Zurück im Büro. Am Schreibtisch, mit der Maus in der linken Hand (nach wie vor trotz eher bescheidener Wirkung). Aber: ohne Kolleg*Innen, die sind nämlich alle auf verschiedenen internationalen Dingen und das heißt: keine Meetings. Was für ein unglaublicher Luxus das ist! Ich schaffe mal richtig was! Heute habe ich fast einen ganzen Report geschrieben, an einem einzigen Arbeitstag! Es ist fast wie Homeoffice, nur ohne Jogginghose mit Kaffeevollautomat und ohne rufende Waschmaschine und mit einem Fitnessraum im Keller. Den habe ich heute mal wegen dollem Aua in der Schulter für mein übliches Training benutzt (mit Hanteln) und das war sehr gut für die Schulter aber auch nicht so schlau, denn irgendwas war heute komisch. Ob ich zu wenig gegessen hatte (eigentlich ganz normal halt) oder ob das Spirale ziehen am Donnerstag noch so nachwirkt, wer weiß das schon, jedenfalls war es alles irgendwie anstrengender als sonst und mein Kreislauf nicht auf der Höhe. Als ich zwischendurch mal kurz dachte, irgendwer hätte am Radio rumgespielt und es leiser gemacht, dauerte es ein paar Sekunden, bis mein träges Hirn schnallte, dass das Radio völlig ok ist, meine Ohren aber nicht, bzw. die wohl auch, aber dass mein Körper im Begriff war, die nicht-kritischen Systeme runterzufahren, ich also gleich aus den Latschen kippen würde. Aber auch mit der Info „Kreislaufproblem!“ machte mein Hirn in dem Moment nicht viel, sondern veranlasste nur, ruhig stehen zu bleiben, die Hanteln festhaltend, bis das Gehör wieder da war. Dann endlich kam ein Signal an, dass ich die Hanteln weglegen und mich hinsetzen sollte und vielleicht was trinken. Das machte ich auch brav alles und der nette Mann den ich vom Radiopharmakateam kenne, fragte ob alles ok sei und da ging es auch schon wieder. Das ganze Erlebnis war jedenfalls eher unangenehm (auch wenn es sich jetzt lustig anhört) und ich werde in Zukunft zu schätzen wissen, da unten beim Training nicht allein zu sein. „Frau fällt in Ohnmacht und bricht sich mit Hantel den Fuß, wird drei Tage später von Ratten angenagt gefunden“ muss ja nicht unbedingt in der Zeitung stehen.
Arbeit
Tag 1548 – Kurzer Abstecher.
War heute im Büro. Gefühlt das erste mal seit zweieinhalb Wochen (letzte Woche Montag zählt nicht so ganz). Lustig da. Leider viel zu viele Leute die „nur mal kurz“ was von einer wollen und am Ende hat man irgendwie nur 1/3 von dem geschafft was man hätte schaffen wollen und sollen. Tjanun, ne? Wird alles schön aufgeschrieben, ich sammle das jetzt in einer Tabelle mit dem Titel „Zeitfresser“. Alles, was nicht in meiner Stellenbeschreibung stand, ich aber trotzdem machen muss. Und glauben Sie mir, das ist nicht wenig und ein so bunter Strauß an Problemstellungen, dass ich hin und her gerissen bin zwischen Jauchzen wegen Abwechslung und Herausforderungen und Weinen wegen Ahnungslosigkeit und Überforderung. Ich sammle das, weil ich meine Arbeitsbelastung sichtbar machen möchte, bevor es wieder heißt „und in welchen Gruppen möchtest du sonst noch beitragen?“. Because ain’t nobody got time for that. Außerdem kann man mit so ner Übersicht eventuelle neue Stellenbeschreibungen besser machen und hat genauere Zahlen zur Hand wenn es um die Einstellung neuer allwissender Inspektøre geht.
Genug des Gemeckers. Morgen Homeoffice mit Arzttermin, etwas länger schlafen und ich hege Hoffnung wenigstens noch schnell im Einkaufscenter eine neue Handyhülle besorgen zu können, wenn ich schon mal da bin. Meine hat nämlich, wie in so nem Werbevideo für Fahrradhelme, einen Sturz sehr effektiv abgewehrt, ist aber dabei selbst kaputt gegangen. Nach 10 Monaten, der Geiz, die Umwelt, alles schreit aber immer noch besser als eventuell ein neues Handy zu brauchen, weil es doof auf die Kante gefallen ist.
