Tag 1585 – Schon viel besser.

Heute war unsere kleine Inspektorats-Weihnachtsfeier. Und gemessen daran, wie ich noch im Sommer nach dem Sommerfest abstand, war das richtig gut. Möglicherweise hab ich zu viel getrunken und auch zu viel geredet, aber was soll’s. Hauptsache nicht aus den Latschen gekippt eine wirklich gute Zeit gehabt.

Auch viel besser: trotz Medikament noch wach geblieben und halbwegs konzentriert arbeiten können.

Super gut: Halbjahresbeurteilung von Michel. Kind kann alles, super Kind, weiter so.

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Ach, eins: ich hab nach dem dritten Bier meinen Senior Inspector-Kollegen gegenüber zugegeben, dass ich eine bestimmte Anfrage zu beantworten super schwer finde und das deshalb wegprokrastiniere. Weil ich keine Ahnung hab. Stellt sich raus: haben die auch nicht, weil es da nix zu ahnen gibt und die Devise ist nun, möglichst wenig konkretes in möglichst kompetent klingenden Worten zu vermitteln und ansonsten auf eine baldige Gesetzesänderung zu hoffen.

Tag 1577 – Hab dich!

Ok, dass Herr Rabe am Abend vor meinem MRT-Termin nicht da sein würde war so nicht geplant. Und ich sag es mal so: der neue Ohrring, der „ganz leicht“ auf und zu geht, geht überhaupt gar nicht leicht auf und zu. Ich musste erst ein paar Verzweiflungstränen darüber vergießen, bis ich auf die Idee kam, ihn mit der Spreizzange aufzubiegen. Dann ging er auf, aber zu bekam ich ihn trotzdem wieder nicht, obwohl ich ihn dann ja in der Hand hatte. Das muss ich wohl noch ein paar mal üben. Aus Spaß guckte ich dann mal, ob der Ring denn nun überhaupt magnetisch ist und Überraschung:

Ja.

Der Ring an sich ist aus Chirurgenstahl und nicht magnetisch, aber das Schließsegment ist mit einem winzigen Scharnier angebracht und das ist offenbar aus einem magnetischen Metall. Das hätte morgen echt weh tun können.

Das Zungenpiercing hingegen ist immer noch drin. Ich hab da keine Chance, auch mit zwei Zangen nicht. Keine Ahnung, was ich noch machen soll, ein Piercingstudio das morgens auf hat, gibt’s in Hamar, wo das MRT-Labor ist, nicht. Vielleicht haben sie einen Dremel da oder so.

Wie sehr ich keine Lust hab, mir morgen den Hohn der Praxis anzuhören, kann man sich vermutlich in etwa vorstellen.

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Was war sonst? Letzte Inspektion des Jahres gut überstanden. Möchte meine Kollegen aber irgendwie gern ein bisschen schütteln, weil ich Montag noch fragte, was wir antworten sollen, wenn Die Frage(TM) der Qualitätschefin kommt und keine Antwort bekam und heute als Die Frage(TM) kam, guckte mich dann nicht nur die Qualitätschefin erwartungsvoll an sondern auch die Kollegen. Hallo? Bin ich hier die mit Ahnung oder die? Ich hab schon auch was geantwortet aber meine Güte wir hatten zu dem Thema Meetings in verschiedenen Zusammensetzungen und haben keine Antwort gefunden. Was sagt man da, so als Behörde? „Keine Ahnung“ ist nicht gut, rumeiern auch nicht, schwafeln erst recht nicht. Meh.

Manchmal, da möchte ich allein auf einer einsamen Insel leben.

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Wir haben mal wieder Bettzeug gewaschen und aus irgendeinem Grund riecht der Trockner innerlich wie schlecht gewordene Nudeln. So roch dann auch das Bettzeug. Das ist sehr eklig. Gut, dass ich seit Stoffwindeltagen weiß, dass Teebaumöl absolut jeden Geruch übertüncht killt, also ein paar Tropfen Teebaumöl auf einen Waschlappen getropft und noch mal 10 Minuten den Trockner samt Bettzeug laufen lassen und jetzt erinnert mich mein Bett zwar an picklige Teenager-Tage aber immerhin riecht es nicht mehr nach gammligen Nudeln.

Tag 1564 – Bisschen kurz.

…meine Zündschnur heute.

