Tag 2819 – Grüße vom Meer!

Es ist ja schon sehr schön, in Laufweite vom Meer zu urlauben. Von der Schwägerin läuft man zum Strand (Steine, aber angenehm runde) eine knappe halbe Stunde. Man kann über den „Schafspfad“ zurück laufen (hin eher nicht, es sei denn man steht drauf, direkt am Anfang einen sehr sehr steilen Aufstieg zu haben) und hat dann noch ein bisschen frischen Wind um die Nase. Mit Glück trifft man ein Schaf. Auf dem Hinweg läuft man durch den pittoresken Ortskern eines Vorortes von Brighton. Das ist schon alles sehr üdüllüsch. Heute haben wir das bei schönstem Sonnenschein gemacht. Die Kinder haben am Strand auch die Füße ins Wasser gehalten (Michel mit Schuhen noch dran, die sind jetzt also frisch gewaschen…), es gab noch ein Eis hinterher und dann war allen ganz überraschend total kalt. Also, uns Erwachsenen nicht, aber den Kindern. Gut, dass sie bei meinem Schwager mitfahren konnten, so hatten Herr Rabe und ich sogar eine halbe Stunde kinderfreie Zeit zusammen. Auf dem Schafspfad. Hach.

Tag 2818 – Warten auf den Bus.

Heute haben wir „so richtig“ Sightseeing gemacht, aber auch nur, was man halt so schafft in ca. 5 Stunden mit einem recht lauffaulen Kind (Pippi). Westminster Bridge, Big Ben, Westminster Abbey, St. James‘ Park, Buckingham Palace, Trafalgar Square, desperat was zu Essen suchen und schlussendlich bei Itso landen. Beschließen, noch zum Tower zu fahren, mit dem Bus, weil Pippi unbedingt in einem roten Doppeldeckerbus oben fahren wollte. Ewig lang auf den Bus warten, der eigentlich alle 9-12 Minuten fahren sollte. Irgendwann aufgeben, die Tube nehmen wollen, zur falschen Linie gehen, eine kleine Ehrenrunde durch den Underground-Bahnhof drehen, beschließen, doch wieder zum Bus zu gehen, weil der ja jetzt wirklich jeden Moment kommen muss und dann noch mal ewig lang auf den Bus warten. Der stand übrigens schon lange etwa 30 Meter vor der Haltestelle, wahrscheinlich aus purer Gehässigkeit. Dann aber noch Tower, Tower Bridge, ein Kaffee und zurück zum Hotel, das Gepäck wieder abholen.

Eigentlich hätte mir das auch schon gereicht an Action, aber wir hatten ja Bustickets nach Brighton gekauft (aus Angst vor einem angekündigten Lokführerstreik). Der Bus sollte um 18 Uhr fahren, um 17:25 waren wir aber schon an Victoria Station. Da kann man, außer da, wo der Bus nach Brighton geht, sitzen, also saßen wir an einem anderen Gate. Da waren ja auch schon über 15.000 Schritte getan. Der Bus nach Brighton kam, der Busfahrer stieg aus diesem aus, werkelte irgendwas am Bus herum, ein anderer Heini in offiziell anmutender Warnweste kam, beide werkelten herum, beide sahen besorgt aus. Als der andere Heini sein Telefon zückte, um irgendwas zu fotografieren oder zu filmen. Da dämmerte mir bereits, dass der Bus wohl nicht fahren würde, zumindest nicht pünktlich. Allerdings war es da schon 17:58. Es kam dann auch, ganz richtig, um kurz nach 18 Uhr eine Dame und erklärte uns, der Bus sei kaputt. Wir sollten auf den nächsten warten, um 19:00. Aber die Lokführer streikten ja noch, also beschlossen wir, doch wie geplant auf den Zug umzusteigen. Einen kurzen halb-Spurt später saßen wir dann auch im Zug. Eine Stunde Zug statt drei Stunden Bus hat sehr viele Vorteile, aber noch mal brauche ich das wirklich nicht noch mal.

Tag 2817 – The London Experience.

Nicht nur Bergen ist bekannt für recht nasses Wetter, speziell im Frühjahr und Herbst. Wir sind heute ein paar mal ziemlich nass geworden, auch, weil wir nur zwei Schirme dabei haben. (Knirpse, die sind ja auch nicht sonderlich groß.)