Tag 1542 – Work, eat, sleep, repeat.
Ok, diese Woche ist sogar noch anstrengender als die letzte. Ganz einfach, weil ich um viertel vor sechs aufstehen muss und eineinhalb Stunden Reise zum Hersteller habe. Da bleibt einfach kaum was übrig vom Tag. Zu erzählen hat man auch nix. Dazu trägt bei dass der Körper sein übliches Programm durchzieht und ich hormonbedingt kleineren Säugetieren den Kopf abbeißen möchte.
Passt dann auch zu Halloween.
Aber das mag ich ja eigentlich gar nicht.
Tag 1541 – Keine Filmchen.
Also mit Kollegin Begehung machen ist meist in der eingeplanten Zeit erledigt.
Mit dem Kollegen hingegen…
Vielleicht liegt es auch an mir.
Jedenfalls dauerte das alles viel länger als geplant. Dafür habe ich ganz viel gelernt, gabz ganz viel. Also wirklich viel. (Nachdem übrigens, das muss ich vielleicht dazu sagen, meine YouTube-Suche gestern nicht erfolgreich war und ich am Ende das nötigste aus Werbekatalogen für Tablettenpressmaschinen zusammenkratzte.)
Jedenfalls war der Tag lang und die Beine sind jetzt müde und der Schrittzähler hat von dem ganzen Gerenne nichts mitbekommen, weil er leider im Spind warten musste.
Das Gehirn ist auch müde, aber aufgekratzt.
Hoffen wir mal alle auf guten Schlaf, drücken Sie mir die Daumen, ich kann es echt gebrauchen. Also eine Nacht guten Schlafes.
Tag 1540 – Ermittlungen.
Frau Rabe ist wieder auf Inspektion. Es ist wieder was völlig anderes, wieder ganz geheim und ich muss jetzt ein YouTube-Filmchen gucken über verschiedene Arten von Tablettierungsanlagen. Zum ersten Mal das Gefühl, etwas mehr Pharmazie wär nicht schlecht gewesen so im Studium, andererseits werden Biologika halt einfach nicht in Tabletten gepresst, also YOLO, YouTube, Mut zur Lücke zu doofen Fragen und meine Zeit wird kommen. (Go, norwegische Biologika- und ATMP-Szene, go!)
Tag 1535 – Tick, Tick, Tick…
Heute viele Dinge abgehakt. Viel geprökelt und ein paar Kleinigkeiten zutage gefördert, wie das halt so ist, als Inspektørin.
Mir macht das tatsächlich Spaß, am liebsten ist mir wenn ein bisschen Fahrt in die Sache kommt und man von Sache zu Sache springt und zurück und am Ende hat man hoffentlich mehr geschlossene als lose Enden. Klingt verwirrend, aber mit einem einigermaßen organisierten Notizensystem geht das ganz gut.
Nur zu erzählen hat man halt nix. Also nix, was man ins Internet schreiben darf.
Jetzt Bett. Schlafen wird schön. Das Kasernenbett ist nämlich wirklich gemütlich.
Tag 1534 – Welcher Tag ist noch mal?
Mittwoch. Oha, schon 3/5 Inspektion rum und gefühlt noch nix geschafft.
Man muss wahrscheinlich ein bisschen verrückt sein, um diesen Job zu mögen.
Der Tag begann mit äußerst geringem Wasserdruck in unserem Hotel, und bei meinem Kollegen, der ein Stockwerk höher wohnt, machte es gar nur Schluuurrrrrps in der Leitung und es kam kein Tropfen raus – Wasserrohrbruch in kommunaler Leitung. Vom Frühstück nahm der Kollege dann ein Glas Wasser mit, damit er sich wenigstens die Zähne putzen konnte. Bei mir reichte es fürs Zähneputzen, aber Hände waschen war schon mehr Geduldsprobe als alles andere. Tjanun.
Dann Inspektion, Inspektion, Sendung-mit-der-Maus-Feeling, Inspektion, Pizza, Inspektions-Nachbesprechung.
Köpper ins Bett und kurz ein bisschen schlafen.
