Tag 2395 – 2,8/4.

Ich ackere mich durch meine großen Aufgaben und nebenher mache ich noch die ganzen kleinen und zünde nichts an, ich wäre jetzt bereit für die „Mitarbeiterin des Monats“-Plakette am Band. (Haha, als würden wir sowas vergeben. Norwegische Behörden doch nicht, hier gibts Lob nur für alle oder keine.)

Der Preis dafür ist ein bisschen hoch, das muss ich ganz ehrlich zugeben.

Pippi liest alle ihre Lesehausaufgaben ihrer Lehrerin per Sprachnachricht vor und findet das großartig. Ich finde großartig, dass ihr das so viel Spaß macht. Sie übt fleißig und langsam fruchten die Strategien, die ich versucht habe, ihr nahezubringen, wie zum Beispiel lange Wörter erst mal in kürzere Happen zu unterteilen. Ich finde die Kombination aus Papierbüchern und iPad-Teams-Sprachnachricht schon allein aus dem Grund super, dass man es damit keinem hundertprozentig recht macht, aber auch keinem hundertprozentig auf die Füße tritt.

Ebenfalls Pippi kam heute mit einem riesigen Horn an der Stirn nach Hause – beim Sport-Hort an einem Schrank den Kopf gestoßen – und fiel zu Hause dann auch noch vom Stuhl. Arme Maus, überall verbeult und zerschrammt. (Trotzdem niedlich.)

Auch Pippi fragte mich heute morgen, ob ich dann jetzt nicht mehr mit Oma und Opa reden könne. Sie war dann sehr beruhigt, als ich sagte, ich könne schon noch deutsch sprechen. Michel war am meisten damit beschäftigt, zu betonen, dass ich jetzt WÄHLEN kann. Könnte ich – nur war Stortingswahl ja grad erst. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja bald neue Wahlen, weil der Staatsminister seinen Buddy zum Zentralbankchef ernannt hat oder in der Bar keinen Abstand gehalten hat. Alternativ gäbs da noch den Finanzminister, der hat großes Potential, was richtig dämliches im Fernsehen rauszuhauen und damit die ganze Regierung reinzureiten. Wir werden sehen, reguläre Wahlen zum Storting wären erst 2025 wieder. Kommunalwahlen sind nächstes Jahr, aber da wählen durfte ich ja auch vorher schon.

Tag 2392 – Der alltägliche…

Das Hamsterrad schlägt voll zu. Weiß nicht, was von den ganzen total dringlichen Dingen ich priorisieren soll. Zur Auswahl stehen:

  • IT-Projekt. Wenn ich das nicht diese Woche mache, ist dieser Sprint für uns gegessen, was ich bis dahin nicht abgeliefert hab, wird frühestens im übernächsten Sprint gefixt, und dann sind wir eigentlich schon, haha, fertig. Außer mir kann es niemand machen, wenn ich morgen vom Bus überfahren werde, macht es niemand. Davon geht dann die Welt nicht unter, das wird nur richtig teuer, oder meine armen Kolleginnen und Kollegen kriegen ein Produkt voller Fehler und gefährlicher Fallstricke.
  • Inspektion von nächster Woche vorbereiten. Unvorbereitet sein ist eine richtig beschissene Idee.
  • Report zur Inspektion vor anderthalb Wochen schreiben. Frist 30 Tage (inklusive diverser Durchgänge und Gedön, für das man gut nochmal ne Woche einkalkulieren kann), nächste Woche werd ich da nichts dran machen wegen nächster Inspektion, je später, desto schwieriger wird es.
  • Oppfølging (was das auch immer auf Deutsch heißt, vielleicht sowas wie Nachverfolgung?) einer Firma, die schon seit Weihnachten auf Antwort wartet und mich aber so mit Dokumentation bewirft, dass ich unter dem Haufen einfach ersaufe. Keine Hilfe möglich, der Kollege ersäuft auch unter seinem Kram und die Kollegin hat COVID. Mögliche Konsequenz, wenn ich nicht langsam mal zu Potte komme: mein Name und Worte wie faul, langsam, unverhältnismäßig, Paragraphenreiter in der Zeitung. Hmm.

