Es war 1 scheißtag. Eh schon und dann flatterte noch was ins Haus, das jetzt dazu führte dass wir ein im Gesundheitswesen herumklagen werden. Schon allein, weil es echt nicht schön ist, über einen Brief Rotz und Wasser wegen lauter sachlichen Fehlern, schlechter Behandlung und schlecht versteckter Angepisstheit zu vergießen.
Höchstens akzeptabel wenn nachts um zwei verfasst.
Darauf die zwei anderen Gläser Wein, die noch in der Flasche waren.
Ich war im Büro, um sehr viel Papier wegzuwerfen, das ich nicht einfach in die heimische Papiertonne werfen kann, weil das Betriebsgeheimnisse sind. Das gelang mir, ich fuhr mit einer sehr vollen Tasche ins Büro und mit dem Beutel zusammengeknüllt im Rucksack von dort wieder los. Ich weiß jetzt auch, dass der Schlitz an der Destruktionstonne im Werk exakt DIN A4 breit ist, also knapp zu schmal für US Letter-Format. Ich weiß ebenfalls, dass unser Scanner schlau genug ist, auf 90% der Seiten den gelben Hintergrund (die Amerikaner hatten alles auf gelbes Papier gedruckt, warum auch immer) im Scan weiß zu machen. Dass der Scanner auch A5 (meine Notizen) und doppelte Letter-Größe (Floorplan der Fabrik) problemlos scannt. Und dass ich beim nächsten mal noch rigoroser aussortieren kann, was ich mitnehme, weil das meiste halt dann doch unnötiger Kram ist, den man nie mehr anschaut. Zugeschicktes ausdrucken ist auch Blödsinn, das wusste ich vorher, hab es aber noch mal probiert mit diesem Papier und nee, das ist nichts für mich, da kann man schlechter drin suchen als in jedem pdf und einzelne Sätze oder Bilder in One Note (als, ich glaube, einzige Inspektørin im Werk bevorzuge ich das für meine nicht handschriftlichen Notizen) kopieren ist auch nicht so einfach.
Bei der Arbeit war ich auch ansonsten sehr produktiv und muss jetzt morgen „nur noch“ eineinhalb sehr dicke Kühe vom Eis schaffen, von denen eine auch noch taub, blind, lahm und überaus stur ist. Danach ist aber Urlaub.
Nach der Arbeit hatte ich, vom Papier befreit, sehr gute Laune. Ich fragte zu Hause an, ob es wohl ok sei, wenn ich mir spontan die Haare schneiden ließe. Jaja, hieß es. Also schlenderte ich so Richtung Oslo City durch Byporten (die Frisörkettenapp hatte gesagt, da sei die kürzeste Schlange und „zufällig“ kommt man da auch an einer Backstube vorbei und Backstube hat authentische Laugenstangen, Franzbrötchen und Apfeltaschen, was will eine da machen). Oh, Taschenbücher, schau an, ein neuer Jussi Adler Olsen, dachte ich, als ich an einer Buchhandlung vorbei kam. Oh, und Kastaniemannen als Buch, da brauche ich die Serie nicht schauen (traumatisiert von True Detective hier, was in Bäumen hängende Basteleien an Tatorten angeht). Oh, 40% auf alle Spiele und Puzzles. Oh, Puzzles von Lisa Aisato. Oha.
Gekauft. (Strong enough ist eine seltsame Übersetzung. Gut genug reicht doch?)Gekauft. (In dieser Übersetzung geht der Wortwitz verloren. Den kann man aber auch schlecht erklären, es ist eine Anspielung auf „bergtatt“, was etwa „gefesselt“ oder „versunken“ heißt, inklusive der mitschwingenden nicht-ganz-Freiwilligkeit.)
