Tag 1246 – Strategie, Plan, Vorschrift, hui.

Ich ackere mich tapfer durch meine tausend Vorschriften. Dazu hatte ich heute noch zwei Meetings mit jeweils einer meiner insgesamt vier Chefinnen.

Im ersten ging es um die Struktur, Organisation und Strategie der Behörde und ich erfuhr noch mal genaueres über die Umstrukturierung, die letztes Jahr stattgefunden hat. Das Meeting war sehr nützlich, weil ich jetzt verstehe, welche Absicht hinter der Organisationsstruktur steckt. Das nimmt der (weiterhin vorhandenen) Unübersichtlichkeit ein wenig den Schrecken und ich sehe nun, dass das gut sein kann, wenn es auch in allen Köpfen angekommen ist.

Das zweite Meeting war mit der Chefin, die für mein lag die Verantwortung hat. Auch das sehr gut, es ging um „was macht unsere Einheit, unser lag, deine Kollegen…“. Nach dem Gespräch verstehe ich nun ein paar der Zusammenhänge besser und weiß nun, mit welcher Chefin ich was besprechen kann. Das mit der Gleitzeit nämlich zum Beispiel nicht mit dieser Chefin sondern mit der, die für mich die Personalverantwortung trägt. Das hat sich aber schon gestern geklärt, alles gut sozusagen, die Gleitzeittage werden nur „verbraucht“, wenn ich nicht die volle Kernarbeitszeit da bin und das wird wohl tatsächlich eher selten so sein. Das war ein Missverständnis, dem ich da aufsaß. Heute bin ich dann auch direkt mal ne viertel Stunde eher gegangen, weil die Züge immer zu spät sind und das blöd ist. Diese meiner Chefinnen ist übrigens sehr froh, dass ich da bin, genau ich, jung und anders und modern. Das ist mal schön, das nach hundert mal „bist du QP???“ zu hören.

Die Züge sind immer zu spät und da bröckelt die Planung etwas. Ich hab da noch nicht fertig drüber nachgedacht. Ich hoffe einfach, dass es irgendeine Baustelle oder so irgendwo vor Oslo ist, die grad auf der Strecke für Verzögerungen sorgt, aber sonst die Züge wenigstens einigermaßen pünktlich fahren. Haha, ja, ich bin noch so Pendel-naiv.

Bisher ist das Pendeln noch ganz ok. Ich lese morgens im Zug, Blogs oder ein Buch oder ich höre Podcasts. Nachmittags muss ich meistens bis zum Flughafen stehen und dann höre ich Podcasts oder Musik. Das frühe Aufstehen schlaucht mich aber sehr, hoffentlich gewöhne ich mich da noch dran.

Die neue Putzhilfe schickt versehentlich Textnachrichten mit „Chcesz cos ze sklepu“ an mich (Google Translate sagt sowas wie „Brauchst du noch was aus dem Laden“), sie putzt super, faltet Waschlappen und Putzlappen ganz akkurat und hat, weil das Bettzeug und die gewaschenen Bezüge da noch oben drauf lagen, einfach das Gästebett bezogen. Und die Spülmaschine ausgeräumt. Ich bin schwer beeindruckt. Und froh. Vor allem froh.

Morgen wird ein Einkauf geliefert. Da bin ich sehr gespannt drauf. Ich möchte den Lieferanten gern treffen und fragen, ob es ne Möglichkeit gibt, die 8 (!) Plastiktüten in Zukunft zu umgehen. Dann müssen wir nur noch zum Vinmonopolet und zum Meny (für Brot) und doch noch mal in den Supermarkt, weil unser Waschmittel wohl nicht mehr fürs Wochenende reicht.

