Tag 2856 – Ambitioniert.

Ich hab mir bei der Arbeit zu viel vorgenommen und musste heute zu Kreuze kriechen und fragen, was davon wichtiger ist als das andere, weil mein Arbeitstag ja nun mal nur 7,75 Stunden hat. Ich bin außerdem hundemüde und genervt von der einen Aufgabe, die einfach doof ist und vielleicht auch sinnlos, das wird sich noch zeigen. Morgen muss ich jedenfalls richtig ranklotzen, wenn ich bis Donnerstag die Dinge fertig haben will, die ich fertig haben sollte. Weil sich auf meine Frage, was ich priorisieren soll, auch niemand äußern mochte. Das können wir selbst entscheiden, sagt die Direktion, Priorisierung ist an das niedrigste mögliche Niveau delegiert, was ein schöner Ausdruck ist dafür, dass man für die falsche Entscheidung den Kopf hinhält, ohne dass einem wer sagt, was die richtige Entscheidung gewesen wäre.

Es ist echt ganz super (nicht!) und Hormone tun ihr Übriges dazu, dass mir jetzt schon vor der Arbeit morgen graut.

Tag 2855 – Nix.

Herr Rabe hat einen Großteil des Tages damit verbracht, Michel zu Gesundheitsmenschen zu fahren, damit sein Fuß angeschaut werden konnte. Die Diagnose ist: da ist nichts passiert, umgeknickt eben aber alles noch dran und ganz. Puh.

Ich habe einen Großteil meines Tages damit verbracht, einen Report zu schreiben, den ich eigentlich heute (ganz eigentlich Freitag) fertig haben wollte, aber trotz großzügiger und spätabendlicher „Flexizeitarbeit“ (andere nennen es Überstunden, aber die sind ja nicht mehr erlaubt) ist er immer noch nicht fertig. Ich werde die nächsten zwei Tage extrem effektiv sein müssen, um alles noch vor dem 17. Mai einzutüten. Es wäre echt schön, wenn nicht noch ein Report massiv über die Frist ginge.

Heute Morgen habe ich mich aus Gründen gefragt, was die adäquate Reaktion darauf ist, wenn man nach dem Sport bei der Arbeit unter der Dusche eine Kollegin trifft, die man nicht gut kennt und wegen mangelnder Brille und Bekleidung auch nicht wirklich gut erkennt. Ich glaube weder meine Reaktion (betretenes Inspizieren der eigenen Füße, aus Ermangelung der Möglichkeit, einfach durch den Ausguss zu verschwinden) noch ihre (drauf los erzählen und fachliche Dinge besprechen wollen) waren ganz richtig.

Montags Sport machen ist vielleicht nicht so schlau. Da machen alle(TM) Sport, erst können also alle(TM) meine beeindruckend pinke Glomse bewundern und danach läuft man sich auch noch in der Gemeinschaftsdusche wie Gott, Zeit und Oreokekse eine schufen, über den Weg. Dann kriegen sie auch gleich noch meinen beeindruckend pinken Storchenbiss an der Rückseite zu sehen. Super. Nicht.

Tag 2842 – Matsche im Kopf.

Ok, es war heute alles ein bisschen viel, ich kann das nicht gut sortieren grad. Es war sehr viel gutes dabei, eigentlich war es ein ausgesprochen guter Tag, es geht jetzt nur so viel im Kopf rum, dass ich schlecht runter komme. Teile davon möchte ich hier auch gar nicht so unbedingt öffentlich breit treten, was andererseits irgendwie den Sinn eines Tagebuchs nicht ganz erfüllt. Nun ja. Vielleicht mache ich mal wieder einen Artikel mit Passwort, irgendwo muss es ja hin, das alles. Und so alle viereinhalb Jahre kann man das ja mal machen (krass, wie lange die Chipsfabriksache schon her ist). In meinem Kopf spielen die Gedanken grad jedenfalls alle Pingpong. Zum Einschlafen gehe ich ja gerne Choreografien im Kopf durch, unsere für Sonntag ist allerdings ein bisschen zu kurz. Alternativ gehen auch Musikstücke, aber was ich für den Geigenlehrer üben soll, ist auch zu kurz.

Die Gefahr ist groß, dass ich morgen nicht sehr ausgeschlafen sein werde, das wäre nicht so gut, aus Gründen.

Einen fun fact von heute kann ich ja erzählen: ein Nicht-ITler aus einer themenverwandten Gruppe im Werk hat, ohne programmieren zu können, auf der selben Basis die das IT-Projekt hat, etwas in hobbymäßigem Einsatz zusammengeklöppelt, das ganz ganz stark an das IT-Projekt, in das so viele Ressourcen geflossen sind, erinnert. Und zwar ohne, dass er das IT-Projekt überhaupt mal gesehen hätte. Er erklärte das mit „Naja, das ist ein no Code-low Code-System, echt kein Hexenwerk“. Ich lasse das mal so stehen, Sie können sich sicher denken, was das für den Rest meines Respekts gegenüber dem IT-Projekt bedeutet.

Kein Wunder, dass denen ständig die Leute wegrennen.

Tag 2837 – Müde zu Hause.

Wenn man im Taxi zum Flughafen (8 Minuten Fahrtzeit) schon nahezu einschläft, war die Inspektion anstrengend. Es ist ein wenig faszinierend, wie ich und der Lieblingskollege gut gelaunt und sachlich sind, solange wir mit der Firma zusammen sitzen, und danach sind wir (gemeinsam) missmutig und/oder albern und/oder lästern und/oder ich bringe ihm was über Neurodiversität bei. In der Mittagspause gehen wir nahtlos zu Diskussionen über Himbeeren und Wintergärten über, sobald alle den Raum verlassen haben, diskutieren wir das fachliche oder gehen schnell den weiteren Plan durch. Aber all das schlaucht auch ziemlich und eisige (schockierte) Stimmung beim Closing Meeting ist auch nicht grad was, mit dem ich gut umgehen kann. Und nach drei so Tagen bin ich dann halt platt – der Lieblingskollege allerdings auch, und der hat ca. 5 mal so viel Erfahrung wie ich. Beruhigend irgendwie.

Trotz Flugverspätung konnte ich abends noch Michel ins Bett bringen, das war sehr schön.

Tag 2836 – Weiter müde.

Huff, das hier ist irgendwie unerwartet total eskaliert, keine Ahnung wie das passiert ist. Aber jetzt hab ich den Salat. Nach knapp 13 Stunden Arbeit und einem kleinen Durchgang der Tanzchoreografie zum Runterkommen (mit einem grauenvollen Muskelkater von Montag) falle ich jetzt aber auch einfach halb tot ins Bett. Hoffentlich kann ich schlafen und träume nicht wirres Zeug von der Inspektion, das passiert ja durchaus ab und an. Gestern zum Beispiel.

Tag 2834 – Alles viel zu früh.

Heute Morgen bin ich um viertel vor sechs aufgestanden, morgen werde ich wohl dasselbe tun. Heute fuhr ich nur zur Arbeit (erst mal zum Sport machen, dann zum arbeiten), morgen geht es auf eine Inspektion. Das sind echt nicht meine Uhrzeiten, aber was soll eine machen. Wenigstens muss ich nicht, wie der Lieblingskollege, um kurz nach sechs schon im Bus sitzen. Ein Hoch auf Wohnen in Flugplatznähe.

Ansonsten ein Tag wie jeder andere.

Tag 2831 – Decke übern Kopf.

Ach, doofer Tag. Erst mal wieder bestätigt bekommen, dass ich selbst unter merkwürdigen Leuten (Inspekteur*Innen sind schon alle ein paar Zentimeter vom Durchschnitt entfernt, auf viele Arten) noch merkwürdig bin. Und dass ich echt eine ordentliche Abneigung gegen MiNdFuLLnEsS habe. Und nicht verstehen kann, warum jemand Eisbadet, wenn man sogar selbst sagt, dass man die ersten 5 Sekunden überzeugt ist, zu sterben. Das macht überhaupt keinen Sinn.

Bitte keine flammenden Reden (höhö) über Eisbaden. Oder Mindfulness.

Den Rest des Arbeitstages mit dem IT-Projekt herumgeärgert, statt meiner eigentlichen Arbeit nachzugehen. Es schlaucht. Die eigentliche Arbeit staut sich. Das IT-Projekt ist nicht mindful. Und nicht agil. Und hat keine Kohle mehr. Hupsi.

Dabei hängt mir diese vormittägliche Sache noch nach, ich hätte diese Bestätigung jetzt nicht direkt gebraucht, um ehrlich zu sein. Wir sollen außerdem unser authentisches Ich finden, dann seien wir charismatisch. Mein authentisches Ich möchte leider gar nicht mit Menschen reden, aber mein professionelles Inspekteurinnen-Ich kann das eigentlich ganz gut. Ich glaube, ich bleibe lieber dabei, im professionellen Zusammenhang eine Rolle zu spielen und bin vielleicht etwas weniger charismatisch, dafür aber auch weniger grumpy misanthropische crazy cat lady ohne Katzen. Dieses, ich nenne es mal Seminar, hat jedenfalls nicht dazu geführt, dass ich mir „meiner Stärken mehr bewusst“ bin, sondern das Gegenteil bewirkt. Ich möchte meinen seltsamen Kopf jetzt nur noch unter die Decke stecken und ganz authentisch die Welt hassen.

Tag 2829 – Arbeit, Arbeit…

Alltagstrott ist wieder da. Bin dementsprechend auch wieder müde, obwohl ich, als Pippi beim Tanzen war, im Auto ein kleines Nickerchen gemacht habe. Immerhin habe ich einen Spaziergang eingeschoben und Geige gespielt. Beim Spaziergang konnte ich mich daran erfreuen, dass die graubraunen Schneeberge wegschmelzen und hier und da schon (totes) Gras und (lebendes) Moos hervorguckt. Außerdem hatte ich so Sonnenlicht und frische Luft. Aber so richtig Spaß macht das nicht, in dieser dreckigen, steinigen Vorfrühlingswelt draußen herumzustapfen.

Naja, andererseits könnte alles schlimmer sein, vor drei Jahren war obendrein noch Pandemie. Schlimmer geht immer.

Tag 2813 – Nur noch grad schnell.

Die „nur noch grad schnell“-Krankheit ist bei uns in der Familie ja stark verbreitet. Auf Norwegisch „skal bare“. Es nervt mich bei den Kindern, insbesondere Pippi, meistens zu Tode, aber ich bin ehrlich gesagt gar nicht besser. Zum Beispiel war ich heute überhaupt kein Stück besser, und wollte nur noch kurz diesen einen Test für das IT-Projekt fertig machen, damit ich morgen nicht direkt wieder mit Testen anfangen muss. Hahahhahahaha. Natürlich kam es, wie es kommen musste, und aus dem einen Test wurde ein halb angefangener Test, zu viel Detektivarbeit für eine, die eigentlich diese ganzen IT-Dinge gar nicht kann (an welcher Stelle der Frustration darf man sich sowas eigentlich in den CV schreiben? „2021 – heute Product owner – IT-Projekt und trotzdem noch ein paar Nerven beisammen, kann System besser als manche Entwickler und alle anderen Sachbearbeiter*Innen“) und drei (DREI!) dokumentierten Bugs. Nach zehn Uhr abends ist sowas eine totale Schnapsidee. Das weiß ich, aber tappe immer immer wieder in solche Fallen.

Bis Donnerstag 15 Uhr noch, dann ist Urlaub.