Tag 833 – Diese Kinder.

„Komm, Pippi!“ schreiflüstert Michel Pippi zu.

„Ja!“ schreiflüstert Pippi zurück.

[Gekruschel aus dem Wohnzimmer, dem Bad, wieder dem Wohnzimmer. Keiner weint.]

[eine halbe Stunde später]

„Papa, Mama, guckt mal, ich hab mich selber angezogen! Und wir haben Zug gespielt.“

Tatsache. Michel ist komplett angezogen und Pippi sitzt glücklich mitten in einer sehr großen Runde aus Brio-Zug-Schienen und lässt Züge fahren.

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Michels Kumpel: „Mama, kann Michel noch mit zu uns kommen?“

„Hmm, du musst noch Hausaufgaben machen und es ist auch schon so spät.“

[traurige Gesichter]

[etwas später]

„Du, H., ich kann dich heute nicht besuchen. Ich muss noch DinoTrux gucken.“

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Wir fahren an einer modernen Kirche mit beleuchtetem Kreuz vorbei.

„Was ist das da für ein falschrummes Schwert?“

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„Pippi Hände waschet.“

„Du hast eben Hände gewaschen, ja.“

„Nein. *fake hustet* da Pippi Hände waschet!“

„Als du Hände gewaschen hast, hast du gehustet?“

(Sehr zufrieden) „Ja!“

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(Schlaftrunken) „Mama? Du sollst einen Schlafi anziehen.“

„Ich soll dir einen Schlafi anziehen? Aber du hast doch einen an!“

„Du sollst DIR einen Schlafi anziehen. Und dann mit mir hier kuscheln.“

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Herr Rabe: „So ein Kardinal oder Bischof, der sagt, er will ein neues Wort für Weihnachten, damit alle feiern können, auch die, die mit Christentum nichts am Hut haben.“

Ich: „Ja, ist mir ja auch total egal, wie das heißt. Wäre ich für, das anders zu nennen.“

Michel, vermeintlich schlafend: „Ich auch.“

Tag 821 – Ich könnte ja…

Mich aufregen. Über den Augenarzt*, oder darüber, dass ich jetzt für das Manuskript doch Word nehmen muss, weil meine Kolleg*Innen Journals LaTeX nicht schnallen akzeptieren, oder das Wetter, meinen Kreislauf, PMS, drei Tage Linsenlasagne, die Abwesenheit von Sankt Martin, den verlorenen Schlüssel, die Bewerbungen, die ich nicht schreibe, weil’s grad echt zu viel wäre, Kopfschmerzen, diverse Launen der Kinder, britzelige Vitamin C-Cremes, Extrasystolen, Zahnarzttermine, die einfach per SMS reinkommen oder darüber, dass ich’s immernoch nicht geschafft habe, die Miete korrekt zu überweisen.

Mache ich aber nicht. Hilft ja nix. Morgen (weiter) machen.

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*erinnert sich noch wer? Pippi schielt immer noch nicht, aber wegen dieser Geschichte dürfen wir das jetzt regelmäßig kontrollieren lassen. Wir haben ja sonst nichts zu tun**. Und weil’s gestern um 10:30 für Herrn Rabe so schön war, war dann der Augenarzt auch krank und der zweite Teil der Untersuchung wird dann Ende November sein. So schön.

**Ich hab das ehrlich erst getippt und dann den alten Text nochmal gelesen. Chrchrchr. Ist ja auch irgendwie schön, wenn man seinem Stil treu bleibt, ne?

Tag 0815 – A. is the nicest guy ever.

Also, he is incredibly smart AND handsome. Welcome, Mr. Computerinder!

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Mein Kollege hat meinen Blog gefunden. Tjanun*, ich hab es ja nicht aktiv verheimlicht, aber ich bin tatsächlich ein bisschen nervös, dass das jetzt hier Kreise zieht und demnächst mein Chef** besser weiß als mir lieb ist, wie wenig ich mit der norwegischen Art, Konflikte zu hantieren*** zurechtkomme. Aber egal, mich hemmt das ja nicht (muhahaha).