Nächste Woche werde ich meinen Führerschein eintauschen. Erst gegen einen vorläufigen und dann gegen einen norwegischen Führerschein. Denn im EWR sind Führerscheine aus anderen EWR-Staaten zwar unbegrenzt gültig, aber ein deutscher Führerschein ist hier kein Ausweis und ich will echt nicht immer meinen Pass zur Post mitschleppen müssen, um ein Paket abzuholen. Außerdem stelle ich es mir einfacher vor, zum Beispiel Autos zu mieten, wenn man einen Führerschein hat, mit dem die Leute hier vertraut sind. Jedenfalls musste ich für diesen Führerschein noch einen Sehtest machen, damit nun auf dem Führerschein vermerkt werden kann, dass ich eine Sehhilfe benötige und nutze und die Sehhilfe auch zur Kurzsichtigkeit passt. Michel und Pippi haben also heute gesehen, wie so ein Sehtest abläuft. Michel hat auch nur ganz am Anfang Buchstaben gespoilert, dann hab ich gesagt, dass er das in seinem Kopf machen soll und nicht laut sagen. Als wir dann aus dem Raum gingen, sagte er „Ne, Mama? Da stand F G O R P. Fgorp. Was ist das für ein Wort?“ Michel kann schon echt viel lesen und liest nun halt alles vor, was er sieht. Und er sagt, er liest gerne, das freut mich ganz außerordentlich, ein Kind das gar nicht lesen mag wäre mir irgendwie fremd.

Pippi hat heute einen Ausflug gemacht. Das machen aus ihrer Gruppe jeden Donnerstag ein paar Kinder. Nach dem ersten Ausflug kam sie freudestrahlend an und sagte, sie seien in der „Apothek!“ gewesen, das kam mir unwahrscheinlich vor. Heute waren sie jedenfalls in der „Biblothek!“, das erscheint mir auch als ein besseres Ausflugsziel. Apotheke wär jetzt irgendwie zu sehr „ganz die Mama“. Apotheken inspiziert die Behörde nämlich auch.

Ebenfalls gelernt: wir als Inspektøre können jederzeit und unangemeldet Inspektionen durchführen. Selbst in Privatwohnungen, da könnte man zum Beispiel die korrekte Lagerung überprüfen. Jetzt stelle ich mir vor, wie tierisch beliebt man sich wohl macht, wenn man bei Freunden erst mal den Medizinschank aufreißt um dann Tenperatur, Luftfeuchtigkeit und die nicht-Vorhandenheit eines rollierenden Warenmanagements zu bemängeln. „Report kommt in spätestens 30 Tagen!“

Ich sehe eine glorreiche Zukunft als Partypooper auf mich zukommen.

Tag 1244 – Hopps!

Michel ist heute beim Skitraining das erste mal gesprungen. Ich war drinnen in der Skihütte und habe versucht, Guidelines zu lesen*, deshalb habe ich das nicht gesehen. Was wohl gut ist, weil ich gar nicht weiß, wie begeistert ich davon wäre, würde mein Kind Skispringer. Bei den Profis sieht das hinreichend sicher aus, aber ich bin sicher, deren Eltern mussten in jüngeren Jahren öfter mal diverse Blessuren versorgen und haben vermutlich auch das ein oder andere mal in der Notfallpraxis gewartet, während drinnen das angehende-Skisprung-Profikind genäht oder gegipst wurde. Da denkt man, Langlauf sei harmlos und dann kommt der Sechsjährige mit rot glühenden Wangen angelaufen und erzählt von seinen Sprüngen. Aber Hauptsache, er hat Spaß, ne?

Und den hat er und das ist alle absurden Sorgen um ungelegte Skisprungeier allemal wert. Und auch, dass er unbedingt am Wochenende Skilaufen will, kann ich verkraften, aber wo kriege ich denn nun so schnell Ski her? Und lerne Skilaufen?

___

Ich bin todmüde. Und habe heute nach einer… ich nehme mal an einfach unbedachten Bemerkung mir gegenüber der hässlichen Fratze des Impostorsyndroms direkt wieder ins Gesicht geblickt. Aber nur kurz, dann überwog schnell der Ehrgeiz, es nun allen zu zeigen. Das ist mal ein Fortschritt seit dem PhD, da war mir der echte Ehrgeiz, der, der es nicht nur irgendwie über die Ziellinie schaffen will, sondern der schon mal die Fanfaren poliert und die Flaggen bügelt, der war mir da abhanden gekommen und jetzt ist er wieder da, mein alter Freund.

Trotzdem müde. Morgens um viertel nach fünf bläst hier leider keine Fanfare.

___

Steuerkarte abgerufen und Schreck bekommen: der Lohnsteuersatz war routinemäßig auf das Letztjahres-Einkommen berechnet worden. Würde ich nur diese Steuern zahlen, käme mit dem Steuerbescheid nächstes Jahr eine wirklich schmerzhafte Nachzahlung auf mich zu. Was lobe ich mir in solchen Fällen Norwegen: einmal eingeloggt lässt sich einfach unter Angabe des neuen Einkommens eine neue Steuerkarte beantragen. Das tat ich heute am frühen Nachmittag als Kaffeepausenbeschäftigung und heute Abend kam die neue Steuerkarte. Was das für ein Aufriss mit Post und Zeug in Deutschland wäre, will ich mir gar nicht vorstellen.

