Tag 2845 – Generalprobe.

Wir hatten heute Generalprobe für die Tanzaufführung am Sonntag. Das war dieses Mal ganz ok, letztes Jahr war ja die Generalprobe eine ziemliche Katastrophe. Wir durften auch zum Glück nach unserer Choreografie nach Hause gehen (wir waren die dritte von ca. 30 Gruppen), mussten also nicht warten, bis alle fertig waren und dann noch mal üben, wie man auf die Bühne geht und sich verbeugt. Sonst wäre es echt spät geworden. So hatte ich noch Zeit für eine extra Geige-Übe-Session, weil ich morgen Unterricht habe und leider seit der letzten Stunde gar nicht mal so viel üben konnte, wie ich das gerne gemacht hätte. Jetzt sind aber dafür auch alle meine Akkus komplett leer und ich will nur noch schlafen.

Tag 2843 – Seltsam.

Es ist schon echt spät, deshalb nur eine kurze Meldung. Ich war im Kino, in einem seltsamen Film, aber in guter Begleitung, die ebenfalls seltsam ist und die den Film auch seltsam fand. Jetzt bin ich sehr aufgeräumt und glücklich, ich schaffe nämlich nicht jeden Tag, jemanden zu fragen, ob die Person Lust hat, mit mir ins Kino zu gehen. Genau genommen schaffe ich sowas alle 15 Jahre mal. Es war ein wirklich schöner Abend, der mit einiger Nervosität begann, aber dann, vielleicht auch dank des wirklich seltsamen Films, sehr lustig und entspannt endete. Sowas schweißt ja auch zusammen, ne?

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Bevor Fragen kommen: Tár. Warum seltsam muss man selbst erfahren, glaube ich. Schwer zu beschreiben, ich hab jedenfalls das Ende nicht verstanden und die Begleitung auch nicht (die Begleitung ist nun auch wirklich nicht dumm, aber vielleicht sind wir ja beide Kunstbanausen, wer weiß).

Tag 2842 – Matsche im Kopf.

Ok, es war heute alles ein bisschen viel, ich kann das nicht gut sortieren grad. Es war sehr viel gutes dabei, eigentlich war es ein ausgesprochen guter Tag, es geht jetzt nur so viel im Kopf rum, dass ich schlecht runter komme. Teile davon möchte ich hier auch gar nicht so unbedingt öffentlich breit treten, was andererseits irgendwie den Sinn eines Tagebuchs nicht ganz erfüllt. Nun ja. Vielleicht mache ich mal wieder einen Artikel mit Passwort, irgendwo muss es ja hin, das alles. Und so alle viereinhalb Jahre kann man das ja mal machen (krass, wie lange die Chipsfabriksache schon her ist). In meinem Kopf spielen die Gedanken grad jedenfalls alle Pingpong. Zum Einschlafen gehe ich ja gerne Choreografien im Kopf durch, unsere für Sonntag ist allerdings ein bisschen zu kurz. Alternativ gehen auch Musikstücke, aber was ich für den Geigenlehrer üben soll, ist auch zu kurz.

Die Gefahr ist groß, dass ich morgen nicht sehr ausgeschlafen sein werde, das wäre nicht so gut, aus Gründen.

Einen fun fact von heute kann ich ja erzählen: ein Nicht-ITler aus einer themenverwandten Gruppe im Werk hat, ohne programmieren zu können, auf der selben Basis die das IT-Projekt hat, etwas in hobbymäßigem Einsatz zusammengeklöppelt, das ganz ganz stark an das IT-Projekt, in das so viele Ressourcen geflossen sind, erinnert. Und zwar ohne, dass er das IT-Projekt überhaupt mal gesehen hätte. Er erklärte das mit „Naja, das ist ein no Code-low Code-System, echt kein Hexenwerk“. Ich lasse das mal so stehen, Sie können sich sicher denken, was das für den Rest meines Respekts gegenüber dem IT-Projekt bedeutet.

Kein Wunder, dass denen ständig die Leute wegrennen.

Tag 2841 – MuMu.