Leider ist ansonsten heut wenig passiert. Ich saß laaaaaaange am Mikroskop, ich habe ein (in Worten: ein) Stress granules gesehen, ich habe auch herbes Photobleaching gesehen (und die Pi-Elektronen sind schuld, wie an allem) und konnte deshalb nicht gerade schöne 3D-Bilder von dem Stress granule machen. Zwei Bewerbungen geschrieben, eine davon ohne zu wissen, worauf genau, weil außer der Überschrift und dem Standort keine Information abrufbar war. TJANUN. Daten ausgewertet und Unterschiede gesehen. Hurra! Wir mögen Unterschiede. Unterschiede lassen sich viel besser diskutieren, als keine Unterschiede.

Sonst war nix. Aber hier ein „Video“ von meinen schnaufi-schnarch-fiependen Kindern. Ich geh tot, so niedlich sind die. Wenn sie schlafen.

Fehler
Dieses Video existiert nicht

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* Was macht Google Translate eigentlich aus Tjanun? Hmm?

** Who, by the way, is the best supervisor ever. Of course. Very supportive.

*** Ich überlege grade: das sagt man auf deutsch nicht so, oder? Oje, was ist nur aus mir geworden.

Tag 814 – Grumpy Pumpkin.

Halloween mag ich nicht. So, jetzt ist’s raus. Hier waren diesmal auch zum ersten mal überhaupt Kinder. Zwei. Von denen ich eins sah. Und so ganz schienen sie das Konzept nicht verstanden zu haben, denn das ganze lief ca. so ab:

*ring*

Ich, in den Hörer: „Hallo?“

Kinderstimme: „Hallo?“

Ich: „…“

Kinderstimme: „Äh, können wir rein?“

Ich: „Ihr müsst schon erst was sagen.“

Kinderstimme: „Äh, wir wollen rein um Süßigkeiten zu kriegen?“

Ich, nach kurzem Lachanfall: „Na, dann kommt mal hoch.“

Ja, und wie gesagt: gesehen hab ich dann von zwei Kindern nur eins (ca. 8 oder 9 Jahre alt, also auch kein schüchternes Kleinkind), das hatte seine Hexen-Gummimaske in der Hand (vermutlich ist die halt schwitzig-eklig innendrin, Augen auf und Hirn an beim Kostümkauf, würde ich da sagen) und war schneller wieder weg, als ich gucken konnte.

Laaaaangweilig!

(Außerdem vermisse ich ECHT RICHTIG DOLL Laterne-singen. Dafür würde ich sogar basteln. Und dass Michel heute einen Heulanfall bekam, weil ich ihm keine Fledermausflügel genäht hab (hahaha, wann denn? Ich hab noch nicht mal schwarzen Stoff!), macht’s auch nicht grad besser.)

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(Ganz kurzes Karri-Update: heute hab ich das Haus verlassen und es war wohl etwas übermütig, dass ich noch einen Espresso auswärts getrunken hab, jedenfalls brüllte Pippi ziemlich als ich zurückkam und wollte danach am liebsten in mich reinkriechen. Hmmhmmhmm. Donnerstag geht’s weiter, dann aber mit Herrn Rabe – ich werde mal wieder am Mikroskop sitzen.)

Tag 813 – Sichelzellanämie ist es auch nicht.

Heute waren drei Dinge:

  • Kackwetter
  • Kinderarzttermin
  • Start der Pippi-Karri-Gewöhnung

Bis auf das Wetter lief alles super, also das Wetter war auch echt grandios im Kacke sein und ich bin jetzt um die Erkenntnis reicher, dass der heutige ColourPop-Lippenstift (Bichette Matte Lippie Stix) zwar Essen, Trinken und allgemein langes draufsein tadellos übersteht, aber bei eiskaltem Wasser (ok, es war eher so Eisstrahlen) blättert der einfach ab. Vielleicht lässt sich das ja zum Abschminken nutzen.

