Tag 604 – Wiesu denn bluß?

Warum denn nur muss immer kurz vor Urlaub alles so stressig sein? Heute so

  • Kinder wegbringen
  • Blutprobe nehmen lassen 
  • Dafür erst lange mit der Gesundheitssekretärin herumdiskutieren und dann noch länger im Wartezimmer herumwarten 
  • Dann noch mit der Schwester diskutieren. Grund der Diskutiererei: die Gesundheitsbehörden haben die Bezeichnung eines Antikörpers auf ihren Formularen geändert, aus TRAS ist jetzt anti-TSH-r geworden. Das herauszufinden hat mich 10 Sekunden Google gekostet, die Schwester sah sich offenbar zu diesem Schritt nicht in der Lage.
  • Viel zu spät bei der Arbeit aufschlagen und leicht hektisch herumarbeiten
  • Nach Hause den Bus nehmen, weil keine Zeit keine Zeit, dann braucht der Bus enervierend lange
  • Auto holen, Kinder abholen (ahhhh, keine Zeit, los, zack, Pulli an, Mütze auf, komm jetzt, Pulli anziehen, Michel, hallo, den Pulli…)
  • Michel in Windeseile Geburtstagsfertig machen (saubere Klamotten, Hände waschen, Haare kämmen) und direkt wieder los
  • Michel beim Geburtstag abliefern, wieder nach Hause gurken
  • HUNGER!!! 
  • Essen
  • Löcher in den Schneckenboxdeckel prokeln, dabei ein Messer verbiegen
  • Herr Rabe holt schon mal Erde aus dem Keller
  • Herr Rabe geht zum Treffen mit den Nachbarn wegen des Umbaus
  • Ich prokele weiter und versuche auf Pippi aufzupassen
  • Schnecken umsetzen, füttern, einsprühen, Deckel drauf, los gehts
  • Oh, Pippi braucht erst noch eine frische Windel
  • Pippi braucht außerdem noch Creme auf den Po und Zuspruch und Trost
  • Ahhh, schon so spät
  • Pippi ruppig bei Herrn Rabe abliefern, Schnecken anschnallen, Michel abholen
  • Michel will, obwohl ich wegen der Wickelaktion fast 15 Minuten zu spät bin, nicht nach Hause
  • Schnecken dem Geburtstagskind zeigen, das Geburtstagskind schwer beeindrucken
  • Michel und Schnecken ins Auto und anschnallen, zur Kollegin L. Fahren
  • „Mama, ich freue mich nur ein bisschen auf Urlaub, weil in Bielefeld keiner meine Sprache spricht.“ (Sowas sagt er auf norwegisch, denn „seine“ Sprache ist: Norwegisch.)
  • Schnecken abliefern, nach Hause fahren, Michel schläft ein
  • Michel die Treppe hochschleppen und ins Bett verfrachten, umziehen, zudecken
  • Uffz
  • Rödeln in der Küche 
  • Wäsche aufhängen
  • Mit Herrn Rabe halb scherzhaft KW19-Dinge besprechen, dann rödelt Herr Rabe auf dem Dachboden und im Keller wegen des *mieeep* Umbaus (ich sagte heute schon zu Herrn Rabe, dass ich Strichliste führen sollte, wie oft mich dieser Umbau abnervt)
  • Unseren Samstag Abend in Oslo abklären
  •  Wäsche anwerfen
  • Müde, ach nee, Brotdosen machen
  • Ab ins Bett

Meh. Gefühlt nix geschafft von der tatsächlichen urlaubsvorbereitung.

Tag der 602 – Gemischtes, aber viel davon

Begegnung beim Kaffee holen auf dem Weg zur Arbeit (zu Fuß, weil ich’s kann).

Ich: *betrete den Laden und stelle auf dem Weg schon die Kaffeemaschine an, ich routiniert coole Sau* „Einen großen Kaffee Latte bitte. Ich bezahle mit dem Handy.“

Kassenmensch: „Rrrrååååkul! [Endcool!] Yeah! Mobilepay! Endlich passiert hier mal was. Wissen Sie, es ist hier vormittags so langweilig…!“

Ich: „Hehehe, ja, haha, das, äh, verstehe ich. Danke und äh, tschüss.“ *kriegt Augenbrauenkrampf*

___

Der Thermoblock bei der Arbeit ist kaputt. Ohne Deckel heizt er, wenn man aber den Deckel draufmacht, heizt plötzlich nur noch der Deckel. Wenn man das dann aber bei 95 °C macht, fliegt die Sicherung raus, weil der Deckel viel zu heiß wird. Yeah.

