man machen, ich könnte mir das jetzt ganz doll zu Herzen nehmen, aber damit wäre ja auch keinem geholfen. Also warte ich ein bisschen, bis er sich beruhigt hat, und dann sage ich ihm, dass ich nicht mag, so behandelt zu werden.

Außer mit dem Lieblingskollegen beschäftigten mich bei der Arbeit meine chaotische Chefin, kranke Kolleginnen, ätzende Meetings und „ich muss um 15 Uhr schon wieder gehen, Pippi hat Tanz-Weihnachts-Abschluss“.

Tanzen war nämlich heute, am letzten Tag vor den Weihnachtsferien, mit Publikum, also vorwiegend Eltern. Da saß ich auf meinem Höckerchen und guckte der kleinen Maus zu, die inzwischen die größte in der Ballettklasse ist. Und die auch schon einiges ganz gut drauf hat. Sie hat das wirklich super gemacht, nicht nur für ihr Alter. Ich bin ganz stolz, so eine große Tochter zu haben, der man den Spaß am Tanzen ansieht, die das aber auch alles sehr gewissenhaft macht. Und, Achtung Ballettmutti, sie ist die einzige, die beim Drehen den Trick mit dem Kopf schon raus hat. Ich glaub den hab ich mal mit ihr in der Küche geübt. (Für nicht-Tanzende: bei schnellen oder vielen aufeinanderfolgenden Drehungen ist es wichtig, den Kopf zuletzt und am schnellsten zu bewegen. Also man dreht den Körper unter dem Kopf, guckt aber weiter geradeaus. Wenn es nicht mehr weiter geht, dreht man ganz schnell den Kopf und guckt wieder geradeaus, der Körper kommt dann nach.) Ich bin jedenfalls sehr stolz und Pippi auch.

Blogfreundliches Bild von Pippi.

Danach war Herr Rabe sogar mit bei meiner Vorführstunde – als einziger Gast bei unserer Muttitruppe. Herr Rabe ist jetzt ganz beeindruckt, so leicht sehe das aus, und dass wir uns diese ganzen französischen Wörter nicht nur merken, sondern dann auch tanzen können. Leider hat er verpasst, wie ich in der PERFEKTEN Attitude stand, auf super hohem Releve und ohne Stange anfassen. Da musste Herr Rabe nämlich grad in sein Handy gucken. Pfft.

Ich war nach dem Ballett jedenfalls wesentlich besser gelaunt. Wie immer war es das Wert, dann doch da hin zu gehen, trotz müde und schlechter Laune.

Vielleicht sollte ich dem Lieblingskollegen mal Ballett empfehlen.

Tag 3421 – Schreck.

Ich bin leicht aus der Bahn zu werfen. Nach einem guten Tag (Hobbykurs-lastig, die Auflösung naht, es ist bald vorbei, keine Sorge) fiel mir eben in der Badewanne auf, dass meine Kette weg war. Meine Halskette, die ich von meiner Omi bekommen habe, vor sehr vielen Jahren. Die ich dann ganz lange nur sporadisch benutzte, dann verschwand sie und dann fand ich sie zufällig zusammen mit ganz vielen anderen Schmuckstücken von mir in einem Kinderzimmer. Das Kind hatte da einen kleinen Schatz gehortet und das war dem Kind dann auch gehörig peinlich und es ist lange her und gegessen. Aber seitdem trage ich die Kette immer, denn wenn sie um meinen Hals hängt, kann kein Kind sie mopsen.

Und dann war sie eben weg. Und ich… angehalten. In solchen Situationen bekomme ich instantanen Tunnelblick und muss dann die Kette finden, sofort. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass sofort 284 Katastrophenszenarien in meinem Kopf losrattern. „Verloren im Bus in Oslo“ zum Beispiel, oder „Verloren auf dem Parkplatz“. Wer will schon die Nacht über wach liegen und darüber nachdenken, wie man bestimmt selbst mir dem Auto über die Kette gefahren ist, so richtig schön in den Kies und den Schneematsch reibend.

Und dann fand ich sie. Im Schlafzimmer auf dem Boden. Der Verschluss muss aufgegangen sein, vielleicht als ich mich für die Badewanne ausgezogen habe. Huff! Hach! Uiuiui!

Das hätte es am Sonntag Abend nicht gebraucht. Vielleicht sollte ich mal bald so ne Hochsicherheitskette besorgen, damit das nicht noch mal passiert.

Tag 3417 – 3420 – Irgendwas zwischen Nix und viel zu viel.

