Tag 2554 – Méduse!

Heute waren wir noch mal am Strand und der ist wirklich wunderschön, weißer Sandstrand, flaches Wasser, Dünen, was will eine mehr? Ok ja, die Quallen, die da so rumdümpeln und am Strand rumliegen, die sind nicht so hübsch, aber mei, gefährlich werden die ja wohl nicht sein. Ich erzählte sogar noch, dass ich weiß, dass Qualle auf Französisch Méduse heißt. Ich weiß das, weil ich mal mit einer französischen Austauschstudentin in Schweden in der Ostsee schwimmen war und sie plötzlich sehr hektisch wurde und „Méduse! Méduse!“ rief, weil da sehr viele ganz kleine Quallen um sie rum schwammen. Am Strand im Wasser herumwatend sah ich mir eine der Quallen genauer an, weil ich die Schwimmbewegungen so hübsch finde und die in lebend und im Wasser auch generell recht hübsch war, mit einer gelb-orangen Zeichnung, die wie eine Blume oder ein Stern aussieht und ganz vielen Tentakeln, wie ein Bart. Wieder an Land versuchte ich die Art zu googeln und war ziemlich schnell ziemlich eindeutig bei „Gelber Haarqualle“. Das ist eine Feuerqualle. Hups. Ich wollte gerade aufstehen und Bescheid sagen, da kam mir Pippi heulend entgegen, und Herr Rabe hinterher. Pippis Bein brannte furchtbar und Herr Rabe wollte schon Wasser aus einer Flasche drüberkippen, das konnte ich grad noch verhindern, weil ich auf einer Ostseeurlaubseite gelesen hatte, dass man es damit noch schlimmer macht. Essig soll man nehmen. Essig hatten wir nur zu Hause, also packte ich die schreulende Pippi und ging mit ihr zurück zum Haus, die anderen Kinder „was ist denn mit Pippi???“-fragend zurücklassend. In der Hektik vergaßen wir auch, Schuhe anzuziehen, was wir auf den Schotterwegen sehr bereuten. Nach einer gefühlten Ewigkeit im Ferienhaus angekommen suchte ich Essig, das einzige, was wir hatten, war allerdings Balsamico. EGAL! Dachte ich, Hauptsache irgendwas, dann machen wir jetzt Salatsauce. Ich schüttete also großzügig Balsamico über Pippis Waden, ließ es kurz wirken und spülte dann mit Wasser die braune Suppe wieder ab. Dann gab es eine Portion Fenistil auf die Beine, eine halbe Antihistamintablette, Wasser, ein Quetschie und My Little Pony, weil Pippi auf gar keinen Fall wieder zum Strand wollte. Ich ließ sie also in Obhut des Erwachsenen, der in der Nacht zu wenig Schlaf bekommen hatte und deshalb ausruhen wollte und ging zurück zum Strand. Mit dem restlichen Essig.

Rasierschaum geht wohl auch. Wir kaufen aber morgen eine Flasche billigen, stink normalen Essig.

Braucht auch kein Mensch, auch wenn es glimpflich ablief. Ich hoffe, dass Feuerquallen für irgendwas im Meer eine Delikatesse sind.

Wieder zu Hause sah man übrigens nichts mehr und Pippi ging es auch wieder gut.

Tag 2553 – Sommerlich.

Heute war weiter eher ankommen und abschlappen angesagt. Wir hatten keine großen Pläne, sondern lebten eher in den Tag und beschlossen irgendwann, ins nahe gelegene Freibad (an einem Campingplatz) zu gehen. Das war verhältnismäßig teuer, aber ich hatte mit Pippi sehr viel Spaß, was im Alltag auch in der Intensität eher selten ist. Pippi ist ja hartgesotten, was kühleres Wasser angeht und ich musste feststellen, dass es nur schlimm war, solange man noch halb draußen war, wenn man ganz drin war, ging es echt. Pippi schwamm ein bisschen mit Herrn Igelbert (also dem Mann von Frau Wunnibar), und wir Erwachsenen stellten beide fest, dass das schon ziemlich gut geht, zumindest im Hündchenpaddelstil, aber das reicht ja erst mal, um nicht sofort abzusaufen, wenn das Wasser plötzlich überraschend tiefer wird. Danach machte ich mit Pippi Quatsch und einen von ihr selbst ausgedachten Schwimmwettbewerb, bei dem wir in so spannenden Disziplinen wie „Nilpferd“ die Zeit nahmen (super professionell durch zählen), die es dauerte, einmal das 10 m breite Becken zu durchqueren. Am Ende schlugen wir noch unsere eigenen Rekorde, ich im Rückenschwimmen ohne Arme und sie im „Frosch“.