Jedenfalls ließ ich nach dem Weg zur Arbeit für die weiteren Wege des Tages dann doch lieber das Fahrrad stehen, auf dem einen Weg musste ich schon drei mal anhalten und warten, bis meine Augen, in die es die ganze Zeit quasi reinhagelte, aufgehört hatten zu tränen. Dann fing es noch an zu schneien, alles war voller Schneematsch, ich hab noch keine Spikes aufgezogen und muss dringend meine Bremsen nachziehen, die funktionieren nämlich bei kalt und nass nur mäßig und überhaupt war wirklich Fahrrad-feindseliges Wetter. Also nahm ich den Bus von der Arbeit nach Hause, dann das Auto (nachdem ich den Reboarder eingebaut und die Bezüge wieder aufgezogen hatte…) von zu Hause zum Kindergarten, sammelte Pippi ein, fuhr mit ihr zum Kinderarzt, legte mich fast auf die Fresse, weil der Lehmboden am abschüssigen Parkplatz so nass und glibschig war, kam mit Pippi um 12:59 in die Kinderarztpraxis und schaffte es nicht mal, meine Schuhe auszuziehen*, da wurden wir schon aufgerufen.

Dann der Arzttermin. Also, Herr Prof. Dr. Stein Dingenskirchen, der war sehr nett. Er erinnerte mich sehr an meinen alten Frauenarzt. Erstens war er alt. Richtig alt. Die Hände schon voll Altersflecken-alt. Und dabei ein gutmütiger, etwas behäbiger Opa. Er machte sich handschriftlich Notizen zu allem möglichen (Ich kam mir vor wie beim Heilpraktiker, so lange und ausführliche Anamnesegespräche hab ich bisher selten erlebt), während Pippi vor sich hin spielte. Er fragte wirklich alles ab, von ihrem Geburtsgewicht zu ihrem aktuellen Gewicht, wie lange ich gestillt habe, wie lange voll, was und wie viel sie so isst, ob es ihr im Kindergarten gefällt und so weiter. Dann fragte er erst nach dem mysteriösen Fieber. Und zum ersten Mal sagte mein Gegenüber nicht „also ca. einmal im Monat?“ als ich sagte, dass sie alle drei Wochen Fieber bekommt, wie ein Uhrwerk. Er fragte dann noch ein paar Sachen, hörte Pippi ab, guckte in ihren Hals, fühlte an ihrem Bauch, bewunderte ihr Pflaster an der Hand**, tastete alle möglichen Lymphknoten ab, kitzelte sie hinterm Ohr und dann durfte Pippi wieder spielen während ich erklärt bekam, was er für die wahrscheinlichste Erklärung hält. Und das ging so: „Also, erstmal um dich zu beruhigen: das ist keine Leukämie und auch kein Rheuma. Bei Erwachsenen würde man das bei solchen Symptomen vermuten und deshalb wollte Euch wohl auch die Hausärztin herschicken. Es könnte noch Sichelzellanämie sein, aber das wüsstest du sicher, wenn das in eurer Familie vorkäme. Bei so kleinen Kindern und nachdem das andere ausgeschlossen ist, gibt es noch etwas, das Periodisches Fiebersyndrom heißt. Da schreibe ich mal hier einen Artikel*** auf, da ist das sehr gut beschrieben. Im Grunde ist es genau das: alle drei bis vier Wochen Fieber für ein paar Tage, ohne weitere Symptome. Manchmal geht damit eine Schwellung der Lymphknoten**** oder eine Mandelentzündung einher. Das ist nicht schlimm und geht von selbst wieder weg, man kann auch mit einem Hals-Nasen-Ohrenarzt mal überlegen, ob die Mandeln entfernt werden sollten, wenn es zu häufige oder zu lange Episoden werden.“ Dann fragte er noch, ob ich noch Fragen hätte (nein, also ja, aber nein, ich muss das erstmal verdauen) und füllte mir einen Antrag auf Erweiterung der (bezahlten) Kindkrank-Tage aus, damit wir nicht jedes Mal einzeln zum Arzt rennen müssen. Und dann wars auch schon vorbei, 45 Minuten waren wir „behandelt“ worden, Pippi sagte ganz bezaubernd Tschüss zu allen Spielzeugen, die in der Praxis wohnen und ich fuhr sie zurück zum Kindergarten. Ohne Kind auf dem Schoß arbeitet es sich einfach besser, vor allem im Labor. Auch wenn es dann nur noch ne Stunde war, bis ich wieder losmusste um Karri zu treffen.

