Tag 559 – Und nun.

Ein paar kleine Updates. 

Herr Rabe und ich haben heute, als die Babysitterin da war (da hatte ich mich neulich im Tag vertan, spielt aber ja eigentlich keine Rolle), einen Ausflug gemacht. Erstmal saß ich noch eine gute halbe Stunde mit Pippi bei der Babysitterin, weil die sich noch nicht so gut kennen. Als ich das Gefühl hatte, dass es jetzt ok wäre zu gehen und außerdem beide Kinder plus Babysitterin mit Bügelperlen und -brettern versorgt waren, machten wir uns auf den Weg. Das Wetter war wirklich grausig, wir spazierten (immerhin händchenhaltend) durch eiskalten Regen, fanden in 2 Cafés keinen Platz, das dritte hatte zu und als wir beim 4. ankamen, waren wir gut durchgeweicht und schlotterten ein bisschen. Aber egal: 2 Stunden eine normale, erwachsene Unterhaltung über normale Erwachsenendinge waren es wert. Natürlich sprachen wir auch (kurz) über die Kinder, aber nicht viel, dafür gibt es grade genug anderen Kram der ansteht, wie zum Beispiel…

… Mein Plan zum Klarkommen. Tja. Kurz gesagt: kleine, erreichbare Tagesziele setzen, mir bei der Arbeit jemanden suchen, dem gegenüber ich die auch formuliere (nicht mein Chef, der macht immer gleich ein halbstündiges Meeting aus sowas). Das Denken an „was ist in einem halben Jahr?!?“ sein lassen (das wird hart). Öfter mal Home Office machen, dafür TeamViewer auf meinem Rechner installieren (mein Plan für morgen), damit ich auch von zu Hause ins Intranet und an Daten kann. (Home Office nimmt, so meine Vorstellung, drei Sorten Druck: zeitlich mit Hinbringen zum oder Abholen aus dem Kindergarten; den Druck, irgendwie menschlich aussehen zu müssen und andere Dinge als Jogginghosen zu tragen; sozial (mit der wichtigste Punkt): ich mag manchmal nicht mit Menschen reden und das dann auch nicht zu müssen stelle ich mir sehr schön vor.) Ich glaube ich würde nicht wirklich oft Homeoffice machen, aber eine Absprache mit meinem Chef, sodass ich davon Gebrauch machen kann, wäre schon ein Erfolg. Natürlich vorausgesetzt, dass keine Experimente anstehen, aber solche Tage oder sogar Wochen hat man ja auch immer mal wieder. Weiterer Plan, der eher das Private betrifft: unbedingt die Putzhilfe behalten. Und Dinge, die mich extrem frusten ohne irgendwie zu fruchten (so wie die Heimaturlaubsplanung) vermehrt an Herrn Rabe delegieren oder zumindest ihn mehr mit einbinden. Und dann mal sehen. Wenn ich merke, dass das alles noch nicht hilft und ich einfach keine 37,5 h-Woche durchhalte, gibt es ja immernoch die Möglichkeit einer partiellen Krankschreibung. Oder den Psychologen. Wie gesagt: mal sehen. 

Mehr delightful: Die Kinder sind so niedlich! Pippi spricht jetzt viel mehr und versucht, ganze Sätze zu sagen. Außerdem ist sie im Nachplapperalter angekommen und sagt alles, was man möchte. Oder wiederholt alles, was man nicht möchte. Eine ihrer Standardantworten ist aber momentan „Blablabla.“. Da kann ich nicht anders als drüber lachen, wenn die Situation ungefähr so ist:

Ich: „Ey, Pippi, nicht mit dem Essen werfen! Wenn du satt bist, lass es einfach stehen!“

Pippi: „Blablabla.“

Michel spricht ja viel besser Norwegisch als Deutsch, aber wir versuchen ihn im Moment mehr zum Deutsch sprechen zu animieren. Es wäre schon schön, wenn wir für Familienmitglieder nicht dauernd die Übersetzer geben müssten. Manchmal ist es aber auch unheimlich lustig, wenn er norwegische Dinge falsch versteht. So sagte er in den letzten Tagen häufiger voller Enthusiasmus „Jeg er en potet!“ („Ich bin eine Kartoffel!“). Darauf folgte stets irgendeine Ausführung oder Idee, wie irgendwas sein könnte oder wer irgendwas gemacht haben könnte. Es dauerte eine Weile, bis mir die Idee kam, dass er Dinozug (falsch) zitiert und eigentlich „Jeg har en hypotese!“ („Ich habe eine Hypothese!“ meint. 