Und das sind nur die großen Brocken. Dazu kommt der Kleinscheiß, Webseitenänderungen, Anfragen, Meetings… Ächz.

Und zu Hause (ok, Arbeit ist ja auch zu Hause) ein Kind, das ums Verrecken nicht schlafen kann. Es ist zum Haareraufen.

Heute gut: Pippi kriegt etwas andere Bücher zu lesen, als ihre Klassenkamerad*Innen, weil sie sich mit kleinen Buchstaben und langen Wörtern noch schwer tut. Das Buch der Woche hat sie heute aber nahezu ohne Theater mit Hilfe gelesen und sich auch sehr gefreut, als sie die Sätze dann nach dem Entziffern noch mal im ganzen „vorlesen“ konnte. Sie merkt sich die dann einfach, aber die Lehrerin sagt, das ist in Ordnung, solange sie dabei die Wörter anguckt. Die Lehrerin wird schon wissen, was sie tut, und ich bin froh, wenn Pippi Erfolgserlebnisse hat, statt täglich über den Hausaufgaben in Tränen auszubrechen, weil sie „nicht lesen kann“.

Tag 2390 – Wochenendroutinen.

Essensplan, Wocheneinkauf, Kinder baden (Pippi hat auch Dienstag gebadet, weil sie sich mit einem Nilpferdstempel vollgestempelt hatte – unter anderem im Gesicht), Blumen gießen, Schweinchen sauber machen. Wäsche waschen, Geige spielen, Pokémon fangen. Ein bisschen was aufwändigeres kochen, heute war es Pilzrisotto.

Eigentlich wollte Michel Harry Potter 5 gucken, aber das hatte er dann wohl doch vergessen und so schlimm finde ich das nicht, die Filme werden ja nicht weniger gruselig. Jetzt liegt er bei uns im Bett, weil der Sturm draußen an seinen Fensterläden gerüttelt hat. Und der ist ja noch so klein! Ok, 1,40 m Mensch mit langen Gräten überall, aber im Gesicht sieht er aus wie ein Baby. Und da er wohl grad in einer Traumphase ist, schläft er wie ein kleiner Hund, mit zuckenden Gliedmaßen und Gesichtskirmes. Würde mich nicht wundern, wenn er gleich lacht oder spricht, das macht er auch häufig.

So sehr ich mir wünsche, zwei Kinder zu haben, die nachts einfach in ihren Betten bleiben, manchmal ist es ja doch niedlich. (Bis ich dann um fünf komplett nassgeschwitzt aufwache, weil Michel den Körperkontakt zu mir maximiert hat und mir einfach viel zu warm ist. Oder um drei, weil mir Arme ins Gesicht geklatscht werden. Oder um sechs, weil Michel versucht, seine Füße zwischen meine Beine zu schieben. Oder oder oder.)

Tag 2383 und 2384 – Wochenende.

KW 3 ist zu Ende. Die Woche des Jahres, in der man wohl feststellt, dass es nicht so einfach wird, die guten Vorsätze durchzuhalten, und in der der Weihnachtsurlaubseffekt schon wieder verpufft ist. Das las ich jedenfalls irgendwo. Also falls Sie sich schlecht fühlen, weil sie auch nach drei Wochen Training noch keinen Marathon laufen können – grämen Sie sich nicht, Sie sind nicht allein damit.

Gestern Abend hatte ich einfach besseres zu tun als Bloggen und dann war es schon so spät und ich sehr müde und passiert war den Tag über eigentlich auch gar nichts. Außer dass Michel beim Friseur war (mit Herrn Rabe zusammen) und jetzt seine wuscheligen Locken los ist. Jetzt sieht er ganz anders aus und wir alle, inklusive ihm, müssen uns da erst noch dran gewöhnen. Was aber ein bisschen niedlich ist: jetzt kann man von hinten wieder seine lustige Ohrmuschelform erkennen.