Gefühlt den ganzen Tag nur Augen gerollt. Gestern auch schon. Und vorgestern. Ich sollte das mit dem Twitter wirklich einfach lassen, wenn ich Phasen habe, in denen ich

  • Geschwurbel
  • Verschwörungstheorien
  • Sich widersprechende Aussagen von ein und derselben Person
  • Unsachlichkeit
  • Fehlinformation
  • Völlige Unfähigkeit einiger, über ihren Tellerrand zu schauen

wirklich nicht ertragen kann. Manchmal geht das besser, aber im Moment hab ich wieder mal eine Phase wo ich mir eine Welt voller Roboter wünsche. Ich stelle mir Kommunikation mit Maschinen überaus angenehm vor.

Im echten Leben auch nicht besser, bei der Arbeit alle irre und keiner hört irgendwo zu.

Kleine Anekdote, woran sich mein Kopf momentan wieder sehr aufhängt: wir haben einen Evaluierungsfragebogen bekommen, ob wir unsere bescheuerte Stillarbeitszeit behalten wollen. Und dann fragen die da: „Hast du durch die Stillarbeitszeit am Morgen mehr Konzentrationszeit bekommen?“ Und sie meinen: wurdest du weniger zu Meetings eingeladen, haben weniger Leute im Büro laut gesprochen oder geflüstert, warst du mehr ungestört? Aber das schreiben sie nicht und im Moment muss ich wieder Energie drauf verwenden, drüber nachzudenken, was sie meinen, aber nicht schreiben. (Am Ende habe ich mich trotzdem dazu entschieden, die Frage zu beantworten, so wie sie da steht, nämlich mit „Nein, ich kann mich nämlich eh morgens nicht gut konzentrieren und könnte da viel besser Meetings haben.“)

Oft geht das besser, dann ist auch die Zündschnur länger, das macht nämlich müde, dieses Reininterpretieren in Ungesagtes.

Vielleicht bin ich auch einfach urlaubsreif.

Dreieinhalb Wochen noch.

Aber die Kinder haben mich heute zum Lachen gebracht. Michel hat wieder einen Winkezahn und Pippi hat sich im Kindergarten einen Smiley mit Ohren auf den nackten Bauch gemalt. Die sind schon super, die zwei.

Tag 1563 – Einer dieser Tage …

… an denen ich abends nachgucken muss, welche Zahl wohl dran ist, weil mein Hirn nicht mehr will, auch keine einfachen Sachen wie zählen.

Seit 21:45 Uhr bin ich wieder zu Hause. Hier ist es ja doch am Schönsten. Auch wenn so ne Nacht allein in einem großen Hotelbett schon auch was für sich hat. Ab und an.

Mein Ohr tut nicht mehr so doll weh. Ich vermute, es hat geholfen, dass ich es gestern Abend (ich konnte tagsüber schon nicht mehr lächeln, ohne dass es im Ohr zog) mit heißem Wasser gründlich ausgespült habe. Jedenfalls war es danach zwar warm aber schon viel besser. Und die Nacht auf dem weichen Hotelkissen hat ihr übriges getan. Puh.

Morgen wieder Physiotherapie. Passt mir eigentlich zeitlich gar nicht in den Kram aber was will man machen.

Jetzt Bett. In 6 Stunden und 9-36 Minuten klingelt der Schlafphasenwecker.

Tag 1554 – Keine Bilder.

Ganz ehrlich, mein Tag war so langweilig, ich weiß nicht, wovon ich 12 Bilder hätte machen sollen. Ich bin früh aufgestanden (nachdem ich die letzte Stunde in Pippis Bett geschlafen hatte, weil sich in unserem Bett die Kinder auf mir zu stapeln versuchten), habe Frühstück für die Kinder und Kaffee für die Erwachsenen gemacht, habe mich angezogen, gewaschen und geschminkt, habe Kinder halb aus dem Bad mit Frühstück versorgt und nahezu ohne Motzen mit nur 7 Minuten Verspätung samt Herrn Rabe aus dem Haus bekommen (ok, Herr Rabe hat da auch zu beigetragen) und dann die Meute mitsamt all ihren Schlitten an/in ihren Betreuungseinrichtungen abgeliefert. Herrn Rabe habe ich am Zug rausgelassen. Weil die Züge zu vollen Stunde immer (!) auf den entgegenkommenden Zug warten, der ebenfalls zur vollen Stunde ankommt, habe ich den Zug um 8 noch bekommen, obwohl ich erst um 07:59 einen Parkplatz gefunden hatte. Juhu!

