Tag 2792 – Schnipsel.

Wir haben mit Michel einen Kaffevertrag abgeschlossen. Er macht uns Kaffee (Latte) und wir bezahlen ihn für diesen Service. Das war seine Idee und ich finds niedlich und tue viel für Kaffee. Heute klappte das direkt erst mal so mittel, weil wir Erwachsenen gestern Abend erst beschlossen haben, dass ich heute ganz früh arbeiten gehe (und dann auch ganz früh zurück fahre). Ich war also gar nicht da und Herr Rabe musste zwei Kaffee trinken.

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Hab beschlossen, dass ich beim Geige spielen nicht an zu vielen Sachen gleichzeitig arbeiten kann und deshalb heute auf den Bogen fokussiert. Strichrichtung – Joa, das war eingerissen, sehe ich ein. Bogeneinteilung und Bogenhaltung hängen ein bisschen zusammen, der Lehrer meinte, ich solle den Bogen etwas anders halten und mit dieser anderen Haltung ist es tatsächlich leichter, einen satten Ton zu erzeugen (ich kann mehr Gewicht auf die Stange übertragen) und damit ist es auch einfacher, Bogen zu sparen. Das ist bei langsamen Passagen super. Allerdings sehe ich noch nicht ganz, wie ich damit lockerere Passagen spielen soll, aber das habe ich heute auch einfach gar nicht erst probiert, sondern mich auf gerade streichen und richtige Haltung von allem in langsamen Stücken (ok, einem langsamen Stück) konzentriert. Bin soweit zufrieden mit heute.

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Heute Morgen habe ich festgestellt, dass um 6:11 gar kein Zug fährt. Ich bin nämlich um zwanzig nach fünf eigentlich als der Wecker klingelte tatsächlich wach gewesen und hab mich eine viertel Stunde später dann auch tatsächlich aus dem Bett geschält, Sportkleidung angezogen und bin losgefahren. Eigentlich, weil ich gegen Ende meines Workoutes bemerkte, dass ich meine Sporthose auf links anhatte und mir die ganze Zeit ein Waschzettel prominent auf dem Po herumwippte. Waren ja auch nur drei meiner direkten Kolleg*Innen mit mir im Fitnessraum.

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Pippi durfte neulich ihre Piercingstecker aus den Ohrlöchern rausnehmen, die 8 Wochen waren rum und alles sah super aus. Leider hat sie dann, ohne Bescheid zu sagen, noch mal andere Stecker reingemacht und die sehr fest zugeballert. Das war keine gute Idee. Aber wenn Sie mal Lust haben, direkt in den Abgrund der Elternhölle zu blicken, an deren Boden sich insbesondere Mütter gegenseitig zerfleischen, googeln sie mal „Ohrloch Kind entzündet“. Das war meinerseits keine gute Idee. Wir machen jetzt einfach weiter mit Piercingstecker (damit sich nichts einkapselt), Desinfizieren und Bepanthen (damit der Stecker nicht verklebt, was dann juckt, weshalb Pippi dann dran rumfummelt, natürlich ohne vorher die Hände gewaschen zu haben). Wenn es bis zum Wochenende nicht weg ist, fahre ich mit ihr zum Piercingstudio und frage, was wir da machen sollen. Google werde ich zu dem Thema jedenfalls nicht noch mal bemühen.

Tag 2791 – Es ist nicht alles schlecht.

