Tag 3004 – Autschn.

Heute haben wir einen Familienausflug gemacht, denn hier hat Ende August ganz in der Nähe eine Kletterhalle aufgemacht. Jetzt ist es so, dass ich da so ein bisschen (hahahahaha, eher total) vorgeschädigt bin, denn vor Herrn Rabe hatte ich ja durchaus auch schon Beziehungen, eine davon über sechs Jahre, und dieser Ex war sehr sehr sportlich. Als wir uns kennenlernten war das hauptsächlich Laufen und Badminton, aber dann schleppte ihn der kleine Bruder eines Freundes mal mit in den „Boulderkeller“. Ab da war er mehr in diesem Boulderkeller als sonst wo, und weil ich meinen Freund auch ab und zu sehen wollte, war ich auch da. (Uff, der Muff da. Uff, uff, uff. Käsefüße, Schweiß, Chalk und olle Turnmatten, in einem Keller. Uff.) Der Keller gehörte zum Alpenverein, der irgendwann beschloss, eine richtige Kletterhalle in einem alten Kornsilo zu bauen. Zu dem Zeitpunkt waren wir dann auch alle schon im Alpenverein, was in Bielefeld mit seinem 400 m hohen „Berg“ schon auch ein bisschen lustig ist. Die Kletterhalle war auch noch nur ein paar hundert Meter von dem Tanzsaal, den der Tanzverein, in dem ich war (im Vorstand, das mache ich auch nicht noch mal), zeitgleich baute. In dem Tanzsaal habe ich Parkett geschliffen, in der Kletterhalle Wände gestrichen. Quasi mein kompletter Freundeskreis war auch ständig in dieser Kletterhalle, als sie dann stand. Als irgendwann mit dem Ex Schluss war, kam ich mit einem aus dem Freundeskreis zusammen, der ebenfalls boulderte. Kurz: ich war für viele Jahre ständig in Kletterhallen. Ich war sogar in Fountaine Bleau für Urlaub, und auf der Weltmeisterschaft in München als Zuschauerin, 2000irgendwas. Ich selbst war nie gut, nicht mal ambitioniert, aber kletterte ganz gerne so ein bisschen rum und stellte mich ansonsten bereitwillig zum Sichern zur Verfügung. Es war auch nicht schlimm, den oberkörperfreien Männern mit ihren durchtrainierten Rücken beim Bouldern zuzugucken, ähäm. Der Ex besitzt (? führt? keine Ahnung wie die geschäftlichen Arrangements da sind) inzwischen zwei eigene Boulderhallen, eine in Paderborn und eine in Bielefeld und wir sind immer noch ok miteinander, also gehen Sie da ruhig hin, BlocBuster, und grüßen Sie schön.

Trotzdem war das heute so ein bisschen wie eine Zeitreise in eine ganz andere Zeit. Eine, in der ich körperlich und psychisch irgendwie wesentlich fitter war, und in der ich sowas wie ne Clique hatte. Die ist jetzt weg. Seit vielen Jahren schon, und im Gegensatz zum Ex tut der Verlust des kompletten Freundeskreises tatsächlich immer noch weh, wenn ich mich daran zurück erinnere. Was man zwangsläufig tut, wenn man sich nach vielen Jahren das erste mal wieder in diese Fußmordenden Schuhe quetscht.

Aber, was viel wichtiger ist, als mein PTBS: die Kinder hatten total Spaß. Die sind ja auch beide vom Körperbau ideal, haben lange Arme und Beine und wiegen quasi nichts. Pippi kletterte überaus ausdauernd die Wände hoch und runter (sichern musste man nicht, das waren automatisch sichernde Top-Ropes), Michel war sehr gut im Bouldern. Wie ich kletterte er zumeist die Boulder wieder runter, weil es viel zu gruselig ist, 3-4 Meter runter zu springen (mein Beckenboden fand das auch gar nicht so lustig, als ich es dann doch mal probiert habe). Wie Kinder generell sind Pippi und Michel auch recht respektlos und probieren einfach, wo erwachsene Schisshasen wie ich eher aufgeben und sich in Ruhe von unten Lösungen überlegen.

Also – für die Kinder gern wieder. Für Herrn Rabe auch. Für mich – naja. Jetzt bin ich auf den Schmerz, nicht nur den körperlichen, vorbereitet. Geht dann vielleicht auch irgendwann besser, auch körperlich. Morgen werden wir Erwachsenen das aber vermutlich bereuen.

