Tag 812 – Auf in den Endspurt.

Diese Aktion von gestern ist… whoahhh! Was für ein toller Ort das Internet ist, mit was für tollen Menschen darin. Ich bin komplett beseelt und wie auf Wolken und weiß gar nicht, wie ich mich jemals angemessen dafür bedanken soll. Sie alle sind ganz wunderbare Menschen! So viel Unterstützung und gute Gedanken und einfach Anteilnahme an unserem Leben hier… Ich wünschte, jedem Mensch würde so etwas zuteil werden.

Die Erfahrung, nicht ganz allein und verloren hier zu stehen und an allen Fronten zu kämpfen, hat jedenfalls dazu geführt, dass ich grad alles für machbar halte. Für gut machbar sogar. Es ist nicht mehr so lang, und das meiste Praktische ist getan, es fehlt nur noch Mikroskopie, eventuell Auswertung der Bilder (also zum Beispiel Bubbles in Zellen zählen, damit man dann hinterher so Zeug schreiben kann wie „Das eine Protein ist in der einen Zelle in x % der Bubbles, wenn man aber ein anderes Protein ausknockt, ist es nur noch in z %.“, ich veranschlage für die Auswertung, wenn mein Chef die will, einen Tag), Auswertung der Western Blots (per Scannersoftware bestimmen, wie dick die Banden für die 5 Proteine in meinen 8 Zelltypen sind, das dauert ca. ne Stunde) und von einem Experiment muss ich die Daten noch in einem anderen Programm statistisch auswerten und dann so darstellen, wie ich das vor Monaten schon mal gemacht hab. Leider hab ich keine Lizenz für das Programm und muss deshalb dafür an den Rechner meiner Kollegin, die aber ab Donnerstag eh einen Monat in Afrika weilt. Und dann muss ich das nur noch in ein Paper schreiben. Das ist alles total gut machbar.

Da ist es tatsächlich auch gar nicht so ein riesiges Drama, dass Pippi morgen um 13 Uhr einen Termin beim Kinderarzt* hat, Herr Rabe mit einer Konferenz sehr busy ist (er organisiert die Teilnahme und die Standpräsenz seiner Firma auf der Konferenz) und ich deshalb vermutlich morgen eher gestückelt und eventuell auch mit Kind auf dem Schoß arbeiten werde. Es wird schon klappen. Es ist nicht mehr viel.

Und ab morgen dann ja auch Pippi-Karri-Gewöhnung, wir werden das alle schon schaukeln.

Es tut sehr gut, mal wieder etwas zuversichtlicher zu sein.

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*der lang ersehnte Termin, damit auch ein Spezialist mal drauf schaut, wieso dieses Kind so oft krank ist. In Norwegen macht man Termine ja auch nicht selbst aus, sondern bekommt einen nach Überweisung durch den Hausarzt zugeteilt. Den kann man zwar verschieben, aber wer weiß, wann sie den nächsten hätten? Wir nehmen da, was wir kriegen können.

Tag 807 – Back to business.

42 mal poly(A)-RNA isoliert. Zum letzten Mal.

Eine Bewerbung geschrieben. Immerhin, nachdem ich heute morgen so müde war, dass ich die Augen kaum aufbekam, finde ich das eine Leistung.

Elterngespräch im Kindergarten. War. Ich war sehr müde und sehr gestresst und sehr dankbar, dass einer der männlichen Betreuer das Gespräch mit mir hatte. Das hat nämlich nur halb so lange gedauert, wie die zwei anderen Elterngespräche, die wir bisher da mit Frauen hatten. Kann aber genauso gut auch an meiner Wortkargheit gelegen haben. Fazit jedenfalls: Kinder sind super, ein paar Minibaustellen gibt es schon (unter anderem findet der Kindergarten, dass Pippi undeutlich spricht), aber nix, was ich dramatisch finde.

Jede Menge alte Proben, die niemand mehr braucht aufgeräumt. Aufgeräumt = weggeworfen. Ich finde das ja sehr befreiend. Auch ein paar -80er-Leichen gefunden, zum Beispiel eine ganze Box voll aufgereinigtem Bitch-Protein, mit Mutationen, ohne Mutationen, hinten trunkiert, vorne trunkiert, mit His-Tag, ohne His-Tag, Maus und Human. 