Meine Geigenstunde war… so lala, so lala. Also der Lehrer ist nett und gut und hat sicher Recht in allem, was er sagt. Ich sehe das sogar selbst ein. Aber gesagt zu bekommen, dass wir erstmal ein Stück zurück gehen sollten und an grundlegender Technik arbeiten sollten, ist trotzdem nicht schön. Zugegebener Maßen hab ich vor lauter Aufregung auch grausig schlecht gespielt. Und ebenfalls zugegebener Maßen hat er auch was gelobt, nämlich meine Intonation. Und selbst die war heute mehr daneben als normalerweise. Aber Bogeneinteilung, Strichrichtung, Bogenhaltung, Geigenhaltung und Finger liegen lassen ist alles, äh, ja. Kann man dran arbeiten. Besonders sticht, dass das mit Finger liegen lassen auch schon meine Geigenlehrerin von damals gepredigt hat. Macht ja auch Sinn, ich find auch, dass ich die Finger viel zu viel bewege. Aber das nach ein paar Minuten spielen so gesagt zu bekommen, hmm. Au. Vor allem, wo da wegen Nervosität viel viel offensichtlichere Baustellen waren…

Ich bin übrigens immens kritikfähig und kein bisschen eingeschnappt, niemals nicht. Dem werd ich seine Etüden in der 1. Lage üben, dass er mit den Ohren schlackert. Ha. Bring it on.

Tag 2787 – Kurze Info für Obstbesitzende.

Heute nur eine Kurzmeldung:

Falls Sie, wie ich, AirPods Pro der 1. Generation, hergestellt vor Oktober 2020, haben und einer davon knistert, vor allem bei Bewegung, dann sind die kaputt (unbestreitbar). Aber es gibt auch ne gute Nachricht, nämlich dass das unter ein erweitertes Garantieprogramm von Apple fällt, weil das irgendwie deren Schuld ist. Ein Besuch beim Apple Service Center ihres Vertrauens könnte deshalb, wie bei mir, dazu führen, dass Sie am nächsten Tag neue AirPods im alten Case haben. Bei mir lief das ganze so geschmeidig, dass ich immer noch ganz verwundert bin und „Wie? Das war’s schon?“ in Siri rufen möchte.

Tag 2786 – Planeten.

Heute habe ich tatsächlich Jupiter und Venus gesehen, im Südwesten, genau wie es geschrieben stand. Hurra!

Ansonsten viel. Arbeit, Essen, Tanzen, Politik. Pendeln nicht zu vergessen. Jetzt ganz schön platt.

Leute bei der Arbeit sind echt nach vier Jahren noch überrascht/beeindruckt, dass ich Ohrringe und Lippenstift in zueinander passender Farbe (kirschrot, nichts ausgefallenes) habe und trage. Ich bin darüber höchstens verwundert, dass die das noch wundert und habe auch nur mit „selbstverständlich!“ geantwortet.

Tag 2785 – Der große Hund.

Michel fragte mich neulich, was das für ein Stern sei, den er von seinem Bett aus zur Bettgehzeit immer sehen kann. Ich sagte voller Überzeugung, das sei kein Stern, sondern ein Satellit oder so, für einen Stern sei der viel zu hell. Der „Satellit“ ist aber wirklich beharrlich jeden Abend da zu sehen und bewegt sich auch echt langsam, mich beschlichen also irgendwann doch gewisse Zweifel an meiner Aussage.

Dann schrieb heute Abend jemand in einer Facebook-Gruppe (von Menschen, die gut drin sind, das nächste Bild in der Reihe zu erkennen) sinngemäß „Ich musste googeln, ob es nicht Ufos sind, aber das hier [Bild von zwei absurd hellen Sternen Himmelskörpern] sind Jupiter und Venus!“.

Moment, dachte ich, Sterne Himmelskörper können so mega hell sein? (Stadtkind hier, don‘t judge me.) Und googelte mich bis zum Institut für theoretische Astrophysik in Oslo vor, die täglich den „Sternenhimmel heute“ veröffentlichen, in verschiedene Himmelsrichtungen und von verschiedenen Regionen Norwegens aus gesehen. Und ganz richtig, im Südwesten sind zur Zeit Jupiter und Venus zu sehen. Michels Fenster geht aber nach Süden. Und da wiederum müsste man Sirius sehen, den laut Google dritthellsten Stern Himmelskörper, den man von uns aus sehen kann, nach der Sonne und dem Mond. Aber wenn man Sirius sieht, müsste man auch Rigel sehen, und auch Betelgeuse und den Rest vom Orion (der ein bisschen wie eine schiefe Sanduhr aussieht). Dafür musste ich erst mal das Licht ausmachen, aber dann fand ich tatsächlich direkt über dem Dach vom Nachbarn Rigel, über dem Schornstein die Taille der Sanduhr, oben links und tatsächlich, wenn man lange genug guckt, deutlich gelber als die anderen Sterne, Betelgeuse und oben rechts Bellatrix.