___

Von meinen einstmals 40 Mikrogramm mRNA sind nach diversen Aufreinigungsschritten nur noch 7,7 Mikrogramm übrig und das frustriert mich ungemein. Orr. So sehr, dass ich möglicherweise mit dem Knie ein bisschen gegen den Schrank getreten habe, der unter dem NanoDrop (Konzentrationsmessdingsi, Anm. d. Red.) steht. Ich habe vielleicht sogar laut geflucht. Und eventuell ging währenddessen ein Professor an mir vorbei und sagte sowas wie „Nanana, so schlimm wirds schon nicht sein.“

___

Pippi musste heute schon wieder wegen Phantomfieber aus dem Kindergarten abgeholt werden. Zu Hause hatte sie dann 37,4 °C und spielte fröhlich, so berichtet Herr Rabe. Ich bin von der Fiebermesserei wegen „sie war etwas schlapp“ inzwischen mehr als abgeneigt und freue mich deshalb schon auf das Elterngespräch nach Ostern.

___ 

Weil ich Herrn Rabe mit der Kinderwache ablösen musste, weil der einen wichtigen Arbeitstermin hatte, musste ich unbedingt den einen Bus um 12:41 bekommen. Um 12:32 dachte ich, es wäre ja gar kein Problem, noch schnell einen Kaffee zu holen. Um 12:37 stand ich mit dem fertig getankten Kaffee in der Schlange. Vor mir 6 (!) Leute. So viele sind da sonst nie! Um 12:39 waren gerade mal 2 Leute abgefertigt und ich wurde zunehmend nervös. Um 12:40 sah ich den Bus. In Nanosekundenschnelle spielte mein Kopf die Optionen durch: Kaffee stehen lassen und losrennen (der gute Kaffee!); einfach so losrennen (DIEBIN!!!); den Bus ziehen lassen und ein Magengeschwür kriegen, weil ich nie für mich einstehe (ach nee); Bescheid sagen. Die letzte Option schien mir praktikabel, ich kaufe da jeden Tag ein bis zwei Kaffee, die kennen mich da alle. Ich scherte also aus der Schlange aus und rief der Kassiererin über den Tresen zu: „Du, sorry, ich bezahle den Kaffee hier morgen, ich muss den Bus kriegen, der da gerade kommt!“ Und rannte los, Kaffee in der Hand, im Rennen ein Busticket auf dem Handy kaufend, im Umdrehen hörte ich noch die Kassiererin „Oh, äh, okey…?“ Sagen. Der Busfahrer hatte mich rennen gesehen und netterweise gewartet, er war ja auch ne ganze Minute zu früh. Und so konnte ich dann an Herrn Rabes Arbeit Pippi im Kinderwagen in Empfang nehmen, drei Minuten vor Herr Rabes Meeting. Vereinbarkeit. So schön.

___

Michel hatte heute ein Play date nach dem Kindergarten. Ich holte ihn von da ab, und war auch nur ganz kurz lost in norwegische Wohnsiedlung:


Der erste Bonus: Ich konnte alleine Auto fahren und obwohl ich beim schlimmsten Laden der Welt (Spielzeug’sim’ma) war um glitzernde Bügelperlen* zu kaufen, war das richtig schön. Ich liebe alleine Auto fahren. Der zweite Bonus: ich durfte die Katze bei Michels Kumpel streicheln. Eine ultra flauschige und tiefenentspannte (4 Kinder) Maine-Coon. Hachja. Ich hätte so gerne wieder ne Katze. Vielleicht in der nächsten Wohnung.

___

Michel ist im Moment total geschlechterfixiert. Alles muss unterteilt sein in Junge/Mädchen. Farben, klar, Haarschnitte, Kleidung, klar, Tiere, selbst die dämliche geschlechtslose Babypuppe, die zwischen den Beinen mit nichts als einem glatten Plastikhügel glänzt, „ist ein Mädchen, weil die hat lange Wimpern“. SPRACH DAS KIND MIT DEN LANGEN, DUNKLEN WIMPERN! Mich bringt das total auf die Palme, da redet man sich viereinhalb Jahre den Mund fusselig und dann besteht das Kind doch drauf, dass das Badezeug mit dem rosa Tintenfisch drauf eben für Mädchen ist, weil rosa. Ahhhhhhhh.

