Tag 534 – Mindestens hochbegabt. 

Der Michel, der überrascht mich manchmal. Also natürlich ist er das tollstebesteklügsteliebevollste Kind aller Zeiten, genauso wie alle anderen. Aber trotzdem bin ich manchmal ehrlich überrascht, wenn sich wieder ein paar Synapsen verknüpft haben und Protein Netzwerke die neuen Verbindungen stabilisiert haben und neue Dinge passieren. So wie heute morgen. 

„Mamaaaaa? Haben wir wirklich kleine Menschen im Körper?“

„Häh bitte was?“

„Ich hab das im Bakterienfilm gesehen. Als ich krank war. Da waren kleine Menschen im Körper.“

‚Bakterienfilm‘ ist ‚Es war einmal das Leben‘. Das durfte er gucken als er krank war. Das war im November. 

„Ach so, das meinst du. Nein, wir haben in echt keine kleinen Menschen im Körper. Das haben die sich nur ausgedacht, damit man sich das besser vorstellen kann.“

„Ja. Mamaaa, weißt du was?“

„Nein?“

„Im Weltraum gibt’s auch Monster mit vier Augen!“

Etwas später im Kindergarten. 

„Mamaaa? Wenn wir tot werden, werden dann die Bakterien in uns auch tot?“

Das ist eine ausnehmend gute Frage, die ich auch leider so spontan nicht beantworten kann. 

„Äh, ja, einige bestimmt. Aber bestimmt auch nicht alle…“

„Ich höre gar keine Kinder. Sind noch gar keine Kinder da?“

(Aha, das Kind kann also hören. Wer hätte das gedacht, so wie es immer schreit, statt zu reden.)

„Doch, es sind bestimmt schon Kinder da. Frag doch mal J.“

„Jooooohooooott? Sind noch gar keine Kinder da? Ich hab gar keinen Krach gehört.“ (Er sagte wörtlich: „Æ ha itj hørt noko brååak.“ Im breitesten Trondheimer Dialekt.)

„Doch, es sind schon fünf Kinder da. Drei Kleine und zwei Große.“

„Ja. Und jetzt bin ich auch da, dann sind es sechs Kinder. [Gerumpel und Stimmen von unten] Ah! Ich glaube ich höre M. und E.! Dann sind wir schon acht Kinder gleich!“

Ich hab den so lieb! Und ich bin so stolz! Hachja. 

(Anmerkung: Wie vermutlich alle Eltern wissen auch wir, dass der Preis für neue Entwicklungen mitunter hoch sein kann. So war es auch diesmal. Wenn Sie hier sind weil Sie sich fragen, ob andere 4-Jährige auch manchmal tagelang unausstehlich sind: ja. Sind sie. Manchmal sind sie aber auch sehr niedlich.)

Tag 525 – Mein Baby…!

Michel wurde heute zum ersten mal von einem KiTa-Kumpel direkt nach der KiTa mit nach Hause genommen. Das war für uns alle sehr aufregend. Für mich weil er so schnell groß wird und bestimmt ist es in anderen Familien cooler, fremde Eltern schimpfen tendenziell nicht so viel mit einem wie die eigenen, ich weiß das noch. Also vermutlich wird er bald ausziehen wollen, wenn er erstmal raus hat, wie viel cooler es in anderen Familien ist. Für Michel war es auch aufregend, weil erstes Mal und total cool mal nicht die eigenen Eltern und den Kumpel hat er auch sehr gerne und der hat sicher auch total tolle Spielsachen. Was mich beruhigt hat: die Eltern des Kumpels, die mir eh immer schon recht entspannt erschienen, waren ganz gelassen und brachten Michel sogar zurück (die wohnen in einem anderen Stadtteil, der Sohn geht zu der KiTa, weil es so eine supertolle KiTa ist und der Papa an der Schule nebenan arbeitet). Michel kam rotwangig-glücklich zurück, hatte einen Ketchup-Rand um den Mund und erzählte ganz aufgeregt, der Kumpel, der hat gar kein eigenes Zimmer, der schläft bei seinem Papa und seiner Mama. Und eine Katze haben die auch und die hat er gestreichelt und die hat ihn umarmt. Was auch immer das heißt. Auf jeden Fall eine rundum positive Erfahrung für alle. Das nächste Mal dann bestimmt auch ohne, dass ich ab halb sieben alle 30 Sekunden aufs Handy gucke, wie spät es ist und vielleicht hat der andere Papa ja geschrieben, dass sie da sind und Michel im Auto eingeschlafen ist. 