Um exakt 15:45 parkte ich vor unserer Haustür, wo auch schon Karri stand (aber noch nicht lange, puh) und wir gingen – immernoch durch den Schneeregen – zum Kindergarten. Michel wollte unbedingt zu seinem besten Freund, weil da heute „ein Kürbis gemacht wurde“, whatever, ich fand eine Solo-Gewöhnung von Pippi für den ersten Tag auch gar nicht schlecht, also sagte ich ja. Ich stellte Karri den verbliebenen Kindergärtner*Innen vor und erklärte ihr das nötige. Und dann rollten wir gemeinsam das Kind im triefenden Fahrradanhänger nach Hause. Da kam ich mir dann kurzzeitig sehr Gutsherrinnenmäßig vor, weil ja Liv heute da gewesen war und alles blitzte und blinkte und ich komme mit meiner Nanny zur Tür rein… Naja. Pippi war überraschend fröhlich, ließ sich von Karri direkt ein Brot schmieren und wollte dann unbedingt Peppa Wutz gucken (etwas peinlich für die Mama, das Fernsehsüchtige Kind…). Aber sie darf ja eine Folge gucken und Karri bekam dann auch gleich einen astreinen Wutanfall mit, als die Folge vorbei war und ich ausschaltete. Ganz reale Bedingungen also. Während der Folge hatte ich Karri weitere nötige Dinge gezeigt (Klo, Windeln, Kleidung, Essen…) und ihr alle unsere Nummern gegeben und meinen Plan erläutert, nämlich zwar hier zu sein, aber eben Kram zu machen, auf den Dachboden zu gehen und so weiter. Und das machte ich dann auch, fast gar nicht nervös, und als ich vom Dachboden wiederkam, die Hände voller Kinderstiefel, hörte ich Pippi fröhlich quietschen. Pippi und Karri bauten Lego, das Kunstwerk würde mir stolz präsentiert und dann rödelte ich weiter. Einmal rief Pippi im Wohnzimmer „Mama?“ und ich rief aus dem Schlafzimmer „Ich bin hier!“ und das war‘s. Für einen ersten Tag mit meinem bisher eher klammerigen Kind bombastisch gut. Vielleicht hat sie ja endlich verstanden, dass wir sie nicht bei Kinderessern lassen würden.

So kann’s gern morgen weiter gehen. Also, minus den Arzt, dafür mehr Arbeit.

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*Nein, das macht man in Norwegen nicht in jeder Arztpraxis so, aber da stand ein Schild, man solle das doch tun, weil Babys herumkriechen. Und innerhalb der Praxis ist handyfreie Zone.

**glorreicher Moment der Mutterschaft gestern: am Herd herumwurschteln und vergessen, das kleine, sehr scharfe Gemüsemesser außer Reichweite von Pippi zu legen. So schnell wird sie wohl kein Messer mehr anpacken.

*** einen richtigen, Wissenschaftlichen Journal-Artikel. Hachz!

**** zum Abschluss zeigte er mir noch, wie man die Lymphknoten am Hals und im Nacken abtastet, damit ich überprüfen kann, ob die bei den Fieberepisoden anschwellen. Hachz!

Tag 812 – Auf in den Endspurt.

Diese Aktion von gestern ist… whoahhh! Was für ein toller Ort das Internet ist, mit was für tollen Menschen darin. Ich bin komplett beseelt und wie auf Wolken und weiß gar nicht, wie ich mich jemals angemessen dafür bedanken soll. Sie alle sind ganz wunderbare Menschen! So viel Unterstützung und gute Gedanken und einfach Anteilnahme an unserem Leben hier… Ich wünschte, jedem Mensch würde so etwas zuteil werden.

