Tag 2519 – Stillarbeit.

Ich kann eigentlich leider gar nicht mehr sprechen, sondern nur noch flüstern. Ach wäre doch nur ein Tag gewesen, an dem ich nicht hätte reden müssen. Haha.

Testen läuft so lala, gestern ok, heute scheiße, weil die Umgebung erst nicht fertig war, dann hatte ich Meetings, dann musste ich erst mal Gedön ins System legen, damit meine Kolleginnen eine Grundlage zum Testen haben, und dann war 14 Uhr und die Umgebung wieder nicht fertig (weil dann deployed wird. Fragen Sie mich nicht, was dabei genau passiert oder warum wir in der Zeit nicht testen können, aber es klingt doch, als hätte ich voll Ahnung, oder? „Wir können nicht testen, die Entwickler deployen in die Testumgebung.“).

Alles andere bleibt grad liegen und ist so viel und so dringend, dass ich gar nicht drüber nachdenken darf, sonst lähmt mich die schiere Masse.

Wegen keiner Stimme ließ ich den Sport heute ausfallen. Ansonsten bin ich zwar recht fit, aber das kann nicht gut sein, denke ich mir.

Seit heute Nachmittag hab ich auch einen sehr nervigen Ohrwurm, von „Und es regnet“ von Die Ärzte. „Vertrocknet ist die rote Rose, ich huste rote Brocken aus. Ich glaub ich hab Tuberkulose, doch ich will nicht ins Krankenhaus. Ich will bei dir sein, ich bin so allein, ich will bei dir sein, immer bei dir sein.“

Tag 2518 – Röchel.

Herr Rabe hat letzte Woche aus Barcelona eine Erkältung mitgebracht, die laut diverser Tests an diversen Leuten kein Covid ist, und jetzt ist sie bei mir angekommen. Immer noch kein Covid. Aber ich höre mich an, als hätte ich die letzten 20 Jahre täglich eine Packung Rothändle geraucht und zwischendurch gegen den Teerbelag im Hals mit Whisky gegurgelt.

Nach der Arbeit fühle ich mich auch einigermaßen zerschlagen (kein Fieber, einfach Matsche) und bin jetzt im Bett.

(Ich bin eine wirklich unangenehme Kranke, ungeduldig mit mir und allen drum herum und während ich mich nicht mal zum Geige spielen aufraffen kann, möchte ich Geigenyoutube ein saftiges „NORMALE LEUTE MACHEN KEINE DEZIMEN ZUM AUFWÄRMEN!!!“ entgegenschreien. Wäre halt nur eher ein Entgegenkrächzen.)

Dezimen. Echt mal.

Tag 2515 und 2516 – Rödel-Pfingsten.

Gestern bin ich eingeschlafen, bevor ich zum Bloggen kam.

Pfingsten werden in diesem hochkristlichen (das war Ironie) Land die Bürgersteige hochgeklappt. Darauf sind wir schon ein paar mal reingefallen, trotzdem war ich gestern überrascht, als Herr Rabe schrieb, die Läden machen um vier zu. Wir machten deshalb alle Einkäufe vor vier, was etwas herausfordern war.

Dieses Pfingsten wird hier im hochkristlichen (das war Ironie) Haushalt gerödelt. Gestern zogen erst mal die Schweinchen nach draußen. Weil wir immer noch kein Drittschwein aufgetrieben haben, muss Michel den zweien so lange Gesellschaft leisten.

Das war natürlich Quatsch. Er hat sich da irgendwie mit rein gelegt. Die Schweinchen waren eh nicht zu sehen, die waren viel zu sehr damit beschäftigt, sich vor all dem Platz und den ungewohnten Geräuschen zu fürchten.

Natürlich haben wir den Deckel noch festgeschraubt, eine Trinkflasche angebracht und eine Treppe vors Haus gelegt.

Weiteres Wochenendgerödel: Gartenarbeit, Schnecken sauber machen, Rasen mähen, Kinderklamotten (aus-)sortieren, Sommersachen in den Schrank räumen, Fenster putzen. Vorher Fensterkreuze entfernen. Sich darüber freuen, dass es ohne die Kreuze wesentlich heller ist.