Es war laufintensiv (16.000 Schritte), aber auch sehr schön. Wir waren erst in ein paar ungewöhnlichen Läden und haben irre viel Geld verballert. Ich habe jetzt zwei neue Kleider, man kriegt mich, neben Businessklamotten, immer noch mit bunten oder ungewöhnlich bedruckten, gerne feminin geschnittenen Kleidern in guter Qualität und es soll sie bitte nicht überall geben und es wär gut wenn keine Kinder in Bangladesh die zusammen nähen. Dann kaufe ich Klamotten. Darüber hinaus ist die Mode dieses Jahr nicht für mich gemacht, in den Farben (orange, giftgrün, kräftiges rosa bis pink und das nicht aussterbende beige…) sehe ich krank aus. Rüschen und Puffärmel sind mir ein Graus. Die Hosen gehen, sind aber auch gern in den schlimmen Farben und komischen Stoffen. Ballonseide kommt wieder. Generell viele Stoffe, bei denen sich mir schon beim Anfassen die Haare aufstellen und die Fußnägel kräuseln. Meine neuen Kleider sind aus Baumwolle und dunkelblau. Mit Aufdrucken, die weniger seriös sind – kleine, dicke Vögel auf dem einen, Flamingos auf dem anderen. Aber im Grundton dunkelblau, die zweite Farbe, neben Petrol, von der ich wirklich sehr viel im Schrank habe.

Aber genug von Kleidern. Pippi hat sich eine Kette designt und anfertigen lassen, nicht überraschend ist sie ziemlich rosa. Michel hat Schuhe, die ne halbe Niere gekostet haben. Wir waren in einem Nerdladen, wo es unglaublich viel Manga-Gedöns gab. Wir haben teure, hippe, und, sorry, leicht fade Burger gegessen. Dann sind wir durch den Regen zum Naturkundemuseum gelaufen und gefahren, waren etwa eineinhalb Stunden da (für lau, aus irgendeinem Grund) und dann waren alle so platt, dass wir wirklich alle zurück ins Hotel wollten und nicht nur die Kinder. Im Hotel sind wir noch kurz in den Pool gehüpft – da muss man einen 30-Minuten-Slot buchen – da hatten vor allem die Kinder sehr viel Spaß dran. Weil danach eigentlich niemand mehr einen Meter gehen wollte, verwarfen wir den Plan, ein Restaurant aufzusuchen. Stattdessen lief ich 10 Minuten zu einer Pizzeria und 10 Minuten zurück, während Herr Rabe Getränke holte. Vor allem der Rückweg war spannend, weil ich versuchen musste, die Pizzen trocken zu halten, während sich aber ständig mein Schirm umbog. Ich glaube, der segnet bald das zeitliche. Mit so lala warmen Pizzen, die aber exzellent schmeckten (sie kamen auch aus einem Pizzaofen mit aufgemalten Augen und Zwirbel-Schnurrbart), kam ich wieder im Hotel an und konnte endlich final meine Schuhe ausziehen. Hurra!

Die Kinder waren natürlich zu aufgeregt zum Schlafen, aber dann schlafen sie hoffentlich morgen früh etwas länger.

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Mir ist London zu laut und zu voll. Schöne Stadt, aber all die Menschen – Uff.

Tag 2816 – Mitten in London.

Wir sind angekommen. Alle haben die Reise überstanden. Mit den Kindern reisen ist wie mit zwei tauben Säcken Flöhen, die seit Tagen nur Red Bull saufen, reisen. Ich bin jetzt fix und alle, ehrlich gesagt. Die zwei haben ein super Gespür dafür, immer gleichzeitig und immer, wenn der Lärmpegel von außen eh schon auf Anschlag ist, irgendwas ganz dringendes von mir zu wollen. Wenn ich allein heute für jedes „Mama“ 10 Kronen bekommen hätte, könnten Herr Rabe und ich davon vermutlich recht nett essen gehen.

Andererseits – die sind schon so groß, dass sie selbständig aufs Klo gehen, sich nicht mehr mit halbverdauter Milch vollkotzen und die allerschlimmste Pupshumorphase (die, wo es einfach schon irre lustig ist, wenn man Pups sagt) ist auch vorbei. Das bekommt man in so einem Flugzeug ja auch gern mal wieder vor Augen gehalten. Was sie aber immer noch machen, ist, mit großer Begeisterung Maiswaffeln (!) essen. Ich war davon ausgegangen, dass die mein Snack sein würden, aber stattdessen mampften die zwei innerhalb kürzester Zeit die ganze Packung weg und verschmähten Schokoriegel und Cracker.

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Ich habe keine Ahnung, wie unser Gepäck bei der Schwägerin ins Auto passen soll. Not gonna happen, würde ich sagen. Also das Gepäck würde schon gehen, aber nicht mit 5 Personen dabei.