Haare schneiden lassen war ich dann tatsächlich auch noch. Das ist ja bei mir eine Sache von wenigen Minuten und deshalb gehe ich gerne zur 15-Minuten-Friseurkette, einmal 9 mm an den Seiten und im Nacken, leichten Fade und oben irgendwie wieder wie ne Frisur. Duschen kann ich zu Hause, die wenigsten Friseure waschen ja überhaupt nach dem Schneiden nochmal, da brauche ich die Wascherei generell nicht. Wenn ich mal Geld beim Friseur lasse, dann gerne richtig, aber insgesamt waren die meisten der Friseurbesuche in den letzten Jahren, die eher viel Geld gekostet haben, Verschwendung. Manchmal sah ich hinterher auch eher pfiffig aus. Da lasse ich mich lieber innerhalb von 5 Minuten mit der Maschine scheren und lasse die Farbe „mausblond mit wachsendem Anteil von unpigmentiert“.
P. S. Das Parfum ist wieder da. Ganz von selbst stand es plötzlich wieder im Bad, nachdem ich den Kindern gesagt hatte, dass ich es wirklich schön fände, wenn es wieder auftauchen würde. Schon kriegen die Dinge Beine und ein Gewissen und laufen selbst zurück.
Wir waren heute im aktuellen Minions-Film, alle zusammen, in unserem Dorfkino. Das war tatsächlich wie erwartet sehr lustig, also wenn man Minions und deren quatschigen Pupshumor ganz grundsätzlich mag. Wir mögen das alle vier und ich fand vor allem sehr schön, wie sich Michel freute und sich mitreißen ließ. Ich mag Ferien-Michel echt gern, der ist wie Michel früher*, nur größer und mit mehr Wissen zum Klugscheißern. Keine Ahnung, wie wir das in die Schulzeit retten sollen, weil ich glaube, dass Erwartungsfreiheit da eine ganz entscheidende Rolle spielt, aber wir können es ja versuchen. Irgendwie.
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*er sagt auch nicht mehr Mimjims, was irgendwie schade ist
Ich kämpfe gegen den Jetlag. Es ist hart. Tagsüber müde, aber wenn ich endlich im Bett liege, bin ich erst mal wach.
Gestern war nicht so viel los, erst Arbeit (und davon zu viel und zu Ad-hoc, ich wünsche mir, dass diverse Hersteller jetzt einfach sofort Urlaub machen und nicht mehr mit irgendwelchen Katastrophen und Schnapsideen um die Ecke kommen), dann müde. Zwischendurch viel Kinder herumgefahre. Pippi hatte ihren letzten Hort-Tag vor den Ferien und Michel hat die Woche über an einem Redesign-Kurs teilgenommen, ca. 5000 Kissen aus Hosenbeinen und Pulloverärmeln genäht und wünscht sich jetzt eine Nähmaschine. Michel ist jetzt generell in den Ferien angekommen, viel entspannter als in der Schulzeit und labert uns Knöpfe an die Backe, wie früher. Hach. Gestern war er sogar so entspannt, dass er, halten Sie sich fest, Sushi probiert hat UND er hat gesagt, das sei ja gar nicht so schlecht. Etwas anderes als Sandwich und Würstchen und es war nicht mal Ketchup drauf!
Abends habe ich Geige gespielt, das war auch schön und hielt mich vom Schlafen ab.
Heute habe ich viel zu lange geschlafen und hatte dann schlechte Laune. Dann habe ich das Sofa bezogen. Neulich hatte ja niemand(TM) mit einem Nahtauftrenner ein großes Loch und mehrere kleine Löchlein in den Sofabezug geschnitten, was mich ärgerte, aber andererseits war der Bezug eh schon so verblichen und ich wollte schon länger einen neuen. Ist ja Ikea, dachte ich, kauft man einfach nach. Das Sofa an sich ist ja noch total ok. Haha, sagte Ikea, die Nockeby-Serie haben wir aber nicht mehr. Ätsch. Nach einigem wutschnaubenden Gegoogle fand ich aber heraus, dass es Läden gibt, die sich genau das zum Business gemacht haben, und die für alte Ikea-Serien Bezüge auf Bestellung nähen. Ich bestellte also ein paar Stoffproben und etwas später einen Bezug in „Tweed Denim“. Heute zog ich den auf, das klingt jetzt so locker flockig, aber war immens schweißtreibend und ich hatte zwischendurch großen Hass auf alles*. Als dann auch noch Michel reinkam und empört war, dass ich seinen Lieblingsplatz auseinandergenommen hatte, platzte mir ziemlich der Kragen und ich schmiss ihn aus dem Wohnzimmer.