Hach, Vorweihnachtszeit. So besinnlich. Eine Weihnachtsfeier nach der anderen, Weihnachtsshow hier, Adventskonzert da, bitte irgendwann noch Geschenke besorgen, Adventskranz und -Kalender soll man am besten auch nicht erst am 10. haben und dazu kommt, dass alles irgendwie „fertig“ sein soll, wenn man in die Weihnachtsferien geht. Selbst mein Zahnarzt würde mich gerne dieses Jahr noch zur Kontrolle sehen und hat mich zu nächstem Freitag einbestellt, das musste ich verschieben, weil sowohl Weihnachtsfeier bei der Arbeit ist, als auch etwas, wo ich als „Expertin“ geladen bin. Werde also rumexpertinnen, allerdings im Büro, da kann ich nicht zeitgleich in Eidvoll jemanden in meinem Mund rumwühlen lassen.

Und weil das alles so viel ist, komme ich zu Nix. Eigentlich arbeite ich nur, und in meiner Freizeit haste ich von Weihnachts-dings zu Advents-bums. Dazwischen quetsche ich, so gut es geht, Hobbykurs, Geige und Sport. So gut geht das nur leider gar nicht mal.

Nun ja, genug gemeckert. Kurze Highlights der letzten Tage:

  • Samstag letzte Woche war Pippi auf einem Kindergeburtstag, wo sie Henna-Handmalereien bekommen haben, das finde ich mal richtig cool und sehr anders als die 08/15 Pølse- und Langpannekake-Geburtstagsfeiern
  • Dienstag und Mittwoch Inspektion, total entspannt und mit bester Aussicht über den Fjord. Nach der Inspektion in Indien eine reine Wohltat. Neuen Berufsschaden entdeckt: man kann mich mit einer richtig guten Risikobewertung und einem damit zusammenhängenden statistisch solide begründeten Probennahmeplan wirklich, richtig glücklich machen. Man muss dazu sagen: es ist selten, dass ich sowas vorgelegt bekomme
  • Mittwoch dann noch Übungshotel und Hobbykurs. Im Übungshotel angekommen bekam ich erst mal heftiges Nasenbluten. Ursache vermutlich die von der Erkältung gereizte Nase in Kombination mit -10 Grad draußen, dann rein in +20 jnd Heizungsluft. Aber auch mit bekannter oder vermuteter Ursache ist das ätzend und ich sollte wohl echt mal damit zum Arzt
  • Donnerstag spontanes, weil bis dahin vergessenes, Nikolausshopping. Mehr oder weniger erfolgreich. Aber da Michel Freitag darum bat, seine „Schuh-Süßigkeiten“ gebracht zu bekommen, war sohl zumindest er zufrieden
  • Gestern hatte Pippi Übernachtungsbesuch, Michel war außer Haus und übernachtet noch bis morgen bei seinem Kumpel und Herr Rabe war auf, sie ahnen es, Weihnachtsfeier. Die Mädels waren sehr verträglich und ich konnte Hobbykurs-Dinge tun. Spät abends holte ich einen gut angeheiterten Ehemann und einen weiteren Papa aus der erweiterten Nachbarschaft vom vorletzten Zug ab. Herr Rabe war dann heute Morgen etwas müde
  • Heute waren Herr Rabe und ich auf dem Adventskonzert der Janitsjar des Lieblingskollegen. Das war wieder sehr sehr schön und absolut die Tour in die Hauptstadt wert. Im Anschluss gingen wir noch ausgezeichnete Burger essen, in einer Burgerbude mit dem Charm einer Eckklitsche, aber in sauber. Die Burger wiegen das mangelnde Ambiente aber sowas von auf (Note to Self: Render Burgers). Ein schöner Ausflug. Auf dem Hinweg habe ich noch meinen einen Rucksack reklamiert, da war ein Reißverschluss kaputt. Gut, dass sich die teure Marke bei Garantiefällen nicht lumpen lässt

Tag 3415 und 3416 – So. Müde.