___

Noch was, was mich auf die Palme bringt: Michel hat im Kindergarten einen Kameraden, der genauso alt ist wie er. Die Eltern sind noch recht jung (also deutlich jünger als wir, würde ich sagen) und seit ca. Nem Jahr getrennt. Und scheinbar läuft es bei den Eltern nicht so rund nach der Trennung, die Kinder sind unruhig und klammern extrem und werden im Gegenzug von beiden Seiten mit Kram überhäuft. Und Michel möchte dann natürlich (wie alle anderen Kindergartenkinder auch) den gleichen Kram haben. Sowas wie „Wir kaufen keine Obst-Quetschies“ kann ich ja noch sachlich erklären und dabei ruhig bleiben, aber heute ist mir wirklich alles aus dem Gesicht gefallen, weil Michel meinte, zum Geburtstag bekäme er ein Handy. Weil der M.** ja auch eins hat. Sind denn alle verrückt geworden?

___

Sehr viel schöner: die Schlaf-Gut-App. Ich bin Fan. Es ist im Grunde eine einfache Geschichte, wie ein Bilderbuch, nur zum klicken. Ganz ruhig vorgetragen von einer sonoren Männerstimme. Eine kleine Eule findet einen Zirkus, da wohnen viele Tiere und alle sind müde. Die Tiere können alle ein bis zwei kleine Kunststücke und dann muss man das Licht ausmachen, der Erzähler sagt Gute Nacht und die Tiere schlafen ein. Wenn alle schlafen, kann auch die kleine Eule schlafen gehen. Ich kann dabei auch herrlich wegdösen***, oder ich höre Pippi dabei zu, wie sie professionell mitkommentiert, oder ich entdecke mit Michel neue Sprachen****. Aber als mir Herr Rabe heute erzählte, dass Michel immer wenn er das Licht selbst ausmacht bei den Tieren sagt „Ich hab gewonnen“, musste ich herzlich lachen. So gesehen, gewinnen wir hier öfter mal alle beim Einschlafbegleiten gegeneinander…

___

*weil „Mama, ich hab dir was geperlt, aber ohne Glitzer, weil die M., die hat alle Glitzerperlen aufgebraucht“.

**In diesem Kindergarten heißen alle Kinder M. Heute der Besuch war auch bei M. Und am Donnerstag geht Michel zu M. Auf den Geburtstag. Sind aber alles unterschiedliche Kinder.

***im „Autospiel“, wie sich Michel das Autoplay selbst übersetzt hat.

****Michel sucht sich eine aus, ich glaube, er geht da nach Fahnen-Optik. Gestern haben wir Türkisch gehört. 

Tag 600 – Schlaflos zufrieden. 

Ich schlafe immer noch nicht. Jedenfalls nicht gut. Oder normal. Ich bin erst um eins rum so müde, dass ich tatsächlich schlafen kann und vorher hat es leider überhaupt gar keinen Zweck die Augen zuzumachen. Das einzige, was dabei herauskommt, ist, dass ich mich damit stresse, dass ich ja schlafen muss. Und dann schlafe ich im Endeffekt noch viel später. (Merkt man, dass das nicht das erste mal ist, dass ich mich mit so einer schlaflosen Phase herumplage? Es ist nicht das erste mal.) Ich habe deshalb beschlossen, mich damit nicht zu stressen. Neulich nachts kam mir der Gedanke, dass ich ja dann auch einfach meine Diss anfangen könnte, wenn ich doch eh wach bin? Naja, das ist vielleicht doch nicht die beste Idee, aber dafür sitze ich jetzt in der (für die Putzhilfe) aufgeräumten  Wohnung, die Brotdosen sind fertig, ich warte auf die Wäsche, sehe dabei fern und genieße ein halbes Glas Wein. Denke über 600 Tage nach, nicke und proste mir selbst zu. Insgesamt kann ich nicht anders als feststellen: es ist ok. Alles gut. 