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Aus Fehlern lernend habe ich dieses Mal, auch wenn wir nur anderthalb Wochen weg sind, die Spülmaschine nicht auf dem Weg aus der Haustür noch schnell angestellt. Stattdessen habe ich gestern schon das Sieb sauber gemacht, sie heute noch mal laufen lassen und danach noch mal mit so einer Reinigungstablette laufen lassen. Die über den Tag angefallen Gläser und Co. habe ich mit der Hand gespült. Jetzt können wir uns auf die Rückkehr zu einer blitzsauberen Waschmaschine (gestern noch mal mit einem Spülmaschinentab laufen lassen) und Spülmaschine freuen.

Tag 2815 – Piep.

Es läuft weiterhin ganz ok, Dinge werden getan wie geplant, nur Schlaf wird nicht priorisieren, aber das kann ich ja nächste Woche nachholen (haha. Das Haus ist komplett voll, außer uns und der Schwägerin sind noch Herr Rabes Neffe und Freundin, der Schwiegervater und ein Schwager da. Wir reden hier nicht von einem Palast, sondern von einem typischen englischen Haus, in dem die Schwägerin sonst allein lebt. Es wird voll, da schlafe ich auch eher nicht aus).

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Große Dinge werfen ihre Schatten voraus, ich habe heute zum ersten Mal eine internationale Inspektion offiziell angekündigt (we hereby announce…) und gestern die Reise gebucht. Korea steht also.

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Die Kinder können es beide kaum erwarten, nach England zu reisen. Es ist ein bisschen niedlich, weil sie da sehr ähnlich sind, aber auch sehr unterschiedlich. Pippi fragt jeden Tag, warum wir nicht an dem jeweiligen Tag schon fahren können. Die Antwort ist immer gleich – Herr Rabe arbeitet ( = ist auf der Konferenz), ich arbeite, Kinder müssen zur Schule (wir haben sie ja für Freitag schon befreien lassen). Es wird trotzdem nach ein paar Stunden die gleiche Frage gestellt. Michel hingegen versteht ja all diese Gründe, flippert aber trotzdem durch die Gegend und hat auch schon seit vorgestern alles fertig gepackt – und packt es teilweise täglich wieder aus, weil er es ja noch braucht. Dazwischen sagt er mir ständig, dass er es nicht erwarten kann.

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Jetzt Bett. Hilft ja alles nichts, ich muss zumindest versuchen, zu schlafen.

Tag 2814 – Rotier, rotier.

Uff, ich weiß nicht, wie andere das machen, inklusive Herrn Rabe, wenn ich nicht da bin. Aber ich bin schon nach zwei Tagen fix und alle. Dabei läuft es eigentlich ganz gut, so insgesamt. Pippi war beim Schlagzeugunterricht (pünktlich), dann war sie beim Korps (pünktlich), ich habe sie abgeholt (pünktlich) und Michel abgeliefert (überpünktlich). Alle haben was gegessen, ich war pünktlich beim Ballett, ok, Michel musste auf mich 20 Minuten nach dem Korps warten, das war aber so abgesprochen und ihm so lieber, als mit irgendwem mitzufahren. Pippi war sehr stolz, dass sie alleine zu Hause sein durfte, während ich beim Ballett und Michel beim Korps war. Es ist so aufgeräumt, dass die Putzhilfe kommen könnte (die hat aber eben angekündigt, dass sie doch Donnerstag erst kommt, was mir so ganz lieb ist, ehrlich gesagt). Der Müll, der morgen abgeholt wird, ist draußen. Beide Kinder schwören, dass sie die Hausaufgaben schon in der Schule gemacht haben. Michel trägt seine Zahnspange zum ersten Mal über Nacht.

Aber ich kann kaum schlafen, weil die Gedanken in meinem Kopf Flipper spielen und ich das ständige Gefühl habe, etwas ganz Wichtiges vergessen zu haben. Ächz.

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Was ganz anderes: ich habe mal wieder Medikamente aussortiert und brav zur Apotheke gebracht, damit sie sachgerecht entsorgt werden können. Bei der Apothekenfiliale hier im Ort arbeitet nicht nur eine nette Bekannte (und der Trauzeuge einer Arbeitskollegin, wie sich neulich herausstellte), sondern bei der Kette bin ich auch im Kundenclub, weil man dann einfacher rezeptpflichtige Medikamente vorbestellen kann. Und wenn man im Kundenclub ist, kriegt man, wenn man ein Tütchen abgelaufener Medikamente mitbringt, einen kleinen Bonus, in diesem Fall eine Tube Wund- und Heilsalbe, die man ja echt immer mal gebrauchen kann. Außerdem läuft die nach dem Öffnen eigentlich recht schnell ab. Ich bin nicht so sicher, ob das System der Apothekenkette da so ganz durchdacht ist.

Tag 2812 – Strohwitwe.