Schönen Nachmittag mit Pippi allein gehabt. Dabei ist mir aufgefallen, wie „groß“ die geworden ist. Auch ihr Gesicht hat sich verändert. Übers Wochenende, quasi (und nein, das liegt nicht nur dran, dass die Bläschenkrusten kamen und jetzt langsam wieder abklingen). Vermutlich erklärt das, wieso sie im Moment gerne mal rumpelstilzt. Nachts. 

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Pippi: „Laser Puppen?“

Ich: „?“

Pippi: „Laser Puzzeln?“

Ich: „Laser…?“

Pippi: „Mama Pippi Laser puzzeln? *zeigt auf Schnoddernase*“

Ich: „Ahh, du willst Nase putzen?“

Pippi: „Ja.“

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Über dem ganzen Hand-Mund-Fuß-Mist ist mir entgangen, dass bei Pippi eine Ecke des 5. Backenzahns durchgebrochen ist.

Viel über Freundschaft nachgedacht. Muss ich mal zu bloggen. Aber dazu jetzt zu müde.

Tag 806 – Puh.

Seltsamer Tag. Ging damit los, dass Michel ein dickes Auge hatte, das sehr ähnlich aussah, wie das, was ich in Bergen hatte. Also Vereinbarkeitsspagat mit Einbindung des Besuchs, der nach dem Arzt- und Apothekenbesuch Michel dahin brachte, wo der Kindergarten auf Ausflug war. Herr Rabe brachte Pippi mitsamt ihrer Hand-Mund-Fuß-Krusten in den Kindergarten, während wir beim Arzt waren. Dann Arbeitarbeitarbeit, zum letzten Mal Zellen mit krebserregendem Zeug behandelt, zum letzten Mal Zellen fixiert. Die Fischleute angerufen und… eine Abfuhr kassiert. “Es liegt nicht an Dir, es hatte nur jemand anders einen stärkeren Hintergrund.” Joa. Geatmet, nicht geheult, geatmet, zum letzten Mal RNA isoliert. Aus 42 Proben, für die ich versehentlich die DNAse für 50 Proben verbrauchte, so ganz konzentriert war ich also wohl nicht. 

Dann super gute Nachrichten von Frau Brüllen. Hurra! 

Während der RNA-Isoliererei schleichende Erkenntnis: Ich bin irgendwie erleichtert, dass das mit den Fischleuten nicht geklappt hat. Vermutlich hätte ich mich tatsächlich nach ein paar Jährchen da gelangweilt. Und dann wäre ich in einem Job, von dem aus ein Wechsel auch recht schwierig wäre. Insofern: kein Mitleid nötig, es ist ok. Was nicht so schön ist, ist dass ich jetzt wieder voll drinstecke in der Zukunftsangst. Aber es ist auch da ein Entschluss gereift: Wenn mich Norwegen ganz offensichtlich nicht will (ich meine, mehr als mich auf alle in Frage kommenden Stellen bewerben kann ich halt auch nicht machen), weite ich mein mögliches Gebiet ab sofort aus. Ja, auf Deutschland und die Schweiz. Ich hab auch schon von Freundinnen Stellenanzeigen geschickt bekommen, das gehe ich morgen alles mal an. Nachdem ich zum letzten Mal poly(A)-RNA angereichert habe.

Dann nach Hause, lecker gegessen, unlecker Pippi ins Bett gebracht. Brüllpippi muss derzeit mal wieder Terror machen, bevor sie dann einschlafen kann – um nach zwei Stunden wieder loszubrüllen. So schön.

Simpsons geguckt, mit Besuch und Smash und Chips, dabei Fingernägel mal wieder überaus scheiße lackiert. 

Jetzt Bett und nicht grübeln. Bekymring ist nicht. 

Tag 802 – Seufz.

Tag fing gut an und ging scheiße weiter, weil Pippi schon wieder krank ist und abgeholt werden musste, ich aber grade dabei war, Zellen auszusähen, was mir auch unvermeidbar viel Arbeit für die nächsten anderthalb Tage einbringt.

Ich verbrachte also einen halben Tag mit Pippi (und Michel, der Rübennase, der UNBEDINGT auch mit nach Hause wollte und dann ziemlich viel Dinotrux guckte) im Bett, wurde hungrig und dann auch wieder nicht, wie müde gibt es da ja so nen toten Punkt, danach geht’s erstmal wieder ne Weile.