Irgendwann waren dann aber selbst Pippis Lippen etwas blau und wir gingen raus und ließen uns die Nachmittagssonne mit den anderen auf die Bäuche scheinen.

Schläft nicht, macht nur Quatsch.

Pippi hat übrigens in der Genlotterie vor 7 Jahren und knapp 10 Monaten den Jackpot gewonnen und Herrn Rabes Haut geerbt, weshalb sie jetzt schon unverschämt braun ist – alles dank Hort, Schule und draußen spielen.

Ach, das war richtig schön. Ich vermisse ja regelmäßiges Schwimmen doch sehr.

Tag 2546 – Es ist mal wieder soweit.

Die vollständige Abwesenheit von Respekt gegenüber meinen (und Herrn Rabes) Dingen geht mir so unendlich auf den Zeiger. Ich möchte mal wieder allein wohnen und die Kinder irgendwem schenken, der nicht schnell genug nein sagt. Manchmal tauchen die Dinge ja magisch wieder auf, wenn ich nur genug tobe. Deshalb habe ich jetzt zwei Lippenstifte in Roomiest Rose. Ich habe aber weiterhin nur einen in Mightiest Marachino, und das auch nur, weil ich mir am Flughafen einen neuen gekauft habe. Ich habe eine Dior Lippenpflege, die habe ich nachgekauft, nachdem die alte total zermanscht wieder auftauchte. Wie viele normale Lippenpflegestifte hier schon verschwunden sind, kann ich gar nicht mehr einschätzen. Absurd viele. Ich habe null Lieblingsparfum, bemerkte ich grad, weil Zweitlieblingsparfum an einer sehr komischen Stelle im Schrank stand. Ich habe null Anhänger für eine geerbte Kette, das macht mich wirklich wütend, auch, aber nicht nur, weil das auch ein monetärer Wert ist, der da wahrscheinlich irgendwo im Garten verbuddelt oder einem random Kind geschenkt wurde. Wesentlich schlimmer ist, dass mir der wirklich am Herzen lag. Am schlimmsten ist, dass ich eigentlich in meinem eigenen Haus nicht alles wegschließen will, die Kinder sind ja nun auch keine Babies mehr, die noch nicht verstehen, wo sie selbst aufhören und Mama anfängt. Ich will auch nicht glauben, dass meine Kinder auf solche Ideen kommen, ohne zu antizipieren, dass ich wirklich sauer werde oder auch, wie im Fall der Kette, wirklich traurig. (Dann fällt mir wieder ein, dass eins der Kinder ja vielleicht tatsächlich Schwierigkeiten genau damit hat. Spitzenmutter.)

Die einfach den ganzen Tag mit Switch und Tablet wegzusperren, ist ja leider auch gesellschaftlich nicht so akzeptiert.

Grrrr.

P.S. Ja, die Dior Lippenpflege (und der Lipgloss) und die Clinique chubby Lippenstifte sind das Geld wert. Ansonsten immer Carmex.

Tag 2527 – Kaltstart.

Heute Morgen habe ich verschlafen. Das ist auch schon was her, dass mir das passiert ist. Aber um zwanzig nach sieben wachte ich auf, versuchte, auf meine Handy-Uhr zu fokussieren, und dachte SCHEISSE. Ich hätte nämlich um halb neun bei der Arbeit sein sollen, und dann muss ich um halb acht im Zug sitzen. Naja, ich saß stattdessen um fünf vor acht im Zug, was ich beachtlich finde, besonders wenn man einbezieht, dass ich da angezogen und mit geputzten Zähnen, geschminkt und mit gemachten Haaren saß (ein Hoch auf die Kurzhaarfrisur und ein 5-Minuten-Basismakeup, das ich wahrscheinlich auch im Schlaf machen könnte).

Allerdings war ich, bis ich dann bei der Arbeit war, auch echt verstrahlt und neben der Spur.