Draußen schneit es, ich möchte das nicht. Es ist Ende April, es ist falsch, dass es jetzt noch schneit (wenn auch nicht ungewöhnlich, aber FALSCH!). In Oslo regnete es, das war minimal besser, wenigstens kein Schnee. Normalerweise muss ich ja nur so 20 Meter durch Wetter laufen, weil das Büro wirklich direkt an der T-Bane-Haltestelle ist, aber heute musste ich zum Arzt. Nach einem Debakel mit einer unfreundlichen Frauenärztin gehe ich seit ein paar Jahren zu einem privat praktizierenden, älteren Gynäkologen, hauptsächlich, um behandeln zu lassen, dass ich am Zyklusende wahlweise aus dem Fenster springen oder sämtliche meiner Mitmenschen qualvoll töten möchte. Dieses Mal hatte mich aber der Hausarzt hingeschickt. Der könnte theoretisch das meiste davon auch, aber das möchte ich genauso wenig wie Schnee im April. Es gibt Grenzen für das, was ich möchte, dass mein Hausarzt von mir schon aus nächster Nähe gesehen hat, wenn es nicht zwingend nötig ist. Der Hausarzt meinte, es sei mal nötig, einen kleinen Untenrumcheck zu machen, da manch Plage vielleicht da ihren Ursprung haben könnte. Spoiler: haben sie nicht, die Ursachen der Plagen sind zumindest nicht mit herkömmlichen bildgebenden und Abtast-Verfahren auszumachen. Außerdem ist auch schon wieder Zeit für den dreijährlichen Abstrich vom Cervix gewesen. Da wird hier nur noch auf HPV untersucht, wenn die vorherigen Abstriche normal waren, man bisher kein HPV hatte, man keine komischen Symptome hat und nichts optisch auffällig ist. Mir kommt das entgegen, weil ich schon mehrmals diese histologische Probe mehrmals nehmen lassen musste, weil ich offenbar an der entsprechenden Stelle eine sehr rege Durchblutung habe. Für den HPV-Test ist das aber wohl ziemlich egal.

Und ich sag es mal so: es gibt ja durchaus Schöneres, aber es gibt auch schlimmeres. Krebs, zum Beispiel, mit allen Konsequenzen daraus, ist in meiner Vorstellung weit schlimmer, als dieser Abstrich. Der Besuch war insofern ernüchternd, als dass ich nichts habe, was das PMDS erklären könnte (kein PCOS, außer Schwitzen am Zyklusende [wahrscheinlich eine Nebenwirkung] und eben der Laune keine weiteren Dinge, die unter Wechseljahrsbeschwerden fallen könnten, nichts, das auf Endometriose hindeutet und schwanger bin ich auch nicht – wobei das ja auch menstruelle Beschwerden ausschließen würde [und in unserer Konstellation auch extrem unwahrscheinlich wäre], aber lieb, dass der Arzt das noch mal hervorhebt), aber letztlich ist es ja auch ganz gut, all das nicht zu haben. Genau genommen sieht alles aus wie im Lehrbuch, sagt jedenfalls der Arzt. Ich kann das nicht beurteilen, erstens erkenne ich auf dem Ultraschall höchstens schwarze Blobs auf grünlich-waberigem Grund und zweitens habe ich noch keine gynäkologischen Lehrbücher in der Hand gehabt.

Jetzt weiß der Arzt also, wie ich innerlich aussehe, und ich weiß sehr genau, wie die Decke im Behandlungszimmer aussieht. So haben wir alle unsere (zweifelhaften) Freuden. Und solange nichts komisches passiert, sind es bis zum nächsten Mal noch drei Jahre hin, bis dahin habe ich vielleicht vergessen, wie die Decke aussieht.

Zurück zum Wetter: als ich zu Hause ankam, war ich ordentlich nass geregnet und geschneit. Ich möchte das wirklich nicht. Bah.

Tag 2840 – Neu.

Vielleicht geht ja mit neuer App das mit den Bildern wieder?

Guck! Wir im Kino.

Scheinbar. Aber wenn ich jetzt eine Schrillion Fotos aus den letzten 9 Monaten hochlade, ist bestimmt wieder Schluss.