Dann kam Herr Rabe, ich holte mein The Ordinary-Paket von der Post und kaufte Sahne, es gab essen, ich brachte Pippi ins Bett, prokrastinierte ein wenig im Internet herum und dann fuhr ich wieder zur Arbeit, weil ich einfach nicht fertig geworden war heute Mittag. Medium ansetzen, Puffer autoklavieren, Zellen fürs Mikroskop aussähen. F*ck, ans Mikroskop muss ich ja auch noch.

Es kotzt mich so an, alles daran. Entschuldigung, aber es muss jetzt mal raus. Arbeitenarbeitenarbeiten, alles für den (nein, die!) Artikel, die Fischleute melden sich nicht, bestimmt wollen die mich doch nicht und die K. traut sich nicht, mir das zu sagen, dazu Kind krank, ständig ist dieses Kind krank und ich raste einfach bald aus, wenn mir die KiTa-Betreuer*Innen pseudo-mitleidig sagen, dass „das halt so ist, im Herbst und in dem Alter“. Ist das so? Warum kriegt man dann keine extra Kindkrank-Tage für U3-Kinder? Und nein, ich werde mich/sie auch nicht krankschreiben lassen, um noch ein paar Wochen mehr rauszuschinden aus meinem Vertrag, denn wissen Sie, was das dann heißt? Dass sich diese Tortur noch über Weihnachten hinzieht. De Facto habe ich dann kein Weihnachten.

Lieber arbeite ich die nächsten acht Wochen nachts.

Tag 800 – Endlich ist die 7 vorne weg.

Mehr Positives gibt’s leider zum Tag nicht zu sagen. Die letzten Tage waren wohl sehr anstrengend, die Quittung kam heute in Form von Migräne, gegen die nichts wirklich* half, nicht mal Triptane. Wundervoll, wenn man Meetings hat und sich gerade den Arsch abarbeitet um inzwischen drei bis vier Paper zu fixen. Ja, ich weiß, Warnzeichen und so, aber. Die Zeit rennt mir weg, ich musste da also heute irgendwie durch. Und weil ich härter** bin als die Scheiß Migräne, zog ich es eben durch, auch den Nachmittag und Abend, irgendwie, mit Müh und Not und eben Schmerzen. Aber jetzt bin ich auch sehr froh, im Bett zu liegen, mit der Sommerbettdecke*** und zwei Wärmekissen und gleich einfach zu schlafen****. Hoffentlich killt das den Rest der Schmerzen.

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* Zwei Ibuprofen (400 mg jeweils) schafften ca. 30% der Schmerzen, das ist nicht gut, normalerweise sollte das eine sehr deutliche Besserung bringen. Die Almotriptan-Tablette, die sonst wirklich immer hilft, schaffte noch mal 30%, aber mehr eben auch nicht. Dafür brachte die 100% der üblichen Nebenwirkungen mit (Müde, Kreislauf, Müde, Wattekopf und Müde), also echt kein toller Erfolg.

** Hahahahaha. Manchmal. Manchmal heule ich dann auch Rotz und Wasser und liebe Mitmenschen haben auch schon mal den Notarzt gerufen, weil ich zu lange mit den Tabletten gewartet habe und dann bleiben die am Ende nicht mehr drin, weil mir dann auch schlecht wird und dann ist echt alles vorbei.

*** Lange Geschichte, die mit einem sehr tief schlafenden Kind und einer sehr großen Bettdecke zu tun hat, die die Waschmaschine nicht zu schleudern schafft. Der Bösewicht in der Geschichte ist die herbstliche Temperatur und mein Bedürfnis nach frischer Luft UND Wärme in der Nacht.

**** Bitte besser als letzte Nacht, als Pippi ca. 15 Minuten lang wie abgestochen hysterisch „NEIN! NEIN!“ brüllte, dabei war sie wach und wir machten absolut gar nichts, sie brüllte einfach. So schön.

Tag 799 – We survived Kindergeburtstag.

Aber auch nur knapp.

Nein, es war eigentlich doch ganz in Ordnung, ABER.

