Tag 2532 – Nicht cool.

Ich würde gerne behaupten können, dass ich diese Reise routiniert und tiefenentspannt angehe, weil ich ja dauernd reise, aber dieses Mal ist halt alleine (ohne meine Kollegin und meinen Kollegen, mit einem Inspektor aus einem anderen Land, den ich bisher nur auf Bildschirmen gesehen habe) und über mehrere Zeitzonen hinweg. Ein Drittland. Irgendwann musste das ja passieren, aber jetzt ist es sehr real und uff. Wahhh.

Einzig beruhigend, dass ich erfahrungsgemäß souverän rüber komme, egal wie sehr ich mir vorkomme wie ein verkleidetes Kind.

Tag 2531 – Krankenpflegeperson.

Falls Sie mal eine sehr müde Frau im Zug von oder nach Oslo sehen, die Nähte auftrennt, bin das wahrscheinlich ich. Bis zum Flughafen hatte ich die Ärmel ab, der Rest der beiden Fahrten ging dafür drauf, das vermaledeite Schrägband wieder abzumachen. Die Anleitung beschrieb die Montage des Schrägbandes nämlich schludrig (einfach drüber legen und festnähen) und genau so sah es dann auch aus. Also alles ab und neu, mit auseinanderfalten, Rundungen einknipsen, feststecken, festnähen, rumfalten, Rundungen einknipsen, wieder feststecken, wieder festnähen. Das dauert, aber nicht so lange wie alles zwei mal machen und zwischendurch auftrennen.

Ohne Ärmel und weiterhin in hellblau sieht es jetzt ein bisschen aus wie das, was hier die Intensivkrankenpflegepersonen tragen, nur dass das dunkelgrün ist.

Jetzt ist es in der Waschmaschine, als Vorbereitung auf eine Runde baden in Jeansblau. Ich glaube mit den hellblauen Nähten könnte das sogar ganz nett aussehen. Wir werden sehen.

Übermorgen geht es los, wär halt schon irgendwie gut, wenn ich mich bekleiden könnte.

(I’m peeing my pants, aber sagen Sie es niemandem, ja?)

Tag 2530 – Judo.

Jumpsuit in hellblauem Leinen mit weiten Armen und weiten Beinen? Blöde Idee. Sieht aus wie ein Judoanzug. Jetzt überlege ich fieberhaft, wie ich das fixen kann. Werde wohl die Ärmel abmachen und ihn dunkelblau einfärben und aufs Beste* hoffen. Hat dann halt Ziernähte in hellblau.

So ein Sch…

Nein, keine Fotos.

*einen höheren Grad an ausgestrahlter Seriösität

Tag 2529 – Neuer Freund.

Heute hatten wir Besuch aus Oslo, nach langer Zeit haben uns A. und A. und M. besucht, und zum ersten Mal überhaupt J. Wir haben nichts großartiges gemacht, sondern nur auf der Terrasse rumgehangen, was auch mal schön war. Die Mädels haben gespielt, gemalt, gebastelt, mal zusammen und mal jede für sich. Michel hat sich heimlich die kleine Switch gemopst und kriegt deshalb morgen Ärger, sobald er sie wieder rausgerückt hat. A. und ich haben uns geupdated (wie schnell ist denn so ein Studium rum bitte?) und J. und ich sind jetzt glaube ich Freunde. Wir haben uns angeregt unterhalten, er mit Gurgellauten und Gröööglöglögl und Bfff und ich nur marginal eloquenter (es ist ja immerhin Wochenende). Am Ende aßen wir gemeinsam Wassermelone, es war ein Speichelfest sondergleichen. Außerdem spielten wir das beliebte Spiel „ich düse mal in eine besonders interessante Ecke ab und gucke mal, ob die Erwachsenen wirklich jedes Mal hinterherkommen“ [ja]. Deute all das als Freundschaft. Wir sind jetzt so!

Babys sind ja schon süß, vor allem so entspannte und fröhliche Babys und wenn man sie nur für ein paar entspannte und fröhliche Stunden sieht. Also fremde Babys – Daumen hoch! Aber ich mach das nicht noch mal und das ist super gut so. Anderer Leute Babys dürfen mir dann gerne bei Gelegenheit auf die Hose sabbern, das finde ich bei denen dann ganz entzückend und gar nicht schlimm, weil es eine von vielen Hosen ist und nicht jede, jeden Tag.

Tag 2528 – Sauber.

  1. Fertig getestet (für‘s erste)
  2. Letzter Schultag vor 9 (neun) Wochen Ferien
  3. Für Pippi Sandalen und für Michel Regenzeug gekauft und kein Kind dabei ausgesetzt, obwohl ich wollte
  4. 90 bpm nahezu durchgehend in überwiegend akzeptabler Qualität (120 ist das Ziel, das ist ambitioniert, 90 war schon ein Kampf. Aber erst war 80 auch schon schwer und gegen 90 fühlt sich 80 jetzt nahezu einfach an). Ich rede von einem der Kinderkonzerte, die ich übe. Aber ich will es halt auch nicht spielen, wie ein 10-Jähriges (nicht Wunder-)Kind. Sondern sauber und klar und nicht hingewurschtelt.
  5. An einem Nähprojekt alle Schnittkanten versäubert. Ätzende, langweilige Arbeit, leider nötig.
  6. Am Jumpsuit einen längeren Reißverschluss eingebaut. Nicht angehabt bisher, aber ich nehme an (hoffe), dass ich jetzt besser rein und raus komme, da hatte ich nämlich unterschätzt, wie viel dicker mein Hintern als meine Taille ist.