Der Schlaf wird auch irgendwann wiederkommen. 

Tag 598 – Nix zu erzählen…

Nee, echt nicht. Relativ ereignisloser Tag eigentlich. Kinder in den Kindergarten gebracht, Fahrrad zu Hause abgestellt, Maschine Wäsche angestellt, zu Fuß zur Arbeit. Arbeit, Meeting, Arbeit, Reisekostenabrechnungsrumgeärgere, god helg (Sprich: Guu hell(j), Schönes Wochenende, wichtige norwegische Floskel, fast so wichtig wie Takk for sist (tack for schisst), mit dem man sich für das letzte Treffen bedankt). Bus verpasst, nächsten Bus genommen, zu Hause Kinder drücken (Pippi kann jetzt „Aaam!“ sagen <3) und dann gegen die abrutschende Stimmung ankochen. Käsespätzle, das mögen wenigstens alle gerne. Michel will jetzt nächsten Donnerstag (!) auch „solche Nudeln mit Käse, derfordi de er godtest“ (das kann man nicht wirklich übersetzen, derfor heißt deshalb, fordi heißt weil, derfordi… tjanun. Und godtest wäre der Superlativ (der Neutrum-Form Singular von) von god = gut, aber ganz ähnlich wie im Deutschen ist der Superlativ davon best… Es ist verwirrend.). Überhaupt redet Michel im Moment sehr lustig und ich möchte einfach, dass er nie aufhört „verschiedlich“ zu sagen. Nach dem Essen Kinder ins Bett komplimentiert, mich selbst vorher gewaschen* und Zähne geputzt, falls ich dabei einschlafe, aber nein, ich bin immer noch wach. Ach ja: Termine für alle bei der Lieblingsfriseurin in Bielefeld ausgemacht, Michel hat es sehr nötig, ich auch, Herr Rabe geht so und Pippi hat ihre Flusen, da könnte man vielleicht mal die splissigen Spitzen am Hinterkopf abschneiden und sowas wie ne Form reinzaubern. Falls sie wen an sich ranlässt. 

Sonst war nix.

___

* Lidschattentest: gestern hatte ich mir was alltagstaugliches mit einem Tacken Extra-Glitzer von ColourPop auf die Augen gemalt. Ich bin restlos begeistert. Die Lidschatten sind erstmal etwas ungewohnt, weil kaum pudrig, sondern eher etwas cremig beim Auftragen. Dadurch aber deckend wie sonstwas und viel präziser aufzutragen. Und vor allem halten die ewig, nix verläuft oder verschmiert oder entglitzert sich. Ich habe sonst schnell so eine dunkle Rille in der Lidfalte, weil meine Haut eben auch auf den Lidern schnell nachfettet, das machte dem ColourPop aber gar nix. Heute dagegen wollte ich mal die eine Palette von Covergirl (hab ich in den USA gekauft, weil unschlagbar günstig) ausprobieren. Der verläuft zwar auch nicht und hielt auch insgesamt recht gut, aber die Glitzerpartikel hatte ich heute Abend dann überall: auf den Lidern, aber auch auf den Wangen, in den Augenbrauen, in den Wimpern und ein besonders hartnäckiges Teilchen hatte sich quasi-kovalent mit meiner Unterlippe verbunden. Ich bleib bei ColourPop.

Tag 596 – Ein paar Erkenntnisse.

Erkenntnis 1: Einen Tag fast nichts essen und ich kann direkt den Gürtel ein Loch enger schnallen. Und den BH witziger Weise auch. (Das merke ich mir für etwaige „Ich bin zu fett!“-Anfälle.)

Erkenntnis 2: Einen Tag fast komplett verschlafen ändert aber nullkommagarnichts an meinen Augenringen. Die nehme ich dann wohl mal ins Inventar auf. 

Erkenntnis 3: Das Dauerschlafen hat meinen Biorhythmus so durchgerüttelt, dass mein Körper den Jetlag (und die Uhrumstellung) vergessen hat. Endlich. UPDATE: von wegen. Heute Nacht (von Mittwoch auf Donnerstag) dann nicht mal drei mickrige Stunden. Ich hasse alles. 