Dann Arbeit, da habe ich zwei Dinge getan, eine war mir wichtig und hat unerfreuliches zutage gefördert, eine war meiner Teamchefin wichtig und hat ebenfalls unerfreuliches zutage gefördert. Über beides kann ich leider nicht genauer schreiben.

Abends im Dunkeln und im Schnee und in der Kälte nach Hause gekommen, ich bin wirklich noch nicht so weit wieder für ein paar Monate draußen nur weißbraungrau zu sehen. Sowohl morgens als auch nachmittags daran gedacht, dass wir vielleicht bald alle ewige Sommerzeit kriegen, wenn die skandinavischen Länder nicht an einem Strang ziehen und das verhindern. Um acht Uhr morgens dämmerte es gerade so, um halb vier, als ich mir ein(ein?) Scone(s?) holte, schon wieder – wo doch immer das Argument ist, man könne noch so lange raus wenn die Uhrzeit zu der die Sonne untergeht, später heißt. Ewige Sommerzeit hieße für uns zur schlimmsten Zeit um 10:20 Sonnenaufgang und Untergang trotzdem um 16:10. Trondheim: 11-15:30. Sonnenaufgang nach 10 Uhr kann niemand ernsthaft wollen. Umgekehrt fände ich gar nicht so schlecht, wenn die Kinder im Juni nicht um 21:30 aus dem Fenster gucken würden und behaupten, Schlafenszeit könne ja noch gar nicht sein, es sei ja noch hell – selbiges gilt für meinen eigenen Biorhythmus, der unsinnig findet, im Hellen ins Bett zu gehen. Aber ich harre da der Dinge, die da kommen, mehr als hoffen, dass auf die Wissenschaft* gehört wird, zumindest hier oben im Norden, kann man ja nicht.

Abends die Kinder ins Bett gebracht. Peppa Pig vorgelesen. Herr Rabe war bei der Sitzung des Räumvereins und stellte fest, dass effektive Meetings in anderen Leben eine eher untergeordnete Rolle spielen. Sowas halt. Alltag halt.

Insgesamt aber kein Tag für 12 Bilder.

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*ja, Tagesspiegel ist nicht Pubmed. Aber darin finden sich Links für die interessierte Weiterleserin und ansprechend und verständlich aufbereitet ist es auch.

Tag 1553 – Besserer Alltag.

Zurück im Büro. Am Schreibtisch, mit der Maus in der linken Hand (nach wie vor trotz eher bescheidener Wirkung). Aber: ohne Kolleg*Innen, die sind nämlich alle auf verschiedenen internationalen Dingen und das heißt: keine Meetings. Was für ein unglaublicher Luxus das ist! Ich schaffe mal richtig was! Heute habe ich fast einen ganzen Report geschrieben, an einem einzigen Arbeitstag! Es ist fast wie Homeoffice, nur ohne Jogginghose mit Kaffeevollautomat und ohne rufende Waschmaschine und mit einem Fitnessraum im Keller. Den habe ich heute mal wegen dollem Aua in der Schulter für mein übliches Training benutzt (mit Hanteln) und das war sehr gut für die Schulter aber auch nicht so schlau, denn irgendwas war heute komisch. Ob ich zu wenig gegessen hatte (eigentlich ganz normal halt) oder ob das Spirale ziehen am Donnerstag noch so nachwirkt, wer weiß das schon, jedenfalls war es alles irgendwie anstrengender als sonst und mein Kreislauf nicht auf der Höhe. Als ich zwischendurch mal kurz dachte, irgendwer hätte am Radio rumgespielt und es leiser gemacht, dauerte es ein paar Sekunden, bis mein träges Hirn schnallte, dass das Radio völlig ok ist, meine Ohren aber nicht, bzw. die wohl auch, aber dass mein Körper im Begriff war, die nicht-kritischen Systeme runterzufahren, ich also gleich aus den Latschen kippen würde. Aber auch mit der Info „Kreislaufproblem!“ machte mein Hirn in dem Moment nicht viel, sondern veranlasste nur, ruhig stehen zu bleiben, die Hanteln festhaltend, bis das Gehör wieder da war. Dann endlich kam ein Signal an, dass ich die Hanteln weglegen und mich hinsetzen sollte und vielleicht was trinken. Das machte ich auch brav alles und der nette Mann den ich vom Radiopharmakateam kenne, fragte ob alles ok sei und da ging es auch schon wieder. Das ganze Erlebnis war jedenfalls eher unangenehm (auch wenn es sich jetzt lustig anhört) und ich werde in Zukunft zu schätzen wissen, da unten beim Training nicht allein zu sein. „Frau fällt in Ohnmacht und bricht sich mit Hantel den Fuß, wird drei Tage später von Ratten angenagt gefunden“ muss ja nicht unbedingt in der Zeitung stehen.