Tag 2996 – Alles machen.

Der erste Inspektionstag war noch nicht so schlimm und ich war um sieben zu Hause. Quasi Luxus. Totaler Luxus: abends was vernünftiges essen (von Herrn Rabe zubereitet), Pippi ins Bett bringen, einen Spaziergang machen und noch ein bisschen Geige spielen. Sogar duschen war ich. Fast wie so jemand mit einem normalen Job. Man sollte vielleicht dazu sagen, dass ich zur Site nur 30 Minuten mit dem Auto fahre, ich habe also die für mich kürzest mögliche Anreise und muss dadurch auch erst um viertel nach acht los. Morgen auch noch ungeschminkt, da spare ich noch mal 10 Minuten vor dem Spiegel. Wie im Urlaub, ey.

Leider liegt jetzt ein Schniefnasenmichel hier in unserem Bett. Also leider sowohl weil er schnieft (armer Zwerg) und weil er in unserem Bett liegt (arme wir). Ich werde wohl gleich in sein Bett umziehen. Meh.

Tag 2991 – Auf und ab.

Arbeit war wie erwartet. Beste drei Stunden Arbeit des Tages: als ich mich, nachdem ich nach eigentlich erledigtem Arbeitstag, mich zu Hause noch mal an den Schreibtisch gesetzt habe und da endlich in Frieden ein paar Dinge wegarbeiten konnte. Ohne Unterbrechungen. Hurra!

Michel hatte gestern einen handfesten Meltdown und war heute überaus friedlich und ausgeglichen. Hausaufgaben hat er zwar auch heute nicht gemacht, aber nach gestern bin ich fast so weit, durchzuboxen, dass er gar keine Hausaufgaben mehr machen muss. Ich habe zwar das Gefühl, dass das neue ADHS-Präparat besser ist als das alte, aber das gestern war nicht schön. Für keinen. Es sind halt keine Wunderpillen.

Apropos Wunderpillen: der Lieblingskollege hat seit zwei Wochen Probleme mit dem Ischias und furchtbare Schmerzen. Ich überhörte heute unbeabsichtigt was, und weiß jetzt, dass ich zum Heulen aufs Klo gehe, andere gehen zum laut Stöhnen aufs Klo. Genau wie bei Michel mit seinen Hausaufgaben würd ich echt gern was machen können, weil er mir so leid tut. Aber seit heute Mittag hat er immerhin Schmerzmittel, die helfen.

Beim Strategiebullshitzeitverschwendungsseminar haben wir „alterndes Inspektorat“ halb scherzhaft als Risiko identifiziert. Lieblingskollege war not amused, aber musste dann zum Arzt, sich große Mengen Schmerzmittel verschreiben lassen. Q.e.d.

Tag 2963 und 2964 – Nichts zu erzählen.

Es ist nicht viel passiert, weder gestern noch heute. Ich hab sehr viel gearbeitet, zu viel, bin aber ein gutes Stück weit gekommen und die anderen Aufgaben müssen halt bis nächste Woche warten. Heute abend, also jetzt, ist Herr Rabe spontan weg, weil er sich zur Flohmarkt-Nachtwache hat belabern lassen. Der kommt irgendwann gegen drei wieder. Michel ist morgens ein Kotzbrocken, Pippi morgens trödelig, also wie immer. Neu ist nur, dass beide mit dem Fahrrad zur Schule fahren und wir morgens kein Elterntaxi sind. Pippi setzen wir nach dem Sport-Hort, zu dem sie ja mit dem Bus hinfahren, wieder an der Schule ab, damit sie ihr Fahrrad nach Hause fahren kann. Seit Mittwoch fährt sie mit Michels altem Fahrrad und sieht darauf super groß aus. Oder klein, wie man‘s nimmt, weil ihre Beine so lang sind ist nämlich der Sattel gar nicht mal ganz unten, und dann sieht es aus, als wäre das Rad viel zu groß für sie, dabei sind es nur die Proportionen, die etwas Off sind.

