Tag 2842 – Matsche im Kopf.

Ok, es war heute alles ein bisschen viel, ich kann das nicht gut sortieren grad. Es war sehr viel gutes dabei, eigentlich war es ein ausgesprochen guter Tag, es geht jetzt nur so viel im Kopf rum, dass ich schlecht runter komme. Teile davon möchte ich hier auch gar nicht so unbedingt öffentlich breit treten, was andererseits irgendwie den Sinn eines Tagebuchs nicht ganz erfüllt. Nun ja. Vielleicht mache ich mal wieder einen Artikel mit Passwort, irgendwo muss es ja hin, das alles. Und so alle viereinhalb Jahre kann man das ja mal machen (krass, wie lange die Chipsfabriksache schon her ist). In meinem Kopf spielen die Gedanken grad jedenfalls alle Pingpong. Zum Einschlafen gehe ich ja gerne Choreografien im Kopf durch, unsere für Sonntag ist allerdings ein bisschen zu kurz. Alternativ gehen auch Musikstücke, aber was ich für den Geigenlehrer üben soll, ist auch zu kurz.

Die Gefahr ist groß, dass ich morgen nicht sehr ausgeschlafen sein werde, das wäre nicht so gut, aus Gründen.

Einen fun fact von heute kann ich ja erzählen: ein Nicht-ITler aus einer themenverwandten Gruppe im Werk hat, ohne programmieren zu können, auf der selben Basis die das IT-Projekt hat, etwas in hobbymäßigem Einsatz zusammengeklöppelt, das ganz ganz stark an das IT-Projekt, in das so viele Ressourcen geflossen sind, erinnert. Und zwar ohne, dass er das IT-Projekt überhaupt mal gesehen hätte. Er erklärte das mit „Naja, das ist ein no Code-low Code-System, echt kein Hexenwerk“. Ich lasse das mal so stehen, Sie können sich sicher denken, was das für den Rest meines Respekts gegenüber dem IT-Projekt bedeutet.

Kein Wunder, dass denen ständig die Leute wegrennen.

Tag 2837 – Müde zu Hause.

Wenn man im Taxi zum Flughafen (8 Minuten Fahrtzeit) schon nahezu einschläft, war die Inspektion anstrengend. Es ist ein wenig faszinierend, wie ich und der Lieblingskollege gut gelaunt und sachlich sind, solange wir mit der Firma zusammen sitzen, und danach sind wir (gemeinsam) missmutig und/oder albern und/oder lästern und/oder ich bringe ihm was über Neurodiversität bei. In der Mittagspause gehen wir nahtlos zu Diskussionen über Himbeeren und Wintergärten über, sobald alle den Raum verlassen haben, diskutieren wir das fachliche oder gehen schnell den weiteren Plan durch. Aber all das schlaucht auch ziemlich und eisige (schockierte) Stimmung beim Closing Meeting ist auch nicht grad was, mit dem ich gut umgehen kann. Und nach drei so Tagen bin ich dann halt platt – der Lieblingskollege allerdings auch, und der hat ca. 5 mal so viel Erfahrung wie ich. Beruhigend irgendwie.

Trotz Flugverspätung konnte ich abends noch Michel ins Bett bringen, das war sehr schön.

Tag 2836 – Weiter müde.

Huff, das hier ist irgendwie unerwartet total eskaliert, keine Ahnung wie das passiert ist. Aber jetzt hab ich den Salat. Nach knapp 13 Stunden Arbeit und einem kleinen Durchgang der Tanzchoreografie zum Runterkommen (mit einem grauenvollen Muskelkater von Montag) falle ich jetzt aber auch einfach halb tot ins Bett. Hoffentlich kann ich schlafen und träume nicht wirres Zeug von der Inspektion, das passiert ja durchaus ab und an. Gestern zum Beispiel.

Tag 2834 – Alles viel zu früh.

Heute Morgen bin ich um viertel vor sechs aufgestanden, morgen werde ich wohl dasselbe tun. Heute fuhr ich nur zur Arbeit (erst mal zum Sport machen, dann zum arbeiten), morgen geht es auf eine Inspektion. Das sind echt nicht meine Uhrzeiten, aber was soll eine machen. Wenigstens muss ich nicht, wie der Lieblingskollege, um kurz nach sechs schon im Bus sitzen. Ein Hoch auf Wohnen in Flugplatznähe.

Ansonsten ein Tag wie jeder andere.

Tag 2831 – Decke übern Kopf.

Ach, doofer Tag. Erst mal wieder bestätigt bekommen, dass ich selbst unter merkwürdigen Leuten (Inspekteur*Innen sind schon alle ein paar Zentimeter vom Durchschnitt entfernt, auf viele Arten) noch merkwürdig bin. Und dass ich echt eine ordentliche Abneigung gegen MiNdFuLLnEsS habe. Und nicht verstehen kann, warum jemand Eisbadet, wenn man sogar selbst sagt, dass man die ersten 5 Sekunden überzeugt ist, zu sterben. Das macht überhaupt keinen Sinn.

Bitte keine flammenden Reden (höhö) über Eisbaden. Oder Mindfulness.

Den Rest des Arbeitstages mit dem IT-Projekt herumgeärgert, statt meiner eigentlichen Arbeit nachzugehen. Es schlaucht. Die eigentliche Arbeit staut sich. Das IT-Projekt ist nicht mindful. Und nicht agil. Und hat keine Kohle mehr. Hupsi.