Jetzt herrscht strengstes Ess- und Trinkverbot auf dem Sofa. Ich weihte es ein, nachdem ich geduscht hatte (Schweiß und Stoffstaub abwaschen), mit einem Kaffee in der Hand, weil ich groß bin und meine eigenen Regeln brechen kann wenn ich das will und kein Kind mich dabei sieht.
Der neue Bezug ist wunderbar weich, waschbar, ließ sich genauso gut oder schlecht aufziehen wie original Ikea, und hat uns vor der völlig unnötigen Anschaffung eines neuen Sofas bewahrt. Ich würde sagen, das hat sich gelohnt. Jetzt bestellen wir noch bei einem anderen Laden einen neuen Bezug für den Hocker, weil natürlich zu viel verlangt wäre, dass einer der beiden Läden für beide Modelle etwas anbietet. Dafür machen wir vielleicht beim Hocker ein bisschen Quatsch bei der Stoffwahl, ist ja nur der Hocker.
Alles in allem empfehlenswert. Dauert ein paar Wochen, aber dafür hat man auch eine viel größere Stoffauswahl. Echte Wolle aufs Kivik ziehen? Warum nicht.
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*Ich habe gesehen, dass es jetzt T-Shirts gibt, auf denen steht „Ich war beim Yoga und hasse jetzt alle etwas achtsamer“. Das ist auffällig nah an einem Tweet von mir aus 2016, „War beim Yoga und hasse jetzt alles etwas achtsamer“. Ich habe wenig Gefühle dazu, dass mein geistiges Eigentum ohne meine Zustimmung, die man sich recht problemlos hätte holen können, weil ich ja wenig Gefühle dazu habe, zum Gelderwerb verwendet wird. Bitte, macht**. Aber dann macht es doch bitte richtig. Ich hasse nicht alle. Ich hasse alles. Man könnte sagen, da sind Menschen inkludiert, aber ich möchte davon Abstand nehmen, Menschen generell zu hassen. Meist hasse ich Umstände, werde sauer auf Dinge (zum Beispiel die versch*ssene Dose meiner Levaxintabletten, die ich nicht aufbekomme, was mich zu meiner ersten Beschwerde an ein Pharmaunternehmen veranlasst hat) oder will gegebenenfalls allein in eine Höhle im Wald ziehen. Aber nicht, weil ich Menschen hasse. Ich bezeichne mich als Misanthrop, weil ich wünschte, es wäre so, dass mir Menschen egal sind oder ich sie grundsätzlich blöd finde. Die Wahrheit ist, ich verstehe Menschen oft nicht. Menschen machen ständig dumme Dinge, zum Beispiel dafür stimmen, dass Schwangere kein grundsätzliches Recht auf Abtreibung haben sollen. Das verstehe ich nicht und dann werde ich traurig weil ich schon wieder das Gefühl haben muss, nicht zur Herde zu gehören und da ist Hass das angenehmere Gefühl und dann hasse ich _die Entscheidung_. Nicht den Menschen, der sie getroffen hat, den kenne ich ja nicht. Vielleicht ist der ansonsten echt ok. Wer weiß das schon. Ich glaube, die wenigsten Menschen verdienen, gehasst zu werden. Definitiv verdienen das nicht alle und niemand grundlos.
Deshalb alles. Nicht alle.
Zu dem Tweet gibt es übrigens eine Geschichte und an dem Tag hasste ich WordPress, Twitter, Instagram und das Zusammenspiel von all dem mit einem Blogdruck-Anbieter. Dann war ich morgens beim Yoga, wo die Instruktorin ernsthaft sowas fallen ließ, was in die Richtung ging, wenn Hitler bloß achtsamer gewesen wäre, wäre der Holocaust nicht passiert. Ich fand das doch arg weit hergeholt und konnte nicht lassen, das in einen sehr kurzen und knackigen Tweet zu gießen, als Fortsetzung meines Rants über WordPress am Morgen.