Auch mehr delightful: neues Schneckenbild, weil heute sauber gemacht. Wir haben jetzt (aus Gründen) zwei große (ich nehme an, ausgewachsene) und zwei kleinere Schnecken. Eier gelegt haben sie immer noch nicht, nicht, dass ich darauf scharf wäre, aber ich mache mir etwas Gedanken, ob was nicht stimmt, oder ihnen was essenzielles fehlt. 

Tag 558 – Besuchskinder und Vitensenteret. 

Heute morgen eröffnete Michel uns, dass er wolle, dass M. ihn besuchen komme. Heute. Dann drängelte er so lange herum, eine Nachricht an M.s Papa zu schreiben, bis dann eine Nachricht von M.s Papa kam: M. wolle gerne Michel besuchen. Wenn wir denn so könnten. Herr Rabe schrieb zurück, dass wir nächste Woche außer Mittwoch eigentlich immer können, oder halt heute. Zack, kam eine Nachricht zurück: M. sei sehr eifrig und wolle gerne schon heute. So in anderthalb Stunden seien Sie da, wenn das passe. 

Das passte perfekt, wir wollten eh noch einkaufen. Nach dem Einkauf kam eine Nachricht von H.s Mutter: ob wir Lust hätten, mit ins Vitensenteret zu gehen? Das Vitensenter („Wissenscenter“) ist so eine Art Naturwissenschaftliches Mitmach-Museum. Ich war da noch nicht drin und das Wetter ist momentan zum Heulen: vier grad und Dauerregen, also fragten wir Michel, ob das für ihn in Ordnung sei, wenn wir alle zusammen da hin fahren würden. Michel war sofort Feuer und Flamme (ich so: „wenn du lieber M. für dich haben willst, ist das auch ok!“ worauf Michel antwortete: „Ja, da sollen nur M. und ich sein. Und H. und Pippi.“) schrieb Herr Rabe zurück, das würden wir gerne, hätten aber schon M. zu Besuch. Und so kam es, dass wir uns etwas sehr deutlich später auf den Weg in die Innenstadt machten. 

Erstens: nach Busfahren im völlig überfüllten Bus mit vier Kindern und drei Erwachsenen waren ein paar von uns um Jahre gealtert. Und hatten Fransen am Mund. Man kann auf einer fünf Minuten langen Busfahrt sehr häufig „Halt dich bitte fest, mit beiden Händen, du dich auch, nicht die anderen Leute anrempeln und Michel: hör auf Leute anzulecken!“ sagen. Auf dem kurzen Fußweg spielten die Jungs dann „Rockband“, erklommen einen größeren Pömpel und spielten auf ihren Kinderregenschirmen Luftgitarre und Lufttrompete. Dazu gröhlte Michel inbrünstig den Bandnamen: „Rock Babieeeees! Rock Babieeeeeees! Wir sind die Rock Babiiiiiieeeeeeees!“. Das war der evilste Name, den sich die Kinder ausdenken konnten und das war so unfassbar niedlich, ich musste fast ein Tränchen herunterschlucken. Aber ich sags mal so: so wie Michel die Luftgitarre gehalten hat, lernt er vielleicht doch besser erstmal Blockflöte (wie Mama und Papa ja auch. Traditionen und so. So wichtig.).