Herr Rabe brach am frühen Mittag nach London auf, ich bin jetzt also bis Donnerstag Abend allein für alles zuständig. Heute Abend war schon mal super, denn keins der Kinder wollte mein mit Liebe zubereitetes Essen (Fischstäbchen und Pommes) essen. Ich würde mich da ja gerne von lossagen, aber ich hab dann doch zu viel davon selbst gegessen, weil mir Essen wegwerfen irrational stark widerstrebt.

Der Rest vom Tag war aber ok. Die Kinder sind ja auch schon ziemlich groß und einigermaßen verständig. Morgen werde ich dann für spektakuläre 6 Stunden oder so ins Büro fahren, weil Montag ist (also sein wird) und aber ja auch Nachmittagsaktivitäten und allgemeiner Abhol-Stress stattfinden. Wirklich keine Ahnung, wie man sowas macht, wenn man nicht nur sporadisch mal allein ist.

Immerhin kann ich mit offenem Fenster schlafen, hehehehehe.

Tag 2811 – Nix los gewesen.

Hier ist heute nicht so wirklich was passiert. Herr Rabe hat gepackt und Michel die Haare geschnitten. Das war das spannendste, was heute passiert ist.

Morgen fährt Herr Rabe schon mal nach England vor, da geht er auf eine Konferenz. Wir kommen am Donnerstag nach, dann sind wir eineinhalb Tage in London und fahren danach die Schwägerin besuchen. Das ist alles sehr aufregend, finde ich jedenfalls. Alleine reisen mit den Kindern, das habe ich seit 7 Jahren nicht mehr gemacht, glaube ich. Aber das ist ja erst Donnerstag, also noch nicht heute aufregend.

Jetzt ist es auch Zeit, die Äuglein zu schließen, morgen ist wieder der Arsch-Tag, an dem die Zeit kaputt gemacht wird. Donnerstag dann wieder und auf dem Rückflug auch, uff ey, warum machen wir das eigentlich.

Tag 2810 – Auch sowas wie Routine.

Zwei Tage Kurzinspektion (eigentlich nur anderthalb), einmal nach Bergen jetten und zurück bitte. Aus Gründen viel darüber nachgedacht, ob das auch remote gegangen wäre und zu dem Schluss gekommen, dass das nicht gegangen wäre, nein.

Jetzt bin ich wieder zu Hause und gar nicht so erschossen wie sonst auch schon öfter. Vielleicht werde ich ja langsam doch eine von den erfahrenen Inspekteurinnen, die „sowas“ mal grad aus dem Ärmel schütteln. Abends habe ich sogar noch ein bisschen Geige geübt und befürchte jetzt leider, dass dieses Vivaldi-Concerto etwas langweilig werden könnte. Es wird sich noch zeigen, denke ich, aber ich bin eher gewohnt, bei den ersten Malen nicht sonderlich weit zu kommen und mit vielen Fragezeichen die Noten anzustarren (looking at you, Bach). Das heute (den 1. Satz) hab ich nahezu einfach runtergespielt. Ohne Murmel allerdings, vielleicht sollte ich es mit einer Murmel zu Schwierigkeitsgrad „unmöglich“ befördern. Oder doppelt so schnell spielen. Oder so.

Jetzt freue ich mich auf Schlafen im eigenen Bett und ohne Regenprasseln. Das ist nämlich erst schön, wird dann aber nervig und irgendwann ist man kurz davor, sich IRGENDWAS ins Ohr zu stopfen, nur damit es aufhört, das habe ich letzte Nacht zur Genüge getestet. Heute, während wir in einem innen liegenden Meetingraum saßen, war draußen dagegen die ganze Zeit schönster Sonnenschein. Ich glaube, das Wetter hasst mich oder will mich zumindest verarschen.

Tag 2809 – The Bergen Experience.

Heute Morgen dachten wir noch, wir hätten irgendwas falsch gemacht. Wir stiegen aus dem Flugzeug aus (reichlich seltsam übrigens, das ist so eine Verbindung, die nehmen manche hier wie nen Bus zur Arbeit und so fühlte es sich auch für mich heute an) und es war trocken, klar und überall grün. Dabei regnet es in Bergen doch immer. Immer immer. Vor allem im Frühling.

Nun, wie soll ich sagen. Seit dem Mittag regnet es, seit dem Nachmittag schüttet es wie aus Eimern. Dabei kommt Wind aus allen Richtungen gleichzeitig, mir ist schon drei mal der Schirm umgeklappt und meine Schuhe sind von den 100 Metern Weg vom Hotel zum Restaurant durchgeweicht. Genau hier, genau jetzt sind Dürren in Europa sehr weit weg.