Sieben Kinder zwischen 2 und 5 (Median bei 5 ;) ) sind einfach laut. Und wuselig. Und dann noch kleine Individuen, zwei davon kennt man sehr gut, eins recht gut, zwei mittel und eins fast gar nicht… puh. Und ehrlich gesagt hatte ich nicht so ganz damit gerechnet, dass Pippi komplett anti-alles sein würde, eifersüchtig hoch zehn und bei jedem „Warte“ oder gar „Nein, das ist Michels!“ einen Wutanfall sondergleichen hinlegen würde. Das ging soweit, dass ich sie irgendwann ins Bad trug, wo sie dann (in meinem Beisein) ihren Frust darüber, dass auch sie nur EIN Überraschungsei haben durfte, herausbrüllte. Ausdauernd und mit Schlagen, Treten und auf den Boden werfen. Wie im Film. Aber wenigstens standen dann nicht noch drei große Kinder neben mir und fragten „Warum weint Pippi so?“.

Aber ansonsten war es alles ganz ok, Michel hatte Spaß, die anderen Kinder auch, selbst die Wohnung* ist stehen geblieben und als Belohnung** hab ich mir tatsächlich ein Glas Wein und das Auspacken meines ColourPop-Pakets gegönnt. Huiuiui, es wird ein bunter Herbst, sage ich Ihnen!

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* und alle Norweger, die hier reinkommen, so: „Boah, so eine große Wohnung!“. Hmm. Ich glaube ja, das täuscht. 75 Quadratmeter sind jetzt nicht gerade üppig, auch in Norwegen nicht. Aber bis auf das Schuhschachtelgroße Kinderzimmer sind halt unsere Räume groß und offen. Norweger hätten vermutlich auf demselben Raum drei Schlafzimmer und entsprechend gedrungen würde auch alles aussehen. Da wirkt unsere Wohnung natürlich riesig gegen.

** nach dem Aufräumen für die Putzfrau, versteht sich.

Tag 797 – Wieder zu Hause.

Nochmal sieben Stunden Zugfahrt. Ist zwar langweilig, aber entspannt. Michel und ich haben „Doktor Proktors Prompepulver“ gesehen und das ist so herrlich absurder Quatsch, hachja, also ich finde sowas ja gut. Ich habe heute auch ein Harry Hole Buch fertig gelesen. Man merkt ja schon, dass das aus einer Feder ist, finde ich. Beides irre, eins halt auf die witzige Art und eins eher… nicht ganz so witzig. Und so liebevoll gezeichnete Figuren. Hach. Aber das Beste war, den Film mit Michel zu gucken. Wie der mitgeht, es ist so niedlich. Und so ein ungetrübtes schwarz-weiß-Gereichtigkeitsdenken. Natürlich wird das bei den Doktor-Proktor-Geschichten auch unterstützt, da sind die Bösen auch wirklich sehr deutlich und umfassend böse, aber, herrje, wenn dann das Kind auf die Polizisten schimpft, die grade Doktor Proktor und Bulle verhaften und durch den Zug ruft „Da muss enklich ein’ Polizei kommen und den Polizei da einhaften!“ dann ist das so goldig, dass mein Herz ein bisschen doll hüpft.

(Und die Stummfilm-Sequenz. Alter. Ich musste so lachen, dass ich Michel nicht mal erklären konnte, was da passiert und wieso ich so lache.)

Tag 793 – Mehr Schnipsel.

Heute früh mit Pippi beim Arzt gewesen, ein Follow-Up-Termin der „alle drei Wochen Fieber“-Geschichte. Folgendes geschah:

  • Geschrei schon beim Aufkleben des Pipibeutels, diese Dinger müssen echt unangenehm sein. Aber in einen Becher pullern hatte halt leider auch nicht geklappt.
  • Michel wollte unbedingt mit, einerseits sicher aus Neugierde, andererseits wollte er seine Schwester begleiten.
  • Vor der Arztpraxis: Pippi ruft begeistert „Trinken!“. Leute, vergesst Kinderspielzeug im Wartezimmer, stellt einen Wasserspender auf. Kinder happy.
  • In der Arztpraxis Urinbeutel weiterhin leer, Pippi weiterhin wegen des Beutels sauer.
  • Probennahme für CRP: Pippi ist echt das geduldigste Kind der Welt. Kein Mucks. Nur „Plaster?“ Und Michel gab ihr einen fetten Kuss und pustete den gepiekten Finger und ich war ganz gerührt.
  • Nach der Probennahme (mit Pflaster). Die Arzthelferin will uns rausscheuchen. Pippi marschiert schnurstracks zur Prämien-Schublade und sagt „Denne Ball.“. Ich war schon peinlich berührt (gierige Kinder…) aber Pippi ist so niedlich, die durfte dann sogar einen Flummi für die Arztpraxisflummisammlung UND ein Mammut („Elefant!“) haben. Und Michel einen Tiger. Seufz.
  • Die Ärztin bekam daraufhin von Pippi „En Elefant kom marsjeeeerende“ vorgesungen, Michel erzählte derweil, dass er morgen Geburtstag hat und dass er aber keinen Besuch bekommt und dass dafür an einem anderen Tag ein richtiges Fest ist und überhaupt sind die Kinder manchmal zum Fressen niedlich. Groß untersucht wurde nix, CRP unauffällig, Hämoglobin ein bisschen gestiegen seit dem letzten Termin (mein Plan, süß schmeckende Eisen-Kautabletten zu kaufen, damit Pippi die auch nimmt, ist voll aufgegangen) und eigentlich alles tutti. Pipiprobe: naja, nicht schlimm, sie ist ja grad eh gesund.

Dann in den Kindergarten gefahren. Michel direkt draußen abgeliefert, aber Pippi hatte 1. noch den Pipibeutel dran und 2. keinen Draußenanzug an. Also mit Pippi hoch gelaufen, wo noch alle (!) Babys waren. SIEBEN Einjährige. Plus Pippi und ihre Freundin, die schon zweieinhalb ist. Das Urinbeutelentfernen traf auf ungefähr so viel Gegenliebe wie das Kleben, aber wie ich das so abzog von der ja doch empfindlich dünnen Haut… Au. Ja. Arme Maus. Übrigens weiterhin leer. Ich glaube, die hat das echt hochgezogen, weil ihr der Beutel so unangenehm war. Wie dem auch sei, mit Pippi zu den Babys zurückgekehrt und Pippi angezogen, die zwei Betreuer*Innen die da waren waren ein bisschen überfordert. Und KEIN WUNDER. Was für ein wuseliger Haufen so Minis sind. Ich hatte ja nur Pippi, die ja auch schon viel selbst kann, aber in einer Tour zogen sich Zwerge an mir hoch, plumpsten wieder um, sabberten mich an, krabbelten und tapsten herum, stießen zusammen, wankten auf das seit einer Nanosekunde offene Treppengitter zu… ich würde, ganz ehrlich, irre werden, müsste ich das täglich mehrere Stunden am Kopf haben. Ich kam mir vor wie in einem dieser Filmchen, wo ein Tierpfleger versucht, einen Pandakäfig auszumisten, während zwei bis vier Pandas herumwuseln und Quatsch machen. Der eine Betreuer meinte auch nur, während er lauter Schuhe in Größen 19-22 an zappelige Füßchen zog, dass es schon ganz gut sei, dass er nur selten für die Kleinsten zuständig sei. Pippi nahm das Gewusel übrigens recht gelassen hin, bis eins der Babys ihre Wasserflasche mopste und direkt anfing, am (geschlossenen) Deckel zu nuckeln. Da schimpfte sie und rupfte dem Baby die Wasserflasche unter „Nei! Min!“-Gekreische aus den Händen. Und ich war froh, als ich endlich zur Arbeit fahren konnte.