Nach diesem grandiosen Auftakt war das Ausflugsziel dann schon gefordert, die Latte hing hoch. Aber es war einfach super. Und das trotz happigem Eintrittspreis von 85 NOK für alle ab drei Jahren aufwärts, bzw. einem Familienpreis (zwei Erwachsene, drei Kinder) von 270 NOK. Leider habe ich es nicht geschafft, viele Bilder zu machen, sie müssen mir das also einfach glauben. 

Rübennase an Periodensystem-Wand mit (soweit möglich) jedem Element als Exponat. Oder einer Erklärung, warum man das nicht ausstellen kann. Unten das worauf sie steht ist eine Murmelbahn-Bank und ihr zu erklären, dass man die Kugeln dalassen muss, sagen wir mal, eine Herausforderung.

Im „Elektrizitäts-Raum“ kann man verschiedene Geräte durch Fahrradstrampeln mit Strom versorgen und ich fühle mich ein bisschen unangenehm an Black Mirror erinnert.

Hier kann man um die Wette sparken, also so einen Stehschlitten (’spark‘) über eine Rennstrecke fahren. Beliebt bei Klein und Kleiner.

Das war so eine coole Murmelbahn! Erst muss man selbst kurbeln, damit eine Kugel losgeschickt wird, die dann durch einen Parcours mit vielen verschiedenen (echt tollen) Möglichkeiten läuft. Überall gongts und schepperts und fällt und springt es. An manchen Stellen muss man den Kugeln dann noch weiter helfen, indem man Rädchen dreht. Ich hätte Stunden an diesem Ding zubringen können und hab deshalb Pippi als Alibi mitgenommen.


Aber was solls, Alibi. Das Wasserkraftwerk habe ich dann alleine angetrieben, den Elektromotor alleine ausprobiert, habe ein paar Logikspielchen (ein eigener Raum für Logikspielchen! <3 ) gemacht und Kuh-Pupse eingesammelt. Ein Raum (der mit den Schlitten) ist nämlich im Moment mit Kinder-Erfindungen belegt: 10-13-Jährige haben sich Dinge ausgedacht, die man mal erfinden sollte. Zum Beispiel die Super-Schlitten, die schnell wie Autos fahren können, aber umweltfreundlich sind, weil sie ja nur mit Muskelkraft betrieben werden. Oder eine Gasabsaugmaschine, die zwischen Kuh-Pupsen und -Rülpsern und normaler Umgebungsluft unterscheiden kann und so Methan direkt am Entstehungsort absaugt. Oder Roboterhummeln, die den Nektar sammeln und Blumen bestäuben und so die vom Aussterben bedrohten Hummeln ersetzen könnten. 

Es gibt noch mehr Räume, einen Körperraum zum Beispiel, wo man die Kraft seines Händedrucks messen kann (22,5 Dings, Newton?), seine Reflexe testen oder auch gegen jemanden „Mindball“ spielen kann, indem man mittels „Gedankenkraft“ (die über Elektroden am Kopf gemessen wird) versucht, einen Ball zum Gegner hin zu bewegen. 

Was ich nicht probiert habe, war, den riesigen Roboterarm zu steuern, Mindball, Schach gegen einen Computer zu spielen (ich kann gar kein Schach spielen), sieben der neun Logik-Spiele und tausend andere Sachen. Im Planetarium war ich auch nicht. 

Also Fazit: wenn sie ein bisschen nerdy sind, oder nerdy Kinder haben, und mal an einem Regentag in Trondheim sind: das Vitensenteret ist echt richtig cool. Und für jedes Alter ist was dabei, selbst die Kleinsten können auf irgendwelche Knöpfe drücken und an irgendwelchen Rädchen drehen und Murmeln murmeln lassen und überall britzt und kullert und leuchtet was. Für die meisten großen wird sich auch noch was finden, was sie noch nicht wussten oder was man puzzeln oder spielen oder pumpen oder einfach angucken kann. Und im Zweifel guckt man die Kinder an, wenn sie eine Plasmakugel anpusten oder an einer Kordel ziehen, woraufhin sich eine Metallspirale in 3 Metern Höhe wellenförmig zu schlängeln beginnt. 

