Tag 2666 – Humba humba ta-ta-ta-tadeldadelda-tadeldadela-ta…

Es war wieder so ein Korpskonzert, von unserem Schulkorps. Da spielen ja nun mal beide Kinder und man hat da jetzt nicht so ganz die Wahl, ob man als Elter da hingeht. Heute war außerdem Pippis erstes Konzert und Michel hat solo gespielt (naja, eher ein Duett) und überhaupt. Meine selbstverständlich musikalisch hochbegabten Kinder haben natürlich herausragend wohlklingend musiziert und keinesfalls an random Stellen auf die große Trommel gehauen oder teilweise während des Duetts eine neue Art von Harmonielehre improvisiert. Und auch sonst war das ganze natürlich ein reiner musikalischer Hochgenuss. Ich musste mir auch gar nicht ganz hart das Lachen verkneifen, als die Alumni-Gruppe des Korpses ausgerechnet „wir singen humba humba humba täterääää“ spielte. Und Walzer nr. 2 von Shostakovich ist eine ausgezeichnete Wahl für eine mittelgute Schul-Blaskapelle, die außerdem nur eine Klarinette hat (und wie leise ist denn 1 Klarinette bitte?), das ist ja Gott sei Dank kein schwieriges Stück.

Immerhin schlief die kleinere der zwei Rübennasen sehr schnell ein, nachdem sie erst noch meinte, sie sei überhaupt nicht müde und dann feststellte, sie sei jetzt doch ganz plötzlich sehr müde geworden. War wohl ein aufregender Tag.

Tag 2663 – Gute Ideen, schlechte Ideen…

Äpfel sind im Angebot, norwegische Äpfel, die guten. Da kann man ja mal Apfelmus machen. So… 5 kg. Das kann man machen, wenn die Kinder im Bett sind, und nebenher kann man ein paar Folgen The Good Doctor bingen und den Prosecco von Donnerstag leer machen und noch ein Ginger Beer hinter her kippen, weil halt. Dann ist es irgendwann sehr spät und ups, das Bett ist ja noch abgezogen und ich glaube das Apfelmus muss morgen fertig kochen, weil das Ginger Beer zwar lecker war aber auch überraschend stark. Hoppla.

Tag 2659 – Wie ich mal voll stolz war…

… zum Zahnarzt gehen zu können mit blitzsauberen Zähnen, dank High-Tech-Luxus-Zahnbürste. Löcher hab ich ja nur minimale in zwei Backenzähnen, die sind nicht mal gefüllt, weil das scheinbar out ist, Löcher zu füllen die nicht größer werden und keine Beschwerden machen. Das ist immer langweilig, der Zahnarzt (oder in Deutschland war es noch die Zahnärztin, so lange habe ich diese Minilöcher nämlich schon) piekt dran rum, sagt dann „das ist alles fest, einfach beobachten“, ein minibisschen Zahnstein entfernen, einmal polieren und dann in nem Jahr repeat.

Aber heute früh rief leider die Sprechstundenhilfe an, der Zahnarzt sei leider mit krankem Kind zu Hause. Tjanun. Neuer Versuch in drei Wochen. (Und willkommen in Norwegen. Kann mir nicht vorstellen, dass das in Deutschland so passieren würde, aus gleich mehreren Gründen).

Jedenfalls habe ich jetzt ganz umsonst blitzsaubere Zähne. Aber das macht gar nichts, weil ich das Gefühl total mag. Die Zahnbürste war eine sehr gute Anschaffung. Falls Sie sich fragen, welche: es ist glaube ich die Nummer 3 des aktuellen Stiftung Warentest-Tests. Warum ausgerechnet diese? Tja, die günstigeren, ebenfalls sehr gut getesteten Alternativen sind hier allesamt nicht erhältlich und diese war im Angebot immerhin halbwegs bezahlbar, im Gegensatz zu Nummer 1 und 2, die eben nicht im Angebot waren. Mit der Zahnbürste kommt eine Reihe Schnickschnack, wie eine App, die anzeigt, wo man im Mund putzen soll und diverse Programme an der Zahnbürste selbst. Ich mache gerne abends „gum health +“, mit extra Massagefunktion fürs Zahnfleisch nach dem eigentlichen putzen. Morgens lieber „white +“. Am Wochenende, fürs Luxusgefühl, auch mal „deep clean +“. Echt viele Möglichkeiten und – das kann ich jetzt am Zyklusende verkünden – keinerlei Probleme mehr mit blutendem Zahnfleisch. Nix. Nada.