Es ist nämlich ja so, dass wir alle irgendwie von WordPress gezwungen wurden, zu Jetpack zu wechseln. Allerdings hab ich das so verstanden, dass das nur die Benutzerapp ist, die jetzt anders ist, nicht die Plattform. Insofern müsste das eigentlich keinen Einfluss auf meine endliche Medienspeicherkapazität hier haben, die eben letzten Sommer einfach zu Ende war. Aber vielleicht ist der Speicher auch einfach upgegradet worden, weil Datenspeicher ja immer billiger wird?

Ich muss gestehen, dass ich das nicht weiß, weil ich mein WordPress Passwort für die Administration vergessen habe. Tadaaa. Und für Passwort wiederherstellen und das ganze Drumrum hat meine Exekutivfunktion bisher nicht ausgereicht. Neun Monate lang. Tja.

Heute haben wir aber immerhin die Steuererklärung eingereicht. So ne Frist ist ja immer ein guter Beschleuniger, um was gebacken zu kriegen. Vielleicht sollte ich mir ne Frist setzen.

(Ha. Vielleicht. Kein Commitment!)

Tag 2838 und 2839 – Frühlingsgefühle.

Am Donnerstag, als wir aus dem Flugzeug stiegen, war es warm. Als ich etwas später aus dem Zug stieg, war es ein, zwei Grad weniger warm, aber dafür roch es nach Frühling. Ja, ich weiß, dass das irgendwelche Erdbakterienpupse sind, die man da riecht, genauso wie bei Sommerregen, aber es ist mir eigentlich herzlich egal, was genau es ist, es riecht nach Frühling, das ist, was zählt. Gestern machte ich einen Spaziergang und schwitzte sehr, obwohl ich nur einen Pulli anhatte und keine Jacke (und keinen Schal/Buff, keine Mütze und erst recht keine Handschuhe). Ich sah aber ein paar der ersten Frühlingsboten in unserer Region hier, nämlich die Blüten vom Huflattich und die ersten Buschwindröschen. Ich feierte jedes Blümchen und brach beim Anblick eines sehr einsam herumtorkelnden Schmetterlings fast in Freudentrännen aus. Zu Hause erwacht auch die Pflanzenwelt, die Mango hat zwei neue Blättchen bekommen und die Avocados wuchern schon wieder. Sogar der Ficus ist in der kurzen Phase, wo er echt ok aussieht. Ich hege und pflege alles und freue mich über das Grün. Nach fünf Monaten mit nur braun und grau und ab und zu mal weiß habe ich echt Farbenentzug. Heute war auch wieder schönes Wetter und ich machte wieder einen Spaziergang. Die Blümchen sind seit gestern förmlich explodiert und man sieht auf den Feldern den ersten zarten Grünschimmer. Auch ein paar Frühaufsteherhummeln wurden gesichtet, dicke, flauschige Minihubschrauber, fast hätte ich sie gestreichelt, so sehr habe ich mich gefreut.

Da kann man auch mal ein paar (viel) Geld im Gartencenter lassen, um den Hummeln sehr viel Lavendel zu kaufen.

Hach, ist das schön, endlich sowas wie Frühling. Morgen soll es schon wieder regnen, aber das ignoriere ich noch. Heute will ich einfach nur ein paar Grashalme anfeuern.

Tag 2833 – Müde Kinder sind müde.

Wer hätte das gedacht! Teils sind sie dann auch unausstehlich. Auch das nichts Neues. Aber sie hatten eine gute Zeit und das ist ja das Wichtigste.

Herr Rabe hat die Nachtwache dazu genutzt, sein bei der IT-Konferenz gewonnenes Riesen-Legoset (ein Lego-Technik-McLaren-Formel 1-Auto) zusammenzubauen. Das hat wohl ganz gut geklappt, aber auch Herr Rabe war heute etwas müde.

Ich habe eine weitere Geigenstunde gehabt. Die war echt ganz gut. Ich hab wieder viel Lob dafür bekommen, wie ich mit den Stücken gearbeitet hab. Hurra!

Ansonsten war Wochenende wie immer. Schweinchen sauber machen, Blumen gießen, bügeln (ärgs…)… sowas halt. Langweilig, aber nötig. Und langweilig ist manchmal ja auch ganz schön.