Langweilig wird einem jedenfalls eher nicht. 

(Danach lief der Rest des Tages erstaunlich entspannt ab und ich glaube, wir haben bei dem Papa von M. durch unseren Ausflug etwas Eindruck gemacht. So kann ein Samstag mit Kindern gerne öfter sein.)

Tag 551: Kurzmeldung.

Ich bin zu 80% genervt. Deshalb nur ganz kurze Statusmeldung. 

Wochenende mit Kindern ist viel anstrengender, als die Woche, wenn man selbst zu Hause, die Kinder aber im Kindergarten sind. Egal wie niedlich die kleinen Speckengelchen und Quatsch-Zwerge sind. 

Wenn dann auch noch beide Eltern ab sieben Uhr morgens genervt sind, weil beide Kinder nach einer Kacknacht wach sind und eins brüllt und das andere erst nörgelt und dann singt (während das andere weiterbrüllt, versteht sich), dann wird der Samstag schon mal eher unentspannt. Und da hilft auch keine Abmachung, dass der eine Samstags liegen bleiben kann, der andere Sonntags: in so einer kleinen Wohnung durch Türen die nicht mal richtig schließen, hört man jedes Wort. Also erst recht Kindergeschrei. Herr Rabe kann das noch halbwegs ausblenden, in dem er sich auf sein hörendes Ohr legt. Ich höre aber auf beiden Ohren sehr gut. Und hab dann halt schon vor dem Aufstehen keine Lust mehr, mich in diese Kakophonie zu begeben. 

So war unser Samstag. Genervt. 

Tag 550 – Freitag Abend. 

Nicht, dass Sie denken, wir hätten die Kinder verkauft oder so. Die erfreuen sich bester Gesundheit (haha, also, was man so Gesundheit nennt, im Februar bei Kindergartenkindern). 

Mit Michel haben wir weiterhin Diskussionen um den allgemeinen Umgangston, dass zum Beispiel „Mehr Fleisch!“ keine angenehme Art ist, die Eltern um ein weiteres Stück Hühnchen* zu bitten. Außerdem singt Michel munter das Dinozug-Lied und nervt uns alle ordentlich mit Dinos. Ist aber auch sehr niedlich dabei, das muss man ihm lassen und er lernt auch viel. Und wir dadurch auch. Ist schon ok. 

Pippi ist mal wieder in einer Ich-fresse-meinen-Eltern-die-Haare-vom-Kopf-Phase. Bald wächst sie sicher zehn Zentimeter oder sie kann demnächst Teller auf ihrer Nase balancieren oder so. Irgendwas ist jedenfalls im Gange, die dreihunderttausend Kilokalorien am Tag müssen ja für was gut sein. 

Alles in allem geht es mir langsam auch wieder so gut, dass ich nicht mehr sofort schreiend davon laufen will, wenn mal beide gleichzeitig was von mir wollen. 

Und das Beste: beide schlafen jetzt. 

*Hat er sich gewünscht, ich bin also pflichtschuldig losgelaufen und habe Antibiotika-freies Huhn aus Haltung mit viel Platz besorgt. Und er hat es tatsächlich gegessen und fand es lecker! Hurra!

Tag 544 – Michels Tierkunde. 

Mannfreien Tag souverän gemeistert. Wir waren sogar draußen und haben Muffins gebacken. Also als wir wieder zu Hause waren, wir haben natürlich nicht draußen Muffins gebacken. Vor allem haben wir nur wenig gestritten, das ist ja schon mal was nach dem Dauerzoff der letzten Wochen. 

Vor dem Einschlafen haben wir Michels Tieratlas angesehen und das muss ich doch mit Ihnen teilen, das ist so niedlich. Michel hat nämlich wegen Zweisprachigkeit, eigener Kreativität und nicht zuletzt Eltern mit schrägem Humor ein paar eigenwillige Namen für und Assoziationen zu Tieren. 

„Brannfrosk“, übersetzt Brandfrosch.


Dachsbiber.