___

*ohne Erfolg, ich döste über Partikelgrenzwerten verschiedener Reinraumklassen ein.

Tag 1235 – Blink, Blink.

Die eine der drei Küchenlampen ist irgendwie nicht ganz so smart drauf heute und macht, was sie will. Wir sind aber so tiefenentspannt, dass wir das eher lustig finden als u s drüber zu ärgern.

Pippi ist dreieinhalb. Heute hätten wir sie gerne ein paar mal irgendwo „vergessen“. Ihr Geduldsfaden ist einfach mega kurz und sie kennt nur die Modi „nörgeln“ und „kreischen“. Ganz toll. Wären wir nicht so tiefenentspannt, würde das grad wohl sehr an unseren Nerven sägen.

Ich habe mit dem Mantel angefangen*. Gestern Abend habe ich zugeschnitten, heute geheftet um die Passform beurteilen zu können und, naja, die Passform ist so lala, da kann ich aber sicher noch was rausholen. Was blöder ist, ist dass ich nicht mehr nachgeguckt hatte, ob ich passendes Garn habe und weil die Nähte außen liegen geht halt „passt einigermaßen“ eher nicht. Und natürlich habe ich kein passendes Garn. Wäre ich nicht tiefenentspannt, wäre ich ziemlich sauer auf mich wegen dieser Doofheit. So habe ich der Nähmutter geschrieben, ob sie mir Garn leihen** kann und fahre nun morgen Vormittag dort hin und schaue ob sie passendes hat. Dann kann ich auch diverse andere Fragen stellen, zum Beispiel nach Taschen***, Futter und ob sie Tipps hat, von einem meiner absoluten Lieblingskleider, in das die Waschmaschine (?****) leider nach Heiligabend viele ganz kleine Löcher gefressen hat, den Schnitt abzunehmen. Das Kleid war sehr teuer, passt mir wie angegossen und ist nicht von der Stange, also mal eben nachkaufen ist auch nicht. Da war ich mal kurz nicht so ganz tiefenentspannt und hab ob der Löchlein recht doll geflucht und ein Tränchen verdrückt. Weil Lieblingsstück.

Nicht nur ein Tränchen verdrückt habe ich heute bei der absolut letzten Folge Tatortreiniger. Ich fand die Serie von Anfang an super und das Ende ist lustig, wunderschön und tieftraurig und passt wunderbar zu Schotty. Schnief.

___

*Jaja, Sie wollen Fotos von den anderen Projekten. Beim Kleid für Die Beste muss ich Sie enttäuschen, das andere kann ich ja morgen zur Feier des Tages anziehen und Ihnen dann zeigen?

**Man „leiht“ hier auch Dinge, die sich dadurch verbrauchen. Genau genommen schenkt sie mir dann Garn, und ich kaufe ihr eine neue Rolle und gebe es ihr zurück. Leihen halt. Man leiht hier auch einen Keks, von dem man mal abbeißen will.

***Ich hab da schon eine Idee, aber egal wie brauche ich erst Futterstoff.

****Erst hab ich panisch den ganzen Schrank und jede einzelne Wollklamotte nach Mottenlöchern abgesucht, aber es ist nur dieses eine Kleid und ich glaube mir wär an Heiligabend auch aufgefallen, dass es Löcher hat, wenn es die denn gehabt hätte.

Tag 1232 – Dinosaaaauuuuuurrrrrrr!

Michel und seinen besten Freund H. zusammen zu sehen ist immer noch und immer wieder sehr schön. Schwupps sind wieder alle Dinosaurier und machen (leicht ermüdende) Shows und jetzt bringt M. die Jungs ins Bett. Pippi ist schon total erledigt auf dem Sofa eingeschlafen und schnarcht jetzt hoffentlich beruhigend den Jungs was vor. Das letzte Mal konnte H. hier ja leider gar nicht einschlafen und dass ich nicht verstanden habe, dass er „Tørst!“ (Durst) flüsterte und nicht „Test“, tja, naja, das war halt nicht zuträglich. Vermutlich darf ich ihn nie wieder ins Bett bringen. Nunja. Norwegisch ist und bleibt halt doch ne Fremdsprache für mich und mit Dialekt und einer lustigen Sprachfehlermischung kommt in meinem Kopf halt manches durcheinander.