Morgen fahre ich mit Pippi nach Oslo, Ballettschuhe kaufen. Die von letztem Jahr sind viel zu klein und außerdem wünscht sich Pippi so sehr ein richtiges Trikot, was ich aber echt sie anprobieren lassen möchte, genauso wie eine Strumpfhose, wegen der Proportionen eben. Vielleicht, wenn ich die Nerven dazu habe, nehmen wir noch Michel mit, der Schuhe für den Herbst braucht. Ihn dafür an den Ohren aus dem Haus schleifen kommt allerdings nicht in Frage, dafür sind mir meine Nerven und mein Wochenende zu schade. Nachdem er sich schon bei dem Versuch, die Nasenkissen an die Brille montieren zu lassen (was er gerne wollte!) aufgeführt hat, als sei es grauenvollste Kinderfolter ihn dafür aus dem Haus zu zerren, bin ich wenig motiviert, das morgen mit ihm durchzuziehen, lasse mich aber natürlich gerne positiv überraschen. Ist das schon Pubertät? Wird das dann eventuell noch schlimmer? Ich fürchte es.

P.S. abends ist er aber immer noch sehr kuschelig und auch kommunikativ, das ist schön. Er ist ja eigentlich auch sehr umsichtig und daran interessiert, dass es allen um ihn rum gut geht, nur vergisst er das in akuter Muffel- oder Motzlaune gerne mal. Ich hoffe, auch für ihn, dass das irgendwann wieder weg geht.

Tag 2962 – Blob.

Heute war ein so lalaer Tag, ehrlich gesagt. Gefühlt nichts bei der Arbeit geschafft (stimmt natürlich nicht, ist aber gern das Gefühl, was sich festsetzt, wenn ich den ganzen Tag in Meetings hänge). Dann hat der Optiker, beim Versuch, Nasenkissen (?) an Michels Brille zu montieren, die Brille kaputt gemacht und jetzt muss erst ein neues Gestell bestellt werden. Es wäre dann so eine Kartoffelaktion gewesen, mit lokalen Bauern, um zu zeigen, wie viel Kartoffeln man auf einem sehr kleinen Acker anbauen kann und damit darauf aufmerksam zu machen, dass wir Ackerflächen bewahren statt bebauen sollten. Die ließ ich aber spontan ausfallen, weil es, kaum hatte ich Pippi an der Schule abgesetzt, damit sie ihr Rad nach Hause fahren kann, anfing, total zu schütten. Statt zum Acker fuhr ich deshalb nach Hause, wartete da auf mein pitschnasses Kind und steckte es zum Auftauen in die Badewanne.

Danach habe ich aber sehr lecker gekocht. Immerhin.

Abends entdeckte ich an Pippis Stirn eine fette Beule. Das ist aber gar keine Beule, sondern ein Mückenstich. Genau wie am Auge. Und am Schienenbein, am Fußgelenk und in der Kniekehle. Überall, ich übertreibe nicht, Aprikosengroße, warme, schmerzhafte (wahrscheinlich allein durch die Schwellung) Beulen. Aus Ratlosigkeit gab ich ihr eine Ceterizin, aber am liebsten möchte ich unser Haus mit DEET einsprühen wie in den Tropen und Pippi einen Schutzanzug aus Mückennetzen anziehen. Was sind das für Mördermücken, die sie da erwischt haben? Oder was haben die vorher gestochen? Ich denke lieber nicht weiter da drüber nach.

Tag 2960 – Hrrm!

Morgen wird super anstrengend. Heute war auch schon anstrengend, unter anderem hatte ich für meinen Geschmack schon wieder viel zu viel mit dem IT-Projekt zu tun. Das IT-Projekt ist inzwischen direkt aus Absurdistan importiert, heute haben wir eine Dreiviertelstunde damit zugebracht, herauszufinden, dass bis auf mich niemand die richtige Lizenz hat, um etwas wichtiges tun zu können. Dass alle diese Leute Lizenzen brauchen, habe ich Anfang des Jahres (oder vielleicht war es auch tatsächlich noch vor Weihnachten), noch mal im April und noch mal, mit dringend und sechs Ausrufezeichen, am Freitag angemeldet. Es ist einfach GAR NICHTS passiert. Nichts. Im Gegenteil, ich bekam heute die gleiche Nachricht wie vor ein paar Monaten schon: wir haben 8 Lizenzen, 4 davon sind frei. Ja Herrschaftszeiten warum sind dann nicht die 4 freien vor Monaten schon zugeteilt worden, und die fehlenden dann bestellt??? Arrrgh. Ich raufe mir noch alle Haare deshalb aus.