Jetzt bin ich ganz fasziniert und muss dem Drang widerstehen, alles mögliche über Sterne und Sternbilder und… Gedön! zu lesen. Und frage mich auch ein bisschen, wie viele Harry-Potter-Namen wohl noch auftauchen würden, wenn ich mich, rein theoretisch natürlich, in diese Nachthimmelsache einlesen würde.

Angeblich gibt es heute Nacht auch Nordlichter. Aber so lange kann ich nicht wach bleiben, und generell ist es für nachts draußen sein auch zu kalt.

Tag 2784 – Urlaubsende.

Das waren drei schöne freie Tage mit einem Wochenende dran. Es ist ja schon ganz nett, mal so ein bisschen durchzuatmen. Morgen geht es wieder normal weiter, aber auch nur einen Monat, dann ist schon Ostern (willkommen zur norwegischen Definition von Ostern: Karwoche ist schulfrei und meist auch Kindergartenfrei, ab Mittwoch Mittag vor Gründonnerstag kann man eher den Osterhasen als einen norwegischen Arbeitnehmer [ausgenommen Krankenpflege/Polizei/Feuerwehr usw.] auf dem Weg zur Arbeit sehen. Das geht bis Ostermontag und den Dienstag drauf ist alles wieder normal).

Ich mache jetzt sehr zufrieden wohl einfach das Licht aus.

Tag 2783 – Neid.

Jedes Jahr um diese Zeit habe ich einen Anfall von Neid. Nicht Missgunst, ne, das sind ja verschiedene Dinge, und Neid ist ja eigentlich meiner Meinung nach ein stark überstrapaziertes Wort (gerne nahezu reflexhaft verwendet als Reaktion auf Kritik), aber um diese Zeit, Jahr für Jahr, trifft es zu. Ich bin neidisch auf Frühling. Ich will auch Schneeglöckchen, Krokusse und Narzissen. Ich will grünes Gras und Knospen an den Bäumen. Social Media verraten mir, dass Deutschland all das schon hat und wir machen hier noch zwei Monate mit Schnee und Schneematsch und Eis und dann tauendem Schnee und tauendem Eis und da drunter totem, seit Monaten luftdicht versiegeltem Gras rum. Wissen Sie, wie das riecht, wenn das taut? Wenn nicht, seien Sie froh. Ich hatte mal nen Kurs über verschiedene Arten bakteriellen Stoffwechsels, darunter alle möglichen Gärungen. Buttersäuregärung, wie sie manche anaerobe Bakterien machen, war auch dabei. Anaerobe Bakterien finden Eisschichten auf Gras, wenn der Boden nicht mehr durchgefroren ist, total supi. Es ist nicht jedes Jahr schlimm, aber dieses Jahr bietet Oslo dafür beste Bedingungen. Und da riecht es eh schon oft schlimm, zum Beispiel bei Regen nach längerer Trockenheit, wenn in der Kanalisation die angetrockneten Reste aufgeweicht werden.

Damit Sie auch ein bisschen neidisch werden: wir hatten heute bestes Winterwetter. In den letzten Tagen gab es ein bisschen frischen Schnee, der die grauen Eishügel überpudert hat. Seitdem kann man auch wieder draußen herumlaufen, ohne bei jedem Schritt Angst haben zu müssen, sich die Haxen zu brechen. Dazu sind wenige Minusgrade, der Schnee bleibt also liegen und es herrscht strahlender Sonnenschein. Winterwonderland. Herrlich zum spazieren gehen und selbst ein bisschen Vitamin D Produzieren.