„Ein Hai! Dömdömdömdömdömdöm!“


Das mit dem Dömdömdömdöm macht er wirklich jedes Mal, wenn er einen Hai sieht oder mit einem Hai spielt oder ein Hai ist (Vierjährige sind ja dauernd irgendwas. Michel war heute auch schon ein Gürteltier.). Vor dem Einschlafen heute fragte er mich dann wirklich: „Mama? Warum macht der Hai so Dömdömdömdömdömdöm wenn er angeschwommen kommt mit der Flosse so raus?“. Da bleiben Sie mal ernst! 

(Ja, ich hab’s natürlich erklärt. Die langweilige aber ehrliche Erklärung. Ich hoffe bloß, er will jetzt nicht ‚Der weiße Hai‘ gucken.)

Tag 540 – Mehr Zeug. 

Beide Kinder sind wieder fit und können beide morgen wieder in den Kindergarten. Raten Sie, wer jetzt vermutet, krank zu werden? Bingo: ich. Yeah. 

Der Kindergarten schrieb heute eine etwas merkwürdige Mail mit dem Tenor: alle sind krank, also tut doch bitte einfach weiter so, als gäbe es die 24-Stunden-Fieberfrei-Regen noch, als wir die nämlich noch hatten waren nicht alle krank. Merkwürdig ist das weil wir zum Einen gar nicht mitbekommen haben, dass diese Regel abgeschafft wurde und zum Anderen ist eben Januar. Und das ist ein Kindergarten. Wundern die sich echt drüber, dass KiTa-Kinder sich untereinander mit ihren Rotznasen anstecken?

Heute kam ein Paket von meinem Schwiegervater an. Mit Absender: 29.11.16. Darin: Süßkram, der wohl mehrmals zu warm und zu kalt geworden ist. Zeitgleich hat mein Schwiegervater ein anderes Paket abgeschickt, das am 06.12. ankam. Wie kann sowas sein?

Es kam auch noch ein Päckchen von einer Twitterin an, darin Nagellack (Schickes, Dunkles Rot, ich bin ganz hin und weg), Katjes (Katjes! Herzchenaugensmiley!) und Nagelöl. Um Letzteres hatte ich sie gebeten, weil meine Fingernägel dank des häufigeren Lackierens in einem katastrophalen Zustand sind. Ich gehe ja erstmal davon aus, dass der Effekt auf den Nagel an sich eher ein gefühlter sein wird, das ist ja totes Horn, da kann ja nix „repariert“ werden. Aber vielleicht ist das was nachwächst dann tatsächlich stabiler, weil elastischer. Ich werde berichten. 

Ich musste heute keine Mäuseorgane pürieren und bin darüber sehr dankbar. Meine Kollegin fand noch fertig isolierte RNA im Gefrierschrank. Puh. 

— 

Pippi kann jetzt ein neues Wort: Nein. (Hurra!) Und wenn man sie bittet, wiederholt sie alles was man sagt, heute war das „fertig MIT kacken“, Michel sagt nämlich immer „fertig und kacken“ weil das norwegische „å“=“zu“ (das im Norwegischen an der Stelle richtig wäre) sich genauso anhört wie „og“=“und“. Bei Pippi hörte sich das dann an wie „fedee me kaake“ und war auch sonst sehr viel niedlicher weil weniger situationsnah. 

So, und jetzt mache ich den Bildschirm aus. Die Kopfschmerzen werden es mir hoffentlich danken, indem sie verschwinden. 

Tag 539 – Zeug. 

Heute hat soweit alles geklappt, bis auf den Part mit dem zu Hause lesen. Tjanun. Dafür stimmen unsere Finanzen jetzt wieder. 

Michel geht es besser, aber noch nicht gut. Heute sah er ein paar Folgen Dino-Zug. Nach anfänglicher Unsicherheit finde ich die Serie ziemlich gut, denn 1. sind die Figuren echt niedlich, 2. ist die Musik ganz gut und 3. lernt man echt was. 