Abends konnte ich immerhin mit beiden Kindern (nacheinander) kuscheln, mich dann von Pippi anschnarchen lassen und von Michel Fragen zum Thema Haare in den Bauch gefragt bekommen. Michel findet sein „Mushroom Cloud Hair“ doof, und hätte es lieber glatt nach hinten gekämmt. Gleichzeitig empfindet er täglich duschen aber als Zumutung, Gel kommt also auch nicht in Frage. Auf meine Aussage, dass ich seine Haare super finde und das ganz sicher ganz viele andere auch tun, kam nur das Michel-typische „Hrrm!“, aber mit einem kleinen Grinsen. Ich kann außerdem vermelden, dass ich Michel erfolgreich beigebracht habe, auf „Ich hab dich lieb“ mit „Ich hab dich auch lieb“ zu antworten (sofern er das so meint), statt, wie früher, mit „Ich weiß, warum sagst du mir das?“. Ich hab den ja schon sehr lieb, den inzwischen sehr großen und schlacksigen Zwerg mit seinem Lockenkopf.

Tag 2959 – Wochenende im Schnelldurchlauf.

So schnell ist ein ganzes Wochenende rum. Ich bin darüber nur mäßig glücklich, vor allem, weil ich Idiotin (sorry, aber anders kann man das nicht sagen) heute gearbeitet habe (bezahlt, mit Überstundenzuschlag, ABER TROTZDEM!) und mich dafür runter mache weil das so nicht sollte und so weiter und so fort und mein Arbeitgeber spürt ja so keine Konsequenzen yada yada. Aber ich sag Ihnen mal was: mein Arbeitgeber spürt so oder so keine Konsequenzen. Der kriegt nicht die Mails mit „wann kommt mein Report?“ „warum habe ich noch keine Antwort auf diese Frage?“ „ist meine Mail mit sechs Tonnen Dokumentation angekommen, hab gar nichts mehr gehört?“ und so weiter. Die kriege ich/wir und selbst wenn wir die nach oben weiterleiten, kommt von oben nur „ja, schlimm, machste nix“, wenn überhaupt. Vielleicht, wenn sie nen guten Tag haben, drei Sätze über die schlimmschlimme Ressourcensituation und dass „wir“ besser priorisieren müssen, wobei das wir sie selbst nur scheinbar mit einschließt. Und damit sind wir wieder mit der unmöglichen Aufgabe allein, 150% Arbeit in 100% Zeit zu erledigen.

Tschuldigung, ich bin darüber grad sehr frustriert, das dankt mir keine Sau, dass ich heute 4,5 Stunden meines kostbaren Wochenendes vorm Rechner gehockt habe. Und selbst schuld bin ich auch noch, ich könnte ja einfach was liegen lassen und damit leben lernen, dass Dinge liegen bleiben. Genau das fällt mir aber extra schwer, schwerer als vielen anderen, und eigentlich finde ich, dass das ebenfalls nicht meine Aufgabe sein kann, mich selbst zu fixen, damit ich diesen Stapel besser ignorieren kann.

Aber nun zu etwas erfreulicherem. Gestern habe ich nicht gearbeitet. Gestern haben wir unsere „Bod“ (Lagerräume, aber auch Schuppen, es gibt Innebod [drinnen, Abstellkammer], Utebod/Redskapsbod [draußen, oft (Werkzeug-)Schuppen] und Sportsbod [draußen, für Skier, Fahrräder und so weiter]) aufgeräumt. Das war sehr nötig, denn man kam weder in den Schuppen noch in den Utebod der nicht der Schuppen ist, hiernach „Bod“ noch rein, da stand und lag so viel… Zeug einfach im Weg, dass man sich und die Dinge darin nur noch wie so ein Schiebespiel, wo man nur ein freies Feld hat, bewegen konnte. Das hat alles Gründe, Teile der Gründe sind aber auch nur Ausreden und eigentlich ist das ja auch egal. Jedenfalls räumten wir erst mal alles auf den Hof und unter das Carport, sortierten dann nach „Müll“, „Flohmarkt“ und „behalten“ und räumten dann den „behalten“ Teil wieder rein, nur in ordentlich und, zumindest teilweise und zumindest hoffen wir das, besser durchdacht, weil man jetzt an Sachen, an die man schnell mal ranmuss, auch ran kommt, ohne erst den Rasenmäher ausparken zu müssen oder ähnliches. Der Flohmarkt-Teil wanderte bis Donnerstag erst mal wieder ins Bod, aber ordentlich in einer Kiste(+) gesammelt. Donnerstag sammelt der Korps das für den Flohmarkt am Wochenende zusammen. Der Müll steht erst mal unterm Carport, damit muss bei nächster Gelegenheit jemand zum Entsorgungshof fahren. Es ist viel Müll, von Pappe, Styropor, kaputten Koffern, Elektroschrott bis zu alten Bratpfannen mit sich lösender Beschichtung ist alles dabei. Plus ein bisschen Gartenabfall. Es lohnt sich also, mit der Tour zum Entsorgungshof. Bonus: ich weiß genau, wo im Schuppen die Plane fürs Auto ist, und man kommt da auch dran. Ich frage mich nur, ob wir exorbitant viel Müll produzieren, weil wir ca. 2-3 mal im Jahr regulär zum Entsorgungshof fahren, und da ist das Auto immer voll. Nicht mitgerechnet irgendwelche Extratouren, weil wir zum Beispiel mehrere große Ikeamöbel gekauft haben und die Pappe wegfahren müssen oder im Garten 264 Pflanzen beschnitten haben.