Die Erfahrung, nicht ganz allein und verloren hier zu stehen und an allen Fronten zu kämpfen, hat jedenfalls dazu geführt, dass ich grad alles für machbar halte. Für gut machbar sogar. Es ist nicht mehr so lang, und das meiste Praktische ist getan, es fehlt nur noch Mikroskopie, eventuell Auswertung der Bilder (also zum Beispiel Bubbles in Zellen zählen, damit man dann hinterher so Zeug schreiben kann wie „Das eine Protein ist in der einen Zelle in x % der Bubbles, wenn man aber ein anderes Protein ausknockt, ist es nur noch in z %.“, ich veranschlage für die Auswertung, wenn mein Chef die will, einen Tag), Auswertung der Western Blots (per Scannersoftware bestimmen, wie dick die Banden für die 5 Proteine in meinen 8 Zelltypen sind, das dauert ca. ne Stunde) und von einem Experiment muss ich die Daten noch in einem anderen Programm statistisch auswerten und dann so darstellen, wie ich das vor Monaten schon mal gemacht hab. Leider hab ich keine Lizenz für das Programm und muss deshalb dafür an den Rechner meiner Kollegin, die aber ab Donnerstag eh einen Monat in Afrika weilt. Und dann muss ich das nur noch in ein Paper schreiben. Das ist alles total gut machbar.

Da ist es tatsächlich auch gar nicht so ein riesiges Drama, dass Pippi morgen um 13 Uhr einen Termin beim Kinderarzt* hat, Herr Rabe mit einer Konferenz sehr busy ist (er organisiert die Teilnahme und die Standpräsenz seiner Firma auf der Konferenz) und ich deshalb vermutlich morgen eher gestückelt und eventuell auch mit Kind auf dem Schoß arbeiten werde. Es wird schon klappen. Es ist nicht mehr viel.

Und ab morgen dann ja auch Pippi-Karri-Gewöhnung, wir werden das alle schon schaukeln.

Es tut sehr gut, mal wieder etwas zuversichtlicher zu sein.

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*der lang ersehnte Termin, damit auch ein Spezialist mal drauf schaut, wieso dieses Kind so oft krank ist. In Norwegen macht man Termine ja auch nicht selbst aus, sondern bekommt einen nach Überweisung durch den Hausarzt zugeteilt. Den kann man zwar verschieben, aber wer weiß, wann sie den nächsten hätten? Wir nehmen da, was wir kriegen können.

Tag 807 – Back to business.

42 mal poly(A)-RNA isoliert. Zum letzten Mal.

Eine Bewerbung geschrieben. Immerhin, nachdem ich heute morgen so müde war, dass ich die Augen kaum aufbekam, finde ich das eine Leistung.

Elterngespräch im Kindergarten. War. Ich war sehr müde und sehr gestresst und sehr dankbar, dass einer der männlichen Betreuer das Gespräch mit mir hatte. Das hat nämlich nur halb so lange gedauert, wie die zwei anderen Elterngespräche, die wir bisher da mit Frauen hatten. Kann aber genauso gut auch an meiner Wortkargheit gelegen haben. Fazit jedenfalls: Kinder sind super, ein paar Minibaustellen gibt es schon (unter anderem findet der Kindergarten, dass Pippi undeutlich spricht), aber nix, was ich dramatisch finde.

Jede Menge alte Proben, die niemand mehr braucht aufgeräumt. Aufgeräumt = weggeworfen. Ich finde das ja sehr befreiend. Auch ein paar -80er-Leichen gefunden, zum Beispiel eine ganze Box voll aufgereinigtem Bitch-Protein, mit Mutationen, ohne Mutationen, hinten trunkiert, vorne trunkiert, mit His-Tag, ohne His-Tag, Maus und Human. 

Schönen Nachmittag mit Pippi allein gehabt. Dabei ist mir aufgefallen, wie „groß“ die geworden ist. Auch ihr Gesicht hat sich verändert. Übers Wochenende, quasi (und nein, das liegt nicht nur dran, dass die Bläschenkrusten kamen und jetzt langsam wieder abklingen). Vermutlich erklärt das, wieso sie im Moment gerne mal rumpelstilzt. Nachts. 