Mein Chef hat mir ein uneingeschränktes Go für Chemikalien-Shopping gegeben. Wär doch gelacht, wenn wir die RNA nicht sequenziert bekämen wenn wir sie mit Geld bewerfen.

Die Austernpilze ärgern mich: die werden immer am Strunk schon trocken. Ich glaube, es ist ihnen zu trocken hier in der Wohnung. Aber im Keller oder draußen ist es zu kalt. Da müssen wir wohl aufs Frühjahr warten. 

Die Paula’s Choice Creme (Hellblau, ohne LSF) ist endlich alle. Die hat jetzt mehr als fünf Monate gehalten. Die ist auch echt toll, aber in Erwartung einer viel geringeren Ergiebigkeit (zur Erinnerung: der Tester in 1/6 der Größe reichte grade mal eine Woche) habe ich schon vor Monaten eine andere, etwas günstigere PC-Creme gekauft, ohne Anti-Age. Mal sehen, was die kann. Eigentlich wollte ich ein vorher-nachher-Bild von meinem Faltenstatus machen, aber das scheiterte heute daran, dass ich Pippi umgebunden habe und sie nicht durch schonungsloses Beleuchten meines Gesichts wecken wollte. 

Mein Zyklus ärgert mich aus diversen Gründen auch und wenn wir es nicht in näherer Zukunft nach Deutschland schaffen, muss ich wohl hier mal für viel Geld  zu einem Gynäkologen*.

Und auch mein Phantomzahnschmerz erreicht gerade neue Höhepunkte. Damit war ich schon diverse Male beim Zahnarzt, der immer wieder bestätigte: da ist nichts. Zumindest nichts, was er im Röntgen oder mit seinen Augen sehen kann. Zum*r Neurologen*in solle ich mal gehen. Das war mir aber auch immer zu blöd. Es geht ja auch immer wieder weg, irgendwann nach ein paar Monaten. Vorgestern schrubbte ich in meiner Verzweiflung extra gründlich mit Zahnseide und (Achtung, eklig) dabei muss ich in irgendwas reingeschnitten haben, jedenfalls blutete es mit einem Mal wie Sau und danach war der ganze Druck weg. Ich merke mir das mal, vielleicht kann ich damit den Zahnarzt beim nächsten Mal zum Lachen bringen. 

Vielleicht bin ich grad etwas im Stress. 

Nach dem ganzen Gemecker: hier ein Bild von Baby-Michel. Das war beim Umzug nach Norwegen, in unserer Kabine auf der Fähre. So lang her… 

Michel hebt die rechte (!) Augenbraue. Vielleicht ist er doch nicht mit mir verwandt.


* Ja, ich bevorzuge männliche Gynäkologen. Nach einigen wenigen aber ausnahmslos unschönen Erfahrungen mit Gynäkologinnen bin ich da stur. Ich bin geneigt, den Frauen da generell eine „stell Dich nicht so an“-Haltung zu unterstellen. Total schlimm verallgemeinernd und diskriminierend, das ist mir bewusst. Aber gerade wenn ich 1200 NOK für die Konsultation bezahlen soll, möchte ich wenigstens ein vorgewärmtes Spekulum mit Respekt und Gefühl behandelt werden.

Tag 538 – Fertig machen zum Durchdrehen. 

Ich hab es ja quasi beschrien, als ich am Freitag schrieb, die Kinder sollten jetzt nicht mehr krank werden. Jetzt ist nämlich Michel krank. Heute Nachmittag dachte ich schon diverse Male, dass er ziemlich glomsig aussah, aber das hätte auch vom wilden Spielen mit seinem Kumpel kommen können. Als der aber weg war kamen noch glasige Augen dazu, dann nahm das Kind auch noch freiwillig Hustensaft und das Fieberthermometer bestätigte: Jo, krank. 