Dafür habe ich aber heute meine Testcases durchgeorgelt und bin jetzt fertig. Morgen noch meine Chefin durch ihre drei Cases begleiten und dann ist die erste Runde durch. Wird auch Zeit, ich hab nach morgen eigentlich nur noch einen Arbeitstag an dem ich was testen könnte, dann ist Inspektion, dann ist Jetlag, dann sind Ferien.

20 Fehler im Akzeptanztest in meinem kleinen Bereich.

Die Kinder haben ab morgen um 12 Uhr Sommerferien. Ich bin ein bisschen neidisch. Michel tut schon so, als lese er ganz viel, weil es da einen Sommer-Lesewettbewerb gibt. Pippi ist erkältet, was zur Zeit heißt, dass sie zu Hause immer wenn sie da ist nur nölt, aber fast nie da ist, weil Sommer ist und alle Kinder der Reihenhaussiedlung, außer Michel, beieinander ein- und ausgehen.

Kaum zu glauben, dass schon wieder ein Schuljahr rum ist.

Tag 2502 – Plantschen.

Pippi hatte von gestern auf heute das erste mal Übernachtungsbesuch, nämlich das eine Nachbarsmädchen. Da wurde sehr viel gequatscht und gekichert und es gab einen Film und Popcorn und bis alle schliefen war es elf, aber das muss ja irgendwie auch so. Das Nachbarsmädchen ist eine sehr angenehme Hausgästin. Und so schnell war Pippis Zimmer noch nie aufgeräumt, wie nach der Ansage „Wenn L. hier schlafen soll, muss da aber aufgeräumt sein!“.

Heute Morgen beim Frühstück erbettelten die Kinder sich dann Schwimmen. Also in erster Linie unsere eigenen Kinder, aber das Besuchskind fragte, ob sie auch mitkommen kann. Ich fragte, ob sie schwimmen könne, ja klar sagte sie, also durfte sie von uns aus mitkommen. Pippi kann nicht schwimmen und Michel kann grad so gut schwimmen, dass man nicht mehr permanent Angst haben muss, dass er absäuft, sobald man kurz den Blick von ihm abwendet. (Dass er inzwischen überhaupt so gut schwimmen kann verdanken wir der Schule und dem eisernen Willen dieses Kindes, das das unbedingt wollte.) Da können wir nicht noch die Verantwortung für weitere Nichtschwimmerkinder übernehmen. Aber das Nachbarsmädchen kann schwimmen, ziemlich gut sogar, und durfte auch von ihren Eltern aus mit (und dann gab es noch einen Eklat, weil das andere Nachbarsmädchen mitbekommen hatte, dass wir schwimmen gehen wollen, und quasi schon dabei war, ihre Sachen zu packen, aber die kann eben nicht schwimmen und auch ihre Eltern hielten das für gar keine gute Idee). Und siehe da: Pippi kann fast schwimmen, also sie treibt sehr schön im Wasser, kommt auch gut voran, sie muss nur noch lernen, den Kopf zu heben. Aber schnauzeln Schnorcheln geht super. Die Mädels pendelten zwischen Rutsche und „dem warmen Becken“ (so ein Spaß/Therapiebecken, das an einem Ende 0,90 m und am anderen 1,90 m tief ist, also eher flach), Michel pendelte zwischen Sauna, Dampfbad, Tauchbecken, 1 m-Brett und Spielgerätdingsbums (so ein aufblasbarer Hindernisparcours, der auf dem Wasser schwimmt), wir Erwachsenen pendelten den Kindern hinterher und als alle hungrig waren, fuhren wir nach Hause. Da waren die Kinder auch ziemlich im Eimer, nach wenig Schlaf und Schwimmen, und bei Pippi gab es dann ein paar Tränen, als sie sich vom Nachbarsmädchen trennen musste, aber alles in allem war es ein echt schönes Wochenende und den ersten Übernachtungsbesuch für ein Kind haben wir auch gut gemeistert, finde ich.

Tag 2490 und 2491 – Weggeworfene Zeit.

Gestern bin ich abends auf dem Sofa vom Schlaf übermannt worden. Tjanun.