Tag 2832 – No tschingderassabum.

Die Kinder sind nicht da! Beide! Beide Kinder haben dieses Wochenende Korpsseminar und übernachten in der Turnhalle der Schule. Heute Mittag lieferte Herr Rabe sie da ab, dann marschierten und spielten sie eine Weile, dann gab es Abendessen und seit etwa einer Stunde kriegen wir auch keine Bildschirmzeitanfragen mehr. Herr Rabe und ich haben den Tag dazu genutzt, gemeinsam (und in Ruhe! Und ohne dass wer nölt oder Eis/Chips/Spielzeug will!) einzukaufen, zu überlegen, was wir im Garten pflanzen und abends essen zu gehen. Wir waren in der Hauptstadt und haben sehr lecker indisch gegessen. Wenn wir essen gehen, fällt die Wahl irgendwie oft auf indisch… aber es war auch einfach sehr lecker. Wir waren entscheidungsfaul und haben einfach das „Probiermenü“ mit Happen von allem möglichen in vegetarisch genommen und ich hätte mich in fast alles einfach reinlegen können. Vielleicht nicht ins Dessert, da war ich nämlich eigentlich schon kurz vorm Platzen. Auf dem Rückweg saßen wir romantisch nebeneinander im Zug, mit Kopfhörern und Duolingo (Herr Rabe lernt jetzt Französisch, Michel Japanisch und Pippi Ukrainisch, dieser Familienaccount muss ja genutzt werden und wir haben halt alle so Schwammgehirne, die gern neues lernen), nach Kräften die Gruppe stark angeheiterter Mitt-50er post Theaterbesuch ignorierend. Die waren friedlich, nett und überaus gut gelaunt, aber laut, meine Güte. Jetzt ist auch schon Bettzeit, Herr Rabe hat sich breitschlagen lassen, von drei bis sieben Uhr morgens (!!!) die Nachtwache in der Turnhalle mit den übernachtenden Kindern zu übernehmen. Bis dahin genießen wir einfach noch ein bisschen die Stille.

Tag 2831 – Decke übern Kopf.

Ach, doofer Tag. Erst mal wieder bestätigt bekommen, dass ich selbst unter merkwürdigen Leuten (Inspekteur*Innen sind schon alle ein paar Zentimeter vom Durchschnitt entfernt, auf viele Arten) noch merkwürdig bin. Und dass ich echt eine ordentliche Abneigung gegen MiNdFuLLnEsS habe. Und nicht verstehen kann, warum jemand Eisbadet, wenn man sogar selbst sagt, dass man die ersten 5 Sekunden überzeugt ist, zu sterben. Das macht überhaupt keinen Sinn.

Bitte keine flammenden Reden (höhö) über Eisbaden. Oder Mindfulness.

Den Rest des Arbeitstages mit dem IT-Projekt herumgeärgert, statt meiner eigentlichen Arbeit nachzugehen. Es schlaucht. Die eigentliche Arbeit staut sich. Das IT-Projekt ist nicht mindful. Und nicht agil. Und hat keine Kohle mehr. Hupsi.

Dabei hängt mir diese vormittägliche Sache noch nach, ich hätte diese Bestätigung jetzt nicht direkt gebraucht, um ehrlich zu sein. Wir sollen außerdem unser authentisches Ich finden, dann seien wir charismatisch. Mein authentisches Ich möchte leider gar nicht mit Menschen reden, aber mein professionelles Inspekteurinnen-Ich kann das eigentlich ganz gut. Ich glaube, ich bleibe lieber dabei, im professionellen Zusammenhang eine Rolle zu spielen und bin vielleicht etwas weniger charismatisch, dafür aber auch weniger grumpy misanthropische crazy cat lady ohne Katzen. Dieses, ich nenne es mal Seminar, hat jedenfalls nicht dazu geführt, dass ich mir „meiner Stärken mehr bewusst“ bin, sondern das Gegenteil bewirkt. Ich möchte meinen seltsamen Kopf jetzt nur noch unter die Decke stecken und ganz authentisch die Welt hassen.