Weil Michels Ohren ja auch ganz weich sind (das ist so ein Ding auf der männlichen Seite meiner Familie), will ich die immer gerne anfassen, aber das möchte er nicht (mehr).

Heute war auch nicht sonderlich viel mehr los. Pippi und ihre Freundin haben unerlaubter Weise mit Glitzer gespielt und jetzt glitzert das ganze Haus und alle seine Bewohner und Bewohnerinnen, wahrscheinlich inklusive Meerschweinchen, aber die haben sich im Heu in der frisch gesäuberten Kiste eingegraben. Das finden sie toll, deshalb stopfe ich ihnen an die Lieblingecken immer eine extra Handvoll lockeres Heu, da kriechen sie dann rein wie in einen Kokon und fressen um sich rum. Glitzer ist der Feind, nur getoppt von Slime. Dinge, auf die Kinder keinen Zugriff haben sollten, wenn überhaupt dann unter ununterbrochener Aufsicht. Die Schnecken glitzern nicht, die sind allesamt in Trockenruhe. Ich verstehe das sehr gut, ich würde auch lieber den ganzen Winter eingegraben verschlafen und erst wieder aufstehen, wenn es wärmer und vor allem heller wird.

Tag 2371 – Lustlos.

Manic Meeting Monday. Aus Gründen (Stichwort „Gewinnrealisierung“, ausgerechnet zum IT-Projekt, bei dem wir ja nichts gewinnen, sondern ein gut funktionierendes, vier Jahre altes System durch ein anderes ersetzen!) waren die Meetings zum Teil auch richtig ätzend. Zum anderen Teil sorgten die Meetings nur für noch mehr Arbeit in den nächsten Tagen. Uffz, ächz, blöd alles.

Gut heute: beide Kinder testeten morgens negativ. Außerdem holte ich Pippi und das Nachbarsmädchen vom Hort ab, wo sie grade versuchten, dem dritten Nachbarsmädchen das Schlittschuhlaufen beizubringen, und es war sehr süß, wie die zwei die dritte anfeuerten und „SUUPEEER GEMACHT! GANZ TOLL! GLEICH NOCHMAL!!!“ riefen, wenn sie drei, vier Meter ohne Hinfallen geschafft hatte. Hach.

Auch gut: ich habe grad noch rechtzeitig dran gedacht, die Schulschwester zurückzurufen, damit da die Bälle nicht gleich wieder aufhören zu rollen.

(Das war‘s auch schon…)

Tag 2369 – Sauber.

Es hat ganz viel geschneit! So schön! Keine Ironie, frischer Schnee ist toll, als wäre alles mit frischer Bettwäsche bezogen. Herr Rabe ging mit Pippi und den zwei Nachbarsmädchen Schlitten fahren und sie hatten wohl alle auch viel Spaß. Michel war, als sie aufbrachen, viel zu sauer für irgendwas und mit mir hatte niemand geredet, deshalb war ich nicht aufbruchsbereit. Außerdem musste ja jemand Michel beruhigen, das fiel dann mir zu. Es ging so lala, er hatte sich mit Herrn Rabe gestritten (aus Gründen), aber ich bekam ihn dazu, mit mir zum Café in den Ort zu spazieren, um dort Waffeln zu essen. Auf dem Hinweg ging ich mit einem muffeligen, Hörspiel über Kopfhörer hörenden Kind spazieren, das irgendwann meine Hand nahm, um seine aufzutauen. Im Café, wo die Küche schon zu war, aber wir wenigstens noch Kaffee und Kakao ohne Waffeln bekamen, muffelte er weiter, aber nicht mehr so doll. Ich teilte ihm mit, dass ich gerne mit ihm heute noch reden würde. „Nicht jetzt und nicht hier“ meinte er, und das war dann auch ok. Als wir ausgetrunken hatten, gingen wir zurück, weiter schweigend, aber an der Hand, wie ein viel kleineres Kind. Nach ein paar hundert Metern trafen wir Michels Lehrerin, die mit einem kleinen Hund an der Leine auf dem Weg in den Ort war. Wir riefen uns ein paar Worte über die Straße zu und dann musste sie weiter. Ich fragte Michel, ob er gewusst hat, dass die Lehrerin einen Hund hat, und er klärte mich auf, dass das nicht ihrer sei, sondern sie nur auf den aufpasse. Damit war der Knoten in Michels Zunge geplatzt. Auf dem Rest des Weges schüttete er mir sein Herz aus und ich weiß jetzt alles über das schwierige Leben eines Neunjährigen, dem soziale Dinge nicht in den Schoß fallen. Das war sehr gut, ich hatte vieles davon zwar schon geahnt, aber so konnte ich auch Herrn Rabe noch mal erklären, was Michel beschäftigt, und so zwischen den beiden vermitteln.