Aber, nachdem da im Schuppen jetzt wieder Platz ist, konnten wir ja erst mal was neues anschaffen. Scherz. Aber nur ein halber. Denn Michel brauchte ein neues Fahrrad, Pippi kann eigentlich dann Michels altes Fahrrad erben und Pippis Fahrrad können wir dann verkaufen, dann stehen netto die selbe Anzahl Fahrräder im Schuppen. Wir waren deshalb sehr spontan mit Michel im Dorf ein neues Fahrrad kaufen und die überholen jetzt auch das alte, damit Pippi es erben kann. Der Fahrradkauf ging recht fix, ein Vorteil (für so Menschen wie Michel und mich, die schnell Entscheidungsparalyse bekommen) an Dorfläden ist eine sehr begrenzte Auswahl, in seiner Größe gab es exakt 2 Mountainbikeähnliche Modelle. Es wurde das etwas günstigere, wobei Fahrräder generell ja nicht gerade billig sind. Außerdem brauchte Michel auch einen neuen Helm, der ebenfalls dort besorgt wurde (und den alten haben wir direkt danach auf den Müll-Haufen getan). Ich hoffe ein bisschen, dass Michel realisiert hat, was der Helm und das Rad gekostet haben, ich habe nämlich wenig Interesse daran, öfter solche Ausgaben zu tätigen. Michel ist jedenfalls happy mit seinem neuen Fahrrad und dem neuen Helm und dem neuen Fahrradschloss und das neue Rad hat auch wieder einen funktionierenden Ständer, Hurra. Keine Ausrede mehr, warum man das Rad einfach auf den Rasen schmeißen muss.

Offen gestanden war ich danach trotzdem gar, das war sehr spontan und viel Interaktion mit dem Fahrradverkäufer. Aber jetzt ist es erledigt.

Abends versetzten wir, nachdem die Schweinchen noch eine halbe Stunde Unterhaltungsprogramm für einen ganz bezaubernden Anderthalbjährigen waren, noch den Meerschweinchenkäfig, auf dass sie das andere Feld abfressen mögen. Die Speckels selbst waren davon nahezu unbeeindruckt, aber die sind, wenn sie draußen wohnen, eh recht entspannt. Ich werde natürlich trotzdem immer gierig angequiekt, wenn ich zum Käfig komme, aber ich habe dann ja auch meistens leckere Dinge dabei. Aber die Katze, die gerne vorm Käfig hockt, wird kaum noch beachtet, Schwein hat wichtigeres zu tun. Auch Anderthalbjährige sind ok, solange sie ne Handvoll Löwenzahn rein werfen (von mir in die Hand gedrückt). Und morgens kann man wunderbar mit der Nase in der Morgensonne im Eingang des Häuschens dösen, das sieht immer sehr entspannt aus. Hach ja.

Tag 2956 – Abklatsch.

Herr Rabe und ich haben uns heute zwar ein paar mal die Klinke in die Hand gegeben, mehr aber auch nicht und noch öfter nicht mal das. Seufz. Andererseits ist das meiste davon auch Erwachsenen-Freizeitstress geschuldet, insofern will ich mich mal nicht so sehr beschweren.

Die Kinder hatten gute erste Schultage. Pippi ist wie immer überall gleichzeitig unterwegs und Michel motzt zwar (wie immer) über alles, inklusive dem „Leseprotokoll“, das wir Eltern täglich unterschreiben sollen, wenn mindestens 15 Minuten gelesen wurden (wtf, hab ich irgendwie wieder einen Zweitklässler?), aber wenn er dann erst mal liest, dann gleich zwei Stunden lang. Weshalb ich, sollte die neue Lehrerin es wagen, etwas negatives über die Buchauswahl anzumerken, Naruto, OnePiece und Co. glühend verteidigen werde.