Apropos: also Michel heute sagte, er müsse sein Portemonnaie holen, lachte sich M. halb kaputt und meinte, das Wort hätte sie noch nie von wem unter 80 gehört. Wir sind hier halt so retro, selbst unsere Kinder reden wie Greise.

Tag 1227 – Baum: Check!

Weil es schon so spät ist, heute nur kurz: wir haben die Beste heute zu einem Bauernhof mit Weihnachtsbaumverkauf und Kutschfahrt und allem norwegischen Tralala mitgenommen, das war sehr schön und wir haben jetzt auch einen sehr schönen Tannenbaum.

Die Igelmütze passt eigentlich nicht mehr so wirklich, aber sie ist so niedlich! (Und warm. Und noch an Omas alter Nähmaschine genäht, das war nicht so einfach, die konnte nämlich nur geradeaus und Zickzack, Punkt.)

Die Beste und ich fuhren dann noch alleine los um die Lebensmittel für die nächsten Tage einzukaufen, leider war vieles schon ausverkauft, morgen müssen wir dann auch noch mal los und eine Lichterkette für den Baum kaufen, unsere 80er macht lächerlich wenig Licht im sehr dichten und breiten Baum. Aber egal, verhungern werden wir nicht.

Zum Abendessen hat dann auch die Beste ganz allein gekocht, nämlich eine ganze Lachsforelle, die sich die Kinder gewünscht hatten. Omnomnom, das war sehr lecker und die Kinder haben sogar richtig reingehauen, das ist ja auch mal schön. Wenn danach nicht Pippi eine ewige Einschlafhampelei aufgeführt hätte, wäre der Tag fast perfekt gewesen. Das hat dann doch ordentlich runtergezogen und überhaupt ist dieses Kind grad in einer Phase… wenn sie nicht so niedlich wär, hätte ich sie vermutlich schon an der Tankstelle ausgesetzt. Grenzen testen galore, bei aufgezeigter Grenzüberschreitung ausdauerndes Geschrei, es ist wundervoll, wirklich. Hoffentlich geht das bald vorbei.

Danach noch mit Biet auf dem Sofa versumpft, während Herr Rabe Dir Kinder erneut ins Bett steckte, nachdem Pippi mit ihrem Gebrüll Michel aufgeweckt hatte.

Tag 1222 – Hmmmmmmplöt.

Heute mehr oder weniger unterschwellig über vieles geärgert. Erst morgens die langsamen Kinder, wie können die so unfassbar langsam sein, bitte? Dann Herrn Rabe, der auf meinen Mental Load noch fröhlich draufpackt, dann über Preise von Dingen, Technik, die nicht tut wie sie soll, kaputte Kopfhörer, verschlürte Handschuhe, verpasste Züge, echt schwer abzusägende Bäume, und so weiter und so fort.

Aber auf der anderen Seite hab ich den Baum jetzt abgesägt, hatte wegen des Zugs einen extra Kaffee, die Handschuhe lagen noch im 1. Laden, mein neues Handy hätte für diese Kopfhörer eh nen Adapter gebraucht und da stellt sich die Frage, ob man nicht lieber Bluetooth-Kopfhörer kauft, Herr Rabe frickelt an der Technik (da ist Code auf unserem Fernseher, genau jetzt!), das große Kind wird sich über seine neuen schicken Klamotten sicher sehr freuen, Herr Rabe und ich haben uns ein wenig angemotzt und dann bleiben nur noch die langsamen Kinder. Die müssen halt früher raus.

Wirklich doof gelaufen ist ein Test, den wir heute unternommen haben, ob nämlich Michel allergisch auf die Katze von Nachbarn von Bekannten reagiert, die demnächst umziehen. Wenn nicht, hätte hier ein sehr großer, sehr sehr flauschiger Maine-Coon-Norwegische-Waldkatze-Perser-Kater einziehen können, nun wird er leider zur Wohnungskatze downgegraded. Denn Michel reagierte. Nicht stark, nicht so eindeutig wie auch schon, aber eben schon. Mich macht das sehr traurig, ich möchte doch so gerne eine Katze haben, aber nicht so dringend, dass ich riskiere, dass Michel allergisches Asthma entwickelt. Werde wohl oder übel erst eine Hyposensibilisierung anleiern müssen, die muss dann durch sein muss (dauert halt) und zu der Zeit darf hier keine Katze wohnen. Das ist echt eine doofe Aussicht, zumal ich mir schon gut vorstellen kann, wie auf solcherlei Wünsche hier reagiert wird. Gut, wir könnten die Hausstaubmilbenallergie vorschieben und dass er, wenn wir zu Besuch bei Leuten sind, da nicht schlafen kann ohne Antihistamine. Ich habe echt Angst vor Asthma. Hyposensibilisierung hilft genau gegen die Entwicklung von allergischem Asthma.