Erkenntnis 4: Menschen, die noch halbkrank sind, gehören nicht in Schwimmbäder. Aber im Supermarkt wäre ich wohl auch nicht besser aufgehoben gewesen. Genau genommen war es schon eine Herausforderung, den Einkaufszettel fertig zu machen. Ganz geschafft hab ichs auch nicht, ich war noch so ferngesteuert, dass die Erkenntnis „Wir haben keinen Risottoreis mehr“ nicht zur Handlung „Risottoreis auf Einkaufszettel schreiben“ führte. (Das merke ich mir fürs nächste Mal. Lieber Babysitter oder zum Supermarkt schleichen und das nötigste einkaufen und den Rest eben morgen.)

Erkenntnis 5: Kurz vorm eigentlich vom Körper angedachten Tag des Eisprungs durch drölfzig Zeitzonen fliegen und nach ner Woche schon wieder zurück verzögert den Eisprung und verlängert meinen Zyklus um ziemlich genau diese eine Woche. (Statt Pille danach, im Fall der Fälle? Hmmmneeee, vielleicht etwas teuer.)

Erkenntnis 6: Weise, wer* sich bei der Anmeldung zur Doktorandenkonferenz vor zwei Monaten direkt für den Reminder einen Tag vorher eingetragen hat. Der bekam nämlich heute eine mail, weil die Konferenz morgen ist. (Hurra, eine Gelegenheit für etwas mehr Make-Up!)

Erkenntnis 7 (schon älter): Das „Weil du das da** gekauft hast, kriegst du dieses für 20 USD“-Parfum*** finde ich besser als das ursprünglich gekaufte. Und trotzdem kann ich mich noch nicht so ganz von „The Beat“ trennen und überlege tatsächlich, mir das doch nochmal zu kaufen.

___

* ich, ganz ungewohnt vorausschauend

** Lacoste Pour Elle „Elegant“

*** Tommy Bahama „Martinique“

Tag 595 – Tja…

… da hatte Pippi wohl doch Magen-Darm, oder zumindest irgendwas ansteckendes. Ich hab den Tag mit leichter bis stärkerer Übelkeit, leichtem bis stärkerem Fieber sowie phasenweise Schüttelfrost und Gliederschmerzen aus der Hölle im Bett verbracht. Mal schlafend, mal fernsehend. Immer zu nix zu gebrauchen. Morgen geht’s hoffentlich besser, aber noch ohne Arbeit. Immerhin habe ich wieder Hunger: wenn mein Körper die anderthalb Kellen Suppe, die ich zum Abendbrot gegessen habe, normal prozessiert, müsste ich morgen wieder essen können. Hurra. 

Tag 594 – Kann weg. 

Ich hab mich heute über so viele Sachen geärgert, es ist echt kaum zu fassen. Um der Negativität keinen Vorschob zu leisten werde ich jetzt hier aber nicht weiter darauf eingehen, sondern nur das aufschreiben, was gut war. 

  • Ich habe bei der Arbeit kurz dringliche Sachen gemacht und das mit schlafendem Kleinkind im Kinderwagen und vom Weg komplett durchgeschwitzt. 
  • Ich hab spontan eine neue Babyfüße-Packung gekauft, weil die im Angebot war. 
  • Pippi hat einen kompletten Becher Joghurt gegessen und war auch nach einem fast komplett verschlafenen Vormittag nachmittags echt gut drauf. 
  • Pippi macht echt Fortschritte beim Sprechen. (Neu im Repertoire: unter anderem „Di-go“, wobei wir noch unsicher sind, ob es eher „Stego“(-saurus) oder „Dino“ generell heißen soll. 
  • Liv war da und in so eine blitzende Bude kommen ist ja echt mal was schönes. 
  • Ich bin jetzt um halb zwölf schon fast müde. 

Tja das war’s dann auch schon. Aber ein bisschen was ist ja zusammengekommen. 

Tag 593 – Norwegian Beauty. 

Heute war ich mit Michel auf einer Einweihungsparty. Freunde von uns sind von einem Reihenhaus in ein etwas größeres Reihenhaus gezogen. Eigentlich wollten wir alle hin, aber Pippi war derart schlecht drauf (und verpestet den ganzen Tag schon die Luft mit grausam stinkenden Pupsen, ich wüsste ja echt gerne, was die gegessen hat…), dass Herr Rabe mit ihr zu Hause blieb. 