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Pippi: „Laser Puppen?“

Ich: „?“

Pippi: „Laser Puzzeln?“

Ich: „Laser…?“

Pippi: „Mama Pippi Laser puzzeln? *zeigt auf Schnoddernase*“

Ich: „Ahh, du willst Nase putzen?“

Pippi: „Ja.“

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Über dem ganzen Hand-Mund-Fuß-Mist ist mir entgangen, dass bei Pippi eine Ecke des 5. Backenzahns durchgebrochen ist.

Viel über Freundschaft nachgedacht. Muss ich mal zu bloggen. Aber dazu jetzt zu müde.

Tag 806 – Puh.

Seltsamer Tag. Ging damit los, dass Michel ein dickes Auge hatte, das sehr ähnlich aussah, wie das, was ich in Bergen hatte. Also Vereinbarkeitsspagat mit Einbindung des Besuchs, der nach dem Arzt- und Apothekenbesuch Michel dahin brachte, wo der Kindergarten auf Ausflug war. Herr Rabe brachte Pippi mitsamt ihrer Hand-Mund-Fuß-Krusten in den Kindergarten, während wir beim Arzt waren. Dann Arbeitarbeitarbeit, zum letzten Mal Zellen mit krebserregendem Zeug behandelt, zum letzten Mal Zellen fixiert. Die Fischleute angerufen und… eine Abfuhr kassiert. “Es liegt nicht an Dir, es hatte nur jemand anders einen stärkeren Hintergrund.” Joa. Geatmet, nicht geheult, geatmet, zum letzten Mal RNA isoliert. Aus 42 Proben, für die ich versehentlich die DNAse für 50 Proben verbrauchte, so ganz konzentriert war ich also wohl nicht. 

Dann super gute Nachrichten von Frau Brüllen. Hurra! 

Während der RNA-Isoliererei schleichende Erkenntnis: Ich bin irgendwie erleichtert, dass das mit den Fischleuten nicht geklappt hat. Vermutlich hätte ich mich tatsächlich nach ein paar Jährchen da gelangweilt. Und dann wäre ich in einem Job, von dem aus ein Wechsel auch recht schwierig wäre. Insofern: kein Mitleid nötig, es ist ok. Was nicht so schön ist, ist dass ich jetzt wieder voll drinstecke in der Zukunftsangst. Aber es ist auch da ein Entschluss gereift: Wenn mich Norwegen ganz offensichtlich nicht will (ich meine, mehr als mich auf alle in Frage kommenden Stellen bewerben kann ich halt auch nicht machen), weite ich mein mögliches Gebiet ab sofort aus. Ja, auf Deutschland und die Schweiz. Ich hab auch schon von Freundinnen Stellenanzeigen geschickt bekommen, das gehe ich morgen alles mal an. Nachdem ich zum letzten Mal poly(A)-RNA angereichert habe.

Dann nach Hause, lecker gegessen, unlecker Pippi ins Bett gebracht. Brüllpippi muss derzeit mal wieder Terror machen, bevor sie dann einschlafen kann – um nach zwei Stunden wieder loszubrüllen. So schön.

Simpsons geguckt, mit Besuch und Smash und Chips, dabei Fingernägel mal wieder überaus scheiße lackiert. 

Jetzt Bett und nicht grübeln. Bekymring ist nicht. 

Tag 802 – Seufz.

Tag fing gut an und ging scheiße weiter, weil Pippi schon wieder krank ist und abgeholt werden musste, ich aber grade dabei war, Zellen auszusähen, was mir auch unvermeidbar viel Arbeit für die nächsten anderthalb Tage einbringt.

Ich verbrachte also einen halben Tag mit Pippi (und Michel, der Rübennase, der UNBEDINGT auch mit nach Hause wollte und dann ziemlich viel Dinotrux guckte) im Bett, wurde hungrig und dann auch wieder nicht, wie müde gibt es da ja so nen toten Punkt, danach geht’s erstmal wieder ne Weile.