Da ich von Sonntag auf Montag ja irgendwie immer scheiße schlafe, war ich gestern absurd müde. Ich kam nach Hause und… schlief einfach ein. Ballett ist für mich ausgefallen wegen verpennt. Also scheinbar war das nötig, aber als ich dann ins Bett musste, war ich natürlich wieder wach. Und heute dann müde bei der Inspektion. Die letzte des Jahres und sehr entspannt. Das ist der Hersteller, bei dem ich das allererste Mal auf einer Inspektion mit war – in einer anderen Zeitrechnung, gefühlt, das war ja sogar pre-Covid. Die sind beim Hersteller sehr ordentlich und vielleicht wird uns (mich und die Lieblingskollegin) der Lieblingskollege für immer aufziehen, nämlich, wenn wir auch morgen einfach nichts finden, und ohne irgendwas zu meckern nach Hause gehen. Das wäre das erste mal. Also nicht nur für mich, sondern für norwegische Herstellerinspektionen generell.

Auch wenn wir da morgen gegebenenfalls sehr früh raus sind, bin ich erst sehr spät zu Hause, wegen Hobbykurs. Es ist schon alles gepackt, und damit meine ich ALLES, gefühlt der halbe Hausstand. Gut, dass ich einen großen Rucksack habe. (Eh, weil mein kleiner Alltagsrucksack leider am Reißverschluss kaputt gegangen ist, und ich noch auf Info von Samsonite warte, ob das ein Garantiefall ist. Ich finde ja, ein so teurer Rucksack muss mehr als 10 Monate halten, auch die Reißverschlüsse, aber wir werden sehen.)

So langsam reicht‘s dann für mich auch echt mit Black Friday/Cyber Monday/Hauptsache Kaufen. Die Werbung überall geht mir jetzt langsam doch echt auf den Pinsel. Ich will da gar nicht die Moralkeule schwingen, wer sich immer schon ne Heißluftfritteuse gewünscht hat und ein bisschen Zeit hat, kann ja an diesen Tagen echte Schnäppchen schießen, Aber das Zugeballer mit Werbung nervt mich. Ich kündige schon dauernd alles möglichen Werbe-Mails, aber trotzdem kriege ich pro Woche zur Zeit so 200 mails. Fast alles Werbung. Und ich brauche echt keine 5 Menstruationstassen…

Tag 3414 und 3415 – Viel zu kurzes Wochenende.

Hier passierten wochenendliche Dinge, nur zu viele auf einmal, für so ein kurzes Wochenende. Sehr viel Hobbykurs, das eskaliert grad ein bisschen und nagt an den Wochenenden jetzt auch noch rum. Aber nur kurz und bald dann gegessen.

Ach ja: heute habe ich mir die Haare wieder blau gemacht. Das blau von Blue Lagoon wäscht sich aus weiß gebleichtem Haar aber wirklich sowohl langsam als auch schön raus, die letzten zwei Wochen ca. war es himmelblau. Mir gefällt die Farbe wirklich gut, auch weil sie sich so schön rauswäscht, aber ich hab noch so viele andere Farben, die ja auch benutzt werden wollen. Muss darüber nachdenken, wie ich das handhaben möchte.

Jetzt muss ich aber erst mal ins Bett, in sechs Stunden klingelt ja schon wieder der Wecker. Uff.

Tag 3413 – Autsch.

Seit ein paar, wirklich wenigen, Jahren, findet mein Körper es sehr angemessen, bei jeder Erkältung alle Gelenke schmerzen zu lassen. Vor allem die, die machen, dass man sich so richtig alt fühlt, so wie Knie und Hüfte. Ich war gestern schon so ein bisschen skeptisch, ob ich unter Leute sollte, aber schob es darauf, dass ich ja in echt einfach gar nicht da hin wollte. Heute Morgen bestätigte sich aber der Erkältungsverdacht, mit Niesen, laufender Nase, leichtem Halskratzen und eben Gelenkschmerzen. Herr Rabe und Pippi sind ebenfalls erkältet, mit den gleichen Symptomen, die zeitgleich mit meinen auftraten, deshalb glaube ich nicht, dass es eine*r von uns angeschleppt und dann den Rest angesteckt hat, sondern wahrscheinlich haben wir uns das alle gleichzeitig irgendwo eingefangen. Nur Michel ist topfit, das ist mal was Neues.

(Also so richtig schlecht geht es mir auch nicht, es ist halt ne Rotznase und Aua in den Knien, der Hüfte und dem oberen Rücken. Noch nicht mal Kopfschmerzen habe ich. Es geht schon, nur diese Gliederschmerzen sind wirklich nervig.)

Bei der Arbeit sind alle irre, aber es sind auch alle vom gestrigen Tag mehr oder weniger genervt. Letzteres finde ich irgendwie beruhigend, vielleicht stelle ich mich ja doch nicht einfach total an, sondern die anderen sind halt besser darin, ihr Augenrollen nur innerlich zuzulassen.

