Tag 2767 – Abgekühlt.

Draußen taut es, alles ist mit Eis und einer Schicht Wasser drauf bedeckt.

Ich habe mich beruhigt. Wir haben die Inspektion heute beendet, die meisten Beteiligten dürften relativ zufrieden sein. Ich bin froh, zu Hause zu sein und morgen etwas länger schlafen zu können. Heute früh war relativ brutal, muss ich sagen. Es fällt mir nach Inspektionen manchmal schwer, runter zu kommen, deshalb bin ich gestern dann nicht sofort wie ein Stein eingeschlafen, sondern hab mich noch ne Weile rumgewälzt und geärgert. Lustiger Weise traf ich heute morgen auf dem Weg zur Inspektion die Lieblingskollegin, der es gestern genau so ergangen war und die heute auch nicht gut aus den Federn kam. Dabei ist sie eigentlich ein Morgenmensch. Aber für sie war es halt gestern viel zu spät.

Nachdem ich aber heute auf dem Rückweg im Zug einschlief (nicht schlimm, der endet hier) cancelled ich im Kopf alle halb ausgedachten Pläne für den Abend, brachte Pippi ins Bett und ging dann in die Badewanne. Mehr als ein bisschen Abspülen und die Spülmaschine starten war nicht mehr drin, aber es gibt auch schlimmeres, zum Beispiel zu wenig Schlaf.

Es war aber sehr schön, von Pippi ein bisschen angeschnarcht zu werden. Die ist wirklich süß, wenn sie schläft. Immer noch. (Sie ist auch wach süß, aber schnarcht da nicht.)

Tag 2765 – Verdauen.

Herr Rabe hat sehr lecker gekocht und ich habe das so spät gegessen, ich verdaue noch. Im übertragenen Sinne auch, nämlich die Inspektion heute (nichts schlimmes… eigentlich) und angekündigte Budgetkürzungen im eh schon unterbesetzten und überarbeiteten Werk. Die uns dann auch noch als „Chancen“ verkauft wurden. Verarschen kann ich mich auch allein, ehrlich gesagt.

Tag 2764 – Kindergarten.

Ich bin ja eine der jüngsten bei meiner Arbeit, aber manchmal habe ich das dumpfe Gefühl, da in einem überdimensionierten Kindergarten gelandet zu sein. Dass ich meinem 10-Jährigen öfter mal sagen muss, dass es gar nichts bringt, sich jetzt über irgendein Ereignis oder einen Zustand aufzuregen, weil man es eh nicht ändern kann und irgendwie damit leben muss, ok. Dass das nie Erfolg hat, auch ok. Aber bei der Arbeit? Muss man da echt genauso erfolglos ständig Leuten sagen, dass Dinge jetzt gerade eben so sind, man weiß, dass sie doof sind, es wird hinter den Kulissen bereits daran gearbeitet, sie besser zu machen, aber jetzt gerade müssen wir das beste aus den doofen Dingen herausholen? Komme mir vor wie eine kaputte Schallplatte.

Ja, es geht um das IT-Projekt.

Vielleicht bin ich auch einfach nicht sonderlich pädagogisch begabt. Oder es ist beides.

Ab morgen drei Tage Inspektion, zur Erholung. Muhahaha.

Tag 2760 – Vorlagen über Vorlagen.

Bin heute ins Büro gefahren, da waren zwei Meetings, die sinnvoll waren, nicht remote wahrzunehmen. Das ist recht anstrengend, ins Büro fahren. Vorsichtshalber habe ich auch heute morgen noch mal getestet, da war aber nur eine Linie auf dem ansonsten blütenweißen Test, somit kam ich um meinen selbst gemachten Plan nicht drum rum.