Wieder zu Hause angekommen, steckte ich erst Michel und danach noch Pippi in die Badewanne. Haare waschen und Nägel schneiden finden beide nicht gut, bei ersterem müssen wir aber langsam bei beiden Kindern die Frequenz (bisher: einmal die Woche, beibehalten aus Babyzeiten, ohne einen speziellen Grund, außer dass es bisher eben nicht nötig war, routinemäßig öfter zu duschen) reduzieren erhöhen, damit sie nicht tagelang mit fettigen Haaren herumlaufen. Badewanne ist cooler (oder eher gemütlicher) als Dusche, das geht also etwas besser sie dort zum Haare waschen zu überreden. Michels Haare müssen dann meist zwei mal gewaschen werden, weil das Babyshampoo, das wir alle benutzen, so mild ist, dass ein Mal bei seinen dicken Haaren nicht ausreicht. Bei mir meistens übrigens auch nicht, aber bei mir liegt das wohl eher an Stylingprodukten.

Jetzt sind beide Kinder duftend, Michel hat eine Wolke aus dunkelblonden/hellbraunen Locken, Pippis weiche Haare riechen nach Kinderbadezusatz Prinzessinnenirgendwas (-Zauber?) und Michel ist nach seiner Seelenreinigung nicht mehr muffelig. Letzteres ist das beste.

Tag 2355 – Wehwehchen.

Michel trägt seine (wie immer hier) aufblühende Allergie mit Fassung. Wie ebenfalls immer verfolgen wir da einen pragmatischen Ansatz und das ist nun die eine Woche in anderthalb Jahren, in der er gut schläft, weil er Cetirizin bekommt. Er hat außerdem etwas wichtiges gelernt seit dem letzten Bielefeld-Urlaub: Augen reiben macht es nur schlimmer. Also lässt er es. Ja, tatsächlich, er hat es oft genug gesagt bekommen und selbst verifiziert dass wir recht haben und das reicht, um den Impuls, die juckenden Augen zu reiben, unterdrücken zu können. Dieses Kind ist faszinierend.

Ich habe Nackenschmerzen von der Schädelbasis bis zu den Schultern und kann mich kaum rühren. Keine Ahnung, woran das jetzt schon wieder liegt, verlegen, zu wenig bewegt, Handynacken… jedenfalls nicht am Schreibtischstuhl, auf dem habe ich seit einer Woche nicht gesessen. Ich trage das mit etwas weniger Fassung und versuche, mit warmem Duschen und Ibuprofen dagegen anzukommen, aber unbedarfte Bewegungen führen trotzdem zu wärmepflasterwerbungswürdigen Gesichtsausdrücken und Schmerzgeräuschen.

Ansonsten heute: sehr gut gegessen, sehr gewundert über das mit der Risikogruppe bis zum Rand gefüllte Restaurant. Ungetestet, weil 2G. „Man“ fühlt sich so sicher, ich denke nach dem Osloer Julebord: hoffentlich geht das gut. Mit Michel sein Magitrax aufgebaut, eine Art fancy Murmelbahn für größere Kinder, die man immer wieder anders zusammenpuzzeln kann. Ich will jetzt auch ganz viel Magitrax und den 48-Stunden-Tag. Außerdem hab ich ein echt schlaues Kind, das sich, nachdem es das System kapiert hat, sehr schnell gute Lösungen für auftauchende Probleme (zum Beispiel unterwegs verhungernde Kugeln) ausdenken kann. Wie gesagt, dieses Kind ist faszinierend. Wissenshungrig, logisch denkend, schnelle Auffassungsgabe und wenn er will, auch große Selbstdisziplin. Aber wehe, er kann etwas Neues nicht sofort, ohne lernen und ohne üben.