So, schlafen jetzt. Ist nötig.

Tag 3412 – Schrecklich.

Der Team-Tag war schlimm. Exakt wie befürchtet, nur anstrengender. Ich wollte die meiste Zeit weglaufen oder meinen eigenen Kopf abschrauben, der sich geweigert hat, irgendwas anderes zu sehen, als die ganzen Löcher in der Teambuildingtheorie des Tages und der allein darauf fokussiert war, wie schlimm das alles ist.

Aber ich bin jetzt um eine Erfahrung reicher. Man (ich) kann da sitzen, mit rosa Brille und dicken, schwarzen Ohrstöpseln, und konstant in repetitiven Bewegungen an einer Perlenkette friemeln (stimmen), man kann vor wenigen Minuten unpassend laut gesagt haben „Ich möchte das nicht machen, ich fühle mich nicht wohl damit mit all diesen Menschen“ und wenn man dann sagt, man sei autistisch, fallen Leute trotzdem aus allen Wolken.

Gut, dass ich das kurz drauf illustrieren konnte, weil ich fragen musste, was das heißt, dass der Kollege sagt „Wir stellen ja keine Petersilienblätter ein.“. In meinem Kopf wurde das nur zu „ja, das macht ja auch keinen Sinn, wenn da ein Topf Kräuter bei der Inspektion aufläuft“. Ich weiß jetzt, dass „Petersilienblatt“ sowas wie das norwegische „Snowflake“ ist. Eine sehr empfindliche Person eben.

Finde das ein bisschen unfair. Ich mag zwar nicht so gerne Petersilie, aber die ist frosthart, zäh, breitet sich aus wie Hulle, wenn man nicht aufpasst und Meerschweinchen lieben sie. Außerdem war ich heute auch nicht speziell robust. Ich hatte den ganzen Tag das Gefühl, mein Nervenkostüm aus Versehen auf links, mit den offenen Nervenenden außen, angezogen zu haben.

Das Essen hinterher war auch nicht so dolle. Teuer, aber schlechter (weil überforderter) Service.

Das einzige Gute am Tag war die Stunde Sport, die ich zwischen Teambuilding-Rotz und Essen gequetscht habe. Es ist sehr schön, Stress und Aggressionen wegzuhopsen.

Tag 3410 und 3411 – Spaß!

Hach, der Hobbykurs macht so viel Freude. Und ist auch nach wie vor sehr weit von Komfortzone entfernt, aber man gewöhnt sich da irgendwie tatsächlich dran. Jede Woche eine neue Komfortzonenchallenge. Heute ging tatsächlich bei mir was schief, und wir haben alle drüber gelacht und es war sehr wholesome. Es war sogar mir Ankündigung, ich sagte, wenn ich das so mache, dann passiert doch folgendes? Die Lehrerin so neeeeiiin, pass auf… und dann hab ich das ausprobiert und es kam, wie ich vorhergesagt hatte. In anderen Gruppen wäre ich vor Scham gestorben.

Morgen ist so ein ätzendes Ganztagsmeeting bei der Arbeit. Meine Chefin liebt die ja. Es werden verschiedenste Gründe gesucht, nicht teilzunehmen und die sind auch alle valide, nur ich hab keine. Der Lieblingskollege ist noch auf dem Rückweg aus Amsterdam. Da er Ruhezeiten einhalten muss, kann er leider, leider nicht vor 13 Uhr teilnehmen. Die Lieblingskollegin hat aus unerfindlichen Gründen (die eventuell Mykoplasma heißen, aber das ist nur eine Vermutung, weil andere Leute mit ähnlichen Symptomen zur Zeit irgendwie alle Mykoplasma haben) keine Stimme und wird vielleicht da sein und dann aber kräftig schweigen. Eine weitere Kollegin wird Montag operiert und vermeidet Mykoplasma-Menschenansammlungen, um nicht krank zu werden. Und so weiter. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Wir haben die Agenda letzte Woche bekommen und seither graut es mir davor. Seither frage ich mich im Übrigen auch, ob man mit 60 eigentlich noch Zeitmanagement lernen kann. Das wäre für gewisse Personen bei uns mal eine sinnvolle Weiterbildung. Aber wir werden ja morgen sehen, ob der hanebüchene Zeitplan so irrwitzig ist, wie ich vermute (und meiner Chefin auch gesagt habe, dass ich das für wenig sinnvoll halte, weil ich Probleme gerne löse, bevor sie entstehen).