Beste Anschaffung. Freue mich jetzt drei Wochen lang drauf, den Zahnarzt davon zu erzählen.

Tag 2658 – Finger verbrannt.

Der IT-Projekt-Hass nimmt Ausmaße an, die hatte ich so kurz vorm Ende nicht für möglich gehalten. Andererseits ist es ja nur für mich das Ende, nicht für den Rest vom Werk, die dürfen sich noch weiter damit herumschlagen. Heute sind da allerdings auch wieder Sachen aufgetaucht, die hätte ich in einem staatlichen, norwegischen Etat nicht für möglich gehalten und jetzt weiß ich nicht so ganz, was ich damit machen soll (es ist nichts in irgendeiner Form illegales). Vielleicht schaffe ich es ja noch ne Woche oder zwei, auf meinen Händen zu sitzen? Aber das wäre gegen meine Integrität. Ach, ach.

Whatever. Bald vorbei, bald vorbei. Und sowas mache ich NIE. WIEDER. Niemals mehr. Generell glaube ich, ich gehe jeglicher Projektarbeit lieber aus dem Weg. Was für ein Clusterfuck.

Tag 2657 – Einfach schlafen.

Heute war in Norwegen die sogenannte „TV-Aktion“. Stellen Sie sich einen Spendenmarathon vor, aber alle machen mit, nicht nur 1 Sender. Alle Sender. Alle Radiostationen. News-Seiten. Kinder gehen von Tür zu Tür, um für einen guten Zweck zu sammeln. Dieses Jahr für Ärzte ohne Grenzen und die Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten -Initiative. Durchaus unterstützenswert also. Dass Kinder von Tür zu Tür gehen wird von den Schul(-elternräten) organisiert und da war administrative Not an der Frau, also sagte ich zähneknirschend zum Helfen zu. Das war relativ wenig schlimm (Dosen austeilen, Ausweise kontrollieren, Telefonnummern aufschreiben, sowas halt), allerdings sehr lang und Leute und huff. Nach den letzten 2 Wochen wollte ich eigentlich niemanden sehen, mein Akku ist auch was Menschen angeht echt total leer, ich kann kaum den normalen Kinder-Mecker-Streit-Lautstärkepegel aushalten und habe mir mehrfach die Ohren zuhalten müssen. Unter Leuten mache ich das natürlich nicht und dann entlädt sich der Akku halt noch mehr. Seit ich wieder zu Hause bin, möchte ich mich eigentlich weinend in der Ecke aufrollen oder schlafen oder beides. Und ich übertreibe da nicht. Das ist übrigens auch, was mein PMDS normalerweise ist. Vollständige Antriebslosigkeit für normale Dinge, selbst welche, die mir Spaß machen, gepaart mit großer, plötzlicher und alles umfassender Traurigkeit. Alles garniert mit eskalierenden Selbsthass, weil ich den A… nicht hochkriege und eine furchtbare Mutter/Ehefrau/Arbeitnehmerin etc. bin. Nur noch ein paar Tage.

Morgen Büro. Ich möchte schon beim Gedanken daran in Tränen ausbrechen.

Tag 2655 – Tatadaaaa!

In diese Richtung ist der Jet lag nicht so schlimm. Aber mir fällt generell ja lang wach bleiben wesentlich leichter als früh aufstehen.

Heute Abend haben wir die Kinder mitgenommen in die Philharmonie. Da war nämlich Filmmusikabend und das, dachte ich, gefällt beiden. Außerdem stand das im Programm auch als kindergeeignet und ich hatte die Hoffnung, dass dann nicht so schlimm ist, wenn eins oder beide Kinder eventuell nicht ganz mucksmäuschenstill für zwei Stunden da sitzen.