Tag 1548 – Kurzer Abstecher.

War heute im Büro. Gefühlt das erste mal seit zweieinhalb Wochen (letzte Woche Montag zählt nicht so ganz). Lustig da. Leider viel zu viele Leute die „nur mal kurz“ was von einer wollen und am Ende hat man irgendwie nur 1/3 von dem geschafft was man hätte schaffen wollen und sollen. Tjanun, ne? Wird alles schön aufgeschrieben, ich sammle das jetzt in einer Tabelle mit dem Titel „Zeitfresser“. Alles, was nicht in meiner Stellenbeschreibung stand, ich aber trotzdem machen muss. Und glauben Sie mir, das ist nicht wenig und ein so bunter Strauß an Problemstellungen, dass ich hin und her gerissen bin zwischen Jauchzen wegen Abwechslung und Herausforderungen und Weinen wegen Ahnungslosigkeit und Überforderung. Ich sammle das, weil ich meine Arbeitsbelastung sichtbar machen möchte, bevor es wieder heißt „und in welchen Gruppen möchtest du sonst noch beitragen?“. Because ain’t nobody got time for that. Außerdem kann man mit so ner Übersicht eventuelle neue Stellenbeschreibungen besser machen und hat genauere Zahlen zur Hand wenn es um die Einstellung neuer allwissender Inspektøre geht.

Genug des Gemeckers. Morgen Homeoffice mit Arzttermin, etwas länger schlafen und ich hege Hoffnung wenigstens noch schnell im Einkaufscenter eine neue Handyhülle besorgen zu können, wenn ich schon mal da bin. Meine hat nämlich, wie in so nem Werbevideo für Fahrradhelme, einen Sturz sehr effektiv abgewehrt, ist aber dabei selbst kaputt gegangen. Nach 10 Monaten, der Geiz, die Umwelt, alles schreit aber immer noch besser als eventuell ein neues Handy zu brauchen, weil es doof auf die Kante gefallen ist.

Tag 1542 – Work, eat, sleep, repeat.

Ok, diese Woche ist sogar noch anstrengender als die letzte. Ganz einfach, weil ich um viertel vor sechs aufstehen muss und eineinhalb Stunden Reise zum Hersteller habe. Da bleibt einfach kaum was übrig vom Tag. Zu erzählen hat man auch nix. Dazu trägt bei dass der Körper sein übliches Programm durchzieht und ich hormonbedingt kleineren Säugetieren den Kopf abbeißen möchte.

Passt dann auch zu Halloween.

Aber das mag ich ja eigentlich gar nicht.

Tag 1541 – Keine Filmchen.

Also mit Kollegin Begehung machen ist meist in der eingeplanten Zeit erledigt.

Mit dem Kollegen hingegen…

Vielleicht liegt es auch an mir.

Jedenfalls dauerte das alles viel länger als geplant. Dafür habe ich ganz viel gelernt, gabz ganz viel. Also wirklich viel. (Nachdem übrigens, das muss ich vielleicht dazu sagen, meine YouTube-Suche gestern nicht erfolgreich war und ich am Ende das nötigste aus Werbekatalogen für Tablettenpressmaschinen zusammenkratzte.)

Jedenfalls war der Tag lang und die Beine sind jetzt müde und der Schrittzähler hat von dem ganzen Gerenne nichts mitbekommen, weil er leider im Spind warten musste.

Das Gehirn ist auch müde, aber aufgekratzt.

Hoffen wir mal alle auf guten Schlaf, drücken Sie mir die Daumen, ich kann es echt gebrauchen. Also eine Nacht guten Schlafes.

Tag 1540 – Ermittlungen.

Frau Rabe ist wieder auf Inspektion. Es ist wieder was völlig anderes, wieder ganz geheim und ich muss jetzt ein YouTube-Filmchen gucken über verschiedene Arten von Tablettierungsanlagen. Zum ersten Mal das Gefühl, etwas mehr Pharmazie wär nicht schlecht gewesen so im Studium, andererseits werden Biologika halt einfach nicht in Tabletten gepresst, also YOLO, YouTube, Mut zur Lücke zu doofen Fragen und meine Zeit wird kommen. (Go, norwegische Biologika- und ATMP-Szene, go!)