Tag 524 – Die lieben Kinder. 

Geschwister, unverkennbar.


Ach ja. Die Kinderchen. So niedlich. Manchmal. 

Manchmal nicht. 

Heute ist das letztere manchmal. 

Michel redet unfassbar viel und vor allem laut. Also so laut, dass wir bei der nächsten HNO-Kontrolle mal nachfragen werden, ob er wirklich wirklich WIRKLICH normal gut hört. Gefühlt sagen wir tausendmal am Tag „Du brauchst nicht so schreien!“, „Nicht so laut, bitte!“ oder, pädagogisch wertvoll wie eh und je, „BRÜLL HIER NICHT SO RUM!“. Zur Lautstärke kommt eine enervierende Redundanz des Gesagten. Es ist eigentlich immer irgendeine Forderung, die er jetzt sofort erfüllt haben will. „KANN ICH GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER? KANN MIR JEMAND GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER REINSCHINKEN? PAAAPAAAA? ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER!!!“ [Grün, weil die Packung grün ist. Die vom naturtrüben ist gelb.] Und wenn man dann auf das angebrüllt werden nicht sofort reagiert oder – undenkbar – man wagt es sowas zu sagen wie „Grade ist schlecht, schau mal ich wickel grad Pippi, putze mir dabei die Zähne und mit den Füßen falte ich Wäsche. Hol dir doch schon mal den Saft aus dem Kühlschrank, ich komme dann gleich.“ Dann kommt „ICH WILL NICHT HELE TIDA [die ganze Zeit] WARTEN!!! ORRRRRAAAAAAAAA!!!!!!“ und Meltdown. Entzückend. 

Heute hatten wir außerdem eine Gegessen-wird-was-auf-den-Tisch-kommt-Diskussion, bei der ich mich zeitweise fühlte wir meine eigene Oma. Aber wenn selbst Herrn Rabe, der ja sonst die Ruhe selbst ist, der Kragen platzt, weil sich Michel seit Wochen weigert, was anderes als Nudeln mit Ketchup oder Nudeln mit Kräutersalz zu essen, dann ist es eben Zeit für die Auseinandersetzung. Wir haben jetzt einen Kompromiss: wir tun nicht mehr so obereklige Dinge wie Zwiebeln und Petersilie (die hat er vorher noch roh weggeknabbert, aber Schwamm drüber) ins Essen, dafür probiert er wenigstens. Es ist dringend an der Zeit, dass sich an Michels Essgewohnheiten was ändert, schon alleine weil sich Pippi den Mist abguckt und noch viel früher in die Ich-esse-nur-nackte-Nudeln-Phase startet. Obwohl sie eigentlich noch vieles mag. 

Ja, ach ja, Pippi. Die Nervensäge. Ich vermute mal es ist wieder irgendsoein Schub, jedenfalls habe ich nicht nur nachts wieder ein Kind auf dem Gesicht liegen, nein, tagsüber habe ich immer ein nörgelndes, oder weinendes, oder hysterisch schreiendes Kind am Bein. Sie versucht dann an mir hochzuklettern, sobald ich versuche, mich zu bewegen lässt sie sich theatralisch auf den Boden plumpsen und weint, als hätte ich ihr gerade Den Einen Ring weggenommen und ins Feuer geschmissen. (Manchmal schaffe ich es, sie von mir loszueisen, dann klebt sie halt an Herrn Rabe. Hauptsache sie klebt.) Dazu natürlich alterstypische Dickköpfigkeit, bei einem eh schon willensstarken Kind ist das, ähhh, herausfordernd. Und absolutes Unverständnis für Dinge wie „Guck mal, die ganz scharfen Küchenmesser, die sind echt nur für Große, wir hängen das jetzt hier wieder hin.“. Meltdown. Auch das: entzückend. Ganz und gar reizend. 

Hach ja. Und dann liegen die nachts in meinem Bett, und schnarchen mir ins Ohr und schieben ihre Füße zwischen meine Beine und das ist alles vergessen. Dann ist da nur Hachseufz. (Bis zum nächsten Morgen, wenn es wieder heißt „ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT…“) 

<3 

Tag 522 – Forscher. 