Schon beim Abbiegen in das Wohngebiet sagte Michel „Hier haben wir doch früher gewohnt!“. Ich musste ein bisschen lachen, weil wir am ganz anderen Ende der Stadt gewohnt haben, aber die Reihenhaussiedlungen sehen nun mal überall gleich aus. Uniforme Einfamilienhäuser, Holzfassaden in bunt (immerhin besser als deutscher Klinker), Gartenhäuschen für die Ski und Fahrräder, Carport mit SUV drin. Für mich der Inbegriff der Mittelschicht-Tristesse. 

Auch innen fand ich das Haus jetzt nicht soooooo berauschend. Mal abgesehen vom rosa gestrichenen Mädchen- und blau gestrichenen Jungen-Zimmer (das war glaube ich schon so, sie haben so weit ich weiß nicht renoviert) halt das übliche, was man so hat, im größeren Reihenhaus: Schlafzimmer, Bad, Küche, Wohnzimmer, Keller-Wohnzimmer (wird von den meisten als Gästezimmer genutzt, darf aber wegen Baubestimmungen und Brandschutz (?) kein echtes Schlafzimmer sein), Keller-Bad, Waschraum. Innebod (Lagerraum) und Utebod (Hütte draußen). Ein Haus halt. Mit Garten dran, in der optimalen Größe, soviel muss man ihnen ja auch lassen. 

Was ich gänzlich nicht verstehe: schief hängende, nicht untereinander ausgerichtete Bilder an der Wand. Hätte Michel mich nicht konstant belagert, ich wäre aufgesprungen und hätte das beseitigt. Das geht doch so nicht! Orr. 

Und das Ganze für knapp 5 Millionen Kronen. Ich will das nicht. Niemals. So viel Geld für so was… herzloses. So viel Geld für „ein Haus halt“. 

Ich hoffe sehr meinen Freunden gefällt es besser. Heute waren zu viele Gäste da und sowohl meine Freunde als auch ich waren permanent von Kindern behängt, aber bei Gelegenheit muss ich mal fragen, wie es zu diesem Kauf kam. 

—

(Aber bei all dem Gemecker: so konnte ich wenigstens mal einen meiner neuen Lidschatten spazierentragen. Zwar nur als verstärkten Lidstrich, aber immerhin. Und ich bin total begeistert. Ich sags Ihnen: ColourPop. ! <3 )

Tag 590 – 2 Blogstöckchen.

Es ist mal wieder an der Zeit ein paar Blogstöckchen abzuarbeiten. Eins liegt hier schon so lange rum, dass es schon fast peinlich ist, das andere ist noch fast frisch. Vielen Dank jedenfalls für die Nominierung, ich fühle mich sehr geehrt! Und dann beantworte ich mal hier die Fragen von beiden, first come, first served: Impressions of Life!

1) Wie würdest Du deinen Blog in 3 Wörtern beschreiben?

Tagebuch, sonst nix.

2) Beschreibe Dich selber, deine Persönlichkeit, wer bist Du?

Ich bin wohl durch und durch Ostwestfälin. Unter neuen Menschen vorsichtig, still bis abweisend (das meine ich nicht so, aber so kommt es rüber), komme nicht besonders schnell mit Menschen in Kontakt, aber wenn dann richtig. Mein Humor ist sarkastisch bis zynisch. Und obwohl ich seltenst Menschen wirklich an mich heran lasse, brauche ich zwischenmenschliche Kontakte wie ein Kaktus in der Wüste das Wasser… Des Weiteren neige ich dazu, zu viel über Dinge nachzudenken, statt sie einfach zu machen und zu viel in mich hereinzufressen, statt es herauszulassen. Wenn ich dann aber mal platze, dann bin ich das HB-Männchen.

3) Zivilcourage, einfach nur ein Wort oder ein Handeln für Andere oder zeigst du sie auch?

Puh. Ich versuche es. Oft gerät man ja nicht in solche Situationen und meistens waren es bisher eher so Situationen, in denen Menschen einfach hilflos und alleine waren (Herr Rabe und ich fanden zum Beispiel mal einen betrunkenen Jugendlichen halb komatös auf den Stufen einer Apotheke), da schaffe ich es sehr viel eher, Hilfe zu organisieren, als wenn ich mit Gewalt konfrontiert werde. Da wünsche ich mir, dass ich mehr Eier zeigen kann und nicht vor Schreck erstarre.