Dabei hängt mir diese vormittägliche Sache noch nach, ich hätte diese Bestätigung jetzt nicht direkt gebraucht, um ehrlich zu sein. Wir sollen außerdem unser authentisches Ich finden, dann seien wir charismatisch. Mein authentisches Ich möchte leider gar nicht mit Menschen reden, aber mein professionelles Inspekteurinnen-Ich kann das eigentlich ganz gut. Ich glaube, ich bleibe lieber dabei, im professionellen Zusammenhang eine Rolle zu spielen und bin vielleicht etwas weniger charismatisch, dafür aber auch weniger grumpy misanthropische crazy cat lady ohne Katzen. Dieses, ich nenne es mal Seminar, hat jedenfalls nicht dazu geführt, dass ich mir „meiner Stärken mehr bewusst“ bin, sondern das Gegenteil bewirkt. Ich möchte meinen seltsamen Kopf jetzt nur noch unter die Decke stecken und ganz authentisch die Welt hassen.

Tag 2829 – Arbeit, Arbeit…

Alltagstrott ist wieder da. Bin dementsprechend auch wieder müde, obwohl ich, als Pippi beim Tanzen war, im Auto ein kleines Nickerchen gemacht habe. Immerhin habe ich einen Spaziergang eingeschoben und Geige gespielt. Beim Spaziergang konnte ich mich daran erfreuen, dass die graubraunen Schneeberge wegschmelzen und hier und da schon (totes) Gras und (lebendes) Moos hervorguckt. Außerdem hatte ich so Sonnenlicht und frische Luft. Aber so richtig Spaß macht das nicht, in dieser dreckigen, steinigen Vorfrühlingswelt draußen herumzustapfen.

Naja, andererseits könnte alles schlimmer sein, vor drei Jahren war obendrein noch Pandemie. Schlimmer geht immer.

Tag 2813 – Nur noch grad schnell.

Die „nur noch grad schnell“-Krankheit ist bei uns in der Familie ja stark verbreitet. Auf Norwegisch „skal bare“. Es nervt mich bei den Kindern, insbesondere Pippi, meistens zu Tode, aber ich bin ehrlich gesagt gar nicht besser. Zum Beispiel war ich heute überhaupt kein Stück besser, und wollte nur noch kurz diesen einen Test für das IT-Projekt fertig machen, damit ich morgen nicht direkt wieder mit Testen anfangen muss. Hahahhahahaha. Natürlich kam es, wie es kommen musste, und aus dem einen Test wurde ein halb angefangener Test, zu viel Detektivarbeit für eine, die eigentlich diese ganzen IT-Dinge gar nicht kann (an welcher Stelle der Frustration darf man sich sowas eigentlich in den CV schreiben? „2021 – heute Product owner – IT-Projekt und trotzdem noch ein paar Nerven beisammen, kann System besser als manche Entwickler und alle anderen Sachbearbeiter*Innen“) und drei (DREI!) dokumentierten Bugs. Nach zehn Uhr abends ist sowas eine totale Schnapsidee. Das weiß ich, aber tappe immer immer wieder in solche Fallen.

Bis Donnerstag 15 Uhr noch, dann ist Urlaub.

Tag 2810 – Auch sowas wie Routine.

Zwei Tage Kurzinspektion (eigentlich nur anderthalb), einmal nach Bergen jetten und zurück bitte. Aus Gründen viel darüber nachgedacht, ob das auch remote gegangen wäre und zu dem Schluss gekommen, dass das nicht gegangen wäre, nein.

Jetzt bin ich wieder zu Hause und gar nicht so erschossen wie sonst auch schon öfter. Vielleicht werde ich ja langsam doch eine von den erfahrenen Inspekteurinnen, die „sowas“ mal grad aus dem Ärmel schütteln. Abends habe ich sogar noch ein bisschen Geige geübt und befürchte jetzt leider, dass dieses Vivaldi-Concerto etwas langweilig werden könnte. Es wird sich noch zeigen, denke ich, aber ich bin eher gewohnt, bei den ersten Malen nicht sonderlich weit zu kommen und mit vielen Fragezeichen die Noten anzustarren (looking at you, Bach). Das heute (den 1. Satz) hab ich nahezu einfach runtergespielt. Ohne Murmel allerdings, vielleicht sollte ich es mit einer Murmel zu Schwierigkeitsgrad „unmöglich“ befördern. Oder doppelt so schnell spielen. Oder so.

Jetzt freue ich mich auf Schlafen im eigenen Bett und ohne Regenprasseln. Das ist nämlich erst schön, wird dann aber nervig und irgendwann ist man kurz davor, sich IRGENDWAS ins Ohr zu stopfen, nur damit es aufhört, das habe ich letzte Nacht zur Genüge getestet. Heute, während wir in einem innen liegenden Meetingraum saßen, war draußen dagegen die ganze Zeit schönster Sonnenschein. Ich glaube, das Wetter hasst mich oder will mich zumindest verarschen.

Tag 2809 – The Bergen Experience.

Heute Morgen dachten wir noch, wir hätten irgendwas falsch gemacht. Wir stiegen aus dem Flugzeug aus (reichlich seltsam übrigens, das ist so eine Verbindung, die nehmen manche hier wie nen Bus zur Arbeit und so fühlte es sich auch für mich heute an) und es war trocken, klar und überall grün. Dabei regnet es in Bergen doch immer. Immer immer. Vor allem im Frühling.

Nun, wie soll ich sagen. Seit dem Mittag regnet es, seit dem Nachmittag schüttet es wie aus Eimern. Dabei kommt Wind aus allen Richtungen gleichzeitig, mir ist schon drei mal der Schirm umgeklappt und meine Schuhe sind von den 100 Metern Weg vom Hotel zum Restaurant durchgeweicht. Genau hier, genau jetzt sind Dürren in Europa sehr weit weg.