(Ich habe ein dumpfes Gefühl, dass ich auch so war. Minus das Wüten. Ich hab, glaube ich, nur in mir selbst gewütet und mich selbst runtergemacht. Ist das besser? Nein. Nur weniger auffällig. Weniger nervig für die Umwelt.)

Tag 2354 – Frohe Weihnachten!

Wir sind alle gut angekommen, zertifiziert mit 92,1%iger Sensitivität coronafrei. Der Baum ist geschmückt von zwei eifrigen Kindern, die inzwischen auch (zumindest 50% davon) groß genug sind, damit nicht nur das untere Drittel geschmückt ist. Keine Bilder, trotzdem wahr. Wir sind alle satt, müde und happy über unsere jeweiligen Geschenke.

Ich habe bekommen, was ich mir gewünscht habe – Socken und einen Satz Luxussaiten. Michel hat bekommen, was er sich gewünscht hat – ein Mikroskop und noch ca. tausend weitere Dinge. Pippi hat bekommen, was sie sich gewünscht hat* – ein Halbedelsteinausgrabeset, ein Mikrofon und ca. 999 weitere Dinge. Herr Rabe hat hoffentlich bekommen, was er sich gewünscht hat – einen Klavierhocker und Konzertkarten (hahaha, wie lustig wir sind, Konzert, im April, haha).

Jetzt schnorcheln die Kinder in ihren Betten, wir Erwachsenen sind auch gar und ich freue mich tatsächlich auf Weihnachtsessen mit schick machen und so weiter im Kreuzkruuuuch morgen. Ich wär soweit, mir dafür noch mal ein 92,1% sensitives Teststäbchen in die Nase stecken zu lassen. Dieser Heiligabend war eben doch ziemlich anders, und ich bin noch nicht so ganz entschieden, ob die Vorteile wettmachen, dass es anders war als die letzten 36 mal.

*und eine ganz neue Zahnlücke, die hat sie auch. Es wurde auch Zeit, nachdem sie gestern gegen elf noch mal wach wurde und sehr erschrocken darüber war, dass sie den Zahn um 180 Grad drehen konnte. Heute Morgen zappelte sie ihn dann los, er kann eh nur noch an einem winzigen Hautfitzel festgehangen haben.

Tag 2351 – Bergauf.

Heute war der Tag mit den wenigsten Tageslichtminuten des Jahres, ab jetzt wird also alles besser.

Die Fähre für den Rückweg aus Deutschland konnte umgebucht werden. Dass ich drei Stunden auf den automatischen Rückruf der Hotline gewartet habe, deutet aber an, was bei denen heute los war.

Auch heute war Homeschooling keine Freude und wenn wir das nach den Ferien noch weiter treiben sollen, melden wir Bedarf an, dass Michel in der Schule seine Aufgaben macht. Sonst überlebt das nämlich nur einer von uns. (Das klingt jetzt so lustig, wie „Jaja, mein Kind meckert auch erst mal ne halbe Stunde, dass es Hausaufgaben machen muss, die dann zwei Minuten dauern“, aber es ist leider gar nicht lustig, für niemanden hier im Haus. Ganz im Ernst: das, was hier abgeht, kann nicht normal sein. Nicht mal ansatzweise. Dann hätte es wesentlich massivere Proteste gegen die zweite, dritte und vierte Runde mit Schulschließungen gegeben. Weiterhin gehe ich davon aus, dass Michel in der Schule maximal ab und zu die Spitze dieses Eisberges durchblitzen lässt, denn sonst bekämen wir täglich Anrufe von der Schule und Michel würde vermutlich als unbeschulbar gelten. Aus Gründen verliere ich leider langsam die Hoffnung, dass ihm dann wenigstens geholfen würde, wenn er auch dort auffällig wäre.)