Andererseits muss er dann da jede Woche hin, vermutlich in die Poliklinik, eine Stunde Fahrzeit entfernt, zu Praxiszeiten. Hahaha. Keine Katze. Keine Übernachtungen ohne Pillen.

Abends dann aber immerhin noch mal herzlich gelacht über so Aussteiger-Vögel, die Aussteiger-Beratung für nur drülfzig Geld anbieten und sich damit ihr nices Aussteigerleben finanzieren. Top gepflegter Instagramaccount, Smartphone, Reiseblog, beseeltes, „Erleuchteteres“ Geseier inklusive. Joa. Spoiler: funzt so lange prima bis der Typ, der deinen zum mobilen Tiny-Haus umgebauten Bauwagen wegen Motorschaden am diesen ziehenden Dieseljeep von anno dazumal reparieren soll, halt auch erfolgreich aus seinem Angestellten-Hamsterrad ausgestiegen ist und auf der Nachbarinsel nun Aussteigerberatung für drülfzig Geld anbietet. Nachwuchs ist auch keiner da, weil die alle keine Ahnung haben, wie ein Motor funktioniert, weil nach Lesen und Schreiben und vielleicht ein bisschen plusminusmalgeteilt in der Schule ja nix mehr kommt, was irgendeine Relevanz fürs Leben hat und deshalb kann man das mit der Schule ja gleich sein lassen. Merkste selbst, ne?

Tag 1218 – Happy, happy!

Nun. Schon wieder ist es total spät, aber ich habe es aufgegeben, früh ins Bett zu gehen. Ich bin einfach nicht müde, so what. Wenn ich wirklich früh aufstehen muss, wird es schon gehen. Solange ich nicht muss, gebe ich mein Bestes, es trotzdem zu tun, und wenn’s nicht klappt, dann klappt es eben nicht, ist ja grad noch egal. Dafür habe ich abends all die Energie, die mir morgens abgeht und dann ist es doch schön, wenn ich noch friedlich zwei Stunden Nähen kann, während die Kinder schlafen.

Überhaupt, die Kinder. Ich hab die sehr lieb. Sage ich vielleicht nicht häufig genug, also zu ihnen schon, aber nicht „über“ sie, zu anderen. Michel zum Beispiel, der große kleine Zwerg, wenn der morgens vom Parkplatz zur Schule stapft und so kleingroß ist, wie es halt nur Erstklässler sein können, da geht mir das Herz auf. Und wenn ich dann sehe, dass die Opis, die Schülerlotsenmäßig den Schulweg bewachen, schon ihre Posten verlassen, weil es ja schon zum ersten Mal geklingelt hat (15 Minuten vor Schulbeginn), dann fahre ich auch ein bisschen Helikopternd einmal um den Block und wieder an der Schule vorbei, wo ich den knallgelben Trondheimer Kommunenrucksack grad noch auf den Schulhof einbiegen sehe. Nach der Schule dann erzählte er mir, dass ihn ein Kind geschubst hat und ein anderes hat ihm einen Schneeball (mit Steinen drin! Und mit Absicht!) voll ins Gesicht geworfen. Meine Reflexe sind dann ja direkt auf WAAAAAS??? ICH RUF DIREKT DIE ELTERN AN WAS SIND DENN DAS FÜR ARSCHLÖCHER?, aber ich fragte erstmal nach, was Michel dann gemacht hätte, und ob das wer vom Hort gesehen hätte (nein), und Michel sagte, er sei dann einfach weggegangen und er habe auch eh keine Lust, mit den entsprechenden Kindern zu spielen. Er scheint es also ganz klug zu lösen und solange das klappt ist ja alles in Butter. (Ich finde das extra gut, dass er das so macht und nicht, wie ich als Kind und zum Teil noch echt lange, ausgerechnet mit denen, die mich am meisten ablehnten, best buddies sein will.) Fruchtet das viele Erklären, was Freunde tun und was nicht, ja vielleicht doch, ich wünsche es mir für ihn. Und ich wünsche ihm Freunde, die auch „blöde Wollsachen“ anhaben und deren Eltern Schießspielzeug konfiszieren. Bei denen er „uncool“ und phantasievoll und lieb und aktiv, aber nicht wild sein kann, wie er halt so ist. Hachz. Pippi ist natürlich auch prima, ganz anders, klar, sie ist auch noch jünger, aber die wird vermutlich eher die Bandenchefin werden, in der neuen KiTa-Gruppe setzt sie sich jedenfalls schon sehr gut durch. Und weil sie in ihrer Gruppe nun fast die älteste ist, statt wie sonst immer die jüngste und kleinste, zählt der „Ich bin so süüüüß“-Faktor nicht mehr. Trotzdem hat sie in der Gruppe ziemlich oft das Sagen, wenn sie da ist, wie sie zu Hause ist, kann ich mir ungefähr vorstellen, wieso. Bestimmerin by nature. Hoffentlich bleibt sie so.