Dann kam Herr Rabe, ich holte mein The Ordinary-Paket von der Post und kaufte Sahne, es gab essen, ich brachte Pippi ins Bett, prokrastinierte ein wenig im Internet herum und dann fuhr ich wieder zur Arbeit, weil ich einfach nicht fertig geworden war heute Mittag. Medium ansetzen, Puffer autoklavieren, Zellen fürs Mikroskop aussähen. F*ck, ans Mikroskop muss ich ja auch noch.

Es kotzt mich so an, alles daran. Entschuldigung, aber es muss jetzt mal raus. Arbeitenarbeitenarbeiten, alles für den (nein, die!) Artikel, die Fischleute melden sich nicht, bestimmt wollen die mich doch nicht und die K. traut sich nicht, mir das zu sagen, dazu Kind krank, ständig ist dieses Kind krank und ich raste einfach bald aus, wenn mir die KiTa-Betreuer*Innen pseudo-mitleidig sagen, dass „das halt so ist, im Herbst und in dem Alter“. Ist das so? Warum kriegt man dann keine extra Kindkrank-Tage für U3-Kinder? Und nein, ich werde mich/sie auch nicht krankschreiben lassen, um noch ein paar Wochen mehr rauszuschinden aus meinem Vertrag, denn wissen Sie, was das dann heißt? Dass sich diese Tortur noch über Weihnachten hinzieht. De Facto habe ich dann kein Weihnachten.

Lieber arbeite ich die nächsten acht Wochen nachts.

Tag 800 – Endlich ist die 7 vorne weg.

Mehr Positives gibt’s leider zum Tag nicht zu sagen. Die letzten Tage waren wohl sehr anstrengend, die Quittung kam heute in Form von Migräne, gegen die nichts wirklich* half, nicht mal Triptane. Wundervoll, wenn man Meetings hat und sich gerade den Arsch abarbeitet um inzwischen drei bis vier Paper zu fixen. Ja, ich weiß, Warnzeichen und so, aber. Die Zeit rennt mir weg, ich musste da also heute irgendwie durch. Und weil ich härter** bin als die Scheiß Migräne, zog ich es eben durch, auch den Nachmittag und Abend, irgendwie, mit Müh und Not und eben Schmerzen. Aber jetzt bin ich auch sehr froh, im Bett zu liegen, mit der Sommerbettdecke*** und zwei Wärmekissen und gleich einfach zu schlafen****. Hoffentlich killt das den Rest der Schmerzen.

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* Zwei Ibuprofen (400 mg jeweils) schafften ca. 30% der Schmerzen, das ist nicht gut, normalerweise sollte das eine sehr deutliche Besserung bringen. Die Almotriptan-Tablette, die sonst wirklich immer hilft, schaffte noch mal 30%, aber mehr eben auch nicht. Dafür brachte die 100% der üblichen Nebenwirkungen mit (Müde, Kreislauf, Müde, Wattekopf und Müde), also echt kein toller Erfolg.

** Hahahahaha. Manchmal. Manchmal heule ich dann auch Rotz und Wasser und liebe Mitmenschen haben auch schon mal den Notarzt gerufen, weil ich zu lange mit den Tabletten gewartet habe und dann bleiben die am Ende nicht mehr drin, weil mir dann auch schlecht wird und dann ist echt alles vorbei.

*** Lange Geschichte, die mit einem sehr tief schlafenden Kind und einer sehr großen Bettdecke zu tun hat, die die Waschmaschine nicht zu schleudern schafft. Der Bösewicht in der Geschichte ist die herbstliche Temperatur und mein Bedürfnis nach frischer Luft UND Wärme in der Nacht.

**** Bitte besser als letzte Nacht, als Pippi ca. 15 Minuten lang wie abgestochen hysterisch „NEIN! NEIN!“ brüllte, dabei war sie wach und wir machten absolut gar nichts, sie brüllte einfach. So schön.