Ex-Chef* angerufen. Wir waren dafür ja verabredet. Deshalb war ich auch ein bisschen irritiert, als er nicht dranging. Wiederholt. Aber tjanun, ich schrieb ihm also eine Nachricht, dass niemand ranginge und setzte mich an die Cleanbench. Eine halbe Stunde später rief er zurück. Er geht nicht an ausländische Nummern (jaja, weiß ich sogar, war schon immer so, bzw. manchmal ging er ran und sagte dann so Sachen wie „No, sorry, we are not interesting in sis conference.“, aber Herrgott, Norwegen ist ja nicht Indien…) An der rauschenden Cleanbench telefoniert es sich aber auch nur schlecht, also machte ich meinen Kram erst fertig und rief ihn dann auf dem Weg zum Kaffee holen zurück. Es folgte ein sehr nettes Gespräch, wirklich wie früher und ach, ach, ach, wieso bin ich da weg gegangen? Ich brachte mein Anliegen vor („Ich hab mich auf was beworben, wo ich viel Validieren und Qualifizieren müsste und jetzt, wonach das Vorstellungsgespräch bald hab, ist mir leider aufgefallen, dass ich das alles total vergessen hab!“) und er sagte die richtigen Worte („Richtigkeit, Robustheit, LoD, LoQ…“) um meine verschollenen Erinnerungen zu reaktivieren und nannte noch die EMA-Richtlinie dazu, genau, dachte ich, die war das. Lang ist’s her. Dann noch ein bisschen Klatsch und Tratsch und allgemeines Palaver über welche Projekte grade so laufen (zum Teil die Selben wie vor 4 Jahren, ich könnte vermutlich morgen wieder… aber lassen wir das) und „Wieso sitzt du denn noch an der Cleanbench, ich dachte du schreibst zusammen?“ und dann musste ich ihn auch mal wieder arbeiten lassen. Hachseufz. Das hatte schon Gründe, weshalb ich damals, als ich mich da verabschiedet habe, Rotz und Wasser geheult habe. Vor allen. Und es war mir auch nur ein ganz klein bisschen peinlich und im Nachhinein gar nicht mehr.

Ziemlich genau jetzt vor fünf Jahren ging ich ins Bett. Und in ca. 30 Minuten vor fünf Jahren platzte dort auch die Fruchtblase und das war nicht nur viel wegen hohem Stand, sondern auch noch dunkelgrün wegen Mekonium und keine Unterlage der Welt (auf denen ich ja schon seit Wochen schlief) hätte das aufsaugen können. Weshalb Herr Rabe auch schon am 1. Tag einen Abstecher nach Hause machte, um Laken, Matratzenschoner und meinen Thron aus Handtüchern, auf dem ich die Ankunft der Sanitäter erwartete, zu waschen. Dafür bin ich Herrn Rabe immernoch sehr dankbar.

Tag 791 – Wochenende schon wieder um.

Feststellungen:

  • Pippi will am Wochenende partout keinen Mittagsschlaf machen. Es hat auch keinen Zweck, sie hinzulegen, sich mit ihr hinzulegen, sie in den Kinderwagen oder die Kraxe zu packen oder oder oder. Bringt alles absolut gar nichts. Sie schläft nicht. Dafür kippt sie zwischen vier und fünf dann einfach wo sie grade geht und steht um und pennt ein. Was natürlich auch irgendwie blöd ist, weil sie dann nach nem Nickerchen genug Energie hat, um bis neun herumzuspringen oder aber – wenn wir sie einfach schlafen lassen – sie ist um drei Uhr nachts ausgeschlafen. Alles Murks. Aber nur ne Phase.
  • Manche Dinge erledigen sich quasi von selbst. Zum Beispiel waren beide „soll ich, soll ich nicht?“-Produkte von The Ordinary grade out of stock. Rest ist bestellt und ich bin sehr (!) gespannt. Und werde berichten. Vielleicht dürfen Sie dabei sein, wenn ich zum ersten Mal in meinem Leben Foundation* auftrage. Das dürfte lustig werden.
  • Ich brauche dringend eine andere Lösung für die Lagerung meines Schminkkrams. Jetzt fliegt alles mehr oder weniger lose in einer Schublade herum, die platzt bald und überhaupt ist das einfach unübersichtlich und blöd.
  • Fünf Stunden Schlaf sind zu wenig.
  • Am Wochenende arbeiten macht echt gar keinen Spaß, vor allem nicht, wenn man alleine im Labor ist und es aus unerfindlichen Gründen verbrannt riecht**.

* Hieß „Foundation“ früher™ „Make Up“? Dann habe ich gestern meine letzte „Foundation“ wegen riecht komisch und trug sich auch sehr seltsam weggeworfen. Und dann habe ich das natürlich früher™ sehr wohl benutzt. Manchmal und stümperhaft. Könnte also trotzdem lustig werden. Vor allem, weil ich meine Hautfarbe nicht so wirklich gut weiß, das Ergebnis könnte also vielleicht Schweinchen Babe sein oder aber Raucherhaushaltrauhfaser.

** bestimmt nur ein Kamin, der irgendwo an war und die Lüftung hat dann den Geruch reingepustet. Bestimmt!