„Mama? Wenn ich groß bin will ich Dinosaurierforscher sein.“

Michel beschäftigt seit einiger Zeit dieses „Wenn ich groß bin“-Ding. Ich sage dann meistens, so wie auch heute:

„Wenn du möchtest, kannst du Dinosaurierforscher werden.“

„Ja, und du und Papa und Pippi, ihr müsst dann auch Dinosaurierforscher werden.“

„Hmm, aber ich mag ja meinen Beruf, ich möchte gar nichts anderes werden.“

„Was ist dein Beruf?“

„Ich bin ja schon Forscherin. Für Proteine.“

„Was ist Proteine?“

„Hmm, Proteine sind so ganz kleine Dinger, die sind so klein, man kann die meisten davon gar nicht sehen, nur das was daraus gemacht ist.“

„Was ist daraus gemacht?“

„Fast alles. Alles was lebt. Du und ich und das Essen hier und ähhhh Milch und so.“

„Und Bakterien.“

„Ja, in Bakterien sind auch Proteine drin.“

„Ja. … Mama? Warum du wenn du Geburststag hast nach Amerika fliegt?“

„Weil ich da mit anderen Forschern rede. Forscher treffen sich manchmal und dann erzählen die sich, was sie so erforscht haben.“

„Wenn du dann fertig geredet hast musst du wieder zurück kommen!“

„Na klar komme ich wieder zurück!“

„Wenn du dann drei Tage geredet hast. Und du musst ja auch schlafen! Wo ist denn dein Bett in Amerika?“

„In einem Hotel.“

„Kommt Pippi dann mit?“

„Nein, ich hab doch gesagt, dass da keine Kinder mitkommen können.“

„Pippi ist ja auch ein Forscher!“

„Ja?“

„Ja. Baby-Forscher.“

Tag 518 – Geschnetzeltes. 

Wir haben eben die zweite Folge der vierten Staffel ‚Sherlock‘ gesehen und ich bin noch so drauf, ich kann leider gerade keinen stringenten Text schreiben.

  • Pippi und ich waren bei der Ärztin. Fazit: sie hat irgendwas, vielleicht Grippe? Oder auch nicht. Morgen wiederkommen (Herr Rabe macht das dann), mit Urinprobe. Jaha. Urinprobe. Ich wusste nicht, wie das gehen soll, Windel auswringen? Nein, da gibt es so Beutel, die werden über das Geschlechtsteil geklebt und hinterher kann man die dann zukleben. Angeblich. Ich werde berichten. 
  • In der Apotheke gab es ein Neujahrsangebot: 5 Urinbecher zum Preis von 4. Echt wahr. 
  • Ich habe einen Wirsing gekauft. Einen echten Wirsing. Den gibt’s hier fast nie. Ich liebe Wirsing. (Und vielleicht nenne ich den ab jetzt einfach immer Savoykål. Das klingt viel vornehmer.)
  • Pippi, die kleine Rübennase, hat mit uns Sherlock geguckt, fands aber nicht so spannend. Es kam so weil wir da echt Junkies sind und sie grade ein Fieberzäpfchenhoch hatte und keine Anstalten machte, ins Bett zu gehen. 
  • Pippi mag sehr gerne Chips. 
  • Michel hat am Donnerstag nach dem Kindergarten  ein Play date mit einem Kindergartenkumpel und ist schon total aufgeregt. Es wird wohl „Spametti“ geben, das ist so eins der zwei Dinge, die beide Jungs sicher essen. 
  • Ich möchte mir eventuell ein neues Computerähnliches Gerät kaufen. Der Akku meines MacBooks schwächelt ziemlich und der kleine Speicher geht mir auf den Senkel. Allerdings brauche ich eigentlich für den Privatgebrauch keinen kompletten Computer, ein gut ausgestattetes (Speicher!) Tablet täte es auch. Im Eplehuset („Apfelhaus“) hier habe ich ein paar Tablets angesabbertausprobiert, und jetzt denke ich da drauf rum. Leider war keiner der Pencils richtig geladen. Schlamperei. Oder halt doch wieder ein Laptop? Ach, ach. Auf jeden Fall könnte ich das in den USA kaufen, denn
  • ICH HABE EINE ZUSAGE FÜR DIE KONFERENZ BEKOMMEN UND MICH REGISTRIERT UND FLÜGE GEBUCHT! Der Plan ist ein ziemlich irrer: ich verbringe meinen Geburtstag noch hier und fliege am Samstag danach morgens los, habe in Stockholm 40 Minuten zum Umsteigen, bin um 12:15 Uhr (Hallo, Zeitverschiebung, Hallo Jetlag!) in L.A., irgendwann zwischen zwei und drei im Hotel und um 15:30 Uhr geht die Konferenz los. Haha. 
  • Hab ich erwähnt, dass Sherlock unheimlich gut ist?
  • Michel ist so niedlich: heute nach dem Kindergarten war Pippi sehr nöckelig und Michel meinte, sie könne sich ja auf seinen Schoß setzen. Als ich ihn fragte, ob er sie heute vermisst hätte, meinte er, nein, aber sie ja bestimmt ihn. (Gestern beim Aufbruch zum Play Date meinte er „Aber Pippi muss doch mitkommen, die ist doch Søtnosen vårres (unsere Süße)!“. Ich wurde auch im Kindergarten schon darauf angesprochen, dass Michels Kumpel sich zu Weihnachten auch so eine kleine Schwester gewünscht habe. Also, die können die gerne mal ausleihen, vorzugsweise nachts…)