Jetzt sind erst mal Ferien und uns kann das sch… Weihnachtsheft am Hintern vorbei gehen. Michel hat es fertig gemacht und es darf jetzt bis zum 3. Januar im Rucksack wohnen.

Pippi hingegen macht ihre Aufgaben zum Teil sehr gerne, nämlich immer, wenn es ums Malen geht. In der ersten Klasse wird noch sehr, sehr viel gemalt. Ich kenne jetzt die Nooms, und weiß, wer welche Farbe hat und wie lang ist. Die Nooms, das ist die fancy Version von diesen Montessori-Zahlen-Stäbchen. Uno ist lila und 1 [Meter, sagt Pippi] lang, Penta ist grau und 5 lang. Fancy sind sie, weil es ein ganzes Noom-Universum mit kleinen Filmchen und Liedern und Apps und was weiß ich nicht alles gibt, statt… naja Holzstäbchen halt. Pippis Aufgabe war heute unter anderem, die Szene „Die Nooms feiern Weihnachten“ zu malen, was sie sehr hingebungsvoll und unablässig mit sich selbst redend tat. Schon süß, aber irgendwann bluten mir ein bisschen die Ohren.

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P.S. Mir ist übrigens völlig egal, ob die Schule den Kindern das Rechnen mit Nooms oder Äpfeln und Birnen oder abstrakten Zahlen beibringt. Hauptsache, sie lernen es, und zwar so dass alle Kinder individuell ihr Potential ausschöpfen können und langfristig motiviert bleiben. Wie das am besten geht, müssen sich Expert*Innen für Didaktik überlegen.

P.P.S. Das selbe gilt für Schreiben und Lesen lernen, Schreibschrift, Bleistift/Kuli/Tintenroller/Füller, schreiben mit der Hand vs. frühen Gebrauch von digitalen Lernmitteln zum Tippen und so weiter und so fort. Es ist mir egal.

Tag 2350 – Hellschooling.

Heute dauerte es 30 Minuten Homeschooling, bis ich beide Kinder und eine Lehrerin gerne zum Mond geschossen hätte. Gerne zusammen. Ich tauge dafür nicht und die Kombi aus mir und Michel ist eine höchst explosive. Wenn Michel explodiert tut er das aber auch gleich richtig und ausdauernd und danach sind gerne Sachen kaputt und wir heulen beide. Kurz und gut: funktioniert nicht. Einfach nein. Singen und Klatschen geht vielleicht noch, aber die Lehrerin unterbindet jeden Kommunikationsversuch der Kinder untereinander, da macht auch Singen und Klatschen nicht so viel Spaß. Michel hatte aber nicht nur Singen und Klatschen auf, sondern auch Mathe und Norwegisch und an Mathe zerbrach die eh schon fragile weihnachtliche Harmonie sehr gründlich. Bei Pippi muss man sehr drauf achten, dass sie nicht mit ihrem iPad abhaut und statt Aufgaben darauf zu machen, Kinderfernsehen schaut (habe ich erwähnt, dass die Kinder im Browser absolut jede Webseite der Welt aufrufen können? Und dass wir Eltern das nicht begrenzen können? Und dass die Schule, die das begrenzen könnte, dazu sagt, wir Eltern müssten den Kindern eben Medienkompetenz beibringen? Das ist alles sehr schön und überhaupt gar kein wunder Punkt, wooooozaaaaaaa…). Morgen um zwölf endet der Schultag offiziell, ab dann machen die iPads auch Ferien. Und ich dreiundneunzig Kreuze.

Unsere Reise ist weiterhin ein unschöner Nervenkitzel. Heute wurde unsere Rückreise storniert – zu einem Zeitpunkt, zu dem die Hotline, die man zum Umbuchen kontaktieren muss, schon nicht mehr besetzt war. Deutlicher kann man den Kund*Innen den Mittelfinger auch nicht zeigen.

Keinen Bock mehr auf Corona. Das ist doch alles scheiße hoch zehn.