Und es war großartig! Also die Kinder fanden es gut (Pippi) bis total super (Michel). Pippi fand gut, dass sie auch für zwei Stücke (Frozen 2 und The Greatest Showman) eine Sängerin dabei hatten, die sehr schöne Kleider trug. Außerdem fand Pippi super, dass da fünf (5!!!) Schlagwerkspieler spielten, eigentlich sogar sechs, weil ein Pianist/Celesta-Spieler auch noch dabei war. Ansonsten wollte ich Pippi gerne irgendwann in ihrem Glitzerkleidchen am Stuhl festtackern, weil dieses Kind einfach keine Minute still sitzen kann und darüber hinaus konstant Geräusche produziert. Aus Begeisterung und Mitteilungsdrang zwar, aber trotzdem unpassend. Gesagt hat aber keiner was (außer mir halt).

Das Konzert war wirklich super. Filmmusik ist ja gemacht dafür, Emotionen zu transportieren und mit einem riesigen Orchester geht das natürlich auch leicht. Es war aber auch alles dabei, James Bond, Star Wars, Mission impossible, Superman, Harry Potter (das Celesta muss ja genutzt werden), Herr der Ringe, E.T., Jurassic Park und einiges mehr. Nur Hanz Zimmer nicht, weil der wohl seine eigenen Konzerttourneen macht und die Rechte nicht weitergibt, las ich. Wunderschön gespielt war Schindlers Liste (vom Solisten von vor drei Wochen, der auch ein sich grenzwertig viel bewegender Konzertmeister für den Rest des Abends war). Gänsehaut am ganzen Körper bei mehreren Stücken. Genereller Eindruck: Schlagwerk, aber vor allem Blechbläser, haben bei Filmmusik wesentlich mehr zu tun, als sonst gerne mal in Orchestermusik, dafür verschwinden die Holzbläser eher ein bisschen in der Klangmasse (wenn’s nicht grad Herr der Ringe ist). Aber macht wirklich Spaß zu hören, man darf zwischen den Stücken klatschen und ich empfehle das wärmstens weiter für Leute, die nicht soooo an klassischer Musik interessiert, aber neugierig auf Orchester-Konzerte sind. Falls ihnen sowas mal unterkommt, gehen Sie ruhig hin. Die Moderation war ebenfalls super, aber das ist natürlich überall anders.

Am besten hat mir gefallen, dass sich Michel bei der Zugabe (Pirates of the Caribbean) kaum halten konnte vor Begeisterung und wild auf seinem Stuhl wippte und mit den Armen wedelte. Manchmal ist der noch so niedlich! Unverstellte, kindliche Begeisterung.

Morgen üb ich dann auch selbst wieder. Heute hab ich die Geige abgeholt, die hat jetzt keine Macken mehr im Lack. Hurra!

Tag 2653/54 – Heimreise.

Der Baum ist gepflanzt worden, es war alles in allem eine sehr hyggelige Veranstaltung, auch wenn ich, als ich mit einem Minischäufelchen symbolische Mengen Erde auf dem Wurzelballen verteilte, harte Beerdigungsassoziationen hatte. Die Kollegin auch, stellte sich später heraus. Ein paar Höflichkeitsfloskeln später und um zwei aufgezwungene Mappen Papier (Audit File und CAPA File) „reicher“ saßen wir wieder im Taxi, das erste mal im Hellen.

Der Rest war dann Heimreise. Ingesamt über 24 Stunden. Geschlafen habe ich davon ca. 5-6, allerdings unglaublich schlecht, weil meine Füße kalt waren, mein Po kalt war, die Ohrenstöpsel nicht saßen, mir die Hüfte weh tat oder sich jemand auf dem Weg zum Klo auf meinem (bis dahin) schlafenden Körper abstützte.

Dann kam am Ende auch noch kein Taxi und ich saß dumm und mit immer vollerer Blase am Bahnhof herum

Insgesamt war das sehr anstrengend, aber es war sehr schön, die Familie wieder zu sehen und an den Kindern zu riechen und sie postwendend unter die Dusche zu schicken.

Jetzt schlafen. Hoffentlich besser als letzte Nacht.