Tag 517 – Verkorkster Sonntag. 

Also was ja eh schon kacke ist, ist wenn eins der Kinder krank ist. Wenn es dann auch noch das Kleine ist, dem man nicht einfach Shaun das Schaf anmachen kann, ist das noch ein bisschen blöder. Dann liegt man wahlweise als Schlafunterlage den halben Tag mit ihr im Bett oder schleppt sie in der Trage rum, weil sie alles außer auf dem Arm sein völlig inakzeptabel findet. Ich bin aber leider mehrstündiges Manducatragen vorne überhaupt nicht mehr gewöhnt und mein Rücken findet das auch nicht so prall. Aber irgendwie muss man ja sein Minimalziel „Brot backen“ erfüllen, also schleppt man halt und backt dabei. Meine Güte, was war ich froh um die halbe Stunde in der sie selig eine im Bad gefundene Box aus- und einräumte. Da wirkte grad der Fiebersaft. Eine halbe Stunde. Mehr war heute nicht drin. 

Super toll auch, wenn das Kind, das dann den ganzen Tag mehr oder weniger verpennt hat, abends nicht schlafen kann. Aber Wachsein geht auch nicht. Da wird gewühlt und sich an den Ohren gezogen und irgendwann wird getreten und wenn man das dann nicht darf wird geweint. Lange. Und ich Summe und singe und kuschle und gehe weg und decke zu und nehme die Decke weg und irgendwann findet sie auf mir eine bequeme Position und wird ganz ruhig. Und ich summe noch ein bisschen weiter aber es ist dunkel im Schlafzimmer und warm unter der Bettdecke und zack, schlafe ich, aber sie nicht. 

Und wenn man dann geweckt wird, indem ein kleiner, aber sehr harter Kinderhinterkopf mit Schmackes ans linke Jochbein kracht, dann ist das echt mal richtig mies. 

Tag 516 – Gespräche. 

Kurzer Einblick in unser tägliches Leben mit den bezaubernden Kindern. 

Michel: Willst du raten, was ich für ein Tier bin?

Herr Rabe: Klar! Bist du vielleicht… braun?

Michel: Nein, ich bin ja ein Eisbär! Orrrr. 

Michel: Willst du raten, was ich für ein Tier bin?

Herr Rabe: Klar!

Michel: Du musst fragen, welche Farbe ich hab.

Herr Rabe: Hmmmm. Bist du braun?

Michel: Nein.

Herr Rabe: Bist du weiß?

Michel: Hmmmmmneeeeiiiin?

Herr Rabe: Hmm. Bist du grau?

Michel: Nein.

Herr Rabe: Bist du rot?

Michel: Nein.

Herr Rabe: Hmm, jetzt fällt mir nichts mehr ein…

Michel: Ich bin ja ein Eisbär! Orrrrr!

Michel: Jetzt bist du dran. Du musst dir überlegen, was du für ein Tier bist. 

Herr Rabe: Ok, ich hab’s mir überlegt.

Michel: Bist du weiß?

Herr Rabe: Nein. 

Michel: Orrrr Papa, du musst ja auch ein Eisbär sein!

Pippi kann auch sprechen. Drei Worte. Vier, wenn man ‚Mjam‘ mitzählt. Fünf, gestern hat sie ein paar Mal „Okeyyyyy?“ gesagt. Dafür singt sie echt schön. Bææ Bææ lidl laaa (Bææ Bææ Lille Lamm), Åååå hudldudldudl (åååå boogieboogieboogie), Düpdüpdüp, düpdüpdüp (Mikkel rev, satt og skrev…), klappt alles super in der richtigen, erkennbaren Melodie. Lustig ist auch, dass sie viele verschiedene Intonationen von ‚Ja‘ kann, aber kein ‚Nein‘. Gespräche mit ihr sind dann ungefähr so:

Pippi: *nöckelnöckel* Mamaaaa?