Es gab aber auch nichts spannendes zu erzählen, außer, das ist natürlich sehr spannend: es hat geregnet. Den ganzen Tag! Das ist eine Meldung wert, das war nämlich, leider wirklich nicht übertrieben, das erste mal seit März, dass es geregnet hat. Vor lauter Schreck ist gleich der Rosmarin (Versuch Nummer 275) im Garten eingegangen und der Rest der Natur ist förmlich explodiert. Zack, Frühling, alles grün. Nur doof, dass der Korps gestern seine finale Marschübung hatte, ich bekam 3 (Herr Rabe marschiert als Begleitelter mit) sehr nasse Raben zurück, die erst mal in der Badewanne auftauen mussten.

In einem Land, in dem der komplette Strom aus Wasserkraft kommt, weiß man Regen gleich ganz anders zu schätzen.

Heute war auch nicht so ganz viel, um ehrlich zu sein. Ich arbeite so vor mich hin, ziemlich unproduktiv aber es saufen halt auch alle die billigen Desinfektionsmittel da, was soll man machen. Die Arbeitszeit fühlt sich ziemlich verschwendet an, oder wie man auf norwegisch sagt: weggeworfen.

Abends habe ich versucht, Pippi die Bräune aus dem Gesicht zu waschen, weil ich dachte, es sei Dreck. Sie hat einen sehr deutlichen Abdruck von ihrer Brille, das passiert mir ja tatsächlich einfach nie, deshalb dachte ich halt, das Braune muss Staub oder Dreck sein. Hoppla. Aber Pippi sieht natürlich auch mit einem weißen Balken auf der Nase ganz bezaubernd aus. Michel hat wieder Sommersprossen auf der Nase und den Wangen bekommen und sieht damit auch ganz hinreißend aus, wie immer. Ich muss neue Sonnencreme kaufen, die Restbestände habe ich alle aus Gründen wie „voller Sand“ entsorgt. Und meine ist leer, aber die kriege ich auch nicht im Supermarkt, die muss ich bestellen oder es wagen, in eine Parfümerie zu gehen. Da ich aber schon die letzten Male im Zug gern Leuten an die Gurgel gegangen wäre, weil sie zu penetrant nach Parfüm rochen, läuft es wohl auf bestellen raus. Ich frage mich, warum mir das jetzt so extrem auffällt? Ich war immer schon geruchsempfindlich, aber doch nicht so? Bei meinem letzten physischen Maskarakauf wollte ich am liebsten rückwärts den Laden wieder verlassen, weil ugggghhhh Parfüm. Werde ich seltsam mit den Jahren? Also noch seltsamer als eh schon? Ist es die Entwöhnung durch Pandemie? Egal was: ich wünsche mir von der Menschheit generell einen sparsameren Umgang mit Düften aller Art.

Tag 2371 – Lang ist’s her.

Vorhin kam Pippi an, weil sie nicht mehr schlafen konnte, weil irgendwas war, sie behauptete Nase zu, aber das war es nicht, sie atmete ganz normal durch die Nase. Ich packte die Geige ein und setzte mich mit ihr aufs Sofa, wo sie wieder einschlief. Ich döste auch kurz weg, wurde dann aber sehr schlagartig wieder sehr wach und jetzt ist Pippi frisch geduscht und meine Klamotten und die Sofadecke sind in der Waschmaschine.

Hoffen wir, dass es nur was falsches gegessen ist, Magen-Darm brauchen wir wirklich nicht im Haus. War eigentlich auch ganz schön so ohne…

Tag 2361 – Tag der Schlange.

Meine Güte, seit sehr langer Zeit haben wir nicht mehr so viel Zeit mit Schlange stehen verbracht. Nicht mal, weil es lange Schlangen waren, sondern einfach viele und es dort auch nicht sonderlich schnell voran ging.

Schlangen heute:

  • Sicherheitskontrolle. Wir nahmen die Familienschleuse, was eine denkbar besch…eidene Idee war, weil gefühlt alle in dieser Schlange zehn Tonnen Handgepäck dabei hatten und noch nie geflogen waren, jedenfalls musste so ziemlich jedes Gepäckstück mehrmals durch den Scanner geschoben werden, weil noch irgendein Babygläschen/Popocreme/Trinkflasche vergessen worden war. Wir standen, das ist nicht übertrieben, ca. 30 Minuten an, dabei waren vor uns, als wir kamen, nur ca. 6 weitere Familien.
  • Passkontrolle in Gardermoen. Kritische Beäugung von Michels Kinderreisepass. Wurde dann aber akzeptiert.
  • Am Gate. Wesentlich länger als erwartet, weil kein Flugzeug da war. Das kam erst 10 Minuten nachdem wir schon hätten gestartet sein sollen. Auch da wurden die Pässe noch mal kontrolliert.
  • Im Gangway hinterm Gate. Lange. Wirklich sehr lange. In dem sehr sehr warmen Glastunnel, in der Sonne.
  • Passkontrolle in England.
  • Am Gepäckband