Ansonsten hat Pippi gleich ab nächster Woche wieder schwimmen, was sie super findet, und auch Korps geht nächste Woche los. Von den verschiedenen Instrumentenlehrern haben wir noch nichts gehört, aber das ist auch nichts Neues, die melden sich immer auf den letzten Drücker und dann heißt es „Pippi morgen 14:20 Uhr“ ohne Spielraum und wir sollen das dann bitte ermöglichen. So langsam kennen wir den Drill (eher den Driss) auch schon.

Tag 2955 – Ferienende.

Heute war der letzte Tag der Sommerferien der Kinder. Das heißt, ab morgen geht Michel in die 6. Klasse und Pippi in die 3. Wann sind die denn eigentlich so groß geworden?

Wir sind verhältnismäßig gut vorbereitet, zumindest sachlich, geistig kann ich nur für mich sprechen, ich glaube aber, die Kinder sind schon ein bisschen aufgeregt. Wir haben sie aber sowohl zum Packen als auch zum Baden/Duschen bewegen können. Auch daran merkt man, dass Michel langsam auf die Pubertät zugeht: er muss öfter duschen. Nicht, weil er irgendwie riecht, aber seine Haare werden viel schneller sichtbar fettig als sie das sonst taten. Er ist auch ein bisschen angepisst davon, dass er schon seit Wochen* eine strikte Hautpflegeroutine** durchzieht und trotzdem auf seiner Nase noch Pickelchen*** sind. Dabei hatte ich doch gesagt, dass das hilft****!Mein Baby…

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*3

**Waschen mit Reinigungsöl und danach eincremen mit Feuchtigkeitscreme

***wirklich harmlos, definitiv keine Akne, lediglich eben verstopfte Poren

****Wundertaten habe ich sicher nicht versprochen und es hilft ja auch, nur sind die Tage der Babyhaut***** eben leider gezählt, was Michel stark missfällt

*****Haha, Babyhaut, meine Kinder hatten beide Neugeborenenakne, Milchschorf und trockene Haut. Vielleicht wäre Einjahres-Haut ein treffenderer Begriff.

Tag 2952 – Geschafft.

Das Dorf meldet keinen weiter steigenden Wasserspiegel, es ist also wohl, wenn das Wasser weg ist, tatsächlich glimpflich abgelaufen. Ein paar volle Keller. Anderenorts sieht es natürlich ganz anders aus, aber auch da handelt es sich wohl nur um Sachschaden, jedenfalls haben die Medien (die die ganze Sache natürlich maximal ausgeschlachtet haben) nicht von irgendwelchen Personenschäden berichtet. Nicht mal von Tieren. Da es ein mega Drama ist, wenn irgendwo ein Rentier nicht bis ganz an die neu errichtete Windkraftanlage gehen möchte*, nehme ich an, dass es ein ähnliches Drama wäre, wenn irgendwo ein Rentier/Schaf/Katze durch Extremwetter stirbt.

Auch ansonsten war hier heute nicht so viel los. Herr Rabe und ich haben mit Michel/für Michel dessen Zimmer umgeplant, der möchte Dinge (verständlicherweise) anders haben. Leider ist das Zimmer halt auch mit so Notwendigkeiten wie einem Fenster und einer Tür versehen, irgendwo muss das Kind ja auch schlafen und es gibt da noch den klitzekleinen Sachzwang der Zimmergröße. Ich glaube aber, wir haben jetzt eine gute Lösung gefunden. Michel ist mit dem Vorschlag jedenfalls zufrieden.

Morgen muss ich wieder arbeiten. Meine Gefühle dazu sind gemischt.

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*andere Rentiere gehen im selben Windpark aber besonders gerne bis ganz an die Anlagen heran, wenn man ihnen Zeit gibt, sich daran zu gewöhnen, las ich. Vielleicht sind Rentiere genau wie Menschen dazu verschiedener Meinung? Oder Menschen interpretieren in ein in einem Moment beobachtetes Verhalten (kein Rentier am Kraftwerk) das rein, was ihnen in den Kram passt (die haben bestimmt Angst davor!) und schreiben es in die Zeitung, schneller als das Rentier sich umdrehen kann? Vielleicht.