Ich weiß, es ist Meckern auf hohem Niveau, andere Familien hat es diesen Winter viel schlimmer erwischt, aber trotzdem: ich mag nicht mehr. Meine zehn Kind-krank-Tage für dieses Jahr sind schon mehr als zur Hälfte aufgebraucht. Herr Rabes auch. Und es ist grade mal Ende Januar. Dieses zerhackte Arbeiten führt außerdem dazu, dass ich gefühlt nichts fertig bekomme. Abgesehen vom gar nicht mehr so fernen Fernziel Dissertation. Und dem Nahziel Schlaf, der mir uns allen mit Dauer-nörgelndem Michel wohl heute Nacht auch nicht im Übermaß vergönnt sein wird. Es ist echt zum Mäusemelken. 

Morgen dann: Herr Rabe geht arbeiten, ich fahre zu halb neun mit beiden Kindern zur Helsestasjon, weil Pippi ihren 18-Monate-Check hat. Danach liefere ich Pippi (die ist wieder KiTa-fit) im Kindergarten ab und fahre mit Michel zur Arbeit, um wenigstens ein paar Artikel zu holen und ein paar Sachen zu bestellen, die ich für meine Experimente brauche (und vorher muss ich Leute danach fragen, was man denn da so nimmt). Dann nach Hause, lesen/Michel betuddeln, irgendwann Herrn Rabe informieren, ob er nach Hause kommen muss, damit ich zu meinem Friseurtermin kann, oder ob Michel fit genug ist um mitzukommen. Friseur, Pippi abholen, Nachmittag, Abend, Dienstag darf ich dann arbeiten gehen. 

Und wenn das so weitergeht, drehe ich vermutlich demnächst durch. 

Tag 537 – Alles doof. 

Heute nur Gemecker, deshalb mach ich’s auch kurz:

  • Michel hatte gestern Abend einen Pseudokrupp-Anfall. Es war das erste mal und wir haben uns alle sehr erschreckt. 
  • Danach hat Pippi, bei der das Fieber wieder da ist, kaum geschlafen. Dauergewimmer und -getrete. 
  • Als sie dann endlich schlief (und ich somit auch) hatte ich furchtbare Albträume. Aus einem schaffte ich es nicht, mich selbst zu wecken. Gefühlte Stunden verbrachte ich im Traum damit, vor CSI-mäßigen Nachbarn den von mir irgendwie aus Versehen begangenen Mord an meinem Opa zu vertuschen. Aus Versehen hatte ich auch die Leiche zerteilt und logischer Weise wollte ich die loswerden, in Säcken im Auto. Aber dann saß mit einem Mal meine ganze Familie in dem Auto, bestimmt zwölf Leute, und alle guckten schräg die Säcke an. Aus einem guckte ein Fuß. Ich möchte gerne die Albträume zurück, wo mir Zähne ausfallen. 
  • Weil wir eigentlich gerne über Ostern nach Deutschland wollen, schaute ich heute nach Flügen. Norwegian hat die einzige Direktverbindung von Trondheim nach Deutschland gestrichen, warum weiß keiner. Die Flüge nach Berlin gingen zuletzt drei mal pro Woche und waren immer voll. Sowohl bei den vielen Deutschen als auch bei den vielen Polen in Trondheim war die Verbindung sehr beliebt. Egal. Ersatzlos gestrichen. Was ich fand war eine Verbindung von KLM über Amsterdam nach Hannover: mehr als 2000 € (!!!) für uns vier. Mit KLM!!! Die günstigste Möglichkeit wäre über Oslo UND Kopenhagen nach Hannover. Das dauert dann 6,5 Stunden, Gepäck ist auch noch nicht drin, kostet aber „nur“ 650 €. Falls ich mal einen der Entscheider von Norwegian treffe, dann mitten ins Gesicht. 
  • Die orangene Wurst drüben in den USA ist erschreckend effizient im Umsetzen selbst der behämmertsten Wahlversprechen. 

Was schön war: Besuch von Michels Kumpel H. 

Michel: „Mama, H. will gerne ein Eis!“

H.: „Das hab ich gar nicht gesagt!“

Michel: „Doch, ich hab dich gefragt, ob du ein Eis willst, und du hast Ja gesagt!“