Insgesamt starteten wir mit 1,5 Stunden Verspätung in Gardermoen und kamen mit 1,25 Stunden Verspätung in Gatwick an. Michel war sehr nervös und kann dann nicht still stehen und nimmt alles wörtlich, was man sagt – zum Beispiel war seine Antwort auf „Kinder, hört doch einfach auf, euch gegenseitig auf den Zeiger zu gehen“ „ Aber Pippi hat keine Uhr an, wie soll ich ihr da auf den Zeiger gehen?“. Mich steckt die Nervosität an und der Verspätungsstress tat sein Übriges, am liebsten wäre ich irgendwann nur noch schreiend weggelaufen, aber ging ja nicht. Dann machte ich noch den glorreichen Fehler Michel zu sagen, dass Gepäck, das man nicht abholt, versteigert wird (er wollte wissen, was dann passiert), woraufhin Michel endgültig völlig aus dem Häuschen geriet, weil er Angst hatte, dass unser Gepäck versteigert wird. Wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, an dem noch nicht mal angezeigt wurde, auf welchem Band das Gepäck von unserem Flug ankommen würde.

Um dem ganzen Stress die Krone aufzusetzen stolperte dann noch ein älterer Herr über Pippi und schlug lang hin. Ja naja, kann ja mal passieren, dachte ich und wollte ihm aufhelfen, aber er stöhnte nur laut und hielt sich die Hüfte und als seine Frau dazu gehastet kam, sagte er, das sei DIE Hüfte und die sei sicher wieder (!) gebrochen. Herr Rabe stürzte davon, um Flughafenpersonal Bescheid zu geben, dass wir ärztliche Hilfe brauchen, am Boden der stöhnende Mann, der nicht aufstehen konnte, neben mir Michel, hyperventilierend wegen des Gepäcks und Pippi, bleich um die Nase. Als die Flughafenangestellten einen Paravon um den Mann aufgestellt hatten und Herr Rabe und Michel das Gepäck holen gingen, brach Pippi in Tränen aus und fragte mich, ob es Gefängnisse für Kinder gäbe. Dabei hatte sie wirklich keine Schuld, der Mann ging rückwärts-seitwärts und sah in die entgegengesetzte Richtung. Die Flughafenangestellten waren mit dem Mann beschäftigt und wir wollten auch nicht stören, aber Pippi wollte sich gerne entschuldigen und wir sagten einer der Angestellten das, die sagte, sie würde es ausrichten. Auf dem Weg zum Ausgang kam dann noch mal eine andere Angestellte hinter uns hergelaufen (in meinem Kopf schon Schadensersatzklagen ohne Ende) und richtete aus, der Mann habe sich gefreut, dass sich Pippi entschuldigt hat, und es ginge ihm gut, nur ein bisschen Schmerzen. Hoffen wir einfach, dass das so stimmt.

Jedenfalls kamen wir alle völlig gerädert bei der Schwägerin an und jetzt ist aber sowas von Schlafenszeit. Ich richtete im Bad noch ein kleineres Blutbad an, weil ich mir die Nase geputzt habe und instantan aus beiden Nasenlöchern das Blut lief und auch erst mal nicht aufhörte. Super, echt, meinen Körper muss man einfach lieben. Inzwischen hat es aber aufgehört, ich sprühe noch mal befeuchtendes Nasenspray drauf und dann Licht aus. Und morgen ein Steak oder so.

Tag 2350 – Fischähnliche.

Zyklusende, Zyklusanfang, Zack, Laune besser, Wasser weg, keine Schmerzen mehr, produktiv gearbeitet. Ein monatlich wiederkehrendes Wunder.