Ich: Na, hast du Hunger?

Pippi: Jaaaaa!

Ich: Soll ich dir Brot machen?

Pippi: Jaaaaa!

Ich: Mit Frischkäse?

Pippi: Jaaaa!

(Vermutlich könnte das Gespräch auch weitergehen mit:

Ich: Soll ich dir geraspelte Fußnägel mit draufstreuen?

Pippi: Jaaaaa!

Aber so fies bin ich nicht.)

Pippi: *drückt* *nöckelnöckel*

Ich: Na, sollen wir mal eine frische Windel machen?

Pippi: Ja. *wetzt ins Bad*

Pippi: *wacht nachts auf und weint*

Ich: Willst du Banane essen?

Pippi: Jaaaaa. (Hier abfallenden Laut vorstellen. Und abfallende Mundwinkel.)

Herr Rabe: *holt Banane*

Pippi: Ja! Ja! Haha!

Pippi: *wacht sehr warm auf und weint*

Ich: Oh nein, hast du Fieber?

Pippi: Jaaaaaa?

Ich: Fühlst du dich nicht gut?

Pippi: Jaaaaaa?

Ich: Kannst du deshalb nicht mehr schlafen?

Pippi: Jaaaaa?

Also alles in allem eine sehr positive, etwas Eisbärenlastige Situation hier. 

Tag 511 – Fehlplanung. 

Ich wollte eigentlich jetzt schon im Bett liegen. Aber erstens ist Pippi hellwach (wieder, nachdem ihre Nacht kurz war und sie dementsprechend heute Nachmittag total gerädert schlief sie früh ein) und zweitens habe ich über der neuen Sherlock-Folge vergessen, das Brot einzuschießen. Und jetzt muss ich noch 15 Minuten auf das Brot und vermutlich ca. 2 Stunden auf Pippis Schlaf warten. 

Reines Weizen(weiß-)brot ohne Hefe. Ziemlich viel Ofentrieb, gut, dass die Gare unbeabsichtigt verlängert wurde.


Was anderes: ich war heute arbeiten und endlich bekam ich nach einer 3. e-mail Prism 7 installiert. Dann spielte ich den Tag über damit herum und jetzt bin ich sehr verliebt. So schöne Bildchen. Und so einfach! So muss das, Sigma Plot! Da bezahle ich (also von meinem Projektgeld) doch gerne für.

Wenn man nur ein paar Stunden am Tag zu Hause ist, geht’s eigentlich mit dem Besuch haben. 

Tag 507 – Der Adler ist gelandet. 

Ich hatte mir das so einfach vorgestellt mit dem nicht so fies sein. Einfach, naja, nicht so fies sein, den Sarkasmus wegpacken, versuchen, mich in meine Mutter reinzuversetzen, Beziehung auf Augenhöhe und der ganze Kram. 

Es ist nicht einfach. 

Außerdem: wann soll ich denn jetzt bitte nen Jahresrückblick schreiben, wenn ich dauernd damit beschäftigt bin, nicht fies zu sein? Vermutlich hätte ich das in den letzten Tagen in meiner Blase der Glückseligkeit machen sollen. Tjanun, habe ich nicht. 

Und jetzt muss ich zurück zu meinem Brötchenteig. Dem gegenüber bin ich nicht fies. Das ist einfach. Meine Mutter bastelt derweil Lego mit Michel, Pippi schläft in der Trage an mir dran, ich habe noch Wein und seit heute weitere zehn Tonnen Süßkram aus Deutschland. Hauptsache, der Wein lockert meine fiese Zunge nicht allzu sehr. 

Morgen Jahresrückblick. Muss irgendwie gehen. 

Tag 506 – Mama. 

Ich liege hier im Bett, endlich ist Pippi wieder eingeschlafen. Auf mir drauf. Aber egal. Wenn Sie dann schläft, ist fast alles vergessen, das Gebrüll, das Gekneife, das Erzählen und Aufstehen und sich selber so lange am Ohr zuppeln bis sie wieder ganz hellwach ist. Jetzt ist sie mein Baby. 85 cm Baby. So wie Michel mein 106 cm Baby ist. Und immer sein wird. 

Und dann denke ich an ein anderes Baby, eins das monatelang total viel brüllte und getragen werden wollte und nach einem Wohnungsbrand eine ganze Weile nur im Elternbett schlief. Und das all das durfte und trotzdem lieb gehabt wurde. 

Morgen kommt meine Mutter. Ich habe mir vorgenommen, zu versuchen, möglichst wenig fies zu ihr zu sein.