Jetzt Bett, wird Zeit.

Tag 2526 – Die Geister die ich rief.

Ich sagte, ich wolle mal wieder was anderes machen als testen. Und heute kam ich einfach nicht mehr ins System. Fehlermeldung mit kryptischen Zahlenreihen und wenn ich die wegklickte ging einfach der ganze Browser zu. So hatte ich mir das allerdings nicht vorgestellt. Nachdem auch Neustart und Fluchen nichts brachte, gab ich auf, sagte dem Testteam Bescheid und verbrachte den Vormittag damit, den Screenshot der Fehlermeldung diversen Menschen zu schicken, die alle „hmm.“ dazu sagten. Ab der Sekunde, in der ich eigentlich Essen gehen wollte, ging es wieder, nach dem Essen musste ich meiner Chefin erklären, warum die Inspektionstypen in der Testumgebung so Namen haben wie „AT Inspektion Auftrag EMA“ und nicht „GMP-Inspektion“ (weil ich so auf einen Blick weiß, was das für ein Inspektionstyp ist, welche Parameter der hat [hier: Auftrag EMA] und dass ich den eigens fürs Testen eingerichtet habe). Dann hab ich erklärt, wie man komplexe Suchanfragen an das System stellt und warum uns das bei $Problem nicht weiter hilft. Das hatte ich auch schon versucht, diversen Entwicklern zu erklären, erfolglos leider. Chefin explodierte daraufhin aber ein bisschen und ich konnte nur immer wieder sagen „ich WEISS das das scheiße ist, das sage ich seit Januar, aber mir hört niemand so richtig zu!“. Spitze gelaufen der Tag.

Erfolg: am Ende des Tages hörte mir jemand zu und aus „out of scope, schade Schokolade“ wurde „ja, die Ansicht, dass das kritisch ist, teile ich voll und ganz und das muss auf jeden Fall in den Scope!“. Erst nachdem ich gesagt hatte, dass wir dafür sogar schon ein Szenario haben, mit Akzeptanzkriterien und so weiter, aber immerhin.

Die Arbeit, das zu implementieren, ist übrigens auf 6 Stunden geschätzt. Da haben wir bereits wesentlich mehr Zeit damit verbracht, zu diskutieren, ob das jetzt out of scope oder total kritisch ist.

Egal. Ebenfalls Erfolg: abends zum Sport gegangen und jetzt kann ich mich wahrscheinlich wieder drei Tage lang nur eingeschränkt bewegen und muss beim Lachen vor Schmerzen stöhnen, aber gut war das. Jetzt ist leider bis Ende August nichts mehr.

Tag 2524 – Kaputtgespielt.

Den ganzen Tag über positiv, kommunikativ, seriös gewesen, abends wollte ich eigentlich nur noch in irgendein Loch kriechen, stattdessen waren wir auf dem Sommerfest von Michels Stufe und mussten da auch noch Michels Klassenlehrerin verabschieden, die nächstes Schuljahr wieder mit einer 1. Klasse anfängt. Ich bin traurig, sie ist eine sehr gute Lehrerin, aus rein menschlichen Gesichtspunkten.

Danach bei Michel im Bett eingeschlafen, ich bin halt auch seit viertel nach fünf wach. Jetzt geht nichts mehr außer Bett.

Tag 2522 – Die Vögel singen.

Die Familie ist auf Korpsausflug. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich es hörte, nachdem endlich der Dauer-Geräuschpegel weg war: es gibt hier tatsächlich Vögel. Welche, die singen!*

Herrlich.

Gemacht habe ich auch Dinge, hauptsächlich an der Nähmaschine und im Haushalt, Geige gespielt habe ich auch und insgesamt bin ich sehr zufrieden mit mir und der Stille. Hach.

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*wenn es immer ein bisschen hell ist, singen die armen Vögel auch 24/7

Tag 2521 – Mit nichts so richtig fertig.

Trotzdem halbwegs zufrieden. Halbwegs. Es wird schon schief gehen, ne?

Michels neue Brille war heute endlich fertig und wir haben sie abgeholt. Michel ist mäßig zufrieden, weil sie nicht so schön ausgeleiert ist wie die alte, aber es schon ganz schön ist, was sehen zu können. Als die SMS kam, dass die Brille fertig sei, fragte ich kurz bei Herrn Rabe an, wann der denn nach Hause käme (hoffend, er könne vielleicht mit Michel zum Optiker fahren). Herr Rabe war zwar theoretisch auf dem Heimweg, aber es war totales Zugchaos in Oslo, es fuhr gar nichts. Kein einziger Zug. Er nahm dann schlussendlich eine T-Bane an die Nähe vom Stadtrand, von da einen Bummelzug in einen Vorort und von da den Zug nach Hause. Selbiges tat der Mann der Optikerin, die, offenbar ungeplant, deshalb keine Betreuung für ihren etwa drei Jahre alten Sohn hatte. Die arme Frau versuchte also gleichzeitig Michels Brille anzupassen und ihr eigenes Kind davon abzuhalten, das ausgestellte Teleskop umzuschmeißen (erfolgreich, also das Abhalten) oder sämtliche für ihn erreichbaren Brillen aus den Aufstellern zu räumen und fein säuberlich auf dem Tresen aufzureihen (erfolglos). Sie war dann sehr dankbar, als eine Kollegin die Brillenanpassung übernahm und sicher noch dankbarer, als der Laden schloss. Ich war dankbar, dass meine Kinder schon so groß sind, dass sie immerhin diese Art Mist nicht mehr machen. Yeah. (Als Außenstehende war das niedlich und lustig. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es das für sie sicher nicht war.)