Achtsamkeit ist ja auch so ein Thema. Das ist bestimmt gut für viele, aber mich stresst es, zusätzlich zu allem anderen auch noch achtsam sein zu sollen, weil mir das so unendlich fremd ist. Jetzt mache ich aber ganz achtsam das Licht aus und stelle mir für morgen einen Wecker, damit ich nicht gleich wieder mit schlechter Laune aufstehe.
**Andererseits hat die Bank grad unseren Zinssatz für den Hauskredit um 0,5 Punkte erhöht und wird wohl im August noch mal um 0,25 Punkte erhöhen, insofern muss ich das mit den Creative Commons doch noch mal überdenken.
Zwischen den Mahlzeiten schlafen hat gut geklappt, allerdings waren das nur 3,5 Stunden. Eben bin ich dann erst in Pippis und noch mal länger in Michels Bett eingeschlafen und jetzt liege ich in meinem und bleibe da. Jetzt darf ich ja, aber sowas von.
Abendessen gewesen, unglaublich viel Geld verballert, aber extrem leckere Linguini mit Meeresfrüchten gegessen. Als Nachtisch gab es ein Key Lime Dingens, in das ich mich hätte reinlegen können. Dazu zwei Gläser Wein. Was macht man nicht alles auf so Inspektionen, ne?
Der Koffer ist gepackt und der Pilotenstreik verschoben. Morgen geht es nach Hause. Ich freue mich, auch wenn das hier wirklich eine gute und spannende und lehrreiche Erfahrung war.
(Lehrreich auch: ich mache das im großen und ganzen schon echt ok und auch wir als Popel-Norwegen-Miniland sind echt nicht schlecht dabei in diesem Spiel.)
Viele Bilder gemacht, aber kaum noch Datenvolumen.
Leichter Sonnenbrand im Ausschnitt, wahrscheinlich da nicht gründlich genug eingecremt.
Durchgeschwitzt (mehrmals). Dreckig auch, eingestaubt bis zum Knie. Wir riechen wahrscheinlich auch interessant.
Über 24.000 Schritte (16,5 km) auf der Uhr und der Tag ist noch nicht rum.
Jetzt dürften Sie wissen, wo ich bin, aber über die Inspektion erzähle ich ja trotzdem nichts, nicht wahr.
P.S. Es gibt auch 1 Foto von mir an dem Punkt. Da grinse ich drauf. Reflexhaft weil „komm ich mach ein Foto“ und Verwirrung und allgemeine Schlappheit und langsam im Kopf und man lächelt ja auf Fotos, hat man so gelernt, macht man so. Kann ich jetzt nicht zeigen, weil dann kommt die Social Media-Polizei und wirft mit Kot weil ich das ja alles nicht respektiere, ganz offensichtlich. Es gibt auch ein Gruppenfoto, an diesem Punkt, auf dem grinse ich schon nicht mehr, weil die Verwirrung da schon nachließ. Aber die anderen kennen die Social Media-Polizei nicht. Tja.
Das war da übrigens gleichzeitig sehr schön, imposant und beklemmend.
Ich habe heute endlich meine Reiseabrechnung angefangen. Hurra. Ich habe auch meinen Zyklus nachträglich getrackt. Doppelt Hurra. Außerdem war ich Wasser kaufen, weil das Kranwasser hier gechlort ist und weil an der Kasse jemand saß, der das offenbar noch nicht so lange macht, hätte ich fast 47$ für 3 Liter Wasser bezahlt. Habe ich dann nicht, sondern bin noch mal zurück zum Regal, habe den Fehler entdeckt (der hat den Preis für ein Paket á 24 Flaschen 6 mal eingescannt…) und dann doch 3 x 1 Liter im 3 für 3$-Angebot gekauft. Und jetzt frage ich mich, wie wenig wach man bei der Arbeit sein kann, dass man nicht mal stutzt, wenn die Kasse für 6 x 0,5 L Wasser der am wenigsten fancyen Marke 47$ ausspuckt.