Diese Woche kein Sport weil hahahahahahahaha.
Nächste Woche wird dagegen wahrscheinlich sogar halbwegs entspannt. Vielleicht kaufe ich vorher noch so ein Nackenhörnchen, dann kann ich auf meiner einstündigen Zugfahrt pro Weg schon mal vorschlafen.
Ich werd jetzt schlafen und von Stillingsinstruks und Site Master Files träumen.
Tag 1533 – So aufregend!!! (2.)
Ich würde ja gerne von meinem Tag berichten, aber das ist alles ganz geheim, leider. Aber es war total spannend, ich habe Maschinen gesehen, die ich noch nie von so nah gesehen habe, so nah, ich hätte den Arm reinstecken (und derbe zerquetscht bekommen) können! Abgefahren! Ich komme kaum drüber weg.
Außerdem hatten wir Glück und ein Reaktor war schon leer, aber noch nicht sauber gemacht und wir durften mal richtig den Kopf reinstecken. (Allerdings, naja, das ist im Prinzip auch halt einfach ein übergroßer Thermomix.)
Allerdings bin ich nach Begehung von halb zehn bis viertel vor fünf, unterbrochen nur von Mittagessen, auch völlig fertig. Platte Füße und im Kopf gut durchgerührt.
Tag 1532 – So aufregend!
Leute, ich liebe diesen Job, auch wenn er anstrengend ist, aber ich bin morgen wieder quasi live bei der Sendung mit der Maus dabei, es ist so spannend!!! Hoffentlich erwischt mich keiner, wie ich fasziniert mit leuchtenden Augen vor den Abfüllanlagen stehe und vor lauter BOAAAHHHH gar nicht weiß, was ich fragen soll.
Des Weiteren mache ich „lustige“ Ausflüge in die Hotels Norwegens, diese Woche sind wir in einem sehr alten Gebäude und das sieht auch genau so aus. Nen Spiegel (außer im Bad) gibt es nicht, auch keinen Schrank und kein Bügeleisen, ich habe eben also extra heiß geduscht und dann meine leicht kofferzerknitterte Bluse in den Wasserdampf gehängt, auf das sie morgen wieder halbwegs glatt sei.
Jetzt liege ich sauber und warm im Bett und merke, dass ich gestern Nacht total beschissen geschlafen hab, also sage ich lieber gute Nacht!
Tag 1529 – Mehr Alltag.
Viel Kleinscheiß bei der Arbeit weggerödelt, bevor ich zwei Wochen lang quasi nicht im Büro sein werde. Leider hört der Kleinscheiß nie ganz auf und ich und meine Kollegin werden trotz all meiner Bemühungen eben weil wir jetzt zwei Wochen lang nicht da sind eine Frist reißen. Das stresst mich, lässt sich aber nicht (mehr) ändern, die Kollegin hat halt heute ihren eigenen Kleinscheiß gehabt.
Abends mit Michel zusammen auf dem Sofa eingeschlafen, wir wollten uns nur ganz kurz hinsetzen und Zack… aber nur für ca. 30 Minuten, dann war Pippi, die kleine Dreckspatz, mit Baden fertig.
Apropos baden. Die Tage der Kinderklappbadewanne sind gezählt, sie hat einen Riss. Leider geht ja momentan jede Øre die übrig ist aufs Auto-Konto. Ich möchte immer noch so gerne eine Badewanne haben. Und einen Durchlauferhitzer. Und Starkstrom im Bad, für den Durchlauferhitzer. Und überhaupt.
Mit Herrn Rabe „Exit“ geguckt, also zwei Folgen, eine norwegische Serie über superreiche Banker. Das hatte uns die Babysittermama empfohlen, aber vor den ersten 5 Minuten gewarnt, die seien echt übel. Ich sag es mal so: die Norweger sind ja schon irgendwie putzig. Ernsthaft, Ja, also da bumsen zwei recht explizit und man sieht einen erigierten Penis. Huiuiuiuiui. Übel! Penis. Hihi. Die Serie ist auch… naja. Überzogen, dabei aber wenig lustig. Sorry, norwegisches Fernsehen.
Morgen „ausschlafen“. So wie man eben ausschlägt mit Kindern. Aber besser als um halb sechs vom Wecker geweckt werden allemal.