Wenn jetzt noch Krokusse… aber lassen wir das.

Tag 2782 – Frische Luft.

Der Tag hatte viel zu bieten, das meiste war gut aber diese Plastikdruckknöpfe, die einer als total praktisch easy peas einfach reindrücken verkauft werden, sind übrigens echt kacke. Immer noch. Nach den Druckknöpfen musste ich erst mal dringend eine Runde spazieren gehen um den Frust aus dem Kopf zu laufen. Das hat aber recht gut funktioniert, danach konnte ich mit dem Tag weiter machen. Aber hey, immerhin hab ich mal wieder was genäht!

Nach einem neuen Anlauf Bach (offenbar habe ich die 2. Lage vernachlässigt, rächt sich jetzt, hmm) bin ich aber so verkrampft und allgemein fertig, ich mache jetzt einfach die Augen zu.

Tag 2781 – Weiter Ferien!

Das Puzzle ist fertig, deshalb ist es auch schon so spät. Ich bin es am Ende systematisch angegangen und habe die übrigen Puzzleteile nach Form sortiert und dann nach bestimmten Teilen gesucht. Das Motiv ist sehr schön, aber das waren viele sehr gleich aussehende Teile zum Schluss. (Nicht schwarz übrigens, sondern ganz dunkles grün/blaugrün.)

Ich muss endlich das mit den Fotos fixen.

Heute habe ich aber gar nicht so viel gepuzzelt, sondern wir haben alle vier einen Ausflug nach Oslo gemacht. Michel hatte sich nämlich gewünscht, dass wir mal zum House of Nerds gehen und alte Nintendospiele ausprobieren. Das haben wir gemacht und Michel fand es auch „ein bisschen gut“, was mehr ist, als ich erwartet hatte, weil er eigentlich erst gar nicht rein wollte und dann die ganze Zeit unruhig herumtigerte, weil wir da ja nicht allein waren. Menschen! Fremde! Gruselig. Ich würd ihm da so gern helfen, aber da hilft ja nichts, außer der Erkenntnis, dass den anderen Menschen da ziemlich egal ist, wer man ist, wie man aussieht und was man macht. Wenn man nicht interagieren will, lässt man es eben, ist ja total ok. Dass wir ihn dann aber gezwungen haben, in der Mathalle sein Essen an einem Tisch, an dem auch die Jacken von zwei anderen Personen lagen (die Personen selbst waren nicht zu sehen und der Tisch auf 6-8 Personen ausgelegt und es einfach brechend voll) zu essen, war glaube ich in seinen Augen kurz vor Folter. So schnell hat er noch nie gegessen, vor lauter Angst, die Jackenbesitzenden könnten wieder kommen.

Michel weiß jetzt auch, dass Röhrenfernseher (die alten Super Nintendos und N64 kann man scheinbar nicht an moderne Fernseher anschließen) hochfrequent sirren/fiepen und findet das komplett inakzeptabel. Die Bedienung per Knopf am Gerät kam ihm auch sehr altertümlich vor. Vielleicht hätte ich noch routiniert in die Spielkassette pusten sollen, um ihn ganz aus dem Konzept zu bringen, aber ich will ihn ja auch nicht unnötig kirre machen.

Michel ist nach außen hin auffälliger seltsam als ich. Ich kriege nur Kopfschmerzen und bin nach so einem Nachmittag (Kinder, die sich völlig erratisch konstant bewegen, Pippi, die die ganze Zeit erzählt und Geräusche macht und Großstadt ist für mich keine optimale Kombination) so fertig, dass ich im Zug einschlafe. Und danach spiele ich ne Stunde lang Bach (weiterhin sehr schwer, aber es hilft, die Stücke so oft gehört zu haben, dass man sie auswendig kann) und puzzle noch anderthalb Stunden, zum Runterkommen.