Anekdote von heute: ich war mit Pippi bei der Schulschwester, zum Kennenlerngespräch und um abzuchecken, ob wir vernünftig füttern, pflegen und impfen. Auf einem Bild mit verschiedenen Nahrungsmitteln sollte Pippi auf das zeigen, was sie mag, und dann fragte die Schulschwester, ob sie denn auch *zeigte auf ein Weißfischfilet* das hier möge. Was das sei, fragte Pippi. Fisch, sagte die Schulschwester. Neeeee, Fisch möge sie nicht, behauptete Pippi. Da musste ich widersprechen, Pippi möge ja Lachs, Lachs sei auch Fisch. Und Fischstäbchen und Fiskekake (Fischfrikadellen) möge sie ja auch. Nein, das sei kein Fisch, Lachs sei nur so ähnlich wie Fisch, davon war Pippi überzeugt.

Abends holte ich mir dann aus einer Laune heraus eine Portion Sushi, was mir Pippi dann mit großer Begeisterung wegaß.

(Michel nannte einen im ganzen gebackenen Lachs bei einer Freundin mal „Fischfleisch“, das muss so ein Ding sein bei Kindern, dass sie Lachs nicht als Fisch wahrnehmen. Vielleicht auch nur bei norwegischen Kindern.)

Tag 2344 – Stichpunkte.

– Pippi hat den dritten Zahn verloren, den oberen linken (also Zuschauer-links, ihr rechts) großen Schneidezahn. Gestern sagte sie im Auto plötzlich „Mama! Ich blute!!!“ und dann „Ich hab nen Zahn verloren! Und ich blute jetzt!“ und weil ich ja fuhr konnte ich nicht mal gucken sondern nur die Hand nach hinten strecken und mir den Zahn anreichen lassen. Sie sieht aber schon sehr drollig aus mit der Zahnlücke, und das Mundgefühl ist wohl anders, sie lispelt jetzt leicht.

– Michel Harry Potter vorlesen ist nahezu abgeschlossen. Noch ein Kapitel. Gestern ist (Achtung, Spoiler, aber kann man nach 20 Jahren noch wen spoilern? Ich weiß ja nicht. Achtung Spoiler: am Ende vom Herrn der Ringe gewinnen die Guten(TM), Don Quichotte erlegt keine einzige Windmühle und der Vater im Erlkönig schafft’s leider nicht rechtzeitig.) Harry Potter „gestorben“, heute Voldemort. Ein bisschen traurig bin ich, gut, dass wir noch ein Kind haben.

– Arbeit ist zum alles anzünden zur Zeit

– Bin leicht bedröppelt, weil ich bei den Kommunen-Grünen jetzt im Programmkommitee bin, aber irgendwie zu nichts was beitragen kann. Ich kann ja nur Biotechnologie und Pharmaindustrie, das sind jetzt nicht die Themen, die bei den lokalen Grünen hoch im Kurs stehen. Werde dementsprechend eher mit… anderer Arbeit (???) beitragen, äh, vielleicht Kaffee kochen oder so. Ich mag auch Tiere und finde Natur gut und würde gerne sicherstellen, dass meine Kinder noch in einer halbwegs bewohnbaren Welt aufwachsen und alt werden, wie schreibe ich das ins Programm? Außerdem haben die Grünen in Norwegen jetzt eine heiße Debatte laufen, ob man stärker darauf hinweisen sollte, dass man KEINE Eine-Sache-Partei ist, sondern tatsächlich zu allen Bereichen eine Meinung und Vorschläge hat. Da ist „Rettet die Wale“ vielleicht nicht so der hippeste Spruch. Dass wir die Wale retten wollen (und alles andere auch, vor allem die Menschen, sogar noch vor den Walen) weiß man ja eh, aber niemandem ist klar, dass wir eine Bildungspolitik haben, oder Gesundheitspolitik. (Aber Wale! Hach!)

– Ich wünsche mir einen neuen Bogen, würde gerne einen aus Carbon ausprobieren, oder eher mehrere, aber auch das Projekt zünde ich demnächst einfach an, weil es einfach in Norwegen niemanden gibt der a) mehrere (so 2-3) Modelle von mehreren (2, VIELLEICHT 3)namhaften Marken hat und nicht verlangt, dass alle Waren nur unbenutzt zurückgegeben werden können. Ich kaufe doch auch kein Auto nach Internet-Bewertungen und weil das beim Händler auf dem Hof aus 10 m Entfernung hübsch aussah.

– Michel ist die zweite Nacht in Folge allein eingeschlafen. Nach Ewigkeiten erst, aber allein. Yeah, I guess? (Traue dem Braten noch nicht so recht.)