Nach den zwei Meetings und Mittagspause (Gersten-risotto mit Pilzen und Focaccia, „ungezwungen“ vegetarisch und lecker und sogar das Focaccia ohne Oliven, hach!) habe ich dann im Akkord Dokumentvorlagen erstellt. Ich habe heute mal durchgezählt, ich habe bereits 23 Stück erstellt, 7 fehlen noch. Inzwischen habe ich aber so Übung, dass ich die quasi im Schlaf zusammenklicke. Heute 4 Stück in einer Stunde. Warum muss ich das machen, und warum muss ICH das machen? Die müssen alle in das IT-Projekt getöckelt werden. Vorher waren sie nicht ins Sachbearbeitungssystem integriert, jetzt soll man halt einfach eine Vorlage öffnen können, zum Beispiel einen Report, und dann sind da gleich so grundlegende Daten wie die Adresse der Firma, der Name des zuständigen Sachbearbeiters, die Zulassungsnummer und so weiter ausgefüllt und man muss quasi nur noch die Kür machen, nämlich den Report auch mit fachlichem Inhalt füllen. Aber dafür muss man erst mal die Vorlagen entsprechend erstellen, mit einem speziellen Word-Plugin, das NICHT selbsterklärend ist. Und unstabil läuft, aber das ist ein anderes Thema. Die einzige, die das zur Zeit kann, bin ich (ich übertreibe da überhaupt nicht. Wirklich nicht. Man hat es niemand anderem beigebracht. Genau genommen habe ich es mir auch zu 90% selbst beigebracht). Bisher hatte ich keine Zeit, weil ich mehr als Vollzeit mit anderen Dingen beschäftigt war, aber diese Woche war mal nicht so viel anderes zu tun (und eine Aufgabe, die ich hätte machen KÖNNEN, habe ich halt nicht gemacht) und wie gesagt, mit ein bisschen Übung geht das recht schnell. Ich bin echt ein bisschen stolz auf mich, weil ich, wenn ich die 7 noch fehlenden Vorlagen erstellt hab, meinen Kolleginnen und Kollegen, die Ende nächste Woche in dieses Programm eingewiesen werden, schon mal was geben kann, was sie dann nur noch maintainen müssen. Ich weiß jetzt schon, dass mir einige dafür ewig dankbar sein werden.

Außerdem kann ich, wenn ich mit den Vorlagen fertig bin, das Plug-In deaktivieren und dann stürzt Word auch nicht mehr alle Nase lang ab, das wird das allerschönste.

Tag 2751 und 2752 – War schon fitter.

Gestern bin ich bei Michel im Bett eingeschlafen. Mal wieder. Allerdings ging es mir auch nicht so super, ich wachte morgens schon mit Kopfschmerzen auf, die sich anfühlten, als wäre mein kompletter Kopf in einer Schraubzwinge eingespannt. Das gab sich über den Tag nicht wirklich und dass ich irgendwie noch den Tag durchgezogen habe (z.B. Michel zu einem weiteren, allerdings wohl vorläufig letzten, Diagnostiktermin fahren) war sicher nicht unbedingt hilfreich. Aber Herr Rabe war außer Haus, also musste ich ja irgendwie. Nachmittags bekam ich noch Halsschmerzen dazu und abends zwei Kinder, die Hausaufgaben machen mussten, Hurra. Pippi lernt jetzt mit größeren Zahlen rechnen, Michel musste etwas über Claude Monet lesen und dann zu jedem Absatz des Textes ein Wort schreiben. Ich durfte also auch noch erklären, wo in unserem Garten Mohn wächst und wie der aussieht, damit sich Michel etwas darunter vorstellen kann. Tipp: „große, rote Blume“ ist nicht ausreichend spezifisch. Irgendwann waren aber alle Hausaufgaben gemacht und alle Kinder satt, ich brachte Pippi ins Bett und dann Michel und dann konnte ich meine Augen nicht mehr offen halten. Mein Körper fühlte sich eh an wie durch die Mangel gedreht, weil ich auch schlimmen Muskelkater hatte (und habe), beim Ballett wohl übertrieben. Und ich hab noch gedacht, toll, wie tiefe grand plié in der zweiten du machst, super! Und das ohne „Hinsetzen“ oder Hintern hängen lassen oder Turnout vergessen. Hmmhmm. Die Quittung kam sehr schnell. Au.

Heute war alles nur minimal besser, aber weil ich mir das so vorgenommen hatte, fuhr ich ins Büro. Da schmiss ich nicht den Computer aus dem Fenster und fing auch nicht aus Frust über Word an zu heulen, das war mein größter Erfolg des Vormittags. Den Tag über trank ich sehr viel Pfefferminztee, was die Halsschmerzen (kein Covid laut Test, sonst wäre ich nirgendwo hin gegangen) in Schach hielt. Am Nachmittag arbeitete ich stoisch diverse Unannehmlichkeiten weg und kam da gut voran, was ja auch mal schön ist.

Jetzt Bett, schon wieder sehr spät, aber ich wollte noch auf die Waschmaschine warten. Da drin war nämlich (nebst einigen Kinderklamotten) meine Mütze, mit der ich aus Mangel an Alternativen die Frontscheibe von Cardos trocken gewischt habe, nachdem die Klimaanlage sie endlich aufgetaut hatte. Also von innen. Außen kann ich ja kratzen, aber Cardos friert auch gern von innen zu. Danach war die Mütze nass, aber die Scheibe frei, aber gleichzeitig ist das meine eine warme Mütze und meine Lieblingsmütze ebenfalls und morgen keine Mütze haben ist keine Option. Das ist die heutige Ausrede für spätes Schlafen.