Und Grillen, weil endlich ein neuer Gasschlauch für den Grill beschafft wurde und es auch genug geregnet hat, dass Grillen wieder erlaubt ist (solange man es nicht auf dem offenen Feuer im Wald tut).

Tag 2512 – Kleiner Lichtblick.

Es war ein Scheißtag, ganz einfach. Von vorne bis hinten. Gut: bei der Arbeit im Büro mehrere Stunden konzentriert an was gearbeitet (wieder 1,5 Überstunden) und das gut hinbekommen. Auch gut: abends zum Tanzen gegangen, da ist jetzt das Semester eigentlich vorbei, dafür machen sie Sommerkurse und ich habe mich zu einem Kraft- und Flexibilitätstraining angemeldet. Das war schei*e anstrengend, aber gut.

Tag 2511 – Mehr Arbeit.

Heute 1,5 Überstunden gemacht, für eine (1) Dokumentvorlage. Also die war nicht innerhalb von 1,5 Stunden gemacht, nicht dass Sie das falsch verstehen. Die hat den kompletten Arbeitstag gefressen und 1,5 Stunden mehr. Ich hasse das IT-Projekt gar sehr.

Dafür war zur Belustigung, was norwegischer nicht sein könnte: ein Freizeitpark hat gestern lanciert, dass man für x Geld demnächst einen „Expresspass“ kaufen können soll, mit dem man dann nicht so lange anstehen muss. Das ist Kapitalismus, möchte ich sagen, Geld regiert die Welt, wer seine Kinder wirklich liebt (oder das „WIE LAAAAANGE NOCH???“-Genöl nicht dauerhaft erträgt), greift doch gerne noch ein bisschen tiefer in die Tasche als eh schon. Der Kapitalismus will das so. Sehr viele Norweger*Innen haben bei der letzten Stortingswahl kapitalistische Parteien gewählt, die ganz überwiegende Mehrheit sogar. Das Konzept ist jetzt auch nicht neu, nicht mal in Norwegen, ich sage nur Fast Track am Flughafen, und auch der Tierpark in Kristiansand hatte sowas letztes Jahr, meine ich mich zu erinnern. Aber DER SHITSTORM! Wie es hier abging! Vordrängeln geht gar nicht, da sind sich die Norweger*Innen einig, das verletzt alle grundnorwegischen (eingebildeten) Gleichheitsprinzipien, und entsprechend war das Medienbild ein ganz kleines bisschen aggressiv (DER SHITSTORM!) und heute ist der Freitzeitpark eingeknickt und hat die Pläne auf Eis gelegt. Tadaaaa. Sozialismus rules. Nur dass wir keinen haben, sondern wachsende soziale Ungleichheit, vor der wir aber da, wo es wirklich drauf ankommt (also eher so Gesundheit und Bildung und nicht eh schon sauteure Freizeitparks), fleißig die Augen verschließen, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Lieber wegen Expresspässen im Freizeitpark alles anzünden und mit der Moralkeule um sich schlagen. Die finanziell schlecht gestellten Kinder können ja einfach ein bisschen näher an der Tafel sitzen, wenn sie nicht gut sehen.

Tag 2508 – Käsefest.

Die LAN-Party war ein voller Erfolg, denke ich, es ging sehr friedlich zu und die „ES LAAAAAAGGT!!!“-Rufe hielten sich in Grenzen. Es gab außerdem sehr viel Pizza, viel zu viel, könnte man sagen, denn jetzt ist ziemlich viel Pizzateig in unserem Gefrierschrank. Wir müssen auch erst mal keine Pizzasoße mehr machen, so ca. bis 2025. Worum ich mir allerdings keine Sorgen mache, dass es weg kommt, sind Möhren, Paprika und Käse. Krümelkäse geht ja zu ca. allem und macht alles auch besser. Und kalorienreicher, aber vor allem besser.

Nächstes mal weniger Pizzateig, viel weniger Pizzasoße und dafür wesentlich mehr Snackgurken. Diese Mini-Salatgurken gingen weg wie nichts.

(Leider war der Tag eingerahmt von doofen Dingen. Ich habe mir schon wieder in den Finger genäht, dieses Mal mit Blut und einer abgebrochenen Nadel. Abends habe ich aus Gründen neue Dichtungen für den Badewannenstöpsel bestellt. Aber beides sind andere Geschichten.)