Was war sonst so? Etwas genäht, Schuhe gekauft, Herr Rabe ist nicht da. Genäht habe ich das Oberteil vom Bettbezug-Kleid. Es scheint ein gutes Verfahren für mich zu sein, immer eine Größe kleiner zu nehmen, als die Größentabelle für mich vorsieht. Ich verstehe das ja nicht. Da nähe ich ein Kleid, das aus (festem) Jersey sein soll, aus gewebtem, gar nicht elastischem Stoff (dann eben mit Reißverschluss) und Größe 38 passt und sitzt super, wo die Größentabelle meint, zwischen 40 (Hüfte) und 42 (Taille) müsste es schon sein. 42 („wenn Sie zwischen 2 Größen liegen, nehmen Sie die kleinere“) säße da wie ein Sack. Und auch dieses Mal habe ich übrigens weniger Stoff gebraucht. Auch so’n Ding. Ist mir bei nem Bettbezug egal, aber bei richtig teuren Stoffen will ich nicht hinterher 25 cm übrig haben.

Schuhe gekauft. Das kam so: der örtliche Schuhhändler, der mir schon wegen überaus großer Auswahl an sehr geschmackvollen Stiefeletten aufgefallen ist, hat draußen Schilder mit 40% auf alles hängen. Und ich brauchte (tatsächlich) schwarze Stiefeletten. Die habe ich jetzt. Zwei Paar. Hups. Dafür habe ich weder Wildlederstiefel noch Pumps noch so Lumberjack-Schuhe gekauft.

Herr Rabe ist in Trondheim, mal wieder, morgen ist da auch noch Weihnachtsfeier. Ich möchte auch auf eine Weihnachtsfeier, mich aufbrezeln und so. Naja, nächstes Jahr. Herr Rabe möchte vielleicht auch noch mal in den Schuhladen, könnte ich mir vorstellen.

Jetzt, endlich, werde ich müde. In diesem Sinne: gute Nacht!

Tag 1214 – Familienähnlichkeiten.

Michel ist eindeutig mein Kind. Manchmal ist das putzig, manchmal ist das auch einfach nur schlimm, weil ich genau weiß, wie er sich fühlt, aber ihm kaum helfen kann, weil er eben mein Kind ist und sich NICHT HELFEN LÄSST. Jedenfalls nicht bei wichtigen Dingen. Beim Socken anziehen lässt er sich gerne helfen. Oder beim Zähneputzen. Oder so generell bei allem, was Sechsjährige schon allein können sollten. Aber ich schweife ab. Jedenfalls ist es manchmal wirklich einfach zum fressen niedlich und heute war wieder so ein Tag. Michel hat nämlich Herrn Rabe und Pippi beim Aufbau eines, wie ich finde, recht gut getroffenen Ikea-Regals beaufsichtigt. Mit einem selbstgebastelten Klemmbrett.

Der kleine Kontroletti. Er hat dabei auch Pausen und Arbeitsbeginn angesagt und nen ziemlichen Kasernenton draufgehabt. Ganz die Mama halt *hust*.