Tag 2749 – Offenbar anstrengend.

In diesem Büro (irgs, Menschen!) gewesen, ganzen Tag in Meetings gesessen, soziales Tralala mitgemacht (25-jähriges Dienstjubiläum einer Kollegin), nach der Arbeit noch Sport gemacht (nach der Arbeit weil mir vor der Arbeit der Zug, den ich dafür hätte erwischen müssen, vor der Nase weggefahren ist), bei Michel im Bett eingeschlafen. Wenn ich beim Mittagessen schon am liebsten mein Essen mit in den Keller nehmen und allein essen würde, ist das wohl ein Zeichen für Overpeopeling.

Zu Essen gab es auch nichts vernünftiges. Der vegetarische Montag ist wohl gestorben, sie haben scheinbar wirklich so ausdauernd ihr abschreckendes vegetarisches Essen gekocht, dass sich genug Leute beschwert haben, also gab es heute Bratwurst. Für mich Salatbar, aber auch da war die Auswahl zum heulen (Proteine? Schon mal gehört? Hüttenkäse zählt nicht und der gehört auch nicht auf Salat). Das also zusätzlich dazu, dass wir da nach wie vor frieren und alle mit Wollpullis und Schals sitzen. Wirklich verlockend, ins Büro zu kommen, doch doch. Das Werk macht es so richtig attraktiv.

Werde jetzt einfach weiter schlafen. Michel hat sich netterweise auch schon zu mir gesellt, damit ich mich nicht allzu doll umstellen muss. Lieb.

Tag 2746 – Schultern senken.

So, die erste Inspektionswoche 2023 ist überstanden. Kann ja mal passieren, dass dann im Footer der Observationsliste noch 2022 steht.

Ich mag meinen Job immer noch.

Heute waren wir um zwanzig nach vier fertig, deshalb war ich um kurz nach halb sechs zu Hause (das wäre auch früher gegangen, aber Cardos war wieder von innen die Scheibe zugefroren und ich musste erst warten, bis die aufgetaut war). Dadurch konnte ich zum ersten Mal diese Woche Essen machen und sogar zwei Kinder ins Bett verfrachten und Herr Rabe konnte dadurch zu einer Musiksession gehen. Voll gut. Ich glaube, Michel fand auch schön, sehr ausgiebig mit mir zu kuscheln, ich fand das jedenfalls schön und bin nur irgendwann wieder aus seinem Bett aufgestanden, weil ich gerne noch ne Runde Bewegung einschieben wollte. Man sitzt ja doch viel auf dem Hintern bei Inspektionen. So langsam tat mir diverses weh, lustiger Weise unter anderem die Füße, aber die steckten ja auch stundenlang in Winterschuhen und konnten sich nicht bewegen, das sind die ja auch nicht mehr gewohnt. Aber eine Runde YouTube-Ballett und schon tut mir alles anders weh als vorher und die Füße sogar gar nicht mehr, toll!

Die Woche war tatsächlich so alles in allem gut. Freue mich trotzdem auf ein Wochenende ohne viel Kommunikation.

Tag 2744 – Piep!

Immer noch im Tunnel. Es ist gar nicht so schlimm, habe bisher sogar jeden Abend noch ein Kind ins Bett bringen können, weil ich früh genug zu Hause war. Aber mein Kopf ist beschäftigt und da ist wenig Platz für anderes als Dinge, die ich nicht erzählen darf.

Ich kann ja ein bisschen herumorakeln: heute habe ich ein Analysegerät kennengelernt, von dem ich noch nie auch nur gehört hatte. Teile der Hardware hätten auch in Newtons Labor stehen können und wären da nicht aufgefallen und als der Techniker mir erklärte, was das Instrument tut, musste ich kurz einen „der verarscht mich doch!“-Impuls unterdrücken, weil sich das alles seeeehr esoterisch anhörte. Aber das ist eine freigaberelevante Methode, also ganz und gar nicht esoterisch. Ich stand derweil so neben mir und bewunderte mich ein wenig dafür, wie ich es schaffte, ein professionelles Gesicht zu behalten und halbwegs so zu scheinen, als würde ich verstehen, was mir da erzählt wurde. Mein Job ist schon manchmal sehr merkwürdig. Das Gute an dem Analysegerät: es wird von einem Computer gesteuert und die Daten mit einer Software analysiert und DAS wiederum nehme ich inzwischen recht schnell und gezielt auseinander. Auch gut: ich hab wieder was ganz neues gelernt, etwas abgefahrenes, mit nah an Null Anwendungsbereich, herrlich.