4) Familienstand jetzt und für die Zukunft?

Verheiratet, 2 Kinder. Ersteres bleibt hoffentlich so, im Moment kann ich mir auch keine weiteren Kinder vorstellen, aber sowas ändert sich ja manchmal noch.

5) Du hast im Lotto gewonnen. Jackpot 25 Millionen. Was würdest Du tun?

Puh. Die Kredite meiner Lieben abbezahlen. Für meine Schwiegermutter die Unterbringung auf Lebenszeit sichern, eventuell auch für meine Großeltern, da sieht es immer düsterer aus mit dem „alleine wohnen“. Dann für die Kinder, Herrn Rabe und mich jeweils genug Geld anlegen, damit keiner von uns jemals arbeiten muss, wenn er nicht will. Ein Haus kaufen, das (abgesehen von drei Schlafzimmern) mindestens ein Näh-/Hobbyzimmer und ein Gästezimmer mit eigenem Bad hat. Ein Gebrauchsauto (Tesla Model 3 wäre schön) und ein Quatschauto (mit luftgekühltem Motor, wegen des Geräuschs) kaufen. Eine riesige Party zu meinem 33. Geburtstag feiern und alle einfliegen, die sonst nicht kommen könnten. Vom Rest die Hälfte spenden und die andere Hälfte anlegen.

6) Du könntest deinem Ich in der Vergangenheit einen Brief schreiben, den er/sie auch erhält. Würdest Du es tun und deine Gegenwart somit vielleicht verändern?

Ja, aber nicht weil ich etwas ändern möchte, sondern um meinem früheren Ich (und da gab es einige Gelegenheiten) zu sagen: Es fühlt sich gerade nicht so an, aber es wird besser.

7) Welche 5 Dinge würdest Du noch tun wollen, wenn Du nur noch 1 Jahr Zeit hättest auf Erden?

Irgendeine Psychodroge nehmen, die mich sofort vergessen lässt, dass ich nur noch ein Jahr zu leben habe. Die Vorstellung, meine Liebsten in einem Jahr zurücklassen zu müssen, schnürt mir schon so einfach die Kehle zu.

8) Was magst Du gar nicht an deinem im Umfeld lebenden Menschen?

Die Vorliebe für Knäckebrot, Gurken, Möhren und alles, was sonst noch laute Essgeräusche macht.

9) Lieblingsessen mit Rezept (falls vorhanden)?

Apfelpfannkuchen:

pro Person ein Ei in eine Schüssel schlagen. Abwechselnd Mehl und Milch dazugeben, bis man eine ausreichende Menge dicklichen Pfannkuchenteig hat. Pro vier Personen einen gestrichenen Teelöffel Backpulver, eine Handvoll Zucker und eine Prise Salz dazugeben. Etwas quellen lassen und in der Zeit ca. einen säuerlichen Apfel pro Person schälen und entkernen, eventuell in Scheiben schneiden. Die Konsistenz des Teigs nochmal prüfen, dann jeweils eine Suppenkelle voll Teig in (viel) heißes Öl geben, Apfelscheiben drauf verteilen, etwas Teig oben drüber (damit die Apfelscheiben fixiert werden). Wenns am Rand braun wird, wenden. Wenn fertig, auf einem Teller stapeln. Mit Zimtzucker essen.

10) Glaubst Du an die wahre Liebe?

Klar!

11) Was oder Wer hatte Dich damals schwer beeindruckt, als Du mit deinem Blog angefangen hast?

Frau Novemberregen und Frau Brüllen.

___

Die zweiten elf Fragen sind von Tante Emma:

1) Warum hast Du mit dem Bloggen angefangen?

Weil mein 2. Baby (Pippi) so klein war und ich immer nur dachte: Ach mensch, das war bei Michel bestimmt auch so ähnlich oder auch ganz anders, du hast das alles vergessen, du solltest echt Tagebuch schreiben. Und dann hatte Frau Novemberregen so eine Aktion, da hat sie gewettet, wer es schafft, täglich zu Bloggen. Ich hab nicht gewettet, sonden einfach so mitgemacht. Und bin hängen geblieben.

2) Was fällt Dir beim Bloggen am Schwersten?

Dasselbe, was mir auch im echten Leben manchmal schwer fällt: den Fokus vom Negativen wegzubekommen.

3) Was magst Du besonders an Dir?

Hähä. Je älter ich werde, desto mehr mag ich mich äußerlich. Da habe ich jedenfalls keine größeren Baustellen mehr (klar, die Haut könnte klarer sein und die Augen etwas weniger rot und ganz so müde müsste ich auch nicht aussehen… aber eben nix größeres wie „Meine Nase geht gar nicht!“, „Ich bin zu dickdünnmuskulös!“, „Meine Beine sind furchtbar!“ oder „Ach du scheiße, Cellulite!“). Innerlich mag ich meinen Humor und mein Durchhaltevermögen.

4) Was vermisst Du in Deinem Leben?

Meine Freunde. Also die aus Deutschland, weil sie so weit weg wohnen.

5) Welche Entscheidung würdest Du gerne korrigieren?

Hätte, hätte, Fahrradkette. Je ne regrette rien. (*bitte accents nach gusto platzieren*) Wenn ich unbedingt was aussuchen muss: ich würde meinem Schülerinnen- und frühen Studentinnen-Ich gern mitteilen, dass ich, egal was die Lehrpersonen sagen, weder in Sprachen noch in organischer Chemie schlecht bin. Aber ist das anzunehmen, was einem von „Autoritätspersonen“ gesagt wird, eine echte Entscheidung?

6) Was würdest Du immer wieder genauso machen?

Das allermeiste. Vor allem würde ich immer wieder mit meinen Freunden tanzen gehen, dann mit dem einen versumpfen, dann ein paar Tage ganz verwirrt sein, dann einen USB-Stick abholen und plötzlich gar nicht mehr verwirrt sein.

7) Wem schuldest Du Dank?

Hmm. Ich glaube keinem. Aber dankbar bin ich vielen. Im Danke sagen bin ich aber auch gar nicht mal so schlecht, deshalb bin ich da (soweit ich weiß) nie ein Danke schuldig geblieben.

8) Woraus ziehst Du die meiste Kraft?

Achtung, totaler Kitschalarm: dem Lachen, dem nächtlichen Schnaufen und den Umarmungen meiner Kinder.

9) Wo machst Du am liebsten Urlaub?

Irgendwo wo es nicht zu warm ist, aber warm genug um am Strand unterm Sonnenschirm nicht zu frieren. Ich würde so gerne noch mal im Frühjahr nach Korfu.

10) Was ist eine typische Marotte von Dir?

Marotten? Ich? *richtet mobile Ballettstange im 90-Grad-Winkel zum Parkett aus*

11) Bier oder Sekt?

Bier. Von Sekt kriege ich sehr schnell Kopfschmerzen und eigentlich mag ich den auch gar nicht so. Aber ein schönes, kühles Pils, vom Fass und mit einer ordentlichen Krone (so wie es das hier nicht gibt), das ist doch was feines.

___

So, fehlen noch neue Fragen und eigentlich auch Nominierungen. Aber mit dem Nominieren tue ich mich ja schon fast immer ziemlich schwer. Also denke ich mir einfach elf Fragen aus und wer Lust hat, macht eben mit. Sie können sich dann ja bei mir melden, dann verlinke ich die Beiträge auch. Da will ich mal nicht so sein.

  1. Wann warst du das letzte Mal richtig großzügig?
  2. Wann hast du das letzte Mal einem Menschen richtig die Meinung gegeigt?
  3. …und wann ein überlegtes, konstruktives Feedack gegeben?
  4. Hast du einen Essensplan?
  5. Hast du schon mal eine Diät gemacht?
  6. Hat’s funktioniert?
  7. Falls du dich schminkst: warum?
  8. Welches Buch sollte jeder Mensch deiner Meinung nach gelesen haben?
  9. Hast du schon mal was ausgeplaudert, was eigentlich ein Geheimnis bleiben sollte?
  10. Wenn du einen Tag lang eine andere Person (lebend/tot) sein könntest, welche wäre das?
  11. Wenn du den Rest des Lebens eine andere Person sein müsstest, welche wäre das dann?