Die Erklärung ist übrigens: „Wo ein Haken ist, das heißt, das war gut gearbeitet. Und da hab ich den Haken durchgestrichen, das war nicht so gut gearbeitet, da hat Pippi Quatsch gemacht*. Und das unten**, das ist der Weihnachtsmann.“

___

*sich ein Bett aus dem Regalkarton gebaut.

**das Männchen mit der WEIHNACHTSMANNMÜTZE! Oder sehen Sie da etwa was anderes?

Tag 1199 – Zauberer.

„Pippi, soll ich dir zeigen, wie ich zaubern kann?“

„Jaaa!“

Pippi geht zu Michel, leuchtende Augen, jetzt wird gezaubert!

„Du musst die Augen zumachen.“

Pippi macht die Augen zu.

Michel knüllt umständlich einen Papierfitzel zusammen und wurschtelt dann an Pippis Ohr rum.

„Du kannst die Augen wieder aufmachen. Guck, was in deinem Ohr war!“

„Boahhhhh! Mama! Da war Kitzel in mein‘ Ohr! Mama, guck!“

„Mama, ich will jetzt auch Kitzel-Zaubern! Du musst Augen zumachen.“

Ich mache die Augen zu, merke, wie Pippi nur bis knapp über meinen Bauchnabel reicht, gehe tiefer runter.

„Killerkillerkiller!“

Pippi kitzelt mich mit dem Papierknüllchen. Unsanft.

„Kannst Augen aufmachen!“

Ich mache die Augen auf.

„Guck Mama, das war in mein‘ Ohr!“

Tag 1192 – Läuft so.

Kleiner Hänger im Projekt Lerche, erst um zwanzig nach sechs, obwohl ich wach war, aus dem Bett gequält. Aber diese Woche bisher alle meine per FitBit definierten Gesundheitsziele erreicht, also Schrittziel, stündliche Bewegung, 3 L Wasser, mindestens 30 Minuten Bewegung an mindestens 5 Tagen in der Woche (wobei da auch Gehen einbezogen wird und dann ist das mit dem Schrittziel irgendwie doppelt gemoppelt, aber da sehe ich mal elegant drüber hinweg). Ich gehe wieder viel und das tut gut, sehr, auch im grauen, diesigen November ist es eine gute Sache, diese gute Stunde KiTa-Wege zu laufen.

Ansonsten so: Pippi war heute deutlich besser drauf und meinte sogar um halb sieben schon, sie wolle ins Bett. Sie hat dann noch was gegessen und dann haben wir alle in der Küche getanzt, sodass sie dann doch erst um halb acht im Bett war, was gut ist, weil ich keine Lust habe, morgen auch noch um sechs aufzustehen.

Apropos Tanzen: Michel macht jetzt immer Breakdance. Es ist zu putzig, er wurschtelt mit seinen Beinen möglichst schnell auf dem Boden rum und dreht sich wild und dazu möchte er jetzt immer „Treestyler“ hören, also Freestyler von Bomfunk MC. Dann denke ich an den Pfarrer, der Herrn Rabe und mich damals kirchlich getraut hat und der ganz Pastorenmäßig andächtig als Einleitung für eine der Ansprachen sagte „Ihr mögt Bäume.“* und wie ich hörte wie meine beste Freundin hinter mir mühsam beherrscht durch die Nase prustete. Nun gut, wir hören also Treestyler und ich finde ein bisschen traurig, dass ich nach nur 20 Jahren alles aus den HipHop-Breakdance-Kursen vergessen habe. Vielleicht muss ich das mal heimlich üben um Michel zu beeindrucken.

Wobei! Das ging heute voll in die Hose. Michel wollte nämlich Kopfstand gegen die Wand machen, das hat er in der Schule geübt, gegen eine Turnmatte. Wir haben keine Turnmatte. Er meinte, das geht nicht, weil da eben keine Matte ist. Ich machte Handstand gegen die Wand (ich kann das auch ohne Wand, zumindest kurz). Michel war sauer und meinte dann: „Wenn wir das nächste Mal umziehen, dann will ich ein Haus haben, das eine Turnmatte hat!“.

___

*Bei der standesamtlichen Trauung brachte die Standesbeamtin ein Nietzsche-Zitat, an das ich mich ums verrecken nicht erinnere, da konnte die beste Freundin auch schon kaum an sich halten. Wir haben scheinbar ein Talent, komische Sätze mit uns in Verbindung zu bringen. Und meine beste Freundin hat kein Pokerface.