Tag 3867 und 3868 – Kontraste.

Also, das waren jetzt zwei sehr seriöse und erwachsene Tage. Meine Güte. Ich finde das immer noch etwas seltsam, dass ich sowas einfach darf, da in die Firmen gehen und denen dann sagen, was sie alles falsch machen. Aber es ist jetzt geschafft und morgen werde ich hauptsächlich im Hoodie und in Jogginghose vorm Rechner sitzen und früh Feierabend machen, ich finde, ich habe das mehr als verdient.

Gestern Abend bin ich nach der Inspektion noch zum Burlesque gegangen, weil das ja oft gut tut, um auf andere Gedanken zu kommen (und auch vernünftig zu schlafen und nicht drülf mal nachts wach zu werden und an irgendwelche Arbeitsdinge zu denken). Was ich verdrängt hatte: es war angekündigt, dass wir Improvisation mit Handschuhen (also dem Ausziehen von Handschuhen) machen sollten. Was ich mir in meiner wildesten Phantasie nicht vorgestellt hatte: dass wir KOMPLETT nur improvisieren würden. Eine Stunde Tanzimprovisation, dann eine halbe Stunde Handschuhimprovisation. Ich hasse Improvisation. Ich kann das nicht. Deshalb sollte ich es mehr üben, yada yada yada aber ICH. WILL. DAS. NICHT. AHHHHH. Alles in mir sträubt sich dagegen. Natürlich hab ich es trotzdem gemacht. Aber nach nem ganzen Tag mit fachlichen Diskussionen auf hohem Niveau „einfach mal so“ was improvisieren, OH GOTT.

Ehrlich, schmeiß mir irgendeine Choreo zu, ich mache mich auch zum Affen und alles, kein Problem. Aber bitte nicht einfach Musik anmachen und sagen: „Stell dir vor, du bist Rauch, in einem Raum voller Rauch.“

(Zu allem Überfluss weiß ich jetzt, dass meine Handschuhe, wenn mir sehr warm ist, kaum an- und schon gar nicht wieder ausbekomme. Geschwollene Hände sind ein Ding.)

Tag 3864 und 3865 – Piep 2.

Heute habe ich zweieinhalb Stunden zur Arbeit gebraucht, davon habe ich über eine Stunde in einem komplett überfüllten Bus, der an jedem dritten Baum gehalten hat, gestanden, und insgesamt war dieses Erlebnis so erfreulich, dass ich jemanden umgebracht hätte, hätten sie auch nur falsch Hallo gesagt. Warum das ganze: in Oslo S war ne Sicherung rausgeflogen. Das kommt vor, leider relativ oft, und weil das System da aus der Steinzeit ist, müssen in solchen Fällen 160.000 Sicherungen händisch überprüft werden. Das kann dann 5 Minuten dauern oder 3 Stunden. Es ist wirklich lächerlich. Wenn man dann noch in Betracht zieht, was so ein Jahresticket für die 35 Minuten Oslo-Eidsvoll kostet, kann man schon mal sehr angefressen sein, wenn man morgens schon vor 8 mehr und engeren Körperkontakt mit Fremden hatte als in einem Jahr wünschenswert ist.

Der Rest des Tages war ok, aber geprägt von meinem Groll. Gestern war auch ok, ich hab sogar gebacken und Michel hatte Besuch.

Morgen geht es wieder auf die Inspektion. Heute habe ich diesbezüglich mit Hilfe meiner Kollegin und dem Lieblingskollegen schwierige Entscheidungen getroffen. Das gehört zu den eindeutig weniger schönen Aspekten meines Berufes.

Tag 3860 und 3861 – Im Inspektionstunnel.

Diese Woche drei Tage, nächste Woche drei Tage (gleiche Firma), dazwischen und danach Office und Umorganisierung und tralala. Und Korpsdings am Wochenende mit Backen von Boller. Inspektion könnte theoretisch entspannt sein, ist sie aber nicht, vor allem nicht für mich, weil ich da „Chef“ bin (lead inspector) und alle schwierigen Entscheidungen treffen muss. Hurra.

Dazu müde und Kopfschmerzen (kein Wunder, wenn man den ganzen Tag durch 4 Etagen Firma gerannt ist) aber das beste was ich machen kann, ist wohl, einen guten Job zu machen und meine schwierigen Entscheidungen auf einer möglichst soliden Grundlage zu treffen (nicht so wie unsere Direktion *hust*).

Tag 3851 und 3852 – Arbeit, Arbeit.

Zu viel Arbeit. Bei der Arbeit alle bekloppt. Chefin verfechtet Dinge, die mehrere von uns absolut nicht wollen, und unsere Argumente gehen einfach gar nicht rein bei ihr. Kurz sagt sie dann, sie habe es verstanden und dann dreht sie sich um und fängt von vorne an mit dem Lobbyieren für bekloppte Ideen.

Heute war dann zu allem Überfluss fast den ganzen Tag Remote-Schulung zu Radiopharmaka, aber das war so Basic, dass es für mich nur sehr wenig Sinn hatte. Andere Chefin wird das aber als unglaublich nützlich abfeiern und nicht verstehen, dass das alles für uns, die wir so 2-3 mal im Jahr Radiopharmaka inspizieren wirklich nicht mal ein Fitzelchen neu war.

Momentan ist der Frust mit meinem Arbeitgeber groß, ja.

Was völlig anderes: hier waren heute +8 Grad und Sonnenschein und es ist sehr viel Schnee geschmolzen, das finde ich sehr gut. Ich brauche jetzt echt keinen Schnee mehr, sondern Frühling. Was aber daran nicht schön war: mir kam im Schlafzimmer direkt eine fette Spinne entgegengetorkelt. Die muss irgendwo aufgetaut sein. Eine von denen, die so laut knacken wenn man sie… Sie wissen schon. Und bei denen man auch mehrere Versuche braucht. Brrrrr mich schüttelt es immer noch.

Tag 3848 und 3849 – Wichtige Dinge weitergeben.

(Gestern habe ich viel zu lange gearbeitet, das war unspannend und doof aber der China-Bericht ist jetzt fertig.)

Von gestern auf heute hatte Pippi Übernachtungsbesuch, von T., mit der sie auch mittwochs beim Tanzen und dann bei der Band ist. Die Mädels hatten viel Spaß und haben mir seit gestern Nachmittag schon ein Ohr abgekaut, dass sie was nähen wollen. Aber gestern war ja dann zu viel Arbeit. Also haben wir das heute gemacht. Und die Mädels haben das super gemacht, mit Anleitung und ein bisschen Hilfe (aber echt nicht soooo viel).

Pippi hat sich die kleine Handytasche gemacht, T. den Einkaufsbeutel.

Das einzige, was ich komplett übernommen habe, war, die Riemen anzunähen. Ansonsten haben die Mädels das selbst gemacht und auch ohne zu murren zwischendurch immer wieder gebügelt.

Ich bin jetzt einen kleinen Teil meiner Stoffreste los. Das ist auch sehr gut. Ich hab echt zu viel Stoff. Und nach ein bisschen Gesuche ist auch mein Tunnel-Umdreh-Dingsi wieder aufgetaucht. Bei diesen ganzen Riemen wäre das sonst echt ätzend geworden. Das Teil war irgendwie aus der Schublade gefallen und unter der Schublade liegen geblieben. Herr Rabe hat es glücklicherweise gefunden, bevor ich irgendwelche Kinder wegen Diebstahlverdachts enterben konnte.

Abends waren wir Erwachsenen in der örtlichen Kneipe, das war auch echt nett. Ein bisschen Freunde treffen und bei einem Bier loses Zeug schnacken. Also nach dem ersten halben Bier fand ich das auch nett, bis dahin war es mir zu laut und zu anstrengend alles. (Ja, das ist sicher nur so semi-gut, das so zu handhaben, aber zum Ausgleich mache ich das maximal alle paar Monate.)

So, morgen ist relativ früh Geigenstunde, deshalb muss ich jetzt schlafen. Gute Nacht.

Tag 3845 – 3847 – Piep.

Wir leben hier alle, aber es ist sehr stressig zur Zeit. Dienstag Elterngespräch mit Pippi, danach Konzert, danach Ballett, gestern Burlesque, an allen Tagen viel Arbeit. Dazu etwas Generve und Eskalation mit Michel, der sich ums Verrecken nicht um einen Platz für ein eintägiges Praktikum/Mikrojob (bezahlt, die Einnahmen gehen in die Klassenkasse) nächste Woche kümmern will oder kann. Er muss schon nur das absolute Minimum machen, nämlich eine klitzekleine Bewerbung für einen Job schreiben, den wir ihm bereits klar gemacht haben. Aber selbst das ist zu viel und führt zu Meltdown. Puh, ey, tja, hmm. Keine Ahnung.

Und ich bin auch einfach hundemüde.

Tag 3843 und 3844 – Rübennase.

Pippi kann nicht schlafen. Gestern waren wir schwimmen, man sollte meinen, danach seien Kinder müde, aber Pippi kann trotzdem nicht schlafen. Letzte Nacht schlief sie deshalb bei uns im Bett – weswegen mindestens ich dann beschissen schlief, sie ist immerhin inzwischen fast 1,50 m groß. Heute Nacht konnte sie auch wieder nicht einschlafen und deshalb schläft sie jetzt mit Herrn Rabe im großen Bett und ich liege in ihrem. Ein Squishmallow liegt neben mir und lächelt mich selig an. Ich hoffe, diese Schlafprobleme sind eine kurze Phase, ich mag mein Bett nämlich.

Bei der Arbeit wird mal wieder umorganisiert. Es ist ein so chaotischer und unstrukturierter und undurchsichtiger Prozess, dass ich jetzt schon wieder keinen Bock mehr habe. Ein anderer Inspektor hat schon angekündigt, sich wegzubewerben, weil er das Damoklesschwert, dass seine Aufgaben eventuell einfach… nicht mehr gemacht werden sollen, nicht erträgt. Verständlich. Sehr, sehr verständlich. Und was das schon wieder alles an Ressourcen frisst. Als hätten wir sonst nichts zu tun. Andererseits… Man sollte vermutlich alles tun, um in einer Organisation, die kein Geld für nichts hat, zu verhindern, dass NOCH MEHR „strategisches Management“ etabliert wird, also noch mehr Leute, die nix tun, außer in Meetings zu sitzen und darüber zu entscheiden, wie man mal wieder was umorganisieren könnte. Und weil‘s Management heißt, kostet der ganze Spaß dann direkt mal ein paar Milliönchen. Während an anderer Stelle in der Organisation, an Stellen, wo tatsächlich was produziert wird, das mehr ist, als heiße Luft, Stellen nicht neu besetzt werden, wenn jemand aufhört – weil wir ja kein Geld haben!

Wenn ich ja den Job an sich nicht so mögen würde, ich hätte denen echt längst die Bude angezündet.

Tag 3837 und 3838 – 2 Grad.

Die Besserungskurve ist da, aber sehr flach. Heute war ich noch mal beim Arzt (gestern war nichts mehr frei) und jetzt bin ich den Rest der Woche krankgeschrieben. Nach diesem Ausflug war ich aber auch reif fürs Sofa und da bin ich auch viel zu früh einfach eingeschlafen. Dafür bin ich jetzt wach.

Ich glaube tatsächlich es ist hauptsächlich Erschöpfung übrig. Das Hauptsymptom scheint sich seit heute erledigt zu haben. Schmerzen habe ich nur noch gelegentlich und nicht mehr so krass.

Heute habe ich dafür aber auch erfahren, dass wir umorganisiert werden sollen (mal wieder, was ist das eigentlich für ein seltsames Hobby in mittleren und großen Organisationen?) und welche Möglichkeiten zur Diskussion stehen und nachdem ich am Handybildschirm wirklich ALLE Dokumente dazu gelesen habe, habe ich eine sehr deutliche Meinung und ich nehme ganz stark an, dass die konträr zur Meinung meiner Chefin ist (genau genommen steht die Meinung meiner Chefin in dem einen Dokument ziemlich unverhohlen drin) und jetzt „freue“ ich mich schon ganz besonders auf Montag. Das wird sicher super. Wenn die Chefin Glück hat, hab ich dann nicht auch noch PMS.

Tag Dingens – Bin wieder da…

… mit einem fulminanten Virus, der [Details erspare ich] und unerträgliche Bauchkrämpfe verursacht. So in dieser Form hatte ich sowas noch nie, ich kann kaum aufrecht stehen und fühle mich eher tot als lebendig. Ich sage Virus, weil der Hausarzt, bei dem ich heute auch schon war, gesagt hat, klingt wie Virus. Da gegen die Schmerzen Paracetamol einfach mal gar nichts tut, habe ich Paracetamol/Codein-Tabletten bekommen und die Kombination 7 Stunden Zeitverschiebung und Codein ist nicht meiner Wachheit zuträglich.

Ansonsten war alles gut. Nur die Rückreise und der Tag